mini|Noël Coward (1972) Sir Noël Pierce Coward (* 16. Dezember 1899 in Teddington, Middlesex, England; † 26. März 1973 bei Oracabessa, Jamaika) war ein britischer Schriftsteller, Dramatiker, Regisseur, Schauspieler und Komponist. Er verfasste über 50 Theaterstücke, wobei vor allem seine Gesellschaftskomödien wie Hay Fever, Private Lives und Blithe Spirit dauerhafte Popularität erreichten. Coward schrieb außerdem Hunderte Lieder, oft mit satirischen und humorvollen Elementen, und erhielt für seinen Kriegsfilm In Which We Serve 1943 den Ehrenoscar.

Anfänge mini|Noël Coward (ca. 1914) Noël Coward wurde als zweiter von drei Söhnen des Angestellten Arthur Sabin Coward (1856–1937) und dessen Frau Violet Agnes (1863–1954) geboren. Sein älterer Bruder war 1898 – also noch vor Noël Cowards Geburt – mit sechs Jahren gestorben.

Schon in frühen Jahren begann Noël Coward im Londoner West End aufzutreten. Als Schauspielschüler an der renommierten Italia Conti Academy hatte Coward am 27. Januar 1911 seinen ersten professionellen Auftritt im Kinderstück The Goldfish. Es folgten weitere Kinderrollen, etwa 1913 als „Lost Boy Slightly“ in Peter Pan.

Mit vierzehn Jahren wurde Coward der Geliebte des für seine ephebophilen Neigungen bekannten Malers Philip Streatfeild. Durch ihn wurde er in die Londoner High Society eingeführt, unter anderem mit der bohèmehaften exzentrischen Hostess Mrs Astley Cooper, die einen literarischen Salon unterhielt und ihn einlud, auf ihrem Anwesen in Hambleton zu wohnen – aufgrund seiner niederen sozialen Herkunft gemeinsam mit den Bediensteten. Die Affäre mit Streatfeild endete, als dieser 1915 an Tuberkulose starb.

In mehreren Produktionen trat er gemeinsam mit Charles Hawtrey, einem vielgeachteten Schauspieler und Komödienautor, auf. Hawtrey wurde zu Cowards Idol und bezüglich komödiantischer Schauspieltechnik und Dramatik auch zu seinem Lehrmeister. Während des Ersten Weltkrieges wurde Coward zur Armee eingezogen, nach kurzer Zeit allerdings wegen seines schlechten Gesundheitszustandes für dienstuntauglich erklärt. Seine erste kurze Filmrolle hatte er 1918 in Hearts of the World von David Wark Griffith. Etwa zu dieser Zeit begann er auch Komödien und Revuen zu schreiben.

Bekannt wurde Coward durch sein Stück The Vortex (1924) um Drogen und Homosexualität.

Die Operette Bitter Sweet wurde 1929 veröffentlicht, es folgten Erfolgsproduktionen wie Kavalkade und This Happy Breed.

Während des Zweiten Weltkriegs Auf dem Höhepunkt seiner Karriere brach 1939 der Zweite Weltkrieg aus. Coward war ein gefragter Truppenunterhalter und schrieb zu diesem Zweck mehrere damals sehr populäre Lieder, wie etwa London Pride oder Don't Let's Be Beastly To The Germans. Letzteres setzt sich auf Cowards typisch ironische Weise mit englischen Nazi-Sympathisanten und Unterstützern der Appeasement-Politik auseinander.

Erst später wurde bekannt, dass Coward für den britischen Inlandsgeheimdienst MI5 arbeitete.

Bereits 1942 sollte Coward auf Vorschlag von König George VI. zum Knight Bachelor geschlagen werden, allerdings legte Winston Churchill, der ungeachtet seines freundschaftlichen Verhältnisses zu Coward mit dessen extravagantem Lebenswandel nicht einverstanden war, sein Veto dagegen ein. Nach Churchills Tod wurde er schließlich am 3. Februar 1970 von Königin Elisabeth II. zum Knight Bachelor geschlagen.Knights and Dames: COM–DON bei Leigh Rayment's Peerage

Ebenfalls 1942 erschien das Kriegsdrama In Which We Serve, welches auf der militärischen Karriere von Lord Louis Mountbatten basiert. Coward schrieb dazu das Drehbuch und die Titelmusik, führte gemeinsam mit David Lean Regie und spielte die Hauptrolle. Der Film wurde ein Kassenschlager, und Coward erhielt 1943 einen Ehrenoscar. Er wurde in die Royal Society of Literature aufgenommen.

