mini|Markt Taschendorf im Steigerwald mini|St. Michael bei Kaubenheim Der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (amtlich: Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim) liegt im Nordwesten des bayerischen Regierungsbezirks Mittelfranken. Der Landkreis ist Mitglied der Planungsregion Westmittelfranken und der Metropolregion Nürnberg.
Geographie Lage Der Landkreis liegt im fränkischen Schichtstufenland an der Grenze zwischen dem Steigerwald im Norden und dem Naturpark Frankenhöhe im Süden. Bei Bad Windsheim entspringt die Aisch, ein Nebenfluss der Regnitz. Bei Burgbernheim findet man die Altmühlquelle.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Würzburg, Kitzingen, Bamberg, Erlangen-Höchstadt, Fürth und Ansbach (alle in Bayern) sowie an den Main-Tauber-Kreis (in Baden-Württemberg).
Geologie Der Raum Neustadt a.d.Aisch gehört zum Fränkischen Schichtstufenland, das aus Sedimentgesteinen des Mittleren Keupers aufgebaut ist. Der Keuper ist die oberste Gruppe der Germanischen Trias; die Gesteine sind etwa 210–230 Millionen Jahre alt. Der Mittlere Keuper wird in die beiden Abteilungen Gips- und Sandsteinkeuper unterteilt.Bayerisches Geologisches Landesamt: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1 : 500 000 1981. Die Schichten des Gipskeupers wurden in einer Lagune bzw. sumpfigen Küstenlandschaft abgelagert. Die beiden ältesten Schichtpakete sind die tonigen Schichten der Grabfeld-Formation (früher: Myophorien- und Estherienschichten), die im westlichen Stadtgebiet bei Diebach oberflächlich ausstreichen.Bayerisches Geologisches Landesamt: Geologische Karte von Bayern 1 : 25000 mit Erläuterungen, Blatt 6429 Neustadt a.d.Aisch 1974. Ebenfalls zum Gipskeuper zählen, über den zuvor beschriebenen Schichten liegend, die Sedimentgesteine der Stuttgart-Formation (früher: Schilfsandstein) und der Steigerwald-Formation (früher: Lehrbergschichten). Die Stuttgart-Formation ist im Raum Neustadt als bis zu 44 m mächtiger Sandstein mit Tonlagen ausgebildet.Bayerisches Geologisches Landesamt: Geologische Karte von Bayern 1 : 25000 mit Erläuterungen, Blatt 6429 Neustadt a.d.Aisch 1974. Die Steigerwald-Formation besteht aus rotbraunen Tonsteinen, wie sie an der Wand des ehemaligen Ziegelwerks hinter dem Bahnhof Neustadt zu sehen sind. Der Sandsteinkeuper besteht – wie der Name schon sagt – zum größten Teil aus Sandsteinen, denen teilweise dünne Tonlagen (Letten) zwischengelagert sind. Nach ihrem Aussehen und der Unterteilung durch die Lettenlagen werden von unten nach oben die Schichtpakete Hassberge-Formation (früher: Blasensandstein, Coburger Sandstein), Mainhardt-Formation (früher: Unterer Burgsandstein) und Löwenstein-Formation (früher: Mittlerer und Oberer Burgsandstein) unterschieden. Die Sedimente wurden in einem Küstenrandgebiet abgelagert. Im südlichen und östlichen Stadtgebiet bilden die Gesteine des Sandsteinkeupers die oberflächennächsten Schichten. Die Schichtpakete sind im Bereich nördlich der Aisch nach Osten verkippt (siehe Profilzeichnung), während sie im Bereich südlich der Aisch nach Nordnordost einfallen. Die einzige bekannte tektonische Störung ist die Herrnneuseser Störung im südlichsten Teil des Stadtgebietes bei Herrnneuses.Bayerisches Geologisches Landesamt: Geologische Karte von Bayern 1 : 25000 mit Erläuterungen, Blatt 6429 Neustadt a.d.Aisch 1974.
