Die Marienkirche in Okartowo ist ein Bauwerk aus den 1920er Jahren. Bis 1945 war sie das evangelische Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Eckersberg; seitdem ist sie die römisch-katholische Kirche der Pfarrei Okartowo in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Okartowo liegt in der östlichen Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Landesstraße 16, 20 Kilometer nördlich der Kreisstadt Pisz (). Der Ort ist Bahnstation an der – allerdings nicht mehr regulär befahrenen – Bahnstrecke Czerwonka–Ełk (deutsch Rothfließ–Lyck).
Der Standort befindet sich in der Ortsmitte auf der südlichen Seite der Hauptstraße.
Kirchengebäude mini|rechts|Kircheninnenansicht mini|rechts|Blick zur Orgelempore Eine wohl nach dem Apostel Bartholomäus genannte Kirche soll in Eckersberg schon in der Ordenszeit errichtet worden sein. Diese wurde 1799 durch einen Nachfolgebau ersetzt,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 119, Abb. 540–543. der allerdings 1914 bei den Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg abgebrannt wurde. Auf dem ehemaligen Burggelände, das 1848 der Kirche überlassen wurde, entstand in den Jahren 1922 bis 1924 nach den Entwürfen des Johannisburger Regierungsbaumeisters Henry ein Neubau. Es handelte sich um den heute noch vorhandenen massiven, verputzten Ziegelbau mit eingesetztem Holzturm.
Der Innenraum ist dreischiffig angelegt, in der Mitte gewölbt und über den Seitenemporen flach gedeckt. Die Ständer und Balken sowie Holzflächen sind von dem Königsberger Künstler Günther mit Ornamenten, stilisiertem Rankenwerk, Blättern und Blüten in den masurischen Farben blau, weiß und rötlich reichhaltig ausgemalt worden. Dabei soll auch ein Tierbild verewigt worden sein: Jacob, das Transportpferd – mit dem Text Ich, Jacob, karrte den größten Teil der Steine zum Bau dieser Kirche heran.
Das Gotteshaus erhielt in seiner Entstehungszeit eine Orgel und zwei Glocken. Bis 1945 war es Pfarrkirche des evangelischen Kirchspiels Eckersberg. Heute ist es die Kirche der römisch-katholischen, seit 1984 bestehenden Pfarrei Okartowo und der Unbefleckten Empfängnis der heiligsten Jungfrau Maria (Mariä-Empfängnis-Kirche) gewidmet.
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Bereits in vorreformatorischer Zeit des Deutschen Ordens zwischen 1340 und 1345 wurde in Eckersberg eine Kirche gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. Um das Jahr 1530 wurde sie lutherisch, und es nahmen hier zwei evangelische Geistliche gleichzeitig ihren Dienst aufFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 34.. Anfangs in die Inspektion Lyck () eingegliedert, war das Kirchspiel Eckersberg dann von 1715 bis 1945 Teil des Kirchenkreises Johannisburg () in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. 3.815 Gemeindeglieder zählte die Pfarrei im Jahre 1925. mini|rechts|Grabstätte des Rektorenehepaares Skrodzki auf dem alten evangelischen Friedhof in Okartowo Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten der evangelischen Kirchengemeinde nach 1945 ein Ende. Heute leben in Okartowo nur sehr wenige evangelische Kirchenglieder. Sie halten sich zur Kirche in der Kreisstadt Pisz () in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
An die Zeit vor 1945 erinnert der noch vorhandene evangelische Friedhof, der jedoch nicht mehr genutzt wird.
Kirchspielorte Bis 1945 waren 16 Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze in das Kirchspiel Eckersberg eingegliedert:Der * markiert einen Schulort. Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name *Chmielewen Talau Chmielewo *Sastrosnen Schlangenfließ Zastrużne *Dombrowken (ab 1929)Eichendorf Dąbrówka Schönwiese Osiki Drosdowen Drosselwalde Drozdowo Sdengowen Zdęgówko *Eckersberg Okartowo *Seehöhebis 1905 Czierspienten Cierzpięty *Gregersdorf Grzegorze Trockenhorn Suchy Róg *Gutten (E) (ab 1935)Seegutten Nowe Guty *Tuchlinnen Tuchlin Neuendorf Nowa Wieś Wensewen Wensen Wężewo Pappelheim Gaudynki *Zollerndorfbis 1904 Dziubiellen Dziubiele
Pfarrer Bis 1945 amtierten als evangelische Geistliche an der Kirche Eckersberg die Pfarrer: Friedrich Stenzel, 1541 Friedrich Jeger, 1554/1579 Martin Prefdisken, 1571 Johann Gregorowitz, 1583–1625 Jacob Lasmiecky, ab 1625 Matthias Dannovius, 1637 Albrecht Dannovius, 1637 Felix Wannowius, bis 1656 Fabian Prasmo, 1657–1676 Johann Adam Krzywiewski, 1668 Georg Cibrowius, 1676–1689 Andreas Garönicke, 1690–1691 Christoph Pawlicki, 1690–1719 Johann Orlowius, 1691–1710 Johann Danowius, 1710–1745 Johann Lazniczki, 1720–1732 Christian Wannowius, 1733–1758 Johann Friedrich Göhrke, 1739–1743 Wilhelm Swonckowski, 1744–1745 Johann Klinger, 1758–1765 Christian Wannowius, 1758–1785 Paul Friedrich Kusbiel, 1765–1810 Christian Wannowius, 1785–1790 Michael Piontkowsky, 1791–1799 Samuel Appelbaum, 1810–1829 Johann Skierlo, 1830–1839 August Ferdinand Kob, 1839–1845 Johann Christ. Ferdinand Haeber, 1846–1849 Carl August Rhein, 1850–1881 Ernst Theodor Teschner, 1883–1890 Agathon Harnoch, 1890–1896 Johann Fr. G. Koschorreck, 1896–1907 Friedrich Karl Mitzka, 1908–1910 Ernst August Heinrich Sack, 1910–1917 Erich Riedel, 1920–1924 Hermann Ippig, 1924–1931 Herbert Schott, 1933–1939 Johannes Kypke, 1940–1941 Werner Elert, 1942–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Kirchspiels Eckersberg haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage, Berlin 1992, S. 37.
Konfirmationen: 1914, 1917 bis 1944.
Römisch-katholisch Im Raum Eckersberg lebten vor 1945 nur wenige Katholiken; sie waren nach Johannisburg im Dekanat Masuren II im Bistum Ermland eingepfarrt. Ihre Zahl stieg jedoch nach 1945 stark an, als polnische Bürger sich hier neu ansiedelten. Sie waren zumeist katholischer Konfession und übernahmen das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Kirche. Am 5. November 1984 wurde hier eine Pfarrei eingerichtet, zu der heute die Filialkirche in Cierzpięty () gehört. Sie gehört zum Dekanat Biała Piska im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Maria-Immaculata-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Okartowo-Kirche