Späte Jahre mini|Noël Coward (1963) Ab den 1950er Jahren ließ Cowards Beliebtheit als Dramatiker nach und er spielte vermehrt Rollen in Filmen wie In achtzig Tagen um die Welt und Unser Mann in Havanna.

Von Coward stammt der Song Don’t Put Your Daughter in the Stage, Mrs. Worthington.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 12.

1955 war er mit mehreren Revuen in Las Vegas erfolgreich. Im Anschluss daran trat er am 22. Oktober 1955 an der Seite von Mary Martin in einer neunzigminütigen Live-Fernsehsendung des Senders CBS auf. Es sollte der erste und einzige größere Fernsehauftritt Cowards bleiben.

Ende der 1950er Jahre verließ Coward Großbritannien und ließ sich mit seinem Lebensgefährten Graham Payn zunächst auf den Bermudas, dann auf Jamaika nieder. Dort verstarb er am 26. März 1973 an Herzversagen.

In der US-amerikanischen Fernsehserie Hollywood aus dem Jahr 2020 wird Coward in einer Nebenrolle vom Darsteller Billy Boyd verkörpert. Die Serie beschreibt unter anderem Homophobie, Rassismus und Sexismus in der Traumfabrik in den 1940er Jahren, behält sich allerdings etliche künstlerische Freiheiten vor.

Privatleben Noel Coward war homosexuell und blieb zeit seines Lebens unverheiratet. Obwohl seine sexuelle Orientierung allgemein bekannt war, bezog er dazu nicht öffentlich Stellung und distanzierte sich in seinen späteren Lebensjahren auch von der aufkommenden Schwulenbewegung.

mini|Cowards Wohnsitz Firefly auf Jamaika mit einer Skulptur von ihm Garten, 2007 Seit Mitte der 1940er bis zu seinem Tod war der Sänger und Schauspieler Graham Payn sein Lebensgefährte.

Coward war eng mit Marlene Dietrich, Ivor Novello und Winston Churchill befreundet. Darüber hinaus zählten Laurence Olivier, Vivien Leigh, Elizabeth Bowes-Lyon, Ian Fleming und Margaret, Countess of Snowdon, zu seinem Freundeskreis. In einem Hotelzimmer in Rom lernte er auch Paul McCartney und dessen Manager Brian Epstein kennen.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 28. Die britischen Schauspielerinnen Gertrude Lawrence und Judy Campbell wurden oftmals als seine Musen bezeichnet.

Werke Theaterstücke und Musicals zusammen mit Esmé Wynne: Ida Collaborates, 1917 zusammen mit Wynne: Women and Whisky, 1918 The Rat Trap, 1918 I'll Leave It To You, 1919 The Young Idea, 1922 Sirocco, 1921 (Neufassung 1927) The Better Half, 1922 The Queen Was In The Parlour, 1922 Mild Oats, 1922 Weatherwise, 1923 Fallen Angels, 1923 (dt. Gefallene Engel) The Vortex, 1923 Hay Fever, 1924 Easy Virtue, 1924, verfilmt: 1928, Regie Alfred Hitchcock, 2008, Regie Stephan Elliott, Kanada This Was a Man, 1926 (dt.: Die Ehe von Welt, Ua 25. November 1927, Komödie, Berlin) The Marquise, 1926 (dt. Sünden der Jugend. Lustspiel in 3 Akten, 1927) Home Chat, 1927 Bitter-Sweet, Operette 1928/29 Private Lives, 1929 Post-Mortem, 1930/1931 Some Other Private Lives, 1930 Cavalcade, 1930–31 Design for Living, 1932 Conversation Piece, 1933 Point Valaine, 1934 Tonight at 8.30 (Drei Teile; enthält unter anderem: The Astonished Heart, Red Peppers, Still Life (dt. Kurze Begegnung. Ein Stück in 5 Szenen, 1969), Fumed Oak and Shadow Play) Operette, Musikkomödie 1937 Present Laughter, 1939 This Happy Breed, 1939 Blithe Spirit, 1941 (dt. Fröhliche Geister. Eine unwahrscheinliche Komödie in 3 Akten, 1966) Pacific 1860, 1946 Peace In Our Time, 1946 Island Fling, 1951 (auch Home and Colonial, ab 1956 South Sea Bubble) Ace of Clubs, 1949 Relative Values, 1951 (dt. Wechselkurs der Liebe. Komödie in 3 Akten, 1952) Quadrille, 1951–52 (dt. Quadrille. Romantische Komödie, 1952) After the Ball, 1953 (Musikstück nach Oscar Wildes Lady Windermeres Fächer) Nude With Violin, 1954 (Dt. Akt mit Geige, Hörspielbearbeitung 1980, Regie: Ferry Bauer, ORF Oberösterreich)OE1-Hörspieldatenbank (Akt mit Geige, ORF Oberösterreich 1980) Volcano, 1956 (Erstaufführung 2001) Look After Lulu, 1958 (Farce nach Occupe-toi d'Amelie von Georges Feydeau) London Morning, 1959 (Ballett) Waiting In The Wings, 1959 Die Schatten werden länger. Übersetzung Dorothea Gotfurt. Frankfurt am Main : Fischer, 1970 Sail Away, 1961 Suite In Three Keys, 1965 (Drei kurze Stücke: A Song at Twilight, Shadows of the Evening und Come Into the Garden Maud)