Geschichte Seit dem letzten Jahrhundert v. Chr. wurde die Gegend um Neustadt von germanischen Stämmen besiedelt. Fränkische Siedler, die um 625 aus dem Rheingau bzw. WormsgauMax Döllner (1950), S. 70. in den Aischgrund gekommen waren,Gernot Schmidt: Die evangelische Stadtkirche St.Johannes der Täufer. Neustadt an der Aisch, S. 85 (Die Geschichte der Stadtkirche) – Online-Version. errichteten im selben Jahrhundert unter dem Merowinger Dagobert II. den Ort Riedfeld, der später Königshof wurde und heute ein Ortsteil von Neustadt ist. Die merowingischen Anführer der Siedler hatten bis ins 8. Jahrhundert Verbindungen zu ihrem Bischofssitz in Worms. Ein Zentrum dieser Besiedelung des Aischtals wurde der Königshof in Riedfeld.Max Döllner (1950), S. 14–17. Im 12. und 13. Jahrhundert herrschten im Aischgrund die Burggrafen von Nürnberg und das Geschlecht der Hohenzollern.Max Döllner (1950), S. 21–24. Zwischen 1520 und 1598 erfolgte die Reformation in der Region.Max Döllner (1950), S. 182–195. Im Bundesständischen Krieg litten um 1553 vor allem Neustadt, Emskirchen, Birkenfeld, Schauerheim, Dottenheim und Altheim. Die Burg Hohenlandsberg wurde zur Ruine.Max Döllner (1950), S. 196–206, hier: S. 206. Im Jahr 1562 war die Region von der Pest betroffen. Weitere Pestepidemien traten 1565 und 1609 sowie 1686/1687 auf.Max Döllner (1950), S. 208, Anm. 7. Die ab dem 16. Jahrhundert entstandenen Gestüte, etwa in Rößleinsdorf, Birkenfeld, Neustadt und Ipsheim, dienten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem der Versorgung des markgräflichen Hofes und des Amtsdienstes mit Reit- und Zugpferden.Max Döllner (1950), S. 438 f. Unter dem Dreißigjährigen Krieg litten viele Orte der Region vor allem ab Oktober 1621 durch marodierende Söldnerverbände. Am 20. Oktober 1631 besuchte Gustav Adolf von Schweden die Stadt und wohnte im Haus des Joh. Christ. Roth, bevor er in das von ihm einige Tage zuvor eroberte Würzburg zurückging.Max Döllner (1950), S. 226–235.
Landgerichte Das Gebiet des heutigen Landkreises gehörte vor 1800 überwiegend zum Fürstentum Ansbach. 1810 kam das Gebiet zu Bayern. 1812 wurden die Landgerichte Neustadt, Markt Erlbach, Markt Bibart und Windsheim gebildet. Bereits 1808 wurde das Landgericht Uffenheim gebildet. Sie alle gehörten zum Rezatkreis, der 1838 in Mittelfranken umbenannt wurde. 1852 wurde das Landgericht Scheinfeld als Folge der Revolution 1848 aus den bisherigen adeligen Herrschaftsgerichten Schwarzenberg und Burghaslach gebildet. Die Landgerichte waren im Königreich Bayern Gerichts- und Verwaltungsbehörden, die 1862 in administrativer Hinsicht von den Bezirksämtern und 1879 in juristischer Hinsicht von den Amtsgerichten abgelöst wurden.
Bezirksämter Im Jahr 1862 wurde so aus den Landgerichten Neustadt und Markt Erlbach das Bezirksamt Neustadt, aus den Landgerichten Scheinfeld und Markt Bibart das Bezirksamt Scheinfeld und aus den Landgerichten Uffenheim und Windsheim das Bezirksamt Uffenheim gebildet.
Nachdem bereits seit 1923 einzelne Veranstaltungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei im Umland von Neustadt und den Nachbarbezirken Scheinfeld und Uffenheim stattgefunden hatten (auch im NSDAP-Verbotsjahr 1924 insbesondere durch den Lehrer Hans Hertlein und seinen ehemaligen Schüler und von ihm als Parteigenossen angeworbenen Bauern Fritz Raab aus Dettendorf, der auch in den Jahren bis 1942 in der Umgebung Neustadts als Propagandaredner auftratWolfgang Mück (2016), S. 57 ff., 100, 114 f. und 227.), kam es von 1928 bis 1934 im dem heutigen Landkreis entsprechenden Gebiet in und um Neustadt an der Aisch eine von der NSDAP angesetzte Propaganda zu einer Welle von Veranstaltungen, die vor allem von Lehrern aus Birnbaum, Dettendorf, Neustadt (z. B. Heinrich Riedel und Fritz Schöller), Wilhermsdorf, Schornweisach, Unternesselbach (Erich Walz) und Oberhöchstädt organisiert wurden und an denen auch überregional bekannte Redner wie der Schornweisacher Lehrer Otto Roth (Bezirksführer Neustadts ab 29. Juni 1928), Hermann Esser, Wilhelm Holzwarth, Fritz Seyboth (damals noch Stadtvikar von Rosenheim), Hans Hertlein, der Gewerbelehrer und Oberlandführer Ludwig Schmuck, Albert Forster, Theo Benesch und der Gauleiter Otto Hellmuth beteiligt waren. Bei den Bezirkstagswahlen 1928 wurde die NSDAP nach den Deutschnationalen zweitstärkste Partei (Die Kandidaten waren dabei die Neustädter Andreas Schildknecht und Fritz Erlwein sowie Ludwig Hegendörfer aus Markt Erlbach, Kreß aus Ebersbach und Klenk aus Gutenstetten).Wolfgang Mück (2016), S. 80 f., 83, 99 f., 113–116, 177 f. und 233.
