Pechüle ist neben Klausdorf einer der beiden Gemeindeteile von Bardenitz, einem Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.

Geographische Lage Pechüle liegt östlich des Stadtzentrums. Im Norden befindet sich der Ortsteil Bardenitz, im Osten die Stadt Jüterbog und im Süden Klausdorf sowie der Treuenbrietzener Ortsteil Frohnsdorf. Die Gemarkung ist nur wenige Quadratkilometer groß und erstreckt sich entlang der Pechüler Dorfstraße, die in Nord-Süd-Richtung durch den Ort verläuft. Sie ist im Norden über die nach Westen hin abzweigende Straße Am Birkenweg und in der Dorfmitte über die Zingelstraße mit Bardenitz verbunden. Abgesehen von einigen Landwegen sind dies die beiden Verbindungen zu den Nachbargemeinden.

Geschichte und Etymologie Etymologie Der Ortsname Pechüle ist in den schriftlichen Quellen seit dem frühen 13. Jahrhundert in zahlreichen Varianten belegt. Die älteste überlieferte Form stammt aus dem Jahr 1225 und erscheint gleich in zwei Formulierungen: super villa Pechule sowie per villam Pechule. Beide Nennungen gehen auf Abschriften des 16. Jahrhunderts zurück, die im Staatsarchiv Magdeburg überliefert sind. Weitere frühe Belege finden sich in der Forschungsliteratur, etwa bei Hoppe (Zinna, S. 243, Beilage Nr. 4) sowie in den Geschichtsblättern für Magdeburg (11, 1876, S. 302). Im Jahr 1268 erschien der Ortsname in der Form pechewll, ebenfalls in einer Abschrift des 16. Jahrhunderts. Eine abweichende Schreibung nennt das Dorf pechuele. Für das Jahr 1364 ist ein weiterer wichtiger Beleg dokumentiert, als ein Nycolaus praefectus de pechöle erschien, ein Hinweis auf einen in Treuenbrietzen tätigen Amtsträger, der den Ortsnamen in einer leicht veränderten Form trug. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit setzt sich die Vielfalt der Schreibweisen fort. Für 1480 ist die Form PECHVL überliefert. Im 18. Jahrhundert erscheinen dann zunehmend lautnahe Schreibungen, die dem heutigen Ortsnamen bereits sehr nahekommen: 1753 wurde Pöchile genannt, 1775 schließlich Pechüle.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 404. Der Name stammt aus dem Slawischen und könnte so viel wie „Siedlung eines Mannes namens Pechul“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 129, ISBN 3-937233-17-2. bedeuten. Laut einer anderen Quelle soll der Name auf ein kleines Gewässer zurückzuführen sein, wie es im benachbarten Bardenitz ebenfalls der Fall war.Dorfkirche Pechüle, Webseite von Theo Engeser und Konstanze Stehr, abgerufen am 14. Juni 2017.

Landesherrschaft Pechüle gehörte bis 1566 zum Herrschaftsbereich des Erzbischofs von Magdeburg, anschließend nach der Säkularisation des Erzstifts bis 1680 zum Administrator des Erzstifts Magdeburg, der in Personalunion meist brandenburgischer Herkunft war. Mit der endgültigen Eingliederung des Erzstifts in den brandenburgischen Territorialstaat im Jahr 1680 kam das Dorf unter die Herrschaft des Kurfürsten von Brandenburg. Ab 1701, mit der Erhebung Brandenburgs zum Königreich, stand Pechüle unter dem König in bzw. von Preußen, wobei die Landesherrschaft bis 1773 weiterhin in der Titulatur des Herzogs von Magdeburg geführt wurde. Bis 1815 blieb Pechüle Teil des preußischen Staatsverbandes.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 405.

Grundherrschaft Die grundherrlichen Verhältnisse entwickelten sich unabhängig von der übergeordneten Landesherrschaft. Wahrscheinlich befand sich Pechüle zunächst bis 1225 im unmittelbaren Besitz des Erzbischofs von Magdeburg. Im Jahr 1225 gelangte das Dorf in den Besitz des Domkapitels zu Magdeburg, bevor es bis 1268 den Herren von Zerbst unterstand. Von 1268 bis 1553 war Pechüle Teil des Besitzes des Zisterzienserklosters Zinna, das in dieser Zeit die Grundherrschaft ausübte. Nach der Reformation und der Auflösung des Klosters übernahm 1553 das Amt Zinna die Verwaltung des Dorfes. Dieses übte bis 1872 die Herrschaft über Pechüle aus, einschließlich aller Rechte und der Patronatsgewalt.

Frühzeit bis 14. Jahrhundert mini|Dorfkirche Pechüle Bei Ausgrabungen auf der Gemarkung wurden sowohl mehrere Jahrhunderte alte Scherben wie auch ein Gräberfeld freigelegt. Archäologen konnten damit nachweisen, dass die Region bereits im 7. Jahrhundert von Slawen bewohnt war. Sie siedelten am Fuße des Keilbergs, der östlich der Gemarkung einen Übergang vom Fläming zum Baruther Urstromtal herstellt. Dort entstand ein Straßendorf, das im Jahr 1225 erstmals als villa Pechule urkundlich erwähnt wurde.Informationstafel: Stadt Treuenbrietzen – Pechüle und seine Kirche, am Dorfanger von Bardenitz, Mai 2017. Im Jahr 1268 wurde erneut von einem Dorf (villa) berichtet. Nachdem Richard von Zerbst den Ort im Jahr 1268 an das Kloster Zinna verkauft hatte, errichteten die Einwohner vermutlich mit der Hilfe der dort tätigen Zisterzienser Anfang des 13. Jahrhunderts eine mächtige Kirche aus Backstein. Sie zählt somit zu den ältesten Sakralbauten dieser Art im Fläming. Für die Zeit um 1325/1339 ist ein praefectus de P. in Jüterbog belegt, was auf eine lokale Verwaltungsfunktion oder die Einbindung des Dorfes in das regionale Amtsgefüge hinweist. Ein weiterer praefectus de P. wird 1364 in Treuenbrietzen genannt. Diese Nennungen zeigen, dass Pechüle im 14. Jahrhundert in überörtliche Verwaltungsstrukturen eingebunden war und offenbar Amtspersonen stellte oder beherbergte. 1381 wurde Pechüle erneut als Dorf bezeichnet, ebenso 1420.

15. Jahrhundert Für das Jahr 1413 ist ein schwerer Überfall brandenburgischer Adliger überliefert. Das Dorf zählte damals 39 Einwohner, darunter Richter, Krüger und Pfarrer. Zwei Bewohner wurden erschlagen, und die Angreifer raubten umfangreiches Vieh: 13 Pferde, 254 Rinder und Kühe, 567 Schafe und 127 Schweine. Der entstandene Schaden wurde auf 400 Schock böhmische Groschen. Nachdem Markgraf Johann von Sachsen den Ort 1426 an das Kloster veräußert hatte, nutzten die Bewohner den zwischenzeitlich wüst gefallenen Nachbarort Pechüle, um dort ihr Vieh weiden zu lassen. Die Beschreibung von 1480 bietet einen außergewöhnlich detaillierten Einblick in die Sozial- und Agrarstruktur Pechüles im Spätmittelalter. Insgesamt werden 42 Hufen genannt, ergänzt durch umfangreiche Wiesenflächen und mehrere wüste Hufen im benachbarten Klausdorf. Der Schulze verfügte über zwei Dorflehnshufen, eine Zinshufe, zwei Heidehufen. Ein Dreidorfhufner besaß eine wüste Hufe in Klausdorf, vier Zweieinhalbdorfhufner besaßen jeder eine wüste Hufe in Klausdorf. Es gab weiterhin zwölf Zweidorfhufner, darunter der Krüger, der den Dehnen von einer Hufe Abgaben leistete. Jeder besaß eine wüste Hufe in Klausdorf, einer zusätzlich eine Heidehufe, während der Krüger außerdem vier Morgen Wiese bewirtschaftete. Ein weiterer Hof bestand aus zwei Heidehufen, drei wüsten Hufen in Klausdorf und drei Morgen ein Viertel Wiese. Im Dorf lebten außerdem 15 Kossäten, von denen einer sechs Morgen Wiese und eine wüste Hufe in Klausdorf besaß und ein anderer Kossät einen Acker unter dem Pflug bewirtschaftete. Fünf Kossäten bewirtschafteten je vier Morgen Wiese, zwei je 3½ Morgen Wiese, einer drei Morgen und ein Viertel Wiese, fünf je drei Morgen Wiese und einer 1½ Morgen Wiese. Der Küster besaß einen Kossätenhof, das Pfarrhaus verfügte über zwei Dorfhufen. Neben den 42 Hufen werden 48 Morgen Wiese genannt, darunter die Bauerswiese. Die Dorfgemeinschaft nutzte zudem das wüst gefallene Dorf Klausdorf, das mit Äckern, Holzung, Wiesen und Weiderechten ausgestattet war und unmittelbar an Pechüle grenzte.

16. Jahrhundert Für 1534 wurde eine Abgabe von 43 Gulden, 17 Groschen und 9 Denaren zum 50. Pfennig verzeichnet; im Jahr 1562 wurden 34 Hauswirte genannt. Im Jahr 1541 verpachtete die Gemeinde 22 Scheffel Roggen aus der Wüstung Klausdorf an den Pfarrer von Treuenbrietzen. Der Pfarrer besaß im Jahr 1562 zwei Hufen vor Pechüle besaß, dazu die 30. Mandel aus dem Getreidezehnten sowie ein Drittel des Fleischzehnten. Der Küster verfügte über ein Stück Land, das Hennig aus Mehlsdorf innehatte, während zwei weitere Stücke Land von Emme, Mertens, Wüstenhagen und Hanebeuts jeweils als Gottesland bewirtschaftet wurden. Hinzu kamen eine Gotteswiese und eine kleine Gotteswiese. Der Küster erhielt 35 Scheffel Korn von den Bauern, außerdem 40 Brote, acht Eier von jedem Hufner und vier Eier von jedem Kossäten. Im Jahr 1568 besaßen zwei Kossäten sogenanntes Rucken Land, von dem sie dem Küster Zins entrichteten.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 408. Eine besonders detaillierte Beschreibung stammt aus dem Jahr 1568. Der Schulze verfügte damals über zwei Dorflehnhufen, eine Zinshufe und zwei Heidehufen. Der Dreidorfhufner nutzte nach wie vor eine wüste Hufe in Klausdorf. Vier Zweieinhalbdorfhufner besaßen jeweils eine wüste Hufe in Klausdorf, während zwölf Zweidorfhufner (darunter der Krüger) ebenfalls jeweils eine wüste Hufe in Klausdorf bewirtschafteten. Der Krüger verfügte zusätzlich über die Krugwiese, einer der Zweidorfhufner über eine Heidehufe. Die 15 Kossäten waren unterschiedlich ausgestattet: Sieben besaßen je vier Morgen Wiese, einer dreieinhalb Morgen, einer drei Morgen und ein Viertel, ein weiterer drei Morgen und gab der Kirche Zins vom sogenannten Rucken Land, ein weiterer hatte drei Morgen Wiese, einer zwei Morgen und gab ebenfalls Zins vom Rucken Land. Ein Kossätenhof war verfallen, zwei weitere waren zu einem Hof zusammengelegt worden. Das Pfarrhaus verfügte über zwei Dorfhufen, jedoch über keine Hufen in Klausdorf; eine Küsterei wurde ebenfalls erwähnt. Für 1584 sind erneut 34 Hauswirte belegt, ergänzt um einen Pfarrer. Zwei Jahre später, 1586, wurde eine Zahlung von 25 Talern zum 70. Pfennig verzeichnet.

17. Jahrhundert Im Jahr 1609 lebten in Pechüle der Schulze, 18 Hufner und 16 Kossäten. Bereits wenige Jahrzehnte später zeigen die Quellen deutliche Spuren des Dreißigjährigen Krieges. 1642 wurde berichtet, dass das Dorf zur Hälfte wüst lag. Zu diesem Zeitpunkt existierten nur noch zehn Hufner und fünf Kossäten, und jeder verfügte lediglich über einen Anspann. Für die Friedenszeit wurde eine Soll‑Struktur von 34 besessenen Männern angegeben, darunter ein Lehnmann, 17 Hufner und 16 Kossäten. Der Schulze verfügte über vier ganze Lehnhufen und eine Erbhufe. Es gab einen Dreierbhufner und vier Zweieinhalberbhufner, darunter den Krüger. Dieser war berechtigt, jährlich siebenmal zu brauen, was auf eine gewisse wirtschaftliche Sonderstellung hinweist. Insgesamt umfasste die Gemarkung 42 Dorfhufen und fünf Heidehufen, darunter zwei Lehnhufen und zwei Pfarrhufen. Der Pfarrer verfügte weiterhin über zwei Hufen, erhielt die 30. Mandel des Getreidezehnten sowie zwölf Rauchhühner. Der Küster bezog nun 38 Scheffel Roggen, 51 Brote, dazu wie zuvor acht Eier von jedem Hufner und vier Eier von jedem Kossäten. Im Jahr 1684 gab es 34 Güter. Dazu gehörten ein Lehnschulze, 17 ganze Hufner und 16 ganze Kossäten, von denen neun Frondienste leisteten.