Stötteritz ist ein Stadtteil und zugleich Ortsteil im Stadtbezirk Südost von Leipzig. Von 1839 bis zur Eingemeindung im Jahr 1910 war es eine selbstständige Gemeinde.
Geografie Lage Der Ortsteil liegt etwa vier Kilometer vom Zentrum Leipzigs entfernt. Er umfasst nahezu die gesamte Gemarkung Stötteritz sowie Teile der Gemarkungen Reudnitz, Thonberg und Probstheida. Im Westen wird er von der Prager Straße sowie der Bahnstrecke Leipzig Hbf–Leipzig-Connewitz begrenzt; im Norden durch die Oststraße, den Ostfriedhof, die Sternsiedlung Südost sowie die Nordgrenze der Gemarkung Stötteritz. Nach Osten, wo sich Mölkau, Zweinaundorf und Holzhausen anschließen, bildet ebenso die Gemarkung Stötteritz die Grenze. Im Süden verläuft die Grenze entlang der Gemarkung Probstheida, des Kleingartenvereins Denkmalblick und des Freundschaftsparks. Stötteritz ist einer der höchstgelegenen Ortsteile Leipzigs.
Nachbarstadtteile Folgende Stadt- bzw. Ortsteile grenzen an Stötteritz:
Ortsbild mini|Platanen an der Naunhofer Straße
Der Südteil von Stötteritz, zwischen Prager Straße, Holzhäuser Straße und Kommandant-Prendel-Allee, ist geprägt von Alleen mit teils sehr großen Platanen. In diesem Bereich befindet sich das Stötteritzer Villenviertel. Im Norden bestimmt dichte Bebauung das Bild zwischen der Holzhäuser Straße, der Schönbachstraße und der Papiermühlstraße. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden dort Gründerzeitbauten und Produktionsgebäude. Durch den seit Ende der 2010er Jahre anhaltenden Bauboom in Leipzig wurden einige Neubauten errichtet. Im Südosten befinden sich größtenteils Einfamilienhausgrundstücke mit beinahe dörflichem Charakter.
Geschichte Name Der Name ist aus altsorbisch stodor „seichter Acker auf Felsengrund“, auch „Felsen, Bergrücken, Haufen“ und „Ort auf steinigem Grund“ abgeleitet. Im Volksmund wird Stötteritz auch „Strietz“ genannt,Strietzer Blätter – Interessantes aus Stötteritz und Umgebung. Herausgeber: Bürgerverein Stötteritz e. V. mitunter scherzhaft auch „St. Ötteritz“.
Erstbesiedlung Um 1000 v. Chr. (Spätbronzezeit) existierte vermutlich im Bereich der heutigen Oststraße eine Siedlungsstelle.
Mittelalter Während der altsorbischen Landnahme entstanden nach 700 Stötteritz und, nördlich davon (vermutlich im Bereich der heutigen Papiermühl- und Oststraße), Melschen mit wohl je 2 bis 5 Bauernstellen als Rundlinge. Von diesen gibt es keine Überlieferung mehr, wohl aber Urnenfunde am ehemaligen Mühlweg. Die älteste Dorfanlage von Stötteritz ist auf etwas erhöhtem Gelände, um den Bereich der Kirche anzunehmen. Der Fund einer porphyrenen Schleuderkugel in einer Schlammschicht auf dem Gelände des heutigen Wäldchens könnte auf eine Wasserburg hindeuten.
In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts eroberte König Heinrich I. die Region. Seit der Belehnung Konrads von Wettin mit der Mark Osterland nach 1136 begannen der Markgraf und sein Sohn Otto mit dem intensiven Landesausbau. Zwar hatte es keine bedeutende Zusiedlung deutscher Bauern nach Stötteritz gegeben, mit der deutschen Kolonisation war das Dorf aber vermutlich deutschen Rittern dienstpflichtig. Es entstand eine deutsche Wallanlage (Wasserburg, Herrenhof) am Nordrand des alten Ortskerns im östlichen Gutsbereich. Die einst rechteckige Burginsel ist mit der nordöstlichen Gebäudeecke des Gutsgevierts überbaut. Vom Rechteckgraben sind ein Teil der nördlichen und die östliche Erstreckung wasserführend erhalten.