Romane Pomp and Circumstance, 1960 (dt. Palmen, Pomp und Paukenschlag)

Gedichte Noël Coward: Noël Coward, the complete lyrics. Overlook Press, Woodstock 1998. ISBN 0-87951-896-0

Filmografie Literarische Vorlagen 1927: Die letzte Nacht – Regie: Graham Cutts 1931: Private Lives – Regie: Sidney Franklin 1933: Kavalkade (Cavalcade) – Regie: Frank Lloyd 1933: Serenade zu dritt (Design for living) – Regie: Ernst Lubitsch 1940: Bitter Sweet – Regie: W. S. Van Dyke 1942: Mit Dir ins Glück (We Were dancing) – Regie: Robert Z. Leonard 1942: In Which We Serve 1944: Wunderbare Zeiten (This Happy Breed) – Regie: David Lean 1944: Geisterkomödie (Blithe Spirit) – Regie: David Lean 1945: Begegnung (Brief Encounter) – Regie: David Lean 1974: Flüchtige Begegnung (Brief Encounter) – Regie: Alan Bridges 2000: In „bester“ Gesellschaft – Eine Familie zum Abgewöhnen (Relative Values) – Regie: Eric Styles 2008: Easy Virtue – Eine unmoralische Ehefrau (Easy Virtue) – Regie: Stephan Elliott 2020: Da scheiden sich die Geister (Blithe Spirit) – Regie: Edward Hall

Auftritte als Schauspieler 1918: Hearts of the World 1934: Ein charmanter Schurke (The Scoundrel) 1942: In Which We Serve 1956: In 80 Tagen um die Welt (Around the World in Eighty Days) 1959: Ein Geschenk für den Boss (Surprise Package) – Regie: Stanley Donen 1960: Unser Mann in Havanna (Our Man in Havanna) 1962: Zusammen in Paris (Paris When It Sizzles) 1965: Bunny Lake ist verschwunden (Bunny Lake Is Missing) 1968: Brandung (Boom) 1969: Charlie staubt Millionen ab (The Italian Job)

Filmmusik 1960: Vor Hausfreunden wird gewarnt (The Grass Is Greener) – Regie: Stanley Donen

Literatur Sheridan Robert Morley: Noël Coward. Biography. Haus, London 2005. ISBN 1-904341-88-8 Tamara Hahn: It's all a question of masks, Selbstinszenierung und Modernität bei Noël Coward. Studien zur englischen Literatur. Bd. 18. Diss. Lit. Münster 2004. ISBN 3-8258-6750-1 Richard C. Norton: Mad About the Boys: Die britischen Operetten von Noel Coward und Ivor Novello. In: Kevin Clarke (Hg.): Glitter and be Gay: Die authentische Operette und ihre schwulen Verehrer, Männerschwarm, Hamburg 2007, S. 170–203, ISBN 978-3-939542-13-1 Oliver Soden: Masquerade : the lives of Noël Coward, London : Weidenfeld & Nicolson, 2023, ISBN 978-1-4746-1280-7

Weblinks

Webpräsenz der Noël Coward Society (englisch)

Einzelnachweise

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