Das Jahr 1932 wurde in Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg (als der protestantische Schwedenkönig Gustav Adolf in Franken war) als „Schwedenjahr“ gefeiert und im Bezirk Neustadt, in Neustadt selbst, Markt Erlbach, Wilhermsdorf und Uehlfeld fanden in die „Heimattage“ eingebundene Gedenkfeiern statt. Ein aufgrund von Ausschreitungen im Juli 1932 durch den Reichsinnenminister erlassenes Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzügen wurde von den Nationalsozialisten ignoriert.Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4), ISBN 978-3-87707-990-4, S. 36–137. Zu den Gegnern der Nationalsozialisten und Hitlers gehörten im Landkreis unter anderem evangelische Pfarrer wie Georg Holzberger in Schauerheim, Ludwig Fischer in Herrnneuses und zu den aktiv Gegenarbeit Leistenden Karl-Heinz Becker aus Ezelheim (damals Kreis Scheinfeld).Wolfgang Mück (2016), S. 158 f.
Landkreise Neustadt a.d.Aisch, Scheinfeld und Uffenheim Am 1. Januar 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Neustadt a.d.Aisch, Scheinfeld und Uffenheim. Diese bestanden auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Die Landräte (so die Bezeichnung seit 1939) wurden 1945 zunächst von der amerikanischen Militärregierung eingesetzt, ab 1946 vom Kreistag gewählt. Die Landkreisordnung wird in der Folge geändert. Ab 1952 wählen die Landkreisbürger den Kreistag für eine Amtszeit von 4 Jahren, den Landrat direkt für eine Amtszeit von 6 Jahren.
Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 aus den folgenden Bestandteilen der neue Landkreis Neustadt an der Aisch gebildet: alle Gemeinden des alten Landkreises Neustadt/Aisch mit Ausnahme der Gemeinden Dietenhofen, Katterbach und Wilhermsdorf, alle Gemeinden des aufgelösten Landkreises Scheinfeld mit Ausnahme einiger Gemeinden, die zu den Landkreisen Erlangen-Höchstadt und Kitzingen kamen, alle Gemeinden des aufgelösten Landkreises Uffenheim mit Ausnahme der Gemeinden Gnötzheim und Unterickelsheim, die zum Landkreis Kitzingen kamen Aus dem aufgelösten Landkreis Rothenburg ob der Tauber die Gemeinden Ermetzhof und Steinach an der Ens,Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 Am 1. Mai 1973 erhielt der neue Landkreis seinen heutigen Doppelnamen Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim.
Am 1. Januar 1978 wurde der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim um die Gemeinde Bullenheim des Landkreises Kitzingen, die nach Ippesheim eingemeindet wurde, vergrößert. Am gleichen Tag wechselte auch die Gemeinde Gleißenberg aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt in den Landkreis und wurde nach Burghaslach eingemeindet.
Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Alter und Geschlecht.)
Von 1988 bis 2008 wuchs der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim um ca. 12.600 Einwohner bzw. um rund 15 %. Seit 2005 ist die Tendenz nach einem Höchststand von rd. 100.000 Einwohnern rückläufig. Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl des Landkreises von 85.885 auf 100.364 um 14.479 Einwohner bzw. um 16,9 %.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987:
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Einwohner 73.736 70.060 70.488 102.484 86.771 86.868 85.686 90.591 95.063 98.671 99.979 97.558 98.751
Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis: