Der Landkreis Roth liegt im Südosten des bayerischen Regierungsbezirks Mittelfranken. Er gehört sowohl zur Planungsregion Nürnberg als auch zur Metropolregion Nürnberg.
Geographie mini|links|Die Rednitz bei Georgensgmünd (2006) mini|Rothsee (2023)
Lage Der Landkreis Roth liegt in der „geographischen Mitte“ Bayerns, im Fränkischen Seenland und im Naturpark Altmühltal. Das südliche Kreisgebiet nimmt die Fränkische Alb mit Höhen bis zu 612 m (bei Reinwarzhofen, Gemeinde Thalmässing) ein. Der Norden gehört zum Albvorland und zum Mittelfränkischen Becken. Das größte natürliche Gewässer ist die Rednitz, die auf dem Gebiet der Gemeinde Georgensgmünd aus dem Zusammenfluss ihrer Quellflüsse Fränkische Rezat und Schwäbische Rezat entsteht, dann Richtung Osten, später nach Norden fließt und vor Schwabach das Kreisgebiet wieder verlässt.
Zu den zahlreichen Quellen und Flüssen kommen künstliche Gewässer: der 171 Kilometer lange Main-Donau-Kanal, der das östliche Kreisgebiet von Norden nach Südosten durchzieht, sowie der Brombachsee und der Rothsee. Dieses zur Niedrigwasseraufhöhung der Regnitz und des Mains entstandene Gewässersystem wird mittlerweile auch touristisch genutzt.
Landschaft Das Gebiet des Landkreises Roth ist landschaftlich zweigeteilt: Während der Norden vom dichten Lorenzer Reichswald und der Seenlandschaft geprägt ist, zeichnet sich die Vorjuraregion im Süden durch tiefe Täler, hohe Felswände und weite Hochflächen aus. Dazwischen liegen weitläufige Wiesen- und Ackerflächen, natürlich gewachsene Flusstäler und das Spalter Hügelland.
Nachbarkreise und -städte Angrenzende Kreise und kreisfreie Städte sind:
Gemarkungen
Im Landkreis gibt es 113 Gemarkungen, 17 davon sind gemeindeübergreifend.
Gemeinden
(Einwohner am ) Städte Abenberg () Greding () Heideck () Hilpoltstein () Roth () Spalt ()
Märkte Allersberg () Schwanstetten () Thalmässing () Wendelstein ()
Weitere Gemeinden Büchenbach () Georgensgmünd () Kammerstein () Rednitzhembach () Rohr () Röttenbach ()
Keine VerwaltungsgemeinschaftenGemeindefreie Gebiete (23,19 km²) Abenberger Wald (3,14 km²) Dechenwald (1,66 km²) Forst Kleinschwarzenlohe (13,87 km²) Heidenberg (3,23 km²) Soos (1,29 km²)
Geschichte Frühe Besiedlung mini|Keltische Grabhügel bei Landersdorf (2002) Im Gebiet des Landkreises Roth finden sich Zeugnisse von Besiedelungen aus fast allen vorgeschichtlichen Epochen von der mittleren Steinzeit bis in die Hallstatt- und die keltische La-Tène-Zeit. Besonders die Region um Thalmässing ist reich an prähistorischen Funden, von alltäglichen Werkzeugen bis hin zu kostbaren Grabbeigaben. Von der Präsenz der Kelten zeugen unter anderem Grabhügel, Viereckschanzen und Abschnittswälle. Zahlreiche der bei archäologischen Grabungen entdeckten Funde sind heute im Vor- und Frühgeschichtlichen Museum Thalmässing zu sehen, unter anderem ein 4000 Jahre altes Hockergrab eines Mannes der Schnurkeramikzeit.
Mittelalter Ab 800 n. Chr. wurde das Kreisgebiet von drei germanischen Stämmen besiedelt: Die Baiern ließen sich vor allem im Süden nieder, wovon unter anderem ein stattliches Fürstengrab zeugt, das in der Nähe von Greding gefunden wurde. Noch heute tragen Ortschaften wie Greding oder Thalmässing die baierische Endung „-ing“. Der Nordwesten wurde zur Heimat der Franken, der Südwesten war alemannischen Einflüssen ausgesetzt. Das Zusammentreffen dieser drei Volksstämme, die Vermischung ihrer Dialekte und Brauchtümer prägen heute noch den Landkreis.
Das Christentum breitete sich nach Gründung des Bistums Eichstätt unter Bischof Bonifatius im Jahr 745 aus. Den Weg der Verbreitung beschreiben die Entstehungszeiten der zahlreichen Urpfarreien wie Greding, Thalmässing, Großhöbing, Eysölden, Ebenried, Laibstadt und Allersberg.
Die Gemeinden des Landkreises Roth waren im Mittelalter durch das Territorialbestreben kirchlicher und weltlicher Würdenträger in verschiedene Herrschaftsgebiete zerstückelt. Bedeutende Adelsgeschlechter waren die Grafen von Abenberg, die Herren von Allersberg-Wolfstein, die Herren von Stein, die Herren von Stauf und die Herren von Landeck und die Herren von Heideck.Siehe auch Liste fränkischer Rittergeschlechter#H Zum weniger einflussreichen Adel gehörten die Herren von Roth, die Herren von Wendelstein, das Geschlecht der Küdorfer, der Mörlacher, der Mässinger und der Heuberger sowie der Herren von Aue. Diese ansässigen Adelsfamilien prägten das Gebiet über viele Jahrhunderte hinweg mit ihren Burgen und Schlössern, von denen auch heute noch einige vollständig, andere als Ruine, erhalten sind und der Region ein fränkisches Gesicht verleihen.
mini|Die Burg Abenberg (2006) Die Grundherren und Ritter der Region übten während des gesamten Mittelalters Machteinflüsse bis in die hohe Reichspolitik aus: Als Reichsministeriale waren sie Berater des Deutschen Kaisers. Nach dem Erlöschen einzelner Geschlechter kristallisierten sich bis zum Ende des Mittelalters drei große Herrschaftsbereiche heraus: Die Gebiete um Abenberg, Spalt und Greding gehörten zu dem Hochstift Eichstätt, die Stadt Roth und die südlichen Gemeinden zu den Markgrafen von Ansbach. Die Städte Hilpoltstein und Heideck sowie der Markt Allersberg standen nach dem Landshuter Erbfolgekrieg (1503 bis 1505) unter der Herrschaft der wittelsbachischen Pfalzgrafen von Pfalz-Neuburg. Einen geringeren Einfluss übte zudem die Reichsstadt Nürnberg in der Gegend um Wendelstein aus.
Frühe Neuzeit Immer wieder kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Landesherren. Auch der Dreißigjährige Krieg und die Pest wüteten im Gebiet des heutigen Landkreises. Viele kleinere Ortschaften und Gehöfte wurden vollständig zerstört und erst nach 1648 mit Hilfe protestantischer Exulanten aus Österreich wieder aufgebaut, die sich vor allem in der Region um Thalmässing, Stauf und Roth niedergelassen haben. Noch heute geht die religiöse Zugehörigkeit der Landkreisbevölkerung im Wesentlichen auf die damalige Herrschaftszugehörigkeit seiner Gebiete zurück: In den früheren ansbachisch-brandenburgischen Teilen überwiegt der Protestantismus, während die Ortschaften im ehemals pfalz-neuburgischen und fürstbischöflichen Herrschaftsbereich vorwiegend katholischen Glaubens sind.
19. Jahrhundert Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die drei großen Herrschaftsbereiche 1806 vereinigt, als nach dem Fürstentum Pfalz-Neuburg (bereits 1793) auch das Fürstentum Brandenburg-Ansbach und das Hochstift Eichstätt an das durch Napoleon zum Königreich erhobenen Bayern übergingen. Damit kam das Gebiet des heutigen Landkreises Roth im Jahr 1806 zu Bayern. In diesem Zuge entstanden das Landgericht Hilpoltstein und ab 1808 die Landgerichte Schwabach und Pleinfeld. Sie gehörten zum Rezatkreis, der 1838 in Mittelfranken umbenannt wurde. Schwabach wurde bereits 1809 eine kreisunmittelbare Stadt. 1858 wurde der Sitz des Landgerichts Pleinfeld nach Roth verlegt. 1862 entstand aus den Landgerichten Roth und Schwabach das Bezirksamt Schwabach. Das Landgericht Hilpoltstein kam für kurze Zeit zum Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz. 1879 wurde jedoch in Hilpoltstein ein eigenes Bezirksamt eingerichtet, zu dem auch das Gebiet Greding (bisher Bezirksamt Beilngries) gehörte. Das neue Bezirksamt Hilpoltstein unterstand nun dem Kreis Mittelfranken.
