In den Krautgärten bezeichnet eine archäologische Fundstelle der römischen Kaiserzeit im Dorf Sülzdorf, Stadt Römhild im Landkreis Hildburghausen, Südthüringen. Sie wurde in den 1990er Jahren im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogrammes Romanisierung unter der Leitung von Karl Peschel durch das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Zusammenarbeit mit Mathias Wiegert und Felix Teichner in fünf Kampagnen wissenschaftlich ausgegraben.Projektseite der Uni Jena Zur Zeit der römischen Besiedlung lag Sülzdorf im Gebiet der Germania magna.

Archäologische Funde deuten auf eine kontinuierliche Besiedlung des Areals von der Hallstattzeit über die römische Kaiserzeit hin; im Mittelalter wurde schließlich der Ort Sülzdorf gegründet (erste Erwähnung für das Jahr 783 belegt). Im 15. Jahrhundert wurde die Siedlung aufgegeben; archäologisch erfasste Überreste dieser letzten Bebauungsphase sind unter anderem mehrere Gruben und Brunnen.Felix Teichner: Eine Siedlung der römischen Kaiserzeit im thüringischen Sülzdorf, Kr. Hildburghausen. In: Alfred Haffner, Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte. Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen. Akten des Internationalen Kolloquiums zum DFG-Schwerpunktprogramm „Romanisierung“ in Trier vom 28. bis 30. September 1998. 5. Band. Bonn 2000 Durch diese bemerkenswerte Mehrperiodigkeit gilt die Fundstelle als eine der bedeutsamsten in Thüringen.

Geographische Lage Sülzdorf liegt im südlichen Vorland des Thüringer Waldes und ist ein Teil der Stadt Römhild, welche etwa 3,5 km westlich liegt. In unmittelbarer Nähe des Dorfes verläuft der Bach Sulza, der ganzjährig Wasser führt. Zu finden ist des Weiteren eine Quellgrube, welche sich muldenartig von Süden, Westen und Nordwesten her absenkt und Glockengrube genannt wird. Das Gelände fällt leicht von West nach Ost ab; die Fundstelle selbst ist im umgebenden welligen Hügelland mit breiten Talauen zu finden. In diesen Talauen tritt das Grundwasser oberflächennah auf und nimmt damit Einfluss auf die Bodenbildung (Vergleyung). Die Höhenwerte des Grabungsareals belaufen sich auf 330-336 m ü. NN; Einflüsse von Basaltvulkanismus des Jungtertiär formten vereinzelte Kuppen im Gelände aus. Die Gleichberge grenzen das Gebiet ab.

Forschungsgeschichte

mini|Aufnahme der Ausgrabung

Im östlich von Sülzdorf gelegenen Sulzatal sowie in unmittelbarer Nähe des Dorfes selbst wurden über Jahrzehnte hinweg immer wieder einzelne Lesefunde entdeckt. Diese deuteten auf eine kontinuierliche Besiedlung des Areals von der Hallstattzeit, die römische Kaiserzeit, der Völkerwanderungszeit bis hinein ins Mittelalter an.vgl. G. Neumann 1963, 210, 219 ff. Erste gezielte Untersuchungen eines vermuteten Siedlungsplatzes fanden in den Jahren 1913/1914 durch den Römhilder Apotheker C. Kade statt, der hierfür eine Lage südlich der Ortslage am Sulzaufer wählte.vgl. C. Kade 1925, 14 f.; G. Neumann 1963, 221 f. Im Jahr 1952 konnte G. Neumann an gleicher Stelle weitere Nachweise einer frühen Besiedlung erbringen; er förderte zahlreiche Tierknochen, Holzreste und wenige Keramikfragmente zutage. Neumann vermutete aufgrund dieser Funde eine Siedlung, die in die späte Latènezeit datierte.Felix Teichner: Die germanische Siedlung Sülzdorf in Südthüringen. Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte. Weimar 2004, S. 21 ff.

