Der Sechspunkt-Diebskäfer (Ptinus sexpunctatus) ist ein Käfer aus der Familie der Nagekäfer. Die Gattung Ptinus ist in Europa mit sechs Untergattungen vertreten, Ptinus sexpunctatus wird zur Untergattung Gynopterus gerechnet, die in Europa mit neun Arten vertreten ist.

In der Roten Liste Bayerns ist die Art als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft.

165px160px165px160pxAbb. 1: Verschiedene Ansichten173px140pxAbb. 2: weiße Flecke durchSchuppen auf den FlügeldeckenAbb. 3: Tarsen, rechts hin-teres, links mittleres Bein165px 158pxAbb. 4: links Mundwerkzeuge des Käfers nach Curtis teilweise koloriert: 1 Oberlippe, 2 Oberkiefer, 3 Unterkiefer mit Kiefertaster (blau), 4 Unterlippe mit Lippentaster (grün)rechts: Fühler nach Curtis115px50px150pxAbb. 5: links Larve, rechts Puppe der Untergattung165pxAbb. 6: Kopf und HalsschildAbb. 7: Ausschnitt der Flügeldecke, links teilweise koloriertgrün: Punktreihe, gelb: Reihe von Borstenhaarenblau: Flügeldeckennaht

Bemerkungen zu den Namen Als Erstbeschreibung wird gelegentlich fälschlicherweise Panzer 1795 angegeben. Im Entomologischen Taschenbuch für das Jahr 1795 von Panzer – das Vorwort ist mit 1794 datiert – nennt sich Panzer bei der Beschreibung des Käfers gleich zwei Mal selbst als Erstbeschreiber. Die eine von ihm angegebene Stelle wird erst im Folgejahr 1796 veröffentlicht. Hier umfasst die Beschreibung des Käfers eine Farbtafel, die den Käfer in natürlicher Größe und vergrößert abbildet und mit Ptinus sexpunctatus Mihi unterzeichnet ist (lat. mihi – „mich, mein“: Panzer beansprucht die Autorenschaft des Käfers für sich). Der Farbtafel folgt eine kurze lateinische Beschreibung und einige deutsche Bemerkungen zum Käfer, darunter die Angabe zum Lebensraum in finstern staubichten Orten in alten Gebäuden sowie der Hinweis Panzers auf eine frühere Beschreibung des Käfers aus seiner Feder. Diese erste Beschreibung erschien 1789, ist in lateinischer Sprache gehalten und für die damalige Zeit relativ ausführlich.

Auf jeder Flügeldecke des Käfers erkennt man bei oberflächlicher Betrachtung zwei weiße Flecke, also insgesamt vier Flecke, was dem Artnamen sexpunctata (lat. „mit sechs Punkten“) zu widersprechen scheint. In Panzers Erstbeschreibung wird bezüglich der Flecke jedoch ausgeführt, solitario ad baseos marginem, et duobus versus apicem (mit einem einzelnen (Fleck) am Rand der Basis und zwei gegen das Ende (jeder Flügeldecke)). Reitter formuliert diesbezüglich mit zwei großen weiß beschuppten Querflecken, wobei der hintere gewöhnlich in zwei Makeln aufgelöst erscheint. Der deutsche Namensteil sechspunktig ist die Übertragung des lateinischen Artnamens sexpunctatus ins Deutsche. Panzer selbst nennt den Käfer Bohrkäfer mit sechs Punkten.

Die Gattung Ptīnus wurde bereits 1767 von Linné als 192. Gattung aufgestellt. Aus der Beschreibung der Gattung geht nicht hervor, worauf sich der Gattungsname bezieht. Nach Schenkling ist er von altgr. πτηνός ptenós für „befiedert“ abgeleitet und dadurch begründet, dass der Käfer Ptilinus pectinicornis, der durch gefiederte Fühler auffällt, von Linné zur Gattung Ptinus gerechnet wurde.

Der Name der Untergattung Gynópterus ist nach Schenkling von altgr. γύνε gynē für „Weib“ und πτερόν pterón für „Flügel“ abgeleitet und bezieht sich darauf, dass sich die Flügeldecken bei Männchen und Weibchen unterscheiden. Dies gilt jedoch für den Sechspunkt-Diebskäfer nicht.

Die Artnamen basicornis (von lat. basālis – „durch die Basis ausgezeichnet“ und cornis – „Fühler“, für die an der Basis verdickten Fühler), dispar (von lat. díspar – „ungleich, verschieden“), gavoyi (nach dem Entomologen Louis Gavoy aus Carcassonne) und massiliensis (für eine bei Marseille (Massīlia) gefundene Variante), werden als Synonyme geführt.

Eigenschaften des Käfers Der Käfer wird 2,8 bis 4,2 Millimeter lang. Er ist dunkelbraun und trägt auf den Flügeldecken weiße Flecke. Fühler und Beine sind heller braun. Es kommen auch rotbraun gefärbte Tiere vor.

