mini|Gilbert Stuart: George Washington (1803) rahmenlos|hochkant|klasse=skin-invert-image|Unterschrift George Washingtons George Washington [] (* 22. Februar 1732In England und in britischen Kolonien galt bis zum Herbst 1752 der julianische Kalender. Außerdem war der Jahreswechsel vor 1752 am 25. März. Ab 1752 wurde der gregorianische Kalender benutzt. Nach dem damaligen und unserem heutigen Kalender lautet George Washingtons Geburtsdatum auf dem Gutshof Wakefield (auch Pope’s Plantation genannt) im Westmoreland County, Kolonie Virginia; † 14. Dezember 1799 auf Mount Vernon, Virginia) war von 1789 bis 1797 der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee von 1775 bis 1783 war er einer der Gründerväter der USA und leitete als Vorsitzender die verfassunggebende Philadelphia Convention im Jahr 1787. Während seiner Präsidentschaft traf Washington wegweisende Entscheidungen, die die Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika als republikanische Demokratie bis heute prägen. Er wirkte vor allem auf eine gegenüber den Einzelstaaten und dem Kongress handlungsfähige Zentralgewalt hin und bildete das neu geschaffene Amt bewusst aus, indem er Präzedenzfälle schuf.

Washington wurde zur Zweihundertjahrfeier der Vereinigten Staaten am 11. Oktober 1976 postum „für die Vergangenheit und die Gegenwart“ der höchste Dienstgrad eines General of the Armies of the United States verliehen.Public Law 94-479. Wikisource.

Leben Ausbildung und Jugend mini|Sally Fairfax Durch seine Herkunft war Washington Teil der ökonomischen und kulturellen Elite der sklavenhaltenden Plantagenbesitzer des Staates Virginia. Sein Vater war Augustine Washington, der englischer Abstammung war (* 1693; † April 1743), seine Mutter Mary Ball (* 1708; † 1789), deren Abstammung unbekannt ist. Die erste Ehefrau des Vaters war 1729 gestorben. Sein Urgroßvater väterlicherseits war der Engländer John Washington aus Essex. mini|Das Wappen der Familie Washington, welches auch George Washington führte Die Familie Washington zählt zum niederen Adel (Gentry) der englischen Grafschaft Durham, ihr nachgewiesener Mannesstamm beginnt mit Sir William de Hertburn, der im 12. Jahrhundert lebte und, nachdem er 1183 das Gut Hertburn (heute Hartburn) gegen Wessyington (heute Washington) eintauschte, sich de Wessyington nannte.

Bereits mit elf Jahren verlor George seinen Vater und unterstand als Halbwaise der Vormundschaft seines 14 Jahre älteren Halbbruders Lawrence. Augustine hinterließ seiner Witwe und den sieben Kindern 4.000 Hektar Land und 49 Sklaven.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr besuchte Washington die Schule in Williamsburg, wo er zwar nur eine einfache Schulbildung genoss, sich aber im Eigenstudium verstärkt mit der Mathematik beschäftigte. Dennoch betonten sowohl seine Zeitgenossen als auch seine späteren Kritiker, dass Washingtons Bildung zunächst einen rudimentären Charakter gehabt habe, die kaum über die einer Grundschule hinausgegangen sei. So meinte der spätere Präsident John Adams: In einem zweistöckigen Backsteingebäude namens Belvoir in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnte William Fairfax, ein kultivierter, vermögender und einflussreicher Edelmann, der auch über große Besitzungen in der englischen Heimat verfügte und seinen Haushalt so luxuriös eingerichtet hatte, dass Mount Vernon damit verglichen ziemlich altmodisch und bescheiden aussah. Allein die Mahagonimöbel im Esszimmer kosteten mehr als die gesamte Einrichtung der Familie Washington. Mit 16 Jahren lernte George Washington hier die Schwiegertochter des Hausherrn, Sally Fairfax (geb. Cary), kennen, die nicht nur seine Allgemeinbildung verbesserte, sondern zu der er auch bis zu seinem Lebensende mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegte. Zu diesem Zeitpunkt war er

