Sieb ist ein Ortsteil der Stadt Dahme/Mark im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.Dahme/Mark, Serviceportal Brandenburg, abgerufen am 15. Februar 2026.

Lage Der Ort, ein ehemaliges Vorwerk und Gut, liegt östlich der Kernstadt von Dahme/Mark an der B 102 inmitten eines Wald- und Heidegebietes. Westlich liegt der Ortsteil Rosenthal, östlich der Ortsteil Kemlitz. Die Wohnbebauung befindet sich auf einer Höhe von rund . Das Gelände steigt nach Südwesten hin auf über 137 Meter an.Sieb, Brandenburgviewer, abgerufen am 15. Februar 2026.

Geschichte und Etymologie Etymologie Der Ortsname erscheint in zahlreichen Varianten: Die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1579 erfolgte als Sieb / Sip. Im Jahr 1605 erschien der Ort als Scheferey Görenbergk sonsten vfm Sieb genandt, 1614/1615 als außm Gorrenbergk sowie im Jahr 1653 als Springbrunnenbey der Scheferey zum Gorrenberge. Der Name wandelte sich im Jahr 1658 zu Schäfferey auff dem Siep oder Gorrenbergk zu Schäferey der Siep genannt im Jahr 1672 und schließlich zu Vorwerk Sieb, nahe dem Siebsehe Berg im Jahr 1822.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 493. Der Name leitet sich von Siep an und bedeutet so viel wie „wasserhaltiger Grund“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 159 ISBN 3-937233-17-2..

Besitzgeschichte Sieb unterstand bis 1635 dem Administrator des Erzstifts Magdeburg. Nach dem Übergang des Erzstifts an Kursachsen gelangte der Ort von 1635 bis 1656 unter die Herrschaft des Kurfürstentums Sachsen. In der Folgezeit gehörte Sieb 1657–1746 zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels, bevor es 1746–1806 erneut unter die Herrschaft des sächsischen Kurfürsten fiel. Mit der Erhebung Sachsens zum Königreich stand der Ort schließlich 1806–1815 unter der Herrschaft des Königs von Sachsen. Die grundherrlichen Rechte lagen während der gesamten Zeit beim Amt Dahme, das die Verwaltung und die wirtschaftliche Nutzung des Vorwerks und der Schäferei ausübte.

17. Jahrhundert Bereits 1605 wurde eine Schäferei erwähnt, die 1614/1615 über 228 Schafe verfügte. In der Mitte des 17. Jahrhunderts erreichte die Schafhaltung beachtliche Größen: 1650/1651 sind 703 Schafe nachgewiesen, darunter 568 Hauptschafe, 71 Zibbellämmer und 64 Hammellämmer. Auch 1655 bestand die Schäferei fort, nun mit 667 Schafen, während das Rindvieh im Vorwerk Dahme unterstand. Seit 1659 wird zudem ein Forsthaus „zum Sieb“ genannt, das die wachsende forstwirtschaftliche Bedeutung des Ortes widerspiegelt.

18. Jahrhundert Im frühen 18. Jahrhundert wurde die Wirtschaftsstruktur weiter ausgebaut. Im Jahr 1715 entstand ein neues Vorwerk auf dem Sieb, das bereits 900 Scheffel Aussaat verzeichnete. Im Jahr 1722 bestanden ein Vorwerk, eine kleine Schenke, eine Herrenschäferei und ein Hegereiter; insgesamt wurden sechs Feuerstätten (=Haushalte) genannt, darunter Vorwerk, Schenke, Schäfer, Förster, Rademacher und Winzer. Eine besonders detaillierte Beschreibung stammt aus dem Jahr 1737: Die Winteraussaat umfasste 2 Scheffel Weizen, 24 Scheffel und 4 Metzen Staudekorn sowie 204 Scheffel und 4 Metzen Korn. Im Sommer wurden 33 Scheffel Gerste, 114 Scheffel Hafer, 1 Scheffel Mengfutter, 20 Scheffel und 5 Metzen Heidekorn, 3 Metzen Hirse und 6 Scheffel Wicken ausgesät. Der Viehbestand umfasste 10 Kühe, 21 Ochsen und 1339 Hammel. Für 1746 sind ein Schenkwirt und drei Häusler belegt, während 1777 vier angesessene Einwohner sowie zwei unbewohnte Häuser genannt werden: eine kurfürstliche Verwaltung und ein Forsthäuschen. Eine umfassende Wirtschaftsaufnahme aus 1789 beschreibt das Vorwerk detailliert. Es umfasste ein Wohnhaus, Schafstall, Ochsenstall, Kornscheune, eine neue Scheune sowie zwei Schweineställe. Das Personal bestand aus einem Schäfer, drei Schafknechten, einem Meier, einem Knecht, einem Jungen, einer Magd, einer Käsemutter und einem Hütejungen. Die Aussaat betrug 116½ Scheffel Korn, 13¾ Scheffel Gerste, 30 Scheffel Hafer und 5½ Scheffel Heidekorn. Der Viehbestand umfasste 18 Ochsen, 7 Kühe, 2 Färsen, 2 Stiere und 2 Absetzkälber. Die Schafhaltung umfasste 367 alte und 106 Zeitschafe, 93 Kälberlämmer, 311 alte Hammel, 114 Zeithammel und 96 Hammellämmer. 1791 bestand das Vorwerk aus vier HäuslernPeter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 494. sowie eine Vorwerkswirtschaft und eine Schäferei.

