310px|rechts mini|Münzporträt des Hadrian mini|Der Hadrianswall in Burgh mini|Befundskizze des Kastells II mini|Häuserzeile im Zentrum von Burgh-by-Sands, östlich der Kreuzung The Pack/Main Street, Areal des Kastell II mini|St.-Michaels-Kirche in Burgh-by-Sands, sie steht vermutlich über den Resten der Principia von Kastell II mini|Wegweiser am Hadrianswall Path nahe Burgh by Sands mini|Reeanactor in der Ausrüstung eines römischen Kavalleristen des 2. Jahrhunderts n. Chr. mini|Iupiteraltar des Publius Tuscilius […]asinianus
Aballava war ein römisches Hilfstruppenkastell. Es befindet sich nahe dem Solway Firth, in Burgh by Sands, einer Gemeinde (Parish) im District Carlisle, County Cumbria, England.
Das Wallkastell entstand im 2. Jahrhundert n. Chr., gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen westlichen Sektor. Es dürfte bis ins 4. Jahrhundert von römischen Truppen besetzt gewesen sein. In seiner näheren Umgebung standen noch zwei Holz-Erde-Kastelle und einige nur kurzzeitig genutzte Marschlager. Außerhalb des Wallkastells konnte eine Zivilsiedlung (Vicus) nachgewiesen werden. Das Bodendenkmal umfasst die Reste der Wallanlagen im Abschnitt zwischen der Westseite des Kirchhofs der St. Mary’s Kirche in Beaumont im Osten und Burgh Head im Westen, die drei Kastelle in Burgh by Sands und die temporären Marschlager bei Beaumont und Grinsdale.
Name Es existieren mehrere antiken Schriftquellen, aus denen der Name dieses Kastells bekannt ist: an erster Stelle ist hier die Notitia dignitatum zu nennen, die den Ort Aballaba nennt, zwischen den Einträgen für Petrianis (Stanwix) und Concavata (Drumburgh). Auf zwei römischen Trinkgefäßen (sog. Rudge-Cup und Staffordshire Moorlands Pan) wird es als Aballava angegeben.Guy de la Bédoyère, Hadrian’s Wall: History and Guide, Stroud 1998, S. 116. In der Ravenna-Kosmographie des Geographen von Ravenna aus dem 7. Jahrhundert scheint der Ort als Avalana, zwischen den Einträgen für Uxelludamo (Stanwix) und Maia (Bowness on Solway) auf. Der Ortsname wird auch auf zwei von einer Friesenkohorte gestiftete Inschriften aus Papcastle (Derventio) als Aballavensium angegeben., datiert 242; , datiert 241. Aballava leitet sich vom keltischen aballa (Apfel) ab und könnte Obst- oder Apfelgarten bedeuten. Es bezieht sich wohl nicht auf nur eine Frucht bzw. einen Baum, obwohl (wie bei anderen Baumreferenzen in antiken Ortsnamen) damit auch ein heiliger Baum gemeint sein könnte. Eine andere Erklärung wäre, dass dort einst wilde Obstbäume standen.Albert L. F. Rivet/Colin Smith, The Place Names of Roman Britain, London 1979, S. 238
Der heutige Name entstand um 1180 aus der Bezeichnung Burch, abgeleitet von dem altenglischen Burh, (Festung). Er tauchte erstmals 1292 als Burg en le Sandes auf und bezieht sich auf die Lage einer mittelalterlichen Festung nahe der Sanddünen des Solway-Firth.Rivet/Smith 1979, S. 153
Lage Aballava war das vierzehnte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Burgh-by-Sands liegt 8 km nordwestlich von Carlisle, ca. 2,4 km entfernt vom Südufer des Solway Firth. Der Hauptort setzt sich aus mehreren historisch gewachsenen Siedlungen wie beispielsweise Burgh Head und West End zusammen. Westlich von Burgh liegt der Weiler Dykesfield, aus dessen Lage am Hadrianswall sich auch der Ortsname ableitet (Dyke = Damm). Burgh ist an drei Seiten von alluvialem Sumpfland umgeben, das im Norden und Osten bis zur Flussschleife des Eden reicht und ein Teil des Schutzgebietes der Upper Solway Flats (Marshes Nature Conservation Site) ist. Das Wallkastell (Kastell II) befindet sich etwa 1 km südlich der Küste des Solway, zwischen den Kastellen Congavata (Drumburgh) im Westen und dem größten Militärlager am Wall, Uxelodunum/Petriana (Stanwix) (etwa 3 km entfernt) im Osten. Das Bodendenkmal liegt heute zum größten Teil unter dem historischen Ortskern, der St.-Michaels-Kirche und einem Feld nördlich der Straße The Pack (Flurname Monks Croft). Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Wallregion zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.
