Der Landkreis Neustadt an der Waldnaab (amtlich: Landkreis Neustadt a.d.Waldnaab) liegt im Norden des bayerischen Regierungsbezirks Oberpfalz mit der Kreisstadt Neustadt an der Waldnaab. Die Landkreise Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth sowie die kreisfreie Stadt Weiden in der Oberpfalz bilden die Region Nordoberpfalz. Der Landkreis ist Mitglied der Metropolregion Nürnberg.

Geografie Lage Der Landkreis hat Anteil am Oberpfälzer Wald und am Oberpfälzer Hügelland. Die mit höchste Erhebung ist der Entenbühl nahe der Grenze zu Tschechien. Die größten Flüsse im Kreisgebiet sind die Waldnaab, die Haidenaab, die Fichtelnaab und die Pfreimd, alle Quell- bzw. Nebenflüsse der Naab, die durch Vereinigung der Waldnaab und der Haidenaab im südlichen Kreisgebiet entsteht.

Nachbarkreise Der Landkreis umgibt die kreisfreie Stadt Weiden in der Oberpfalz und grenzt gegen den Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Tirschenreuth, Bayreuth, Amberg-Sulzbach und Schwandorf. Im Osten grenzt er an den tschechischen Plzeňský kraj (deutsch: Pilsener Region).

Geschichte mini|Kreisstadt Neustadt an der Waldnaab mini|Landschaft bei Pleystein Der archäologische Fundplatz „Mirga“, oder auch „Miga, Miega, Mocka, Mokka“ genannt, war eine erstmals im Salbuch des Herzogtums Bayern im Jahr 1280 urkundlich erwähnte, slawische Siedlung im heutigen Landkreis. Die Siedlung soll sich auf dem Höhenrücken zwischen Burkhardsreuth, Pichlberg und Barbaraberg befunden haben.

Landgerichte Das Gebiet des Landkreises gehörte ehemals zum Nordgau, der späteren Oberpfalz und war seit 1628 Teil des Kurfürstentums Bayern. Es war von zahlreichen Umstrukturierungen und politischen Veränderungen betroffen. Ab 1803, in der napoleonischen Zeit, wurden die Landgerichte Eschenbach in der Oberpfalz, Kemnath und Vohenstrauß eingerichtet. Das Landgericht Neustadt an der Waldnaab entstand nach dem Kauf der Gefürsteten Grafschaft Störnstein vom Adelsgeschlecht der Lobkowitz 1807. Alle Landgerichte gehörten zum Naabkreis, ab 1810 zum Mainkreis (umbenannt ab 1817 in Obermainkreis). Nur Vohenstrauß kam zum Regenkreis. Bei der von König Ludwig I. veranlassten Gebietsreform vom 29. November 1837 kamen alle diese Landgerichte zum Kreis Oberpfalz und Regensburg. Gleichzeitig wurde in Weiden in der Oberpfalz ein eigenes Landgericht gebildet. 1841 entstand das Landgericht Auerbach in der Oberpfalz durch Abtrennung vom Landgericht Eschenbach und 1849 das Landgericht Erbendorf aus Teilen der bisherigen Landgerichte Kemnath, Neustadt an der Waldnaab, Waldsassen und Tirschenreuth sowie Teilgebieten des Stiftlandes.

Bezirksämter Das Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Neustadt an der Waldnaab und Weiden in der Oberpfalz gebildet. Ebenso wurden die Landgerichte Auerbach und Eschenbach zum Bezirksamt Eschenbach und die Landgerichte Erbendorf und Kemnath zum Bezirksamt Kemnath zusammengefasst, während das Bezirksamt Vohenstrauß dem Landgericht Vohenstrauß folgte.

Von 1883 bis 1898 war Sigmund Hieronymus Castner Bezirksamtmann im Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab.

Am 1. Januar 1919, nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), schied die Stadt Weiden in der Oberpfalz aus dem Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab aus und wurde eine kreisunmittelbare Stadt. Am 1. Januar 1931 wurden die Gemeinden Altenstadt b. Erbendorf, Bernstein, Burggrub, Erbendorf, Grötschenreuth, Hauxdorf, Krummennaab, Naabdemenreuth, Neuenreuth, Pfaben, Reuth bei Erbendorf, Röthenbach, Siegritz, Thumsenreuth, Trautenberg, Wetzldorf und Wildenreuth aus dem Bezirksamt Kemnath dem Bezirksamt Neustadt zugeteilt, nachdem sie bereits seit der Auflösung des Amtsgerichts Erbendorf im Jahre 1929 zum Gerichtsbezirk Neustadt gehört hatten.

Landkreise Am 1. Januar 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Aus den Bezirksämtern wurden die Landkreise Eschenbach in der Oberpfalz, Kemnath, Neustadt an der Waldnaab und Vohenstrauß. Durch Auflösung einiger Gemeinden zur Vergrößerung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr verringerte sich die Anzahl der Gemeinden.