mini|Von George Washington gefertigte Karte eines Grundstücks am Ohio River, 1754 1748 begleitete Washington den Gatten von Sally, George William Fairfax, auf einer Vermessungsexpedition durch die im Shenandoah-Tal gelegenen Besitzungen der Familie Fairfax. In den folgenden drei Jahren blieb er in dieser Grenzregion Virginias vor allem als Geometer und führte 190 Messungen durch. Gerade diese Tätigkeit öffnete ihm die Augen für den Wert von Landbesitz, den er eigenen Worten zufolge als das Wichtigste im Leben eines Mannes betrachtete. So kaufte er in diesen Jahren auch sein erstes, 585 Hektar großes Grundstück am Bullskin Creek am unteren Shenandoah.Joseph J. Ellis: Seine Exzellenz George Washington. S. 23, 24. Außerdem gelang es ihm, sich bei dieser Tätigkeit wichtige Grundkenntnisse in der Menschenführung und Organisation anzueignen. Auch später ließ es sich Washington nicht nehmen, die ihn selbst interessierenden Grundstücke oder diejenigen, die sich bereits in seinem Besitz befanden, selbst zu kartographieren.

Als sein Halbbruder Lawrence Washington die Tochter von Fairfax, Anne, heiratete, gehörte auch George zur Familie. 1751 begleitete er den an Tuberkulose erkrankten Lawrence auf einer Erholungsreise nach Barbados. Dies war der einzige Anlass, bei dem George Washington jemals das Gebiet der späteren Vereinigten Staaten von Amerika verließ. Das dortige Klima brachte Lawrence jedoch nicht die erhoffte Besserung, und George erkrankte an Pocken. Nach dem frühen Tod seines Halbbruders im Juni 1752 übernahm George den schon ausgedehnten Familienbesitz von Mount Vernon am Potomac River mit einer Fläche von 2.126 Acres (860 ha). Im selben Monat bewarb er sich erfolgreich für einen Generaladjutantenposten in der virginischen Miliz.Joseph J. Ellis: Seine Exzellenz George Washington. S. 25.

George wurde auch nach dem Tod seines Bruders von der Familie Fairfax als Familienmitglied behandelt. Er freundete sich mit George William Fairfax an, der mit seiner jungen Frau Sally in Belvoir wohnte. Sally war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, „schön, gebildet und wohlerzogen“. Einer von Sallys Nachkommen beurteilte Georges Gefühle zu ihr als „Liebe auf den ersten Blick“. Lange Zeit war es eher eine platonische Liebe, die sich zunächst auf die informelle Ausbildung Georges beschränkte: ideologische Theorien, Theaterstücke und Bücher las man in Belvoir unter der Leitung des älteren Fairfax und Sallys. Ganz besonders habe man George für die Literatur römischer Philosophen interessieren können.

Franzosen- und Indianerkrieg mini|George Washington mit seinem Sklaven William Lee. John Trumbull, 1780

Erste Missionen Der stellvertretende Gouverneur von Virginia, Robert Dinwiddie, betraute George Washington im Herbst 1753 mit einer diplomatischen Mission: Die Franzosen hatten laut Washingtons Aufzeichnungen westlich der Allegheny Mountains vom Eriesee aus, mit Fort Presque (und am French Creek und Allegheny bis zum Ohio vorstoßend sowie vom Mississippi aus), mehrere Forts aufgebaut.Donald Jackson, Dorothy Twohig (Hrsg.): Vol. I. 1748–1765. University Press of Virginia, Charlottesville 1976, S. 123. Washington sollte ihnen als Emissär einen Brief übermitteln. Darin wurden sie im Namen der britischen Krone von Dinwiddie und anderen Vertretern Virginias zur Aufgabe ihrer Vorposten in diesem zwischen Frankreich und England umstrittenen Gebiet aufgefordert. An der Ohio Company, die sich die britische Besiedelung dieses Landstrichs zum Ziel gesetzt hatte, hielt Dinwiddie Anteile.

Laut seinem Tagebuch machte sich Washington am 31. Oktober auf den Weg und verließ Williamsburg in Richtung Fredericksburg.Donald Jackson, Dorothy Twohig (Hrsg.): Vol. I. 1748–1765. University Press of Virginia, Charlottesville 1976. S. 128, 129. Als er die Indianersiedlung Logstown erreichte, traf er erstmals auf Tanaghrisson, den Vertreter der dritten politischen Macht im Ohiotal, der Irokesen. Sie übten ihre Herrschaft über die Stämme des Ohiotals über irokesische Dorfvorsteher, sogenannte „Halbkönige“ (half-kings), aus, deren Autorität jedoch seit den 1730er Jahren zunehmend infrage gestellt wurde. Es zeichnete sich ab, dass dieser Konflikt eskalieren würde und die Shawnee und Delawaren versuchen würden, sich von der irokesischen Herrschaft zu befreien. Vor allem für die Onondaga war klar, dass etwa die Mingo kein Ratsfeuer besaßen, und damit auch keinen designierten Sprecher, der in der Sprache der Zeit als „king“ bezeichnet wurde. Daher behalfen sich die Amerikaner mit der Bezeichnung „half-king“. Als der örtliche Halbkönig Geschenke der Siedler annahm, etablierte sich damit ein Ratsfeuer, also ein anerkannter Versammlungsort bei Logstown (Ambridge, Pennsylvania, auch Chiningué). Im Dezember 1753 brach Washington aus Logstown auf und wurde dabei von Tanaghrisson, der seit 1748 Halbkönig war, und zwei weiteren Häuptlingen zu den Franzosen begleitet.