Forschungsgeschichte Das Kastell wurde erstmals vom Antiquar John Leland, anlässlich einer Studienreise durch den Nordosten Englands im Jahre 1539, beschrieben. Sein Bericht wurde aber erst 60 Jahre später in William Camdens Britannia veröffentlicht. Feldbegehungen in dieser Wallzone wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts vom Antiquar Henry McLauchlin vorgenommen. Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen wurden im Jahre 1922 von John Collingwood Bruce auf dem Areal des Kastell II durchgeführt. Nur der nördliche Teil der Ostmauer konnte eingehender untersucht werden; dabei angeschnittene Kasernengebäude waren fast vollständig durch Steinraub zerstört worden. Eine Grabung weiter im Süden an der Straße führte noch zur Aufdeckung der nur sehr schlecht erhaltenen Fundamente des Osttors. Die Keramikfunde umfassten die Zeitspanne von der Mitte des zweiten bis Mitte/Ende des vierten Jahrhunderts. 1951 konnte J. K. St. Joseph auf Luftaufnahmen östlich des Kastells Gebäudereste einer extramuralen Siedlung (Vicus) ausmachen. Zwischen 1976 und 1977 wurden Luftaufnahmen des Kastellgeländes angefertigt, die Spuren von zwei weiteren Vorgängerbauten erkennen ließen. Der Standort von Kastell I wurde 1975 auf Luftaufnahmen von G. D. B. Jones enthüllt. Seine Position und Zeitstellung konnten durch Ausgrabungen zwischen 1978 und 1979 bestätigt werden. 1977 konnte auch Kastell III auf Luftaufnahmen lokalisiert werden. Bei Ausgrabungen durch Barri Jones in den Jahren zwischen 1978 und 1979 wurde das Kastellinnere untersucht. An der Ostseite des Kastells wurden von Jones zwischen 1980 und 1982 die Reste der Zivilsiedlung im Garten des ehemaligen Pfarrhauses freigelegt. Weitere Gebäudereste wurden 1984 beobachtet. Geophysikalische Untersuchungen im nördlichen Teil des Kastell II wurden 1992 durchgeführt. Im Jahr 2002 wurden in einem Feld östlich des Kastell II zehn Sondierungsgräben angelegt. Eine 1992 dort beobachtete, linear verlaufende Bodenanomalie wurde als Straße identifiziert, die direkt zum Wall führte. 2006 wurden weitere Luftaufnahmen des Vicus angefertigt.
Inschriften Aus Burgh-by-Sands sind insgesamt elf römische Inschriften bekannt, acht Altarsteine und drei Grabsteinfragmente. Nur eine von ihnen konnte exakt datiert werden, sie stammt vermutlich aus der Mitte des dritten Jahrhunderts. In der Nähe von Burgh-by-Sands fand man ein Relief des keltischen Kriegsgottes Belatucadrus. Ihm wurden in Burgh insgesamt vier Altäre gewidmet, einer zusammen mit dem römischen Kriegsgott Mars. Zwei Exemplare waren dem obersten römischen Staatsgott Iupiter geweiht. In weiterer Folge fand man noch einen Altar für Herkules und die Göttin Latis.RIB 2038, RIB 2039, RIB 2040, RIB 2041, RIB 2042 (datiert 253–258), RIB 2043, RIB 2044, RIB 2045, R.G. Collingwood 1923, S. 3–12, Eric Birley 1961, S. 208–209, Collingwood Bruce 1978, S. 246, N. Linford, 1992, Collingwood/Myres 1937, S. 100–101, Society for Promotion of Roman Studies. The journal of Roman studies Nr. 41, 1951, S. 55.
Entwicklung 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und Mannschaften der Classis Britannica errichtet.
