In der Liste der Stolpersteine in Kall werden jene Gedenksteine aufgeführt, die im Rahmen des Projektes Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig in Kall verlegt wurden. 2011 bildete sich auf Initiative des Ortsverbandes Kall von Bündnis 90/Die Grünen in Kall der Arbeitskreis Stolpersteine.Bernd Kehren: Aktivkreis gegründet: Schicksale der Juden erforscht. Kölnische Rundschau, 14. Dezember 2011; abgerufen am 18. Juli 2017.F. A. Heinen: Stolpersteine. Erinnerung an ehemalige Nachbarn. Kölner Stadt-Anzeiger, 13. November 2011; abgerufen am 18. Juli 2017. Nach umfänglichen Recherchen zu Opfern des Holocaust wurden am 31. August 2012 in Kall 23 Stolpersteine in Erinnerung an jüdische Opfer des Holocaust eingelassen.Klaus Pesch: Stolpersteine. Hebräisches Gebet bewegt die Kaller. Kölnische Rundschau, 3. September 2012; abgerufen am 18. Juli 2017.Reiner Züll: Feierstunde: 23 Steine gegen das Vergessen. Kölner Stadt-Anzeiger, 31. August 2012; abgerufen am 18. Juli 2017.Arbeitskreis „Stolpersteine Kall“ (Hrsg.): Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. In Memoriam. Stolpersteine in Kall. S. 42–47.
Verlegte Stolpersteine Adresse Name Inschrift Verlegedatum Bild Anmerkung Gemünder Str. 9 120px () Hier wohnte Esther Bergstein Jg. 1904 Ausgewiesen 1938 Polen Ermordet im besetzten Polen 120px Die taubstumme Esther Bergstein war am 18. Februar 1904 in Bulzowsce (Polen) geboren worden.Hans-Dieter Arntz: Judenverfolgung in Kall und Aachen, S. 474. Sie lebte in Kall bei ihrer Cousine Lea Fernbach, geborene Frenkel, der Ehefrau des Rabbiners und Volksschullehrers Moses Fernbach. Mit ihnen und deren Familie war Esther am 22. September 1938 von Schleiden nach Kall in die Gemünder Str. 7 gezogen. Fernbach sollte dort eine neue Schule für die im Kreis Schleiden noch lebenden, aber als Folge der laufenden Deportationen und Verhaftungen stetig geringer werdende Zahl an jüdischen Kinder einrichten. Bis zum 30. September 1940 erfolgte hier in einem Raum der Unterricht, bevor Familie Fernbach nach Berlin verzog. Während Fernbach nach dem Zweiten Weltkrieg mithalf, die jüdische Gemeinde in Berlin wieder aufzubauen und später mit seiner Familie nach Palästina weiterzog, wurde Esther Bergstein das erste Opfer des Holocaust in Kall. Mit 12000 bis 17000 polnischen Juden die teils schon seit Jahren in Deutschland lebten wurde sie am 28. Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen, dort fand sie später auch den Tod.Arbeitskreis „Stolpersteine Kall“ (Hrsg.): Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. In Memoriam. Stolpersteine in Kall. S. 16–19.Hans-Dieter Arntz: Die Kristallnacht in Gemünd. Die taubstumme Ester Bergstein ist die erste Jüdin des Kreises Schleiden die am 28.10.1938 nach Polen deportiert wird. in: Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Kreisgebiet Schleiden, Euskirchen, Monschau, Aachen, Eupen/Malmedy, S. 357 f. Gemünder Str. 9 120px 120px () Hier wohnte Isaak Katz Jg. 1878 deportiert 1942 Richtung Osten Schicksal unbekannt 120px Isaak Katz, geboren am 15. April 1876 in Kall, war der älteste Sohn des Metzgers Abraham Ruben Katz (geboren am 3. Januar 1826; gestorben am 29. Oktober 1911) und dessen Ehefrau Sibilla Katz, geborene Horn (geboren am 14. April 1847; gestorben am 5. Januar 1921). Von Stand Viehhändler wurde Isaak Katz am 30. April 1941 gemeinsam mit seiner Frau Jenny Katz, geborene Wolf und dem 28-jährigen Sohn Richard in das Sammellager Haus Risa in Mechernich-Kalenberg eingewiesen. Von dort wurden sie am 21. März 1942 mit unbekanntem Ziel deportiert. Todesort und -Datum sind nicht überliefert.Arbeitskreis „Stolpersteine Kall“ (Hrsg.): Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. In Memoriam. Stolpersteine in Kall. S. 21. Hier wohnte Jenny Katz geb. Wolf Jg. 1880 deportiert 1942 Richtung Osten Schicksal unbekannt 120px Jenny Katz geborene Wolf, geboren am 2. Mai 1880 in Gemünd, war die Tochter des Süßmann Wolf und dessen Ehefrau, Regina Wolf, geborene Kaufmann. Über ihren weiteren Verbleib nach der gemeinschaftlichen Deportation mit ihrem Mann am 21. März 1942 ist bislang nichts bekannt.Arbeitskreis „Stolpersteine Kall“ (Hrsg.): Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. In Memoriam. Stolpersteine in Kall. S. 22. Hier wohnte Karola Rosenbaum geb. Katz Jg. 1908 deportiert 1941 ermordet in Lodz 120px Karola Rosenbaum, geborene Katz, geboren am 11. Oktober 1906, war die Tochter des Viehhändlers Isaak Katz und dessen Ehefrau Jenny Katz, geborene Wolf. Die als Hausgehilfin tätige Karola wohnte zunächst bis zum 15. Januar 1938 im elterlichen Haushalt in Kall, bevor sie sich nach Köln abmeldete. Ein Jahr darauf heiratete sie am 25. Januar 1939 in Kall den Schleidener Ernst Rosenbaum. Karola verzog am 18. Juni 1940 erneut nach Köln. Ihre neue Anschrift: Horst-Wessel-Platz 14, der vormalige und nachmalige Rathenauplatz, vis-á-vis der Synagoge an der Roonstraße. Bereits ein halbes Jahr vor ihren Eltern wurde sie von dem Außenlager des KZ Buchenwald in der Kölner Messe am 30. Oktober 1941 nach Litzmannstadt deportiert, wo sie vermutlich auch umkam. Hier wohnte Richard Katz Jg. 1912 deportiert 1942 Majdanek ermordet 25.7.1942 120px Richard Katz, geboren am 1. Juni 1912 in Kall, war vorn Beruf Lagerist. Von 1934 bis 1939 lebte er in Köln, nach dem er ebenfalls unweit der Synagoge eine Wohnung nahm. Nach Kall zu seinen Eltern zurückgekehrt, wurde er mit diesen zunächst vom 30. April 1941 bis zur Deportation am 21. März 1942 im Sammellager Haus Risa interniert. Sein Tod im KZ Majdanek (Lublin) ist für den 25. Juli 1942 belegt.Arbeitskreis „Stolpersteine Kall“ (Hrsg.): Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. In Memoriam. Stolpersteine in Kall. S. 23. Aachener Str. 14–16 120px 120px () Hier wohnte Siegfried Katz Jg. 1889 interniert 1941 Zwangsarbeitslager Aachen deportiert 1942 Riga ermordet 1942 120px Siegfried Katz, geboren am 3. Juni 1889 in Kall, war der jüngere Bruder von Issak Katz. Wie sein Vater Abraham Ruben Katz übte Siegfried das Metzgerhandwerk aus. Als Teilnehmer des Ersten Weltkriegs (Flandern), wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Im Alter von 48 Jahren heiratete er erst am 9. August 1937, bereits während der Zeit des Nationalsozialismus Johanna Katz aus Blumenthal. Siegfried Katz gehörte durchaus zu den wohlhabenderen Bürgern jüdischen Glaubens der Region, woraus auch seine Festnahme während des Novemberpogroms vom 9. auf den 10. November 1938 und seine – gemeinschaftlich mit weiteren Kaller Juden – Einlieferung in das KZ Sachsenhausen resultierte. Noch vor seiner Rückkehr nach Kall am 5. Dezember 1938 bemühte sich sein in Luxemburg als Likörfabrikant lebender Bruder Karl am 17. November um eine Einreisegenehmigung für seine Schwester Rosa Roer, den Bruder Isaak Katz, dessen Frau Jenny und zwei Kinder, einen in Erkelenz lebenden Bruder nebst Familie, die Schwester Karoline Roer und seinen Schwager Isaak Roer, sowie seinen Bruder Siegfried mit seiner Ehefrau Johanna und deren Mutter Julia Katz, geborene Ruhr. Doch lehnte die Luxemburger Fremdenpolizei den Antrag wegen Überfremdungsgefahr ab. Ein modifizierter zweiter Antrag sah nur noch die Einreise seiner Schwestern und des Schwagers Isaak Roer vor, während die Brüder beabsichtigten nach Argentinien zu emigrieren.