Die Staaten Australien und Osttimor unterhalten freundschaftliche Beziehungen. Die diplomatischen Beziehungen wurden 2002 aufgenommen, nachdem Osttimor in die Unabhängigkeit entlassen wurde.Borneo Bulletin: , abgerufen am 14. Juni 2017.
Geschichte
Kolonialzeit mini|Die Kathedrale von Dili wurde im Zweiten Weltkrieg durch australische Bomben komplett zerstört
Die Kontakte zwischen Australien und Osttimor reichen bis in die koloniale Zeit beider Länder zurück.
1838 gründeten die Briten die Siedlung Port Essington im Gebiet des heutigen australischen Northern Territorys. Die Siedler mussten mit vielen Schwierigkeiten kämpfen. Anfang 1839 versorgten sie sich mit Wasserbüffeln, Timor-Ponys und einigen englischen Zeitungen aus Dili, der Hauptstadt der Kolonie Portugiesisch-Timor. Am 13. Februar besuchte der britische Kommandant Sir James J. Gordon Bremer Dili und versicherte sich vom dortigen portugiesischen Gouverneur Frederico Leão Cabreira (1839 bis 1844) weiterer Hilfe für die neue Siedlung aufgrund des alten Bündnisses zwischen den beiden Kolonialmächten. Port Essington wurde von den Briten bereits 1849 wieder aufgegeben.
Im Zweiten Weltkrieg entsandte Australien eine kleine Militäreinheit in die eigentlich neutrale portugiesische Kolonie. Tatsächlich besetzte Japan Portugiesisch-Timor und die Australier führten von 1942 bis 1945 einen Guerillakrieg gegen die Japaner, unterstützt von Timoresen. Viele Australier sehen dieses Engagement mit Dankbarkeit, Australien sei durch die Timoresen vor den Japanern gerettet worden, auch wenn in der australischen Geschichtsschreibung nur die jugendlichen als Helfer der Alliierten Einzug gefunden haben.Kisho Tsuchiya: , Journal War & Society, Vol. 38, No. 1, Februar 2018. Im August 2009 starteten die katholischen Joseph-Schwestern aus Sydney eine Petition, in der sie die Verleihung des Honorary Companion of the Order of Australia an Osttimor forderten. Begründet wurde dies mit der Unterstützung der timoresischen Bevölkerung für australische Soldaten in der Schlacht um Timor während des Zweiten Weltkrieges. Der Vorschlag wurde nicht umgesetzt.Petition fordert Auszeichnung für Timor-Leste. In: Wikinews. 6. November 2009.Eureka Street: Timor Diggers' guerilla war, 24. April 2010, abgerufen am 24. April 2020.
Indonesische Besetzung Osttimors mini|Das Suharto-Whitlam House (Dieng-Plateau, Indonesien). Hier diskutierten die beiden Politiker 1974 über Osttimor.
Infolge der portugiesischen Nelkenrevolution 1974 bereitete man die Entlassung Osttimors in die Unabhängigkeit vor. Die Associação Democratica para a Integração de Timor-Leste na Austrália (ADITLA) forderte den Anschluss der portugiesischen Kolonie an Australien, doch die australische Regierung lehnte das deutlich ab. Als Indonesien begann, grenznahe Regionen zu besetzen, erklärte die linksgerichtete FRETILIN Osttimor einseitig für unabhängig. In dem Chaos kaperten osttimoresische Flüchtlinge ein australisches Militärflugzeug, um ins Nachbarland zu kommen. Nur zwölf Staaten erkannten Osttimor an, Portugal und Australien gehörten nicht dazu. In Australien fürchtete man ein „zweites Kuba“ vor der eigenen Haustür. Bereits 1974 hatte Peter Wilenski, der Privatsekretär von Premierminister Gough Whitlam (ALP), dem indonesischen Militär signalisiert, dass Jakarta Osttimor annektieren solle, bevor es „unfreundliche Mächte“ tun würden.Arena: What Did East Timor Do To Deserve Us?, 9. Juni 2022, abgerufen am 12. Juni 2022. Whitlam und der indonesische Präsident Suharto trafen sich am 6. September 1974 in Indonesien und am 4. April 1975 in Townsville. Bei diesen Treffen wurde klar, dass Australien Indonesien freie Hand lassen würde, so dass es nur neun Tage nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Osttimors am 7. Dezember 1975 begann das Nachbarland zu besetzen.„Part 3: The History of the Conflict“ (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Australien vermied es, die Invasion offiziell zu verurteilen. Außenminister Andrew Peacock sprach am Tag des Einmarschs sogar von der „Schwere der Probleme, die sich der indonesischen Regierung stellen“, die er anerkenne. Die Schuld an dem Chaos sah er in der „inneren Unordnung“ Portugals und bei der FRETILIN. In der UN-Generalversammlung verteidigte der australische Vertreter Indonesien als eine unschuldige Partei, die in ihrem nationalen Interesse „Recht und Ordnung“ geschaffen habe, um eine instabile Situation zu bereinigen.