Der kurze Kopf ist nach unten geneigt. Er ist über den stark vorgewölbten Augen gemessen etwas schmaler als der Halsschild (Abb 6) und wird bei Störungen so getragen, dass er von oben gesehen unter dem Halsschild verborgen ist. Die Stirn ist dicht weiß beschuppt. Die elfgliedrigen Fühler sind fadenförmig. Sie sind behaart und nahe beieinander zwischen den Wangen eingelenkt. Sie sind beim Männchen etwa körperlang, beim Weibchen um ein Viertel kürzer, das achte bis zehnte Glied beim Männchen etwa dreimal so lang wie breit, beim Weibchen nur doppelt so lang wie breit. In beiden Geschlechtern ist das erste Fühlerglied gebogen und länger als das zweite. Die Form der einzelnen Fühlerglieder zeigt Abb. 4 rechts.

Die Oberlippe (Abb. 4, Fig. 1) ist breiter als lang und schließt vorn nur sehr schwach ausgerandet ab. Sie ist am Vorderrand und an den Seiten lang und zur Mitte gekrümmt behaart. Die kräftigen Oberkiefer (Mandibeln, Abb. 4, Fig. 2) sind außen behaart. Sie enden spitz, tragen am Innenrand in der oberen Hälfte ein Zähnchen und sind darunter am Innenrand sehr fein behaart. Die bei Insekten verbreitete Härtung der Mandibelspitze mit Metallen geschieht in der Gattung Ptinus durch Einlagerung von Zink.

Das letzte Glied des viergliedrigen Kiefertasters (Abb. 4, Fig. 3 blau getönt) ist so lang wie die drei vorhergehenden gemeinsam, in der Mitte verdickt und an der Spitze abgerundet. Das Endglied der kurzen dreigliedrigen Lippentaster (Abb. 4, Fig. 4 rechts grün getönt) ist birnenförmig.

Der Halsschild ist etwa gleich lang wie breit und überragt vorn den Kopf. Er trägt auf halber Höhe auf jeder Seite parallel zueinander zwei schwach ausgeprägte, längliche Höcker. Die schütteren aber kräftigen hellbraunen Borstenhaare betonen den Verlauf der Höcker und bilden an deren höchstem Punkt einen Wirbel oder Schopf. Vor der Basis ist der Halsschild ringförmig abgeschnürt, die Abschnürung ist nicht seitlich durch Längsschwielen unterbrochen (Abb. 5).

Das Schildchen ist gut sichtbar und erscheint auf Grund seiner Behaarung auffallend weiß.

Die Flügeldecken sind gemeinsam deutlich breiter als der Halsschild. Sie sind etwa doppelt so lang wie zusammen breit. Sie haben abgerundete, aber deutlich ausgebildete Schultern, die Seiten verlaufen hinter den Schultern annähernd parallel zueinander, im letzten Drittel enden die Flügeldecken gemeinsam abgerundet. Sie tragen stellenweise schmale, fast weiße elliptische Schuppen (Abb. 2). Diese bilden hinter den Schultern einen großen ausgefransten Fleck. Außerdem stehen sie nahe dem Ende der Flügeldecken dicht, wobei sie zwei getrennte kleinere nahe nebeneinander liegende Flecke bilden, die auch zu einem quer liegenden Band vereinigt sein können. Die Flügeldecken haben zehn Längsreihen aus großen, dicht stehenden, länglichen rechteckigen Punkten, deren Länge etwa gleich groß ist wie die Breite der zwischen den Punktstreifen liegenden Intervalle. Auf den Intervallen sitzt je eine Reihe mäßig langer, schräg nach hinten aufstehender hellbrauner Borstenhaare (Abb. 5).

Das Metasternum ist beim Männchen breiter als beim Weibchen, eine Mittellinie reicht von der Basis bis zur Mitte des Sternums, beim Weibchen ist diese Mittellinie nur im vorderen Drittel des Metasternums ausgebildet.

Die Beine sind lang und schlank, alle Tarsen sind fünfgliedrig. Das vierte Tarsenglied ist ansatzweise gelappt, oberseits ausgeschnitten und nicht schmäler als das dritte Glied (Abb. 3).

Larve und Puppe mini|280px|Abb. 8: Larve von Ptinus sexpunctatus nach Nicolas 18921 Seitenansicht; 2 Kopf von vorn; 3 Kopf von unten, teilweise koloriert:grün: Lade des Unterkiefers, blau: Kiefertaster, rot: Lippentaster;4 Analsegment von unten; 5 Bein; 7 Fühler, links von oben, rechts von der Seite;

Die weiche, fleischige, schmutzig weiße Larve wird im letzten Stadium bei normaler, gekrümmter Körperhaltung vier bis fünf Millimeter lang und einen guten Millimeter breit. Eine grobe Vorstellung vermittelt Abbildung 5 links. In gestrecktem Zustand wird die Larve etwas länger. Die Larve besteht aus dem Kopf und zwölf Segmenten, die durch Längs- und Querwülste unterteilt erscheinen (Abb. 8, Fig. 1). Mit Ausnahme des abgesetzten Kopfes verbreitert sich der Körper nach hinten ohne abrupte Änderung. Er ist dicht behaart. Die Unterseite ist abgeflacht, das Körperende stumpf abgerundet.

Der durch die Chitinisierung gelbliche Kopf (Abb. 8, Fig. 2 von vorn, Fig. 3 von unten) ist breiter als lang, wenig gewölbt, und endet vorn breit abgestutzt. Er trägt lange rote Haare. Auf dem Kopfskelett ist eine Mittellinie erkennbar, beiderseits davon verläuft ein charakteristischer großer oranger, länglicher Fleck. Die Mittellinie gabelt sich nach hinten undeutlich, die beiden Äste laufen über der Basis der Fühler aus.

Oberhalb der Mundöffnung liegt ein dunkel pigmentierter Bereich unter der Oberfläche, der nach Xambeu in zwei Flecke geteilt ist. Er ist auch durch die gelbliche Oberlippe hindurch sichtbar. Der Rand der Oberlippe ist dicht kurz rötlich bewimpert. Die kräftigen Oberkiefer (Abb. 8, in Fig. 2 tief dunkel) sind kurz, dreieckig und nach innen gebogen. Die Basis ist rötlich, die Spitze schwarz und stumpf zugespitzt. An der Außenseite der Oberkiefer befindet sich eine kleine längliche Grube, auf der Innenseite ein spitzer Zahn.

Die Unterkiefer sind fleischig, rötlich und behaart. Die Lade (Abb. 8, Fig. 3 grün) ist klein und nach innen mit Härchen gesäumt. Sie wird von dem dreigliedrigen, gelblichen Kiefertaster (Abb. 8, Fig. 3 blau) nur wenig überragt. Das Basisglied der Kiefertaster ist annähernd ringförmig, das zweite Glied etwas länger und gerader, das Endglied schlank, zugespitzt und leicht nach innen gekrümmt. Die zweigliedrigen Lippentaster (Abb. 8, Fig. 3 rot) sind sehr kurz, rötlich, und sitzen der behaarten gleichfarbigen fleischigen Unterlippe auf. Die sehr kurzen dreigliedrigen Fühler (Abb. 8, Fig. 7 links von oben, rechts von der Seite) entspringen hinter der Mitte der Basis der Oberkiefer und zeigen nach unten. Das Basisglied der weißlichen Fühler ist höckerartig, die beiden folgenden Glieder sind sehr klein und ausstülpbar. Nahe der unteren Ecke der Mandibelbasis befindet sich ein Einzelauge. Größe und Lage der einzelnen Teile des Kopfskeletts sind aus der Figur zwei und drei von Abbildung acht ersichtlich.

Der Hinterrand des Kopfes steckt im deutlich größeren ersten Körpersegment. Die ersten drei Körpersegmente (Brustsegmente) sind lang rötlich behaart, die folgenden Hinterleibssegmente tragen eine gleichfarbige, aber etwas spärlichere Behaarung, am Körperende wird die Behaarung wieder stärker. Die Brustsegmente tragen je ein Paar weit voneinander entfernt entspringender fünfgliedriger Beine. Diese (Abb. 8, Fig. 5) sind nur schwach ausgebildet und ebenfalls behaart. Sie enden in einer kurzen Klaue mit nach innen gekrümmter Spitze und einem Borstenhaar.

Die Körpersegmente sind nur auf der Unterseite deutlich getrennt. Oberseits sind sie mit Ausnahme der beiden letzten Segmente tief quer eingeschnitten, wodurch Querwülste entstehen, die sich an den Seiten nach unten ziehen. Die Einschnitte und Wülste sind nach hinten zunehmend schwächer ausgebildet, bei den Brustsegmenten dagegen besonders stark, beim ersten Segment verdeckt der hintere Wulst sogar im Rückenbereich den Quereinschnitt. Außerdem ist im hinteren Körperbereich seitlich unter den Querwülsten pro Segment ein länglicher Seitenwulst ausgebildet, der besonders am letzten Hinterleibssegment (Analsegment) stark ausgeprägt ist.

Die rundlichen Atemöffnungen (Stigmen) sind klein und gelb mit einem rötlichen Rand. Je ein Stigma auf jeder Seite liegt an den ersten acht Hinterleibssegmenten im ersten Drittel oberhalb des Seitenwulstes, ein weiteres Stigmenpaar befindet sich nahe der Trennungslinie zwischen dem ersten und zweiten Brustsegment unterhalb des Seitenwulstes.