Im Jahr 1946 wurde der Landkreis um die Gemeinde Schadenreuth des Landkreises Kemnath vergrößert, die nach Erbendorf eingemeindet wurde.

Landkreis Neustadt an der Waldnaab Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde der Landkreis am 1. Juli 1972 neu abgegrenzt:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 Der größte Teil des aufgelösten Landkreises Eschenbach in der Oberpfalz kam zum Landkreis. Alle Gemeinden des aufgelösten Landkreises Vohenstrauß kamen zum Landkreis. Aus dem aufgelösten Landkreis Kemnath kam die Gemeinde Mockersdorf zum Landkreis. Aus dem Landkreis wechselte die Gemeinde Holzhammer in den Landkreis Amberg-Sulzbach. Aus dem Landkreis wechselten die Gemeinden Erbendorf, Grötschenreuth, Hauxdorf, Krummennaab, Reuth bei Erbendorf, Röthenbach, Thumsenreuth, Wetzldorf und Wildenreuth in den Landkreis Tirschenreuth. Aus dem Landkreis wurden die Gemeinden Frauenricht, Muglhof und Neunkirchen bei Weiden in die kreisfreie Stadt Weiden eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Von 1988 bis 2008 wuchs der Landkreis um ca. 6000 Einwohner bzw. um rund 7 %. Seit 2003 ist die Tendenz nach einem Höchststand von rund 101.500 Einwohnern rückläufig.

Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 92.402 auf 94.352 um 1.950 Einwohner bzw. um 2,1 %. Die stärksten Zuwächse lagen im Nahbereich des Oberzentrums Weiden und im westlichen Landkreis, die deutlichsten Einwohnerverluste hatten die Gemeinden im Osten entlang der Grenze zu Tschechien. Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 20152020 Einwohner 58.312 60.983 69.880 90.904 87.776 92.397 91.792 97.101 99.620 101.011 100.081 97.211 95.07894.645

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987: links|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Neustadt an der Waldnaab (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Neustadt an der Waldnaab, Alter und Geschlecht.) mini|center|500px|Einwohnerentwicklung Landkreis Neustadt an der Waldnaab

Politik Kreistag Die Ergebnisse der Kreistagswahlen vom 3. März 2002, 2. März 2008, 16. März 2014 und 15. März 2020 führten zu folgenden Sitzverteilungen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 38,8 23 39,8 24 47,3 28 46,1 28 49,9 30 47,8 30 AfD AfD Bayern 16,5 10 5,1 3 – – – – – – – – SPD SPD Bayern 14,1 8 17,8 11 26,4 16 28,3 17 29,3 18 31,9 20 FW Freie Wähler Bayern 12,8 8 14,4 9 12,9 8 12,2 7 – – – – JU Junge Union 7,5 5 8,8 5 – – – – – – – – Grüne Grüne Bayern 5,0 3 6,9 4 4,9 3 3,4 2 – – 3,6 2 Linke Die Linke Bayern 2,3 1 0,8 – – – – – – – – – ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 3,0 2 3,9 2 5,0 3 4,8 3 4,6 3 2,9 1 FDP/UW FDP Bayern/Unabhängige Wähler – – 2,6 2 3,4 2 5,2 3 – – – – FUW Freie und unabhängige Wählergemeinschaften – – – – – – – – 10.9 6 9,4 5 FDP/FW FDP Bayern/Freie Wähler Bayern – – – – – – – – 5,3 3 4,4 2 gesamt 100,0 60 100,0 60 99,9 60 100,0 60 100,0 60 100,0 60 Wahlbeteiligung 75,0 % 71,7 % 70,6 % 74,0 % 77,8 % 82,3 %

Bezirksamtmänner (bis 1938) und Landräte (ab 1939) 1917–1922 August Haase 1922–1929 Hans Hausmann 1929–1933 August Medicus

1933–1942/1945 Otto Fürnrohr 1942–1945 Franz Xaver Schindlbeck, beauftragt 1946–24. Oktober 1949: Hans Bodensteiner, CSU. Dieser legte nach seiner Wahl in den ersten Deutschen Bundestag in der Kreistagssitzung am 24. Oktober 1949 sein Mandat als Landrat nieder. 24. Oktober 1949–30. April 1984: Christian Kreuzer, CSU 1. Mai 1984–30. April 1996: Anton Binner, CSU 1. Mai 1996–30. April 2014: Simon Wittmann, CSU seit 1. Mai 2014: Andreas Meier, CSU

Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 wurde Andreas Meier mit 62,6 % der Stimmen erneut zum Landrat gewählt.

Wappen Das Landkreiswappen wurde durch Entschließung des bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 22. Dezember 1954 auf Antrag verliehen und durch ein Schreiben der Regierung der Oberpfalz vom 22. März 1977 in Regensburg bestätigt.