20. Jahrhundert 1922 wurde das Bezirksamt Schwabach verkleinert, indem einige Gemeinden zur Stadt Nürnberg bzw. zur Gemeinde Stein bei Nürnberg kamen. Am 1. Januar 1939 wurde wie überall in Bayern die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Hilpoltstein und Schwabach.
Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 aus den folgenden Bestandteilen der neue Landkreis Roth bei Nürnberg gebildet:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971
Alle Gemeinden des aufgelösten Landkreises Hilpoltstein mit Ausnahme von insgesamt 14 Gemeinden die zu den Landkreisen Eichstätt, Weißenburg-Gunzenhausen bzw. Neumarkt in der Oberpfalz kamen. Alle Gemeinden des aufgelösten Landkreises Schwabach mit Ausnahme von insgesamt acht Gemeinden, die dem Landkreis Ansbach bzw. den kreisfreien Städten Nürnberg und Schwabach zugeordnet wurden. Aus dem aufgelösten Landkreis Gunzenhausen die Gemeinden Enderndorf und Fünfbronn. Aus dem aufgelösten Landkreis Weißenburg in Bayern die Gemeinde Mühlstetten.
Nachdem die Kreisstadt Roth am 13. März 1973 den Zusatz bei Nürnberg amtlich verloren hatte, erhielt der neue Landkreis am 1. Mai 1973 seine heutige Bezeichnung Landkreis Roth.
Einwohnerstatistik rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Roth (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Roth, Alter und Geschlecht.)
Von 1988 bis 2008 wuchs der Landkreis Roth um fast 20.000 Einwohner bzw. um über 18 %. Seit 2005 ist die Tendenz nach einem Höchststand von rd. 126.000 Einwohnern rückläufig.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987: Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 42.978 46.188 50.595 72.616 74.232 88.650 103.944 112.859 119.572 124.187 125.708 124.186 125.140 127.168
Konfessionsstatistik Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung nimmt ab. Gemäß dem Zensus 2022 waren 34,7 % der Einwohner katholisch, 33,2 % evangelisch, und 32,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 25. August 2024.
Politik Kreistag Die vergangenen vier Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Kreistag:name="Kreistagswahl 2020">
Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 32,7 20 34,0 20 36,5 22 38,5 24 44,9 28 42,9 27 FW Freie Wähler Bayern 17,2 10 17,2 10 19,5 12 20,4 12 15,8 9–– SPD SPD Bayern 16,4 10 21,2 13 27,3 16 27,1 16 30,0 18 31,4 19 AfD AfD Bayern 13,1 8 4,4 3 – – – – – – – – Grüne Grüne Bayern 12,1 7 16,0 10 10,1 6 6,9 4 5,5 3 7,5 4 Linke Die Linke Bayern 3,4 2 1,7 1 – – – – – – – – FDP FDP Bayern 3,1 2 4,1 2 4,4 3 5,1 3 3,7 2 2,4 1 CWG Christliche Wählergemeinschaft Landkreis Roth e. V. 1,9 1 1,4 1 2,1 1 2,0 1 – – – – UWG/FW Unabhängige Wählergemeinschaft/Freie Wähler Bayern – – – – – – – – – – 15,8 9 gesamt 100,0 60 100,0 60 99,9 60 100,0 60 99,9 60 100,0 60 Wahlbeteiligung 68,0 % 61,6 % 61,0 % 65,1 % 68,3 % 72,3 %
Landräte mini|Das Landratsamt Roth (2006) Der erste Landrat des neu entstandenen Landkreises Roth war Ignaz Greiner (CSU). Er war bereits Landrat des Landkreises Hilpoltstein und übernahm nach der Gebietsreform dieses Amt in Roth bis zu seinem Tod 1978. Daneben wurde der promovierte Jurist 1958 in den Bezirkstag gewählt, an dessen Spitze er sieben Jahre lang stand. Zudem war er stellvertretender Bezirksvorsitzender der CSU. Er engagierte sich in sozialen Vereinen und mehreren Zweckverbänden, die sich mit der Planung und Realisierung des Neuen Fränkisches Seenlandes befassten. Er war Träger des Bayerischen Verdienstordens.