Güsten ist eine Kleinstadt in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Geographie Lage Der Ort liegt nordöstlich von Aschersleben auf halber Strecke zwischen Bernburg und Aschersleben im Tal der Wipper kurz vor deren Mündung in die Saale. Durch Güsten fließt auch die Liethe, ein Abzweig der Wipper, der in die Bode mündet.

Ortsteile Zu Güsten gehört der Ortsteil Osmarsleben. Zum 1. Januar 2010 wurden Amesdorf und Warmsdorf, die bis dahin von der Stadt Staßfurt verwaltet wurde, nach Güsten eingemeindet. Außerdem wurde Güsten zum 1. Januar 2010 Teil der neuen Verbandsgemeinde Saale-Wipper.mz-web.de: Gründung der Verbandsgemeinde Saale-Wipper

Geschichte Frühere Namen von Güsten waren Guddenstein, Gustein und Gusthen.

Erstmals wurden zwei Sattelhöfe als Rittersitze mit dem Namen Güsten in einer Urkunde des Kaisers Otto I. aus dem Jahr 970 erwähnt. Bis dahin war keine Ortssiedlung zu erkennen. 1373 erhielt Güsten von den anhaltinischen Fürsten Heinrich IV. und Otto III. von Anhalt, welche Söhne des Bernhard III. (Anhalt) waren, das Stadtrecht. Güsten gehörte damals noch zur Linie der Fürsten Anhalt-Bernburg. Trotzdem blieb Güsten relativ klein. Es blieb ein Ort ohne nennenswerten Kern, der von Rittergütern begrenzt war. Im Jahr 1600 hatte Güsten gerade einmal ca. 800 Einwohner. Der Ort blieb dörflich geprägt und vorwiegend der Landwirtschaft gewidmet mit den dazugehörenden Handwerkern. Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten 27 Bauern in der Stadt. Güsten verfügte damals über eine Stadtmauer. Das Magdeburger Tor (1617) und das Hallesche Tor (1681) entstanden, als das Militär solche Mauern längst überwinden konnte. Vermutlich dienten die Mauern eher der Kontrolle als dem Schutz. Die Verwaltung und Herrschaft wurde vom nahegelegenen Schloss Warmsdorf aus gesteuert, wo die Fürsten Anhalts zeitweise ihren Sitz hatten. Das Amt Warmsdorf wurde mehrfach durch Teilung von Anhalt-Bernburg getrennt. Als Exklave gehörte Warmsdorf zeitweise zu Anhalt-Dessau, deren Mitregent Georg III. (1507–1553) das dortige Schloss erbauen ließ. Später wurde Warmsdorf mit Güsten dem Fürstenhaus Anhalt-Köthen zugeordnet. Dem Fürsten Leopold von Anhalt (1694–1728) diente es beispielsweise als Abfindung für seinen Bruder August Ludwig (1677–1755). Deshalb sind Güsten und die umliegenden Orte von Chausseehäusern umgeben, die ehemaligen Zoll- und Grenzpunkte innerhalb der Fürstentümer Anhalts