19. Jahrhundert Im Jahr 1812 wurde ein Meier mit Knecht, Jungen und Magd erwähnt, die alle „gezwungen dienen“. 1813 verfügte das Vorwerk über 216 Acker Felder mit 185 Scheffeln Kornaussaat, 6½ Acker Gärten, 11 Acker und 277 Quadratruten Gärten und Wiesen sowie 1500–1600 Acker Trift. Der Viehbestand umfasste 20 Zugochsen, 10 Melkkühe, 9 Stück Jungvieh und 1355 Schafe; drei Schafknechte hielten gemeinsam 145 Schafe. 1816 ist ein Erbkrüger belegt, 1819 vier Webstühle, ein Schankwirt, fünf Dienstboten und eine Brennerei. In den Jahren 1817 und 1837 wurden Vorwerk, Unterförsterei, Schäferei und Hausnahrungen genannt. 1821 bestanden vier Häuslerstellen, 1837 werden Vorwerk, Unterförsterei, Schäferei und Hausnahrungen sowie vier Wohnhäuser genannt. Eine detaillierte Haushaltsbeschreibung von 1843 nennt mehrere Häuslerfamilien, einen Handarbeiter, den Meier des königlichen Vorwerks, Schafknechte und den Förster im königlichen Forsthaus. 1858 bestand Sieb aus einer Domänenverwaltung und einer Kolonie mit einem öffentlichen Gebäude, sieben Wohnhäusern und 18 Wirtschaftsgebäuden. Die Flächenausstattung von Sieb ist erstmals für das Jahr 1858 detailliert überliefert. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Gutsbezirk insgesamt 1563 Morgen, darunter 13 Morgen Gehöfte, 1525 Morgen Ackerland, 12 Morgen Wiese, 4 Morgen Weide sowie 9 Morgen Wald. Zusätzlich gehörten weitere 1313 Morgen Wald zum Schutzbezirk Sieb, der der Hohenbuckower Forst zugeordnet war. 1895 wurden sieben Wohnhäuser gezählt, 1905 neun, und 1927 bestanden Vorwerk und Forsthaus weiterhin. Im Jahr 1860 erschien Sieb als Domänenvorwerk, Kolonie und Forsthaus der Hohenbuckower Forst (Schutzbezirk Sieb). 1885 war der Ort Wohnplatz des Gutsbezirks Dahme, ebenso 1895 und 1905, bevor er anschließend ein selbständiger Gutsbezirk wurde.

20. und 21. Jahrhundert 1928 wurde Sieb mit der Gemeinde Rosenthal vereinigt und wurde in den Jahren 1931, 1950 und 1957 als Wohnplatz von Rosenthal geführt. Im 20. Jahrhundert wurde die Landwirtschaft in die Strukturen der DDR überführt. 1960 entstand eine LPG Typ I mit 15 Mitgliedern und 78 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, die 1964 an die LPG Typ III Rosenthal angeschlossen wurde. Sieb wurde 1980 Ortsteil von Rosenthal. Im Jahr 1982 befand sich in Sieb eine Schweinezuchtanlage der LPG (Tierproduktion) Dahme.

Am 31. Dezember 2001 wurde Sieb mit Rosenthal in die Stadt Dahme/Mark eingemeindet.

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Sieb von 1815 bis 1925 Jahr 1815 1817 1837 1858 1871 1885 1895 1905 1925 Einwohner 32 30 37 89 77 67 49 104 96

Sehenswürdigkeiten Baudenkmale In der Liste der Baudenkmale in Dahme/Mark ist für Sieb ein Baudenkmal aufgeführt: ein Grenzstein an der B 102

Weblinks

Sieb auf der Website des Amtes Dahme/Mark

Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 493–494.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Geographie (Dahme/Mark) Kategorie:Ersterwähnung 1579