Folge der Besetzung war ein 24-jähriger Guerillakrieg, der einem Viertel der Bevölkerung Osttimors das Leben kostete. Bereits im Oktober 1975 hatten eindringende indonesische Truppen im osttimoresischen Balibo fünf westliche Journalisten ermordet, darunter drei Australier. Das Schicksal der sogenannten Balibo Five und des australischen Reporters Roger East, die Sympathien aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und osttimoresische Flüchtlinge, die in Australien Zuflucht gefunden hatten und für ihr Land warben, führten zu viel Unterstützung in der australischen Bevölkerung. Mehrere australische Nichtregierungsorganisationen setzten sich für die Unabhängigkeit Osttimors ein.ETAN: List of East Timor Support and Solidarity Groups Worldwide, abgerufen am 24. Januar 2018. Australische Aktivisten, wie Brian Thomas Manning, Denis Freney und Robert Wesley-Smith halfen FRETILIN-Angehörigen beim Betrieb von Radio Maubere. Peter Job unterhielt 1978 in Darwin einen Kurzwellensender, mit dem er eine Verbindung zwischen der FRETILIN in Osttimor und den Exilanten in Mosambik und New York.
mini|Demonstration für Osttimor im australischen Perth (September 1999)
Im März 1975 hatte eine Delegation der ALP das damalige Portugiesisch-Timor besucht, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Ein Mitglied der Delegation war der australische Senator Gordon McIntosh, der in den folgenden Jahren einer der wichtigsten Unterstützer für die osttimoresische Selbstbestimmung werden sollte. McIntosh kritisierte mehrfach scharf das Verhalten der australischen Regierungen unter Gough Whitlam und Malcolm Fraser (Liberals) und ihrem Freibrief für Indonesien, ebenso die de-facto-Anerkennung der indonesischen Oberhoheit über Osttimor 1978.The Biographical Dictionary of Australian Senate: McINTOSH, Gordon Douglas (1925– ), Senator for Western Australia, 1974–87 (Australian Labor Party), abgerufen am 13. März 2019. Mit diesem Schritt stand Australien weltweit allein da. International galt das Gebiet bis 2002 als ein „abhängiges Territorium unter portugiesischer Verwaltung“.Christopher Daase, Stefan Engert, Michel-André Horelt, Judith Renner, Renate Strassner: Apology and Reconciliation in International Relations: The Importance of Being Sorry, S. 261, 2015.Resolution 3485 der Generalversammlung der Vereinten Nationen (englisch). Australien widersprach in Osttimor seiner eigenen antikolonialen Politik. Whitlam sah in Osttimor als eine Fehlkonstruktion europäischer Planung oder einen „Unfall der westlichen Kolonialgeschichte“. Das Land sei zu klein, um unabhängig existieren zu können. Unter Premierminister Fraser wurde diese Einstellung weiter geführt. Indonesische Menschenrechtsverletzungen und Gräueltaten wurden heruntergespielt, die Ankläger diskreditiert und die FRETILIN als Gefahr für die regionale Stabilität dargestellt. Als das Büro der ABC in Jakarta geschlossen und das Arbeitsvisum des Fairfax-Korrespondenten Peter Rodgers gekürzt wurde, bat Australiens Botschafter Tom Critchley in einer Pressekonferenz um Verständnis für indonesische Befindlichkeiten und die „asiatische Art“, was ihm den Vorwurf der Unterwürfigkeit einbrachte.The Age:
Als 1977 der ehemalige australische Konsul in Dili James Dunn einen Bericht über Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Streitkräfte Indonesiens veröffentlichte, weigerte sich Außenminister Peacock, im Parlament dazu Stellung zu nehmen, und tat den Bericht als inoffiziell ab. Sein Ministerium lehnte den Bericht als „Hörensagen“ ab. Auch im Ausland versuchte man Dunns Bericht zu diskreditieren.Sydney Morning Herald: Campaigner for East Timor during Indonesian occupation, 14. Februar 2020, abgerufen am 14. Februar 2020.Clinton Fernandes: Australian inquiry into East Timor relations ignores local experience, In: The Conversation, 4. Juni 2013, abgerufen am 14. Dezember 2016.
1978 berichtete Critchley in einem Telegramm nach Canberra von einem Treffen mit dem indonesischen Verteidigungsminister General Mohammad Yusuf. Yusuf warnte vor einer sich anbahnenden humanitären Katastrophe in Osttimor in Folge der indonesischen Invasion. Etwa 270.000 Frauen und Kinder seien „von ihren Männern getrennt“ worden seien und es drohe daher eine Hungersnot. Premierminister Fraser gestand später, dass Australien auf diese Warnung nicht reagiert habe.ABC News: New evidence suggests Australia was warned about humanitarian crisis in East Timor and failed to act, 3. Oktober 2013, abgerufen am 30. Mai 2022. Vom 6. bis 7. September 1978 besuchte Critchley zusammen mit anderen Diplomaten das besetzte Osttimor, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Teilnehmende Journalisten berichteten von „schockierenden Bedingungen“. Ein Diplomat habe sich angesichts der Kinder an die Hungersnöte in Afrika erinnert gefühlt. Nach indonesischen Angaben standen 125.000 „Flüchtlinge“ unter indonesischer Kontrolle, die dringend humanitäre Hilfe brauchten.Timor Archives: Calamity unfolding: 1978, abgerufen am 30. Mai 2022. Erst im Oktober 1979 erreichte das Internationale Rote Kreuz Dili.„Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Im Mai 1980 besuchte Critchley Osttimor nochmals unter indonesischer Führung. In seinen Berichten nannte er die timoresische Bevölkerung „primitiv“, die jede Autorität akzeptieren würde. Die brutale Umsiedlungspolitik Indonesiens bestritt er. Umsiedlungslager, in denen die Menschen gefangen gehalten würden gäbe es nicht, da man versuche die Einwohner schnell in ihre Heimat zurückzubringen. Critchley nannte dies ein „Stammesumsiedlungsprogramm...um die zerstörerischen Gewohnheiten der wandernden Stämme einzudämmen und die miserablen Lebensbedingungen zu verbessern, unter denen so viele Osttimoresen seit Jahrhunderten leben“.Peter Job: A Narrative of Denial – Australia and the Indonesian Violation of East Timor, Melbourne 2021, ISBN 978-0522877601. Zwischen 1978 und 1980 sank die Einwohnerzahl von Osttimor um 55.000 Menschen.