mini|Ortsansicht von Nordwest
Geisenhausen ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Landshut. Bereits im Jahr 1327 wurde Geisenhausen das Marktrecht verliehen.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt im Kleinen Vilstal, etwa zehn Kilometer südöstlich der Stadt Landshut zwischen den Städten Landshut und Vilsbiburg.
Gemeindegliederung
Es gibt 101 Gemeindeteile:
Geschichte Mittelalter In den Annalen des Domkapitels Augsburg findet sich 980 erstmals ein Hinweis auf Gisinhusa (Haus des Giso). Das Domkapitel verwaltete seinen Besitz durch einen Vogt. Inhaber der Vogtei waren die Grafen von Steffling, von ihnen ging sie auf die Edlen von Haarbach über, von diesen auf die Grafen von Hals, dann auf die Grafen von Ortenburg und schließlich auf die Herren von Fraunhofen. Seit Mitte des 11. Jahrhunderts ist die Organisation der Herrschaft Geisenhausen erkennbar. Nach Gisinhusir und Gisenhuse taucht 1315 erstmals die Ortsbezeichnung Geisenhausen auf. Am 25. November 1327 wurde Geisenhausen das Marktrecht verliehen. mini|Bürgerhäuser am Marktplatz Am 10. April 1383 erklärte Herzog Friedrich die Schirmvogtei über Geisenhausen, womit der Herzog als Landfriedenswahrer sein überlegenes Gerichtsrecht durchsetzte. Im Jahr 1393 überließ Hedwig von Fraunhofen die Vogtei für 10.000 Gulden den Landshuter Wittelsbachern. Diese machten aus der Vogtei des Domkapitels Augsburg 1411 ein Pfleggericht, welches 16 Orte umfasste, die Niedere Gerichtsbarkeit ausübte und im kleinen, allerdings zentral gelegenen Haarbach seinen Sitz hatte. Damit war über die Ausübung der Vogtei und die Umwandlung in ein Pfleggericht die Herrschaft der Wittelsbacher etabliert worden.
16. bis 18. Jahrhundert mini|Kupferstich des Markts Geisenhausen von Michael Wening, 1723
Das älteste Bild des Marktes stammt von Hans Donauer aus dem Jahr 1590. Es befindet sich im Antiquarium der Residenz München. 1605 kaufte das Stift St. Martin und Kastulus in Landshut für 17.000 Gulden vom Domkapitel Augsburg die Grundherrschaft über die Propstei Geisenhausen.
Während des Dreißigjährigen Krieges ging Geisenhausen, das erstmals 1547 niederbrannte, in den Jahren 1635, 1640 und 1648 in Flammen auf. Der Geisenhausener Barockdichter Andreas Mayr (1595–1675) schilderte auf drastische Weise die Zustände während des Krieges. 1649 forderte die Pest 45 Tote in Geisenhausen. Die Bürger stifteten auf St. Theobald dem heiligen Sebastian eine Pestkerze, die heute noch vorhanden ist.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wirkte in Geisenhausen Pfarrer Dr. Franz Joseph Kastner. Er belebte die Wallfahrt nach St. Theobald und ließ die Wallfahrtskirche von Grund auf renovieren. Aus eigener Kasse stiftete er im Jahr 1738 ein Krankenhaus und gründete einen Fonds zur Ausbildung junger Menschen.
Noch 1752 wurde die Geisenhausenerin Anna Amann, Geistnandl genannt, wegen Hexerei gefangen genommen und nach einem entsprechenden Prozess in Landshut enthauptet mit anschließender Verbrennung ihres Leichnams. 1760 erfolgte die Zusammenlegung der Herrschaft Geisenhausen-Haarbach mit dem Landgericht Vilsbiburg. Der Kastner von Geisenhausen verblieb im dortigen Kastenamt.
19. und 20. Jahrhundert Das bayerische Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 gab der Marktgemeinde seine Selbstverwaltung zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich in dem bis dahin überwiegend bäuerlich strukturierten Gemeinwesen zunehmend Handwerksbetriebe und Fabriken an. Im Jahr 1875 wurde die Leder- und Schäftefabrik Dräxlmaier gegründet, 1885 errichtete Jakob Zeiler eine Schäftefabrik. Um die Jahrhundertwende entstanden eine Malzfabrik und eine Ziegelei.
An der 1881 bis 1883 erbauten Bahnstrecke Neumarkt-Sankt Veit–Landshut entstand in Geisenhausen eine Bahnstation. 1894 wurde die Raiffeisenbank Geisenhausen gegründet. 1917 erhielt der Markt den elektrischen Strom. Am Rosenmontag des Jahres 1929 fand auf dem Marktplatz ein Faschingsmarkt mit Gauklern, Tanzbären, Seiltänzern, Wahrsagern und einer Tierschau statt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge viele Heimatvertriebene integriert wurden, brachten die folgenden Jahrzehnte auch für Geisenhausen einen spürbaren Aufschwung. 1948 wurde im ehemaligen Gasthaus Huber-Keller ein Kino eröffnet. Von 1946 bis 1954 spielten die Fußballer des TV Geisenhausen in der höchsten niederbayerischen Spielklasse. Rund um den alten Ortskern wurden neue Baugebiete erschlossen. Eine neue Kläranlage wurde 1968 gebaut, 1971 das Freibad an der Vilsbiburger Straße eröffnet.
1981 brach im Baywa-Lagerhaus ein Großbrand aus. 1983 konnte das neue Rathaus am Marktplatz bezogen werden.
Eingemeindungen Im Rahmen der Gemeindegebietsreform kamen am 1. Juli 1972 die Gemeinde Bergham (teilweise) und am 1. Mai 1978 die Gemeinden Diemannskirchen und Salksdorf sowie große Teile der aufgelösten Gemeinde Holzhausen zu Geisenhausen.
Einwohner Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickelt: Jahr Einwohner 1960 4798 1970 4723 1980 4969 1990 5460 1995 5925 2000 6168 2005 6358 Jahr Einwohner 2006 6328 2007 6312 2008 6379 2009 6395 2010 6435 2011 6492 2012 6550 Jahr Einwohner 2013 6757 2014 6807 2015 6896 2016 6938 2017 7063 2018 7321 2023 7277
Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2015 um 2094 Personen erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 43,61 Prozent. In den letzten zehn (fünf) Jahren wuchs die Einwohnerzahl um 9,6 (6,9) Prozent.
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5321 auf 7321 um 2000 Einwohner bzw. um 37,6 %.
+ Altersstruktur der Bevölkerung Geisenhausens gemäß Zensus 2011. Alter Einwohner nach AlterBayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: . Online auf ergebnisse.zensus2011.de. Abgerufen am 26. April 2014. jünger als 18 19,9 % 18 bis 29 13,0 % 30 bis 49 29,1 % 50 bis 64 19,5 % älter als 65 18,6 %
Politik mini|Der Marktplatz mit Rathaus (rechts)
Acht Monate nach Kriegsende fanden am 27. Januar 1946 die ersten Kommunalwahlen (Gemeinderatswahlen) in den kreisangehörigen Gemeinden Bayerns statt. In den Monaten April und Mai 1946 folgten dann noch die ersten Wahlen der Bürgermeister, Landräte sowie Kreistage. 2006 wurde das 60-jährige Jubiläum begangen.INFORMATION (An alle Haushaltungen!); Hrsg. Gemeinde Adlkofen, Nr. XX/04 – 2006
Mitgliedschaften in ZweckverbändenBayerischer Behördenwegweiser – Geisenhausen: Mitgliedschaften in Zweckverbänden und Auflistung behördlicher Leistungen, online auf www.bayernportal.de, abgerufen am 2. November 2019. Gewässerunterhaltungszweckverband Landshut-Kelheim-Dingolfing-Landau Regionaler Planungsverband Landshut Schulverband Geisenhausen Schulverband Kirchberg Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern
Außerdem nimmt sie teil am Dialogforum Ost-Süd-Umfahrung Landshut.
Die Gemeindeverwaltung erbringt 304 verschiedene behördliche Leistungen.
Gemeinderat
Die Gemeinderatswahlen seit 2008 führten zu folgenden Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014Gemeinde Geisenhausen: 2008Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: . Online auf wahlen.bayern.de. Abgerufen am 23. März 2014. Online auf geisenhausen.de. Abgerufen am 23. März 2014.CSU578Freie Wähler866SPD/Freie Bürgerliste/Neue Liste1/Grüne2456Junge Liste Geisenhausen32–Gesamt202020 1Neue Liste: nur 2018 2Grüne: nur 2020
Nach der Kommunalwahl 2014 (zum Vergleich: Kommunalwahl 2008) waren darunter 14 Männer und sechs (vier) Frauen.Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: . Online auf statistikdaten.bayern.de. Abgerufen am 23. März 2014.