Wirtschaft und Infrastruktur Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Landkreis die Glasindustrie angesiedelt. Sechs von neun Bleiglasfabriken bestanden noch 1985. Die wirtschaftliche Lage des Landkreises im Vergleich zu Gesamt-Westdeutschland – nahe an der Grenze zur Tschechoslowakei im Osten, einem amerikanischen Truppenübungsplatz im Westen und ohne namhaften Fremdenverkehr – entwickelte sich bis in die 1980er Jahre insgesamt negativ; unter den 237 deutschen Landkreisen gehörte er zu den 22 mit einem Bruttoinlandsprodukt unter 10.000 DM pro Kopf. Verzeichnet wurden auch überdurchschnittliche Abwanderungstendenz und Arbeitslosigkeit sowie stark unterdurchschnittliche Einkommen.Michael Wolf, Klaus Imbeck: Neustadt: Inventur eines Kreises. In: GEO Magazin, März 1985, S. 112–130

Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Neustadt an der Waldnaab Platz 308 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftsrisiken“. Laut der Studie bietet er damit von allen Landkreisen in Bayern die drittschlechtesten Zukunftsperspektiven.

Verkehr Eisenbahn Der Hauptstrom des Eisenbahnverkehrs folgt dem Naabtal vom Norden nach Süden; hier hat die AG der Bayerischen Ostbahnen im Jahre 1863 eine Bahn von Regensburg nach Weiden erbaut, die alsbald über Pressath nach Bayreuth verlängert worden ist.

Im folgenden Jahr 1864 kam dann die Strecke von Weiden über Neustadt (Waldnaab) nach Eger hinzu. Auch die 1875 von Weiden über Weiherhammer in Richtung Neukirchen–Nürnberg fertiggestellte Bahn war ein Werk der Ostbahn.

Den weiteren Ausbau des Netzes übernahmen die Bayerischen Staatseisenbahnen: Seit 1878 durchzieht die Strecke Nürnberg–Marktredwitz das Kreisgebiet im äußersten Nordwesten bei Vorbach. Die 50 Kilometer lange Lokalbahn Neustadt–Floß–Eslarn nahm 1886 ihren Betrieb bis Vohenstrauß auf, erreichte 1900 den Grenzort Waidhaus und war 1908 vollendet. Die Abzweigung von Floß nach Flossenbürg kam erst 1913 dazu. Sie wurde zunächst nur für den Güterverkehr genutzt, ab 1938 band sie dann das im Kreis gelegene Konzentrationslager an das Reich an. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaum noch genutzt, wurde die Strecke schließlich abgebaut.

Im Jahre 1904 bekam der Altkreis Eschenbach einen Bahnanschluss durch die Strecke Pressath–Grafenwöhr–Kirchenthumbach. Bald darauf entstand 1910 in Grafenwöhr eine Zweigbahn zum Lagerbahnhof, die lange Zeit nur dem Militärverkehr zum Truppenübungsplatz diente.

Der Personenverkehr auf den Lokalbahnen ist wie folgt stillgelegt worden: 1959: Floß–Flossenbürg (6 km) 1962: Grafenwöhr (Bf)–Kirchenthumbach (15 km) 1966/76: Pressath–Grafenwöhr (Bf)–Grafenwöhr Lager (8 km) 1975: Floß–Vohenstrauß–Waidhaus–Eslarn (40 km) 1992: Neustadt–Floß (10 km)

Damit umfasst das Personenverkehrsnetz nur noch Strecken von 89 Kilometern Länge gegenüber dem Höchststand von 168 Kilometern.

Straße Durch den Landkreis verläuft in West-Ost-Richtung die Bundesautobahn 6 (Nürnberg–Waidhaus/Landesgrenze zu Tschechien) und in Nord-Süd-Richtung die Bundesautobahn 93 (Autobahndreieck Hochfranken–Regensburg). Außerdem dienen die Bundesstraßen 15, 22, 299 und 470 dem überörtlichen Verkehr.

Energie Etzenricht ist Standort eines 380-kV-Umspannwerks, von dem aus eine 380-kV-Leitung nach Tschechien ausgeht. Dieses Umspannwerk beherbergte von 1992 bis 1995 die einzige HGÜ-Kurzkopplung Deutschlands. In Tanzmühle befindet sich ein Wasserkraftwerk, das in das 110-kV-Netz speist.

Gemeinden

(Fläche in km² am 31. Dezember 2001, Einwohnerzahlen vom ) Städte Eschenbach in der Oberpfalz () Grafenwöhr () Neustadt am Kulm () Neustadt an der Waldnaab () Pleystein () Pressath () Vohenstrauß () Windischeschenbach ()

Märkte Eslarn () Floß ()