BRICS (ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der ersten fünf Mitgliedsstaaten) ist eine zunächst informelle Vereinigung von Staaten. Gegründet 2009 als BRIC durch Brasilien, Russland, Indien und die Volksrepublik China erfolgte 2010 die Erweiterung um Südafrika. 2024 kamen Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate hinzu, 2025 Indonesien, weshalb die Vereinigung auch als BRICS plus bezeichnet wird.

Zweck der Vereinigung Die BRICS entstand in der Finanzkrise 2008 als informelle Vereinigung gegen die westliche Dominanz im Finanzwesen. Die Interessen der jeweiligen Mitglieder sind nicht einheitlich, und eine gemeinsame Strategie wurde auch nicht festgelegt.https://www.stimson.org/2023/the-futue-of-brics-between-objectives-and-challenges/https://www.bbc.com/news/world-66525474https://news.mit.edu/2023/taylor-fravel-brics-expansion-0926https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13600818.2022.2033191#d1e162 Die BRICS bildet keine zivilisatorische Einheit wie bei den G7.https://novayagazeta.eu/articles/2024/09/08/ub-uverennosti-v-zavtrashnem-dne 2024 bestand immer noch eine unsichere Struktur ohne klaren Inhalt und gemeinsame Ziele. Es bestehen auch keine institutionalisierten Verpflichtungen.https://theins.ru/opinions/anton-barbashin/275500

Geschichte mini|hochkant|BRIC-Gipfeltreffen 2009 (von links): Luiz Inácio Lula da Silva (Brasilien), Dmitri Medwedew (Russland), Hu Jintao (Volksrepublik China) und Manmohan Singh (Indien). mini|hochkant|BRICS-Tower in Shanghai: Sitz der New Development Bank mini|BRIC-Gipfeltreffen 2010 (von links): Dmitri Medwedew, Luiz Inácio Lula da Silva, Hu Jintao und Manmohan Singh. mini|BRICS-Gipfeltreffen 2011 (von links): Manmohan Singh, Dmitri Medwedew, Hu Jintao, Dilma Rousseff (Brasilien) und Jacob Zuma (Südafrika). mini|BRICS-Gipfeltreffen 2012 (v. l.): Dilma Rousseff, Dmitri Medwedew, Manmohan Singh, Hu Jintao und Jacob Zuma. mini|Die BRICS-Staatschefs am 15. Juli 2014 (v. l.): Wladimir Putin (Russland), Narendra Modi (Indien), Dilma Rousseff, Xi Jinping (Volksrepublik China) und Jacob Zuma. mini|BRICS-Gipfeltreffen 2016 (v. l.): Michel Temer (Brasilien), Wladimir Putin, Naren­dra Modi, Xi Jinping und Jacob Zuma. mini|16. BRICS-Gipfeltreffen 2024 in Kasan, Hauptstadt der Republik Tatarstan in Russland mini|17. BRICS-Gipfeltreffen 2025 vor dem Wahrzeichen von Rio de Janeiro, dem Zuckerhut: (von links) Sergei Lawrow, Khaled bin Muhammad Al Nahyan, Prabowo Subianto, Cyril Ramaphosa, Lula, Modi, Li Qiang, Abiy Ahmed, Mustafa Madbuli und Abbas Araghtschi.

Die Abkürzung wurde von Jim O’Neill geprägt, dem Chefvolkswirt der Großbank Goldman Sachs, welcher sie in seinen Veröffentlichungen verwendete – erstmals Ende 2001.J. O’Neill: Building Better Economic BRICs. Maßgebend waren die Anfangsbuchstaben der englischsprachigen Bezeichnungen , , und , und die Verbindung mit dem englischen Wort für Baustein, : „The World Needs Better Economic BRICs“. Erste Treffen der Vierergruppe gab es ab 2006, die formelle Gründung erfolgte dann 2009 im russischen Jekaterinburg.

Diese Schwellenländer hatten über einen längeren Zeitraum jährliche Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung von 5 bis 10 %. Von O’Neill stammt auch die Idee der Next Eleven als ihren „Nachfolgern“.

Im Dezember 2010 erhielt Südafrika offiziell durch die Volksrepublik China nach Rücksprache mit den anderen Mitgliedern eine Einladung 24. Dezember 2010. und nahm im April 2011 erstmals am Jahrestreffen der Gruppierung teil, die sich seither BRICS nennt.