1213 wurde das benachbarte, vermutlich von flämischen Siedlern gegründete Baalsdorf erstmals erwähnt. Vermutlich wurde das altsorbische Stötteritz von Baalsdorf aus christianisiert und das Kirchenpatronat Stötteritz kam zusammen mit Baalsdorf an das neu gestiftete Thomaskloster zu Leipzig. 1325 wurde „Sthodericz“ erwähnt, als das Thomaskloster Hufenbesitz in Stötteritz und Baalsdorf erwarb. Es lässt sich ein altslawischer Ortsname *Stodorica vermuten, basierend auf stodor 'steiniger Acker/Grund'.Vera Denzer, Andreas Dix, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Leipzig. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2015, S. 307. 1335 wurde erstmals „Mylschene“ erwähnt, 1350 hieß Stötteritz „Ztedericz“ bzw. „Stadericz“. Markgraf Friedrich IV., der Streitbare belehnte 1397 Johans Albern, Bürger zu Leipzig, mit 4 Hufen zu „Sthodericz“ (eventuell ist damit das Gebiet des Herrenhofs gemeint). Nach dem Ableben von Balthar Schultz ging 1487 ein Teich „bey Stöderitz“ an dessen Söhne über. 1490 wurde Melschen noch als Dorf bezeichnet.
16. Jahrhundert mini|Nordseite des Herrenhauses des Ritterguts unteren Teils in Stötteritz (2004)
Seit Anfang des 16. Jahrhunderts bildeten sich in Stötteritz ein, später zwei Rittergüter, das obere und das untere, heraus. Es gab keine Bauernstellen, weil die altsorbischen Bauern wahrscheinlich „gelegt“ worden sind, worauf die Gutssiedlung mit Häuslerzeilen sowie die blockförmigen Gutsschläge und Parzellen hindeuten. Die Güter wechselten häufig ihre zumeist bürgerlichen Besitzer. Da die Entwicklung Stötteritz' durch die Güter bestimmt war, entstanden zwei relativ selbständige Ortsteile. 1500 schätzte Erich Fachs sein Gut, „das untere Vorwergk zu Stodericz“, auf 4.000 Gulden. Beim Verkauf des „Vorwergs Stöderiz“ gab es 1515 Streitigkeiten. Am 13. März 1517 verkaufte Helena Krahin das (obere, sich wohl zuerst herausbildende) Gut an Ludovico Langschneider, „Vorsteher des heiligen Altars St. Annae in der Thomaskirche“. Dabei wurde die „Melscher Marck“ (neben Stötteritz) genannt. Melschen war also wüst, seine Flur ging in die von Stötteritz ein. 1540 ging das Gut wieder in bürgerlichen Besitz über. Sigmund Breutigam und Ehefrau wurden mit dem Gut „Stöderitz“ belehnt. Die Kirche des Dorfes war eine Filialkirche der von Baalsdorf. Der Rat zu Leipzig kaufte 1543 die Klostergüter Baalsdorf und Melschen (von Letzterem gibt es nur noch die Mark), d. h. Stötteritz (?).
Im Schmalkaldischen Krieg bezog Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen 1547 sein Hauptquartier bei Stötteritz im Haus Hans Schwartzens. Bei seinem Abzug verschonte er den Ort, der zum Kreisamt Leipzig gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f. 1551 gehörte Stötteritz grundherrschaftlich zum Rittergut Stötteritz. Die Melscher Mark wurde zu dieser Zeit als „Stoderitzermargk“ bezeichnet. Ernst Fachs verkaufte 1559 2 1/4 Hufen Land an Mölkauer Besitzer, 20 Acker davon waren Melscher Besitztum, ein Teil kam zu Crottendorf und Reudnitz. 1574 forderte man die Anstellung eines Küsters, der auch Lehrer, Kantor und Organist sein sollte. Das Gesinde wohnte bis 1580 auf den Gutshöfen, seitdem wurden für diese eigene Häuser gebaut. 1581 wurde die Mühle am heutigen Kärrnerweg privilegiert. Der Leipziger Ratsherr Peter Heintze war 1587 Besitzer des offenbar einzigen Rittergutes. Ende des 16. Jahrhunderts ist erstmals ein Kohlgärtner nachweisbar.
17. Jahrhundert 1612 wohnten 11 Gärtner (Hauseigentümer mit Land und landwirtschaftlicher Tätigkeit im Nebengewerbe) mit ihren Familien in Stötteritz. Pfarr- und Rittergutsfamilien und an das Gut gebundene Leibeigene hinzugezählt hatte das Dorf etwa 100 Einwohner. Dr. Friedrich Scipio verkaufte 1622 das Gut an den Handelsmann Jacob von Ryssel. 1629 wurde das Vorwerk Stötteritz genannt. Im Dreißigjährigen Krieg beschossen kaiserliche Truppen 1633 von Thonberg und Stötteritz aus Leipzig. Vier Jahre später war Stötteritz durch Plünderung, Brand und Pest fast ausgestorben. Der schwedische General Torstenson rückte 1642 zur Belagerung Leipzigs an und nahm das Stötteritzer Gut als Quartier. 1650 starben 103 Einwohner an der Pest. An der Kirche wurde 1666 ein Halseisen zur Bloßstellung von Übeltätern angebracht.
18. Jahrhundert Der Name Melscher Mark verschwand im 18. Jahrhundert, weil sie von Stötteritz aus überbaut wurde. Um 1700 wurde von der heutigen Ferdinand-Jost-Straße bis zur heutigen Papiermühlstraße eine „lange Reihe“ (Gasse) von Häusern für das untere Gut errichtet. Im Großen Nordischen Krieg fielen 1706 schwedische Reiter in Stötteritz ein. Engelbert von der Burg, Gutsherr unteren Teils, Assessor am Leipziger Konsistorium, ließ 7 niedergebrannte Häuser wieder aufbauen. 1714 traf ein Brand das obere Gut. 1734 baute der Krämermeister Quandt am Weg nach Connewitz (heute Napoleonstein) eine Tabaksmühle. Hofrat Adam Friedrich von Glafey war 1746–1753 Besitzer des Gutes oberen Teils und Gerichtsherr beider Teile des Ortes. Danach besaß der Domherr, Appellationsrat und Ordinarius Heinrich Gottfried Bauer bis 1811 das Gut oberen Teils. 1764 gehörte das Dorf zum Amt Leipzig, grundherrschaftlich zum Rittergut Stötteritz. Es zählte 91 Gärtner und 46 Häusler, mit der sonstigen Bevölkerung um 700 Einwohner sowie 2 1/2 Hufen je 12 Acker und 18 (Ritterguts-)Hufen ja 20 Acker.
Für viele Bewohner wurde der Tabakanbau u. a. am Schwarzacker in der Zeit von 1765 bis 1860 zum Haupterwerbszweig. In der Blüte des Tabakanbaus wurde der Ertrag (scherzhaft „Stänkeriko“ genannt) mit 10.000 Zentnern angegeben. Die Häuser von Stötteritz waren im Herbst mit gelben trocknenden Tabakblättern behängt. Andere Stötteritzer arbeiteten als Tagelöhner in Leipzig. Der Einfluss der Güter nahm in dieser Zeit ab. 1780–1790 wurde auf dem Gut unteren Teils das barocke Herrenhaus gebaut. Friedrich Schiller hielt sich 1785 in Stötteritz auf. 1790 erwarb Christian Felix Weiße, Kreissteuereinnehmer und als Dichter von „Komischen Opern“ Beherrscher der Bühne in Leipzig, das untere Gut. Weiße gestaltete es völlig um, er veranlasste die Anlage eines Parks nach englischem Vorbild (später „Das Wäldchen“). Das Antlitz des Gutshofes wandelte sich von einem Wirtschaftshof zu einem freundlichen Sommerhaus mit Garten und Park. Auf dem Gut entfaltete sich ein reges kulturelles Leben, das besonders durch die literarischen Ambitionen Weißes, der selbst viele Kinderbücher schrieb, geprägt war. Das Gut war ein Treffpunkt zahlreicher Dichter (Christian Garve, Christoph Martin Wieland, Moritz August von Thümmel, Jean Paul).
19. Jahrhundert Von 1801 bis zu einem Brand im Jahr 1809 befand sich nahe der Kreuzung Ferdinand-Jost-/Eichstädtstraße eine von Johann Christoph Ludwig nach holländischer Art erbaute Papiermühle, die u. a. braunes Packpapier herstellte. Das im Mühlteich gestaute Wasser diente zum Einweichen der Hadern.
mini|hochkant=0.75|Stötteritz auf einem Plan von 1808 Der „Neue Plan von der Stadt Leipzig nebst der umliegenden Gegend“ wies um 1801 Stötteritz als Mehrfachstraßendorf (heutige Oberdorf-, Zuckelhäuser-, Sommerfelder Straße, Lange Reihe) mit Kirche, Gütern, Teichen, zwei Windmühlen und Papiermühle aus. Oberdorf- und Sommerfelder Straße wiesen nach West einen Anbau auf.
mini|links|Ansicht von Stötteritz nach der Völkerschlacht (1815)