Weitere archäologische Untersuchungen erschienen sinnvoll, da auch weiterhin auf dem gesamten Gebiet Sülzdorfs eine große Menge Oberflächenfunde geborgen werden konnten.vgl. S. Dušek 1994, 37 ff., Abb. 22, 23 Das Dorf prädestinierte sich demnach als ideales Forschungsgelände zur weiteren Untersuchung der Kontinuität der Siedlungstätigkeit an der Wende von der Latène- in die Kaiserzeit. Die letztendliche Wahl der Flur Krautgärten nördlich des Dorfes als Grabungsareal lässt sich also nicht nur mit der außerordentlich hohen Fundkonzentration mit einer Streuung über die gesamte Hanglage begründen; auch bot die Quellmulde Glockengrube hervorragende Bedingungen zur Pollenanalyse.Felix Teichner: Eine Siedlung der römischen Kaiserzeit im thüringischen Sülzdorf, Kr. Hildburghausen. In: Alfred Haffner, Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte. Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen. Akten des Internationalen Kolloquiums zum DFG-Schwerpunktprogramm „Romanisierung“ in Trier vom 28. bis 30. September 1998. 5. Band. Bonn 2000, S. 77

Während der Grabungen in den Jahren 1994, 1995 und 1996 stellte sich heraus, dass das anhand der Lesefunde ausgemachte Grabungsareal zwar dem kaiserzeitlichen Siedlungsbefund entsprach, jedoch durch mittelalterliche Siedlungsspuren überprägt war. 1996 wurden ergänzende geomagnetische Untersuchungen durchgeführt, bei denen eine Fläche von 8000 m² prospektiert wurde.

Ab 1997 wurde das Gelände durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena ausgegraben; insgesamt wurde eine Fläche von 4500 m² bearbeitet.Felix Teichner: Eine Siedlung der römischen Kaiserzeit im thüringischen Sülzdorf, Kr. Hildburghausen. In: Alfred Haffner, Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte. Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen. Akten des Internationalen Kolloquiums zum DFG-Schwerpunktprogramm „Romanisierung“ in Trier vom 28. bis 30. September 1998. 5. Band. Bonn 2000, S. 78

Archäologische Untersuchungen

mini|Grabungsplan mini|Lage der Grabungsflächen in Sülzdorf

Siedlungsbefund Bei den Siedlungsbefunden handelte es sich hauptsächlich um mehrere landwirtschaftlich genutzte Gebäude, die sich durch Pfostengruben und Wandgräben nachweisen ließen. Im Detail fanden die Archäologen ein-, zwei- und dreischiffige Wohnstallhäuser, rechteckige Speicher in Ständerbauweise sowie Heuberge und Grubenhäuser mit zwei bis sechs Wandpfosten; zudem eine Ofenplatte und drei Brunnen.

Nachgewiesen wurden insgesamt einundvierzig Gebäude. Diese waren West-Ost ausgerichtet und damit, wie beispielsweise auch im Nordseegebiet, entlang der Hauptwindrichtung orientiert. Sockelmauerkonstruktionen gehörten ausschließlich zu mittelalterlichen Fachwerkhäusern. Dies bewies das Fundmaterial. Befunde, die sich nicht zu Hausgrundrissen zusammenfügen ließen, gehörten mutmaßlich entweder zu Zäunen wie in der benachbarten latènezeitlichen Siedlung von Haina-Schwabhausen oder Pflöcken, um Vieh festzubinden. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige der Hausgrundrisse nicht mehr zu rekonstruieren waren.Felix Teichner: Die germanische Siedlung Sülzdorf in Südthüringen. Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte. Weimar 2004 S. 27 ff.

Wohnstallhäuser Die größte dokumentierte Gruppe waren ebenerdige Gebäude. Die Pfosten der ein- bis dreischiffigen Gebäude waren bis zu 1 m tief eingegraben und unten abgeflacht. Berechnungen ergaben, dass eine notwendige Eintiefung von mindestens 80 cm notwendig war, um das Gewicht des Daches effektiv auf die Pfosten zu verteilen. In Sülzdorf wurde Hüttenlehm mit einer Stärke von 8 cm gefunden. Dadurch ließ sich eine Wandstärke von bis zu 20 cm ermitteln. Der Lehmbewurf, der vermutlich bei dem Zerstörungsfeuer des Gebäudes verziegelte und sich dadurch erhielt, war mit einem Kalkanstrich versehen, welcher bis zu drei Mal erneuert worden war.

In einem dreischiffigen Haus konnte ein 1,5 m breiter Eingang nachgewiesen werden. Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes konnte keine Aussage über die innere Raumaufteilung, Zwischenwände oder Viehboxen getätigt werden. Insgesamt fanden die Archäologen lediglich eine Herdstelle, eine mit Asche verfüllte flache Grube. Darüber hinaus fanden sich etliche Vorratsgruben, in denen vermutlich Getreide, Leinen und Nüsse gelagert worden waren. Die Pfostenstellungen lassen auf Satteldächer schließen, die wahrscheinlich aus Heu oder Reet gefertigt worden waren. Satteldächer erlaubten weitere Vorratsmöglichkeiten, wie große Mengen verkohlten Getreides bewiesen. Die dreischiffigen Gebäude hatten Längen von bis zu 17 m und waren teilweise über 5 m breit. Die Grundflächen hatten zwischen 70 und 90 m². Die Ausgräber datierten diese Gebäude anhand der Keramikfunde an den Anfang der römischen Kaiserzeit.

Die zweischiffigen Gebäude waren grundsätzlich ähnlich aufgebaut. Da die Pfosten in Fluchten zueinander lagen, bildeten Außen- und Innenwand eine Einheit. Das Dach wurde von der gesamten Gebäudekonstruktion getragen. Da die Pfosten zusammengezogen und die Pfostenlöcher auffallend groß und tief waren, geht Teichner von einer Unterrähmverzimmerung aus. Diese Gebäude wiesen Längen von bis zu 17 m sowie Breiten von über 7 m auf. Die Gebäude ließen sich aufgrund der Funde auf das 2. und 3. Jahrhundert datieren.

Die einschiffigen Gebäude hatten eine Länge bis zu 9 m und Breiten bis zu 4,5 m. Die Pfostenlöcher der Firstpfosten belegten Steilgiebel. Über den Innenraum ist nichts bekannt, da der Laufhorizont nicht erhalten war. Ein genauer Zeithorizont ließ sich nicht feststellen, da die Gebäude dieses Typs häufig andere Befunde überlagerten oder ihrerseits selbst überlagert wurden.Felix Teichner: Die germanische Siedlung Sülzdorf in Südthüringen. Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte. Weimar 2004 S. 29–35

Speicherbauten

Die Speicher waren kurzrechteckigen bis quadratischen Gebäude. Im Grabungsschnitt zeigten sich diese Gebäude durch vier Pfostenlöcher mit starker Tiefe. Die unterschiedlichen Tiefen der Pfostenlöcher zeigte, dass diese Gebäude an den Hang gebaut worden waren. Die Gebäude standen auf den Pfosten in nicht mehr nachvollziehbarer Höhe über dem Laufhorizont. Dort wurde ein Boden eingezogen, der Raum mit Wänden umgeben und vermutlich mit einem Satteldach abgedeckt.

Die Speicher hatten Grundflächen von bis zu 7 m² und dienten der Vorratslagerung von Erntegütern. Der Abstand des Bodens zum Laufhorizont schützte vor Bodenfeuchtigkeit und Tieren. Es wurden außerdem ein Speicher mit sechs und ein weiterer mit neun Pfosten gefunden. Vermutlich stützte der Mittelpfosten des Speichers mit neun Pfosten das Dach. An einem der Speicher mit vier Pfosten fanden die Ausgräber zudem die Pfostenlöcher von Aufstiegen.

Zusätzlich zu den rechteckigen Speicherbauten fanden sich auch sechseckige ebenerdige Speicher, sogenannte Heuberge. Die Pfostenlöcher waren hierbei schräg im Boden und zeigten zur Mitte, so ließen sich zeltartige Gebäude erschließen. Die beiden Exemplare hatten eine Grundfläche von bis zu 14,5 m². Die große Zahl der Speicherbauten wurde auf die agrarwirtschaftliche Bedeutung der Siedlung während der römischen Kaiserzeit zurückgeführt.Felix Teichner: Die germanische Siedlung Sülzdorf in Südthüringen. Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte. Weimar 2004 S. 35–38

Grubenhäuser Grubenhäuser waren überdachte Gruben die neben der Vorratslagerung auch zu handwerklichen Zwecken dienten. Plinius der Ältere (Naturalis historia 19,8–9) schrieb, diese seien angelegt zur „fraulichen Arbeit, insbesondere dem Weben und Spinnen“. Funde von Webstuhlgewichten an anderen Orten belegen dies. Die sülzdorfer Grubenhäuser hatten eine Grundflächen von bis zu 13 m². Vermutlich waren aufgrund des Mergelbodens die Gruben nicht ausgekleidet worden. Verziegelter Hüttenlehm mit Rutenabdrücken und Holzkohle wiesen auf nicht erhaltene, aufgehende Lehmflechtwerkwände hin.