mini|Flora von Howland; im Vordergrund zwergwüchsige Cordia subcordata Die Howlandinsel ( []) ist eine kleine, unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Zusammen mit der benachbarten Bakerinsel liegt sie rund 600 km nördlich der Phoenixinseln, zwischen den Line Islands und den Gilbertinseln. Politisch gehört sie zu den Außengebieten der Vereinigten Staaten.

Howland und Baker sind die zwei einzigen Landflächen in der Zeitzone UTC−12 (International Date Line West, IDLW).

Geographie Die Howlandinsel liegt etwa auf halber Strecke von Hawaii nach Australien, rund 3000 km südwestlich von Honolulu. Die nächstgelegene, ebenfalls unbewohnte Bakerinsel liegt 68 km entfernt Richtung Süden.

Howland ist ein Gehobenes Atoll und gänzlich von einem, nach der tektonischen Hebung entstandenen, küstennahen Korallenriff gesäumt, das auch bei niedrigen Wasserständen nicht trockenfällt. Eine ausgeprägte Lagune, wie sie typischerweise auf den flachen Koralleninseln des Pazifiks zu finden ist, ist nicht mehr erkennbar. Das deutet auf ein erdgeschichtlich relativ hohes Alter der Insel hin. Howland hat eine Landfläche von 2,6 km², eine maximale Höhe von nur sechs Metern und ist heute unbewohnt. Es gibt auf der Insel keine natürlichen Süßwasserquellen. Klima und Wetter Howland liegt rund 90 km nördlich des Äquators und damit in den Tropen. Das Klima ist arid. Zuverlässige Aufzeichnungen der Temperatur sind nur aus der kurzen Zeit der amerikanischen Besiedlung zwischen 1935 und 1941 bekannt. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 28 °C. Es gibt keine ausgeprägten Jahreszeiten und die monatlichen Schwankungen sind gering. Temperatur-Maxima liegen im September bei 32 °C und im März bei 30 °C. Die niedrigste gemessene Temperatur war 26 °C. Niederschläge fallen selten, wenn es regnet, dann in kurzen, heftigen Schauern.Edwin Doran: Handbook of selected Pacific Islands. Point Mugu (CA) 1959, S. 99–100 Die Botaniker Francis Raymond Fosberg und Dieter Mueller-Dombois schreiben über die Inseln Howland, Baker und Jarvis: „Diese heißen, trockenen Korallenkalksteinflächen gehören eindeutig zu den trostlosesten, unbewohnbarsten Landstrichen im gesamten Pazifik“ (These hot, dry coral limestone flats are clearly among the most desolate, uninhabitable spots of land in the whole Pacific).Dieter Mueller-Dombois, Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York-Berlin 1998, ISBN 0-387-98285-X, S. 327 Flora und Fauna Die Insel ist ein Naturschutzgebiet, das nur mit Erlaubnis des United States Fish and Wildlife Service (USFWS) betreten werden darf.

Flora Howland ist spärlich mit Gräsern, krautigen Pflanzen und Sträuchern bewachsen. Das ist vielleicht das Ergebnis des Guano-Abbaus, aber der humusarme Boden aus Korallensand und -trümmern mit wenig Mineralien (ausgenommen Kalziumkarbonat) und einem geringen Anteil organischer Substanz erlaubt ohnehin nur eine spärliche Pflanzendecke. Eine weitere Ursache für die geringe Biodiversität sind die in der Summe spärlichen und unregelmäßig fallenden Niederschläge sowie die vom Wind über die flache Insel verteilte salzhaltige Gischt. Auf Howland kommen nur sechs Pflanzenarten vor: Zwergwüchsige Cordia subcordata, einzeln stehend oder in kleinen Gruppen bodennah wachsende Pflanzen der Gattung Tribulus Tussocks der Gattung Lepturus (syn.: Parapholis) Sesuvium portulacastrum (syn.: Portulaca portulacastrum) und eine weitere Art aus der Gattung Portulak.