Bei den Franzosen wurden Washington und seine Begleiter höflich und zuvorkommend behandelt. In dem Antwortschreiben an Dinwiddie drückte ihr Verhandlungspartner, der Kommandeur des Fort Le Bœuf (in der Nähe des heutigen Waterford, Pennsylvania), aber lediglich als diplomatische Floskel seine Hochachtung aus und war zu keinen Zugeständnissen bereit.Joseph J. Ellis: Seine Exzellenz George Washington. S. 17. Durch seinen auf Drängen Dinwiddies verfassten Bericht über diese Mission, der unter dem Titel The Journal of Major Washington in mehreren Zeitungen, auch in England und Schottland, veröffentlicht wurde, erlangte er erstmals öffentliche Aufmerksamkeit.Joseph J. Ellis: Seine Exzellenz George Washington. S. 15, 16.

Nachdem die Mission gescheitert war, vertraute ihm Dinwiddie nach Zustimmung des Abgeordnetenhauses Virginias im Frühjahr 1754 das Kommando über eine kleine Miliztruppe von 160 Mann an, die in den westlichen Territorien französische Vorposten und Spähtrupps beobachten sowie die strategisch wichtige Stelle am Zusammenfluss von Allegheny und Monongahela, wo das heutige Pittsburgh liegt, sichern sollte. Nach Überquerung der Alleghenies erfuhr Washington, dass die Ohio Company von den Franzosen aus dem halbfertig gebauten Fort vertrieben worden war und diese, insgesamt 1.000 Mann stark, es in Fort Duquesne umbenannt hatten.Joseph J. Ellis: Seine Exzellenz George Washington. S. 26. Washington sammelte daraufhin die indianischen Verbündeten um sich und ließ behelfsmäßige Forts, zuletzt das Fort Necessity, errichten, um sich so besser gegen einen möglichen Angriff der überlegenen französischen Kräfte verteidigen zu können. Im Mai 1754 kam es zwischen Washingtons Miliz und einem französischen Trupp zum Gefecht von Jumonville Glen, aus dem die Briten siegreich hervorgingen. Lange blieb umstritten, ob der französische Kommandant Joseph Coulon de Villiers, Sieur de Jumonville, im Gefecht fiel oder erst nach erfolgter Kapitulation umgebracht wurde. Die Funktion Jumonvilles, also ob er als Emissär oder Spion unterwegs war, der einen Angriff auf die Briten vorbereitete, wird bis heute kontrovers diskutiert. Kaum einen Monat nach dem Gefecht wurde Washingtons Miliz von überlegenen französischen Kräften im Fort Necessity eingeschlossen. Nachdem seine Miliz bei der Verteidigung hundert Mann verloren hatte, die angreifenden Franzosen dagegen nur fünf, brach Panik aus, und Washington war zur Kapitulation gezwungen. In dem entsprechenden Dokument, welches Washington unterschreiben musste, um freien Abzug zu erhalten, wurde der Tod Joseph de Jumonvilles als „Ermordung“ bezeichnet und somit der britischen Seite die Schuld an diesem Vorfall gegeben. Washington behauptete später, aufgrund der schlechten Übersetzung aus dem französischen Original sei ihm dies nicht aufgefallen, als er unterschrieben hatte, andernfalls hätte er es unterlassen. Am 4. Juli 1754 verließ er mit seiner Miliz das verlorene Fort.Joseph J. Ellis: Seine Exzellenz George Washington. S. 30, 31. Mit diesen Zwischenfällen begann der Krieg, den die Amerikaner seither als Franzosen- und Indianerkrieg (1754–1763) bezeichnen, ein Teilkonflikt des Siebenjährigen Krieges.