Bürgermeister Martin Fischer (SPD) ist seit 1. Mai 2026 Erster Bürgermeister. Bis 2014 bekleidete dieses Amt Robert Maier (Freie Wähler). Dieser wurde 2002 in dieses Amt hineingewählt.Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: . Online auf statistikdaten.bayern.de. Abgerufen am 23. März 2014. Bei den Kommunalwahlen 2008 wurde er im Amt bestätigt.Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: . Online auf statistikdaten.bayern.de. Abgerufen am 23. März 2014. Bei den Kommunalwahlen 2014 ergab die erste Runde keine absolute Mehrheit für einen der drei Kandidaten.Gemeinde Geisenhausen: . Online auf geisenhausen.de. Abgerufen am 23. März 2014. Am 30. März 2014 wurde Josef Reff (FW) in der Stichwahl mit 56,6 % der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewähltGemeinde Geisenhausen: . Online auf geisenhausen.de. Abgerufen am 31. März 2014. 2020 wurde er mit 89,6 % der Stimmen bei einem Gegenkandidaten im Amt bestätigt.
Amtszeit Bürgermeister 1978–1996 Herwart Radspieleridowa.de 2002–2014 Robert Maier (Freie Wähler) 2014–2026 Josef Reff (Freie Wähler)
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik Musikal Vom Förderkreis Junge Musik wurden die beiden Musicals "Eine Nacht erwacht" und "Tangerine" mit Laienbesetzung im Jungbräusaal inszeniert. "Tangerine" wurde über 150 Mal aufgeführt.
Bunkerbands Im Bunker unter der Mehrzweckturnhalle haben sich eine Reihe von Bands formiert, die auf zahlreichen Festivals in Bayern mitwirken, unter anderem die Elektro-Punk-Band Frittenbude sowie Pandoras.box.
Film 1978 wurde in Geisenhausen und Umgebung der Kino- und Fernsehfilm Schluchtenflitzer von Rüdiger Nüchtern gedreht. Das Freibad war 2005 Drehort für den Film Grenzverkehr.
Baudenkmäler
mini|Die Pfarrkirche St. Martin
Die imposante spätgotische Pfarrkirche St. Martin erinnert stark an die gleichnamige Kirche in Landshut. Sie wurde ab 1477 von den Meistern der Landshuter Bauhütte erbaut. 1688 wurde sie barockisiert, 1852 bis 1870 im Sinne der Neugotik regotisiert. Im neugotischen Hochaltar befindet sich eine Schnitzarbeit von 1520 bis 1530, die den berittenen hl. Martin mit dem Bettler zeigt. Im Chorbogen hängt ein großes Kruzifix von 1688. Die Ende des 13. Jahrhunderts entstandene, 1450 ausgebaute und 1712 barockisierte Kirche St. Theobald war eine Wallfahrtskirche. Sie enthält eine sitzende Hochfigur des Bischofs Theobald aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Der Pfarrverband Geisenhausen gehört zum Erzbistum München und Freising. Die Marktstraße ist mit zum Teil historischen Bürgerhäusern des 19. Jahrhunderts gesäumt. Das Trachtenkulturzentrum des Bayerischen Trachtenverbandes im ehemaligen Pfarrhof des Gemeindeteils Holzhausen.
Naherholung Freibad Geisenhausen
Sport Kickboxen
2014 holten die für den KSV Geisenhausen e. V. startenden Lisa-Maria Schandl aus Günzkofen und Pauline Schlau aus Geisenhausen jeweils einen Weltmeistertitel bei den Weltmeisterschaften im Kickboxen in Rimini/Italien.KSV Geisenhausen e. V.: . Online auf www.ksv-geisenhausen.de. Abgerufen am 16. September 2014. Antonia Landeck aus Geisenhausen holte 2021 in Montegro den Europameistertitel im Einzel sowie 2024 in Budapest/Ungarn den Weltmeistertitel im Einzel und im Team.KSV Geisenhausen zum Weltmeistertitel, abgerufen am 23. November 2024
Eishockey
In Geisenhausen gab es unter den Namen EC und SB Geisenhausen einen Eishockeyverein,regiowiki.pnp.de, der in den Jahren 1978 bis 2001 am Spielbetriebrodi-db.de, Ligenzugehörigkeit EC/SB Geisenhausen des Bayerischen Eissportverbandes (BEV) teilnahm. Die größten Erfolge erreichte dabei die 1. Eishockeymannschaft 1980 mit der Bayerischen Vizemeisterschafthttps://www.hockeyarchives.info/Allemagne1980.htm sowie den 2. Platz an der Teilnahme zur Aufstiegsrunde Regionalliga Süd und 1978 mit der Meisterschaft in der Eishockey-Landesliga Bayern Gruppe II und den damit verbundenen Aufstieg in die Eishockey-Bayernliga. Geisenhausen hat heute eine Hobbymannschaft, den EHC Geisenhausen, der in der Landshuter Eishockey-Hobby-Liga (LEHL) spielt.
Regelmäßige Veranstaltungen Rosenmontagsumzug der Tollemogei Haferlmarkt Volksfest während des Pfingstwochenendes