Fauna Die Insel beherbergt eine große Zahl von Seevögeln. Im September 1924 registrierte die Whippoorwill-Expedition elf brütende Spezies. 1936 wurden von den Amerikanern Hauskatzen eingeführt, um die Ratten zu bekämpfen. Sie rotteten dabei allerdings auch zahlreiche – vor allem kleinere – Vogelarten aus, zum Beispiel: Brillenseeschwalbe (Onychoprion lunatus), Blaunoddi (Anous cerulea, syn: Procelsterna cerulea), Noddiseeschwalbe (Anous stolidus), Weihnachts-Sturmtaucher (Puffinus nativitatis) und Weißkehl-Sturmschwalbe (Nesofregetta fuliginosa). Auch größere Vogelarten waren bedroht, da Katzen die Jungtiere fraßen. Nachdem die verwilderten Katzen in den 1980er Jahren eliminiert wurden, wanderten einige Vogelarten erneut ein. Heute sind wieder zahlreiche Arten auf Howland zu finden, darunter: Feenseeschwalben (Gygis alba), Noddiseeschwalben (Anous stolidus), Rußseeschwalben (Onychoprion fuscatus), Rotfußtölpel (Sula sula), Bindenfregattvögel (Fregata minor), Arielfregattvögel (Fregata ariel) und Brillenseeschwalben (Onychoprion lunatus).M. J. Rauzon et al.: Howland, Baker and Jarvis Islands 25 years after cat eradication: the recovery of seabirds in a biogeographical context. In: C. R. Veitch, M. N. Clout und D.R. Towns (Hrsg.): Island invasives: eradication and management (Proceedings of the International Conference on Island Invasives), Gland 2011 Die häufigsten Landtiere sind Einsiedlerkrebse (Coenobitidae).

Geschichte Frühgeschichte Ob die Howlandinsel dauerhaft von Polynesiern besiedelt war, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, es ist aber anzunehmen, dass sie ihnen bereits bekannt war. Eine große Population der Polynesischen Ratte, die noch in den 1940er Jahren auf der Insel zu beobachten war, deutet darauf hin.R. W. Robson: The Pacific Islands Handbook. Macmillan Company, New York 1946 Polynesische Seefahrer nahmen Ratten als Nahrungstiere mit und setzten sie auf den von ihnen besuchten Inseln als Vorrat für künftige Besuche aus.

James Duncan Hague (1836 – 1908), ein US-amerikanischer Minenbesitzer, Mineraloge und Geologe, der an der Bergakademie Freiberg studiert und 1859 bis 1861 mehrere von den USA auf der Basis des Guano Islands Act beanspruchte Inseln untersucht hatte, glaubte Spuren polynesischer Ureinwohner identifiziert zu haben. Etwa in der Inselmitte stellte er Ausgrabungen und Aufschüttungen fest, die offensichtlich Menschenwerk waren. Die umfangreichste dieser Vertiefungen war eine Rinne oder ein Graben von mehreren hundert Fuß (mehrere 30 Meter) Länge und 100 Fuß (30 m) Breite. Der Aushub aus Sand und Kies war sorgfältig beidseitig deponiert und bildete einen Wall, der mit Korallenblöcken aus dem Korallenriff befestigt war. Wahrscheinlich handelte es sich um eine große Pflanzgrube, die die Ghyben-Herzberg-Linse anschneidet, eine sinnreiche Methode der Polynesier, um Nutzpflanzen mit Grundwasser zu versorgen, die auch von einigen Inseln des Tuamotu-Archipels bekannt ist. Der Sekundärbewuchs in diesem Bereich (Cordia subcordata; auf Hawaii „Kou“ genannt) war sichtlich jünger als in der Umgebung. Im Umfeld befanden sich auch die Überreste von niedrigen, flachen, regelmäßig geformten Hügeln aus Korallenschutt von etwa 30 cm Höhe, die Hague als Hausplattformen identifizierte. Am Weststrand wurden Überreste einer Hütte und die Fragmente eines Kanus gefunden. Hier machte Hague, von einer 30 cm Sandschicht bedeckt, auch ein menschliches Skelett ausfindig, das aber zerbröckelte, als es der Luft ausgesetzt wurde. Im Süden der Insel war ein Fußweg aus Korallengestein angelegt. Er war mehrere hundert Fuß (mehrere 30 Meter) lang und bestand aus in Abständen gelegten, flachen Platten.James D. Hague: On the Phosphatic Guano Islands of the Pacific Ocean. In: American Journal of Science and Arts, Volume 34, September 1862, S. 18–19 Ob diese Relikte einer dauerhaften Besiedlung oder nur vorübergehenden Besuchen zuzuschreiben sind, ist unklar.