Über die Geschichte der Kastelle ist nur wenig bekannt. In ihrer Umgebung siedelten Briten vom Stamm der Carvetii. Möglicherweise war eines davon (Kastell III) ein Bestandteil der Festungskette des Stanegate. Dies ist jedoch nur eine Vermutung und konnte bis dato weder archäologisch noch epigraphisch bewiesen werden. Die hier nacheinander stationierten Besatzungen sollten wohl die südlichen Endpunkte der beiden Fjorde des Solway (Stonewath und Sandwath) sichern, eine oft von Plünderern benutzte Einfallsroute, insbesondere die von den Stämmen der Selgovae im Norden und möglicherweise auch die der Novantae im Nordwesten. Das Wallkastell war vermutlich bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. mit regulären römischen Truppen besetzt. Um 410 n. Chr. wurde der Hadrianswall von der römischen Armee endgültig aufgegeben. Der Wall und das Lager wurden im Laufe der Jahrhunderte von der ortsansässigen Bevölkerung zur Gewinnung von Baumaterial fast vollständig abgetragen. Römische Quadersteine sind überall in der Mauersubstanz der umliegenden Gebäude zu finden. Einige davon, versehen mit einem rasterförmigen Ritzmuster, können beim Eingang zum Turm der St.-Michaels-Kirche besichtigt werden. In der Ostwand der Kirche befindet sich ein Stein, der mutmaßlich den Kopf eines Kelten darstellt, wahrscheinlich ebenfalls römischer Provenienz.Eric Birley 1961, S. 208–209, R.G. Collingwood 1923, S. 3–12.
Kastelle In und um Burgh konnten mehrere römische Befestigungsanlagen aus unterschiedlichen Zeitperioden nachgewiesen werden.
Wachturm Burgh Nahe dem Südosttor von Kastell I stieß man auf eine 19 Meter breite, kreisförmige Struktur. Es handelte sich um die Reste eines römischen Wachturms. Er ähnelte denjenigen Exemplaren, die man auch entlang der Gask Ridge (bei Tayside) vorgefunden hatte. Die Umwehrung bestand aus einem kreisförmigen, V-förmigen Graben ca. 2,3 × 1,8 Meter tief, gefolgt von einer holzverschalten Erdrampe mit einer Breite zwischen 4 und 4,5 Meter; das Zugangstor lag im Südosten. Diese umgaben einen zentralen, quadratischen und auf vier Stützpfosten stehenden Holzturm. Eine schwarzbrünierte Keramikscherbe, die man an einem der Hauptpfeiler fand, stammte aus der Zeit um 120. Der Turm stand nur kurz in Verwendung. Er wurde schließlich wieder abgetragen und an seiner Stelle das Kastell I errichtet.
Kastell I Die in Holz-Erde-Technik ausgeführte Befestigung wurde Mitte der 1970er Jahre auf Luftaufnahmen entdeckt. Sie stammte aus der spättrajanischen oder frühhadrianischen Herrschaftsperiode. Die Wehranlage hatte einen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform), maß 145 × 137 Meter und bedeckte eine Fläche von 1,98 ha. Das Lager war von NO nach SW ausgerichtet und stand auf einem kleinen Hügel. Bemerkenswerterweise errichtete man es jedoch rund 800 Meter südlich des Holz-Erde-Walls. Es durchlief mindestens zwei Bauphasen und wurde später durch den Wachtturm 71B ersetzt. Die Befestigung der Phase I wurde zusätzlich durch einen umlaufenden Wehrgraben geschützt, dessen Wände mit festgestampftem Lehm stabilisiert worden waren. An der Grabensohle stieß man auf eine Lage Flusskiesel, die zwischen 5 und 7,5 Meter breit war. In Phase II wurde an der Südostseite ein 140 × 120 Meter großer Annex angebaut und das Kastell damit auf 3,66 ha vergrößert. Bei den Ausgrabungen Ende der 1970er Jahre kamen im Inneren des Kastells Reste von Holzbauten zutage. Die Grundrisse des in Stein ausgeführten Kommandantenhauses (praetorium) und eines Speichergebäudes (horreum) wurden Mitte der 1980er Jahre dokumentiert. Es ist heute in der Forschung allgemein anerkannt, dass diese Festung nicht mehr zur Stanegategrenze, sondern schon Teil des Sicherungssystems des Hadrianswalls war.
Kastell II