Auch bedingt durch spekulative Überhitzung (so in der Volksrepublik China) und den Verfall der Rohstoffpreise (wie u. a. bei Rohöl, Eisenerz, Kupfer, Nickel) setzte von Mitte 2013 bis Anfang 2014 eine Krise der BRICS-Staaten ein, die zu starken Rückflüssen des Kapitals in den Dollar- und Euroraum führte.Die BRICS-Länder sind in der Krise. Sächsische Zeitung online, 11. August 2015 sächsische.de Nachdem das Investitionspotenzial bei BRICS ausgereizt war, rief Jim O’Neill zu Investitionen in Finanzprodukte der MIST-Staaten auf – seine Wortschöpfung für die Ländergruppe Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei.Diese Anlagestrategie ist MIST. Handelsblatt online, 21. August 2012: handelsblatt.com Auch hier begann 2015 eine krisenhafte Entwicklung.

Die BRICS haben eine Alternative zur Weltbank geschaffen, die Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte finanziert, sowie einen neuen Mechanismus zur finanziellen Unterstützung in Wirtschaftskrisen, der teilweise mit der Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) konkurriert: Die New Development Bank (NDB, ehemals BRICS Development Bank) wurde als eine multilaterale Entwicklungsbank am 15. Juli 2014 von den fünf Staaten gegründet. Die Schwesterorganisation Contingent Reserve Arrangement (CRA) wurde mit einem Anfangskapital von 100 Milliarden Dollar ausgestattet.Mehr Unabhängigkeit: Schwellenländer gründen Entwicklungsbank und Währungsfonds. (Stand: 16. Juli 2014). Die BRICS setzt Initiativen um wie die NDB und das Kontingentreserveabkommen und wird als Vehikel zur Überwindung bestehender Unipolarität unter US-Führung und hin zu einer multipolaren Weltordnung gesehen. Ein Beitrag dazu könnte auch die von einigen der Staaten angestrebte „Ent-Dollarisierung“ des Welthandels- und -finanzsystems sein.

Vor dem Hintergrund des russischen Überfalls auf die Ukraine seit 2022 und des Konflikts um Taiwan „strebt der Staatenbund nach mehr politischem Gewicht und versucht, sich als Alternative zur G7 zu positionieren“, so Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Zum Ukrainekrieg haben sich die BRICS-Mitglieder zurückhaltend geäußert: Südafrika, Indien und Brasilien enthielten sich einer deutlichen Verurteilung wie auch einer Unterstützung des russischen Vorgehens.

Gipfeltreffen Gipfeltreffen am 16. Juni 2009 in Jekaterinburg, Russland Gipfeltreffen am 15. April 2010 in Brasília, Brasilien Gipfeltreffen am 14. April 2011 in Sanya, Volksrepublik China Gipfeltreffen am 29. März 2012 in Neu-Delhi, Indien Gipfeltreffen am 27. März 2013 in Durban, Südafrika Gipfeltreffen vom 15. bis 17. Juli 2014 in Fortaleza, Brasilien (mit Gründung der New Development Bank und des Contingent Reserve Arrangement) Gipfeltreffen vom 8. bis 9. Juli 2015 in Ufa, Republik Baschkortostan, Russland

Gipfeltreffen vom 15. bis 16. Oktober 2016 in Benaulim/Goa, Indien Gipfeltreffen vom 3. bis 5. September 2017 in Xiamen, China Gipfeltreffen vom 25. bis 27. Juli 2018 in Johannesburg, Südafrika Gipfeltreffen vom 13. bis 14. November 2019 in Brasília, Brasilien Gipfeltreffen am 17. November 2020 in Moskau, Russland Gipfeltreffen am 9. September 2021 in Neu-Delhi, Indien virtuelles Gipfeltreffen am 23. Juni 2022 (Gastgeber China) Gipfeltreffen 2023 vom 22. bis 24. August 2023 in Johannesburg, Südafrika und außerordentlich am 21. November 2023 (Videokonferenz) Gipfeltreffen vom 22. bis 24. Oktober 2024 in Kasan, Russland Gipfeltreffen am 6./7. Juli 2025 in Rio de Janeiro, Brasilien Gipfeltreffen am 12./13. September 2026 in Neu-Delhi, IndienGipfelerklärung s. Weblinks

Erweiterungen Vor dem BRICS-Gipfel im August 2023 in Südafrika haben nach südafrikanischen Angaben mehr als 40 Staaten Interesse an einer BRICS-Mitgliedschaft geäußert. Zum BRICS-Gipfel im August 2023 in Südafrika hatten 23 Staaten einen „konkreten Antrag“ für eine BRICS-Mitgliedschaft gestellt. Davon haben sechs Staaten die Einladung erhalten, zum 1. Januar 2024 der Gruppe beizutreten. Zum Jahresbeginn 2024 erfolgte die Erweiterung um Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate. Saudi-Arabien erhielt ebenfalls eine Einladung, hat aber Stand Mai 2025 zwar an BRICS-Treffen teilgenommen, jedoch seine Mitgliedschaft nicht formalisiert. Argentinien hatte auch eine Einladung erhalten, nach dem Amtsantritt Javier Mileis aber offiziell mitgeteilt, sich nicht den BRICS-Staaten anzuschließen. Nach welchen Kriterien neue Mitglieder aufgenommen werden sollen, war im Vorfeld innerhalb der BRICS umstritten.

Zu den weiteren Interessenten gehören:

Die Türkei beantragte am 3. September 2024 die BRICS-Mitgliedschaft.

Kasachstan wird nach eigener Aussage „derzeit und höchstwahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft“ nicht BRICS beitreten, obwohl Russlands Präsident Putin dies wünschte. Als mutmaßliche Reaktion auf die Absage von Kasachstan verhängte Russland ein vorübergehendes Importverbot für bestimmte Obst- und Gemüsesorten gegen das Nachbarland. Der Präsident Kasachstans nahm als Beobachter am 16. BRICS-Gipfeltreffen teil.

Anlässlich des Gipfeltreffens in Kasan 2024 wurde bekanntgegeben, dass es Assoziierungsabkommen mit 13 neuen Partnerstaaten gebe.Brics: Kuba und Bolivien ins Staatenbündnis aufgenommen, abgerufen am 28. Oktober 2024 Von diesen haben neun Länder die Einladung zur Partnerschaft angenommen und sind daher seit dem 1. Januar 2025 bzw. 17. Januar 2025 (Nigeria) offizielle BRICS-Partner. Unter dem Vorsitz Brasiliens wurde am 13. Juni 2025 Vietnam als zehntes Partnerland aufgenommen.

Das neunte dieser neun Länder war Indonesien, welches eine Woche später zum vollwertigen Mitglied aufstieg. Nigeria wurde am 17. Januar 2025 als Partnerstaat aufgenommen. Von den folgenden zwei Ländern stand Anfang 2025 eine Antwort aus:

Industrielle Entwicklung und wirtschaftliches Gewicht Die industrielle Entwicklung und ihr jeweilig wirtschaftliches Gewicht sind bei den BRICS-Staaten sehr unterschiedlich.

Volksrepublik China Die Volksrepublik China ist die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Gruppe und hat mit über 1,4 Milliarden Bewohnern auch knapp hinter Indien die zweitgrößte Bevölkerung der Welt. An gesamter wirtschaftlicher Kraft liegt die Volksrepublik 2022 kaufkraftbereinigt vor der EU und den Vereinigten Staaten, liegt aber beim BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität auf unter einem Drittel des US-Niveaus und innerhalb der BRICS-Staaten an zweiter Stelle hinter Russland und knapp vor Brasilien und Südafrika.

Die chinesische Wirtschaftskraft hat sich von 2008 bis 2017 mehr als verdoppelt. Auch wenn sich das Wachstum in den letzten Jahren etwas abgeschwächt hat, liegt es mit über 6 % jährlich immer noch über dem westlicher Industriestaaten (1,5–2 %). Das Land strebt mittelfristig eine führende Rolle in der weltweiten Wirtschaft an und arbeitet daran, auch in Hochtechnologiesektoren (Flugzeugbau, Medizintechnik etc.) zu den westlichen Industriestaaten aufzuschließen.

Indien Indien ist nach Bevölkerung (ca. 1,42 Mrd.) erster und nach Wirtschaftskraft der zweitgrößte der BRICS-Staaten und nach Kaufkraftparität die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Gleichzeitig ist das Land aber auch der am zweitniedrigsten entwickelte Staat der BRICS-Gruppe, besitzt das zweitniedrigste Pro-Kopf-BIP und die zweitniedrigste Position im Index der menschlichen Entwicklung (siehe Tabelle).

Ebenso wie die Volksrepublik China hat das Land Mitte der 2010er Jahre eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht, mit Wachstumsraten, die meist knapp unter denen der Volksrepublik China lagen, aber dennoch über 6 oder 7 % jährlich.

Russland thumb|Der russische Präsident Wladimir Putin, der indische Premierminister Narendra Modi und der chinesische Präsident Xi Jinping beim 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi, Indien, am 12. September 2026 Russland war bis 2024 der laut Index der menschlichen Entwicklung am höchsten entwickelte aller BRICS-Staaten (siehe Tabelle) und es hat nach den Vereinigten Arabischen Emiraten das zweithöchste Pro-Kopf BIP. Nach Fläche ist Russland der mit Abstand größte Staat der Welt, besitzt aber eine Bevölkerung von lediglich 145 Millionen Menschen und liegt damit innerhalb der BRICS-Gruppe auf dem fünften Platz.