1924 entsandte das United States Department of the Navy das Minensuchboot USS Whippoorwill (AM-35) in den Pazifik, mit dem Auftrag, die Line Islands zu erkunden. Mit an Bord waren Wissenschaftler des Bernice P. Bishop Museums in Honolulu. Im September/Oktober 1924 erreichte das Forscherteam auch die Howlandinsel. Der Archäologe Bruce Cartwright und Charles Montague Cook, der Expeditionsleiter, erkundeten die von James Hague rund siebzig Jahre zuvor beschriebenen Relikte. Der lange Graben war bereits erheblich beeinträchtigt, vermutlich vom Guano-Abbau, die seitlichen Wälle nicht mehr vorhanden. Die „Hausplattformen“ waren ebenfalls nicht mehr auszumachen. An der Ostküste fanden die Wissenschaftler ein hölzernes Paddel, das exakt dem in Tahiti verwendeten Typ entsprach. Die Überreste von sechs vom Meer zum Land weisenden, gepflasterten Pfaden konnten an der Nordküste noch ausgemacht werden.Kenneth P. Emory: Archaeology of the Pacific equatorial islands. Bernice P. Bishop Museum Bulletin 123, Honolulu 1934, S. 4–6

Im Rahmen einer Erkundungsmission des US Army Corps of Engineers zur Lokalisierung und Untersuchung von Umweltschäden, die evtl. von noch zurückgelassenem Treibstoff der US-Truppen aus dem Pazifikkrieg verursacht sein könnten, kam es auch zu einer archäologischen Erkundung der Insel. Die von James Hague untersuchten Relikte konnten nicht mehr aufgefunden werden. Wahrscheinlich wurden sie durch den Guano-Abbau zerstört.Kanalei Shun: Archaeological Reconnaissance, Site Survey, and Limited Sub-Surface Testing of Baker and Howland Islands – Final Report. US Army Corps of Engineers, Honolulu 1987

Entdeckungsgeschichte Auf einigen Internetseiten wird in Fehlinterpretation von Kapitän William Blighs Tagebuch vermutet, dass er 1789 nach der Meuterei auf der Bounty mit der Barkasse und 18 Besatzungsmitgliedern auf dem Weg nach Timor auch die Howlandinsel berührt habe. Howland liegt weit nördlich des von Bligh verfolgten Kurses, der von Fidschi über die Neuen Hebriden (Vanuatu) zur Halbinsel York in Australien führte.Caroline Alexander: Die Bounty: die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty. Berlin-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8270-0625-2.

Howland wurde zuerst von US-amerikanischen Walfängern entdeckt. Die Gewässer um die Phoenixinseln und die Line Islands waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Ziel von Walfangschiffen. Wem die Erstentdeckung zuzuschreiben ist, ist umstritten. Einige Autoren geben an, die Insel sei 1822 von Gorge B. Worth, Kapitän des Walfangschiffes Oeno aus Nantucket, entdeckt worden, der sie „Worth Island“ genannt habe.Andrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Oxford University Press, Oxford 1960, S. 212 Die Oeno befand sich von 1821 bis 1825 auf einer Walfangexpedition im Pazifik, wobei das Schiff im Dezember 1823 oder Januar 1824 das zu den Pitcairninseln gehörende Atoll Oeno erreichte. Andere halten Kapitän Daniel McKenzie von der Minerva Smyth aus New Bedford für den Erstentdecker. Im November 1827 lag das Walfangschiff Minerva Smyth – Eigner waren Isaac Howland und Kapitän Gideon Howland aus New Bedford – vor der Insel Howland. Der Maat Shubael Clark aus Nantucket berichtete später in einem Zeitungsartikel über die Landung:

Am 9. September 1842 erreichte das Walfangschiff Isabella aus New Bedford unter Kapitän George E. Netcher die unbewohnte Insel Howland, er betrachtete sich ebenfalls als Erstentdecker. Angeblich soll er sie nach dem Namen des Ausgucks, der sie zuerst sah, „Howland“ genannt haben, eine eher zweifelhafte Mutmaßung.Edwin Horace Bryan: American Polynesia: coral islands of the central Pacific. Tongg Publishing Company, Honolulu (HI) 1941, S. 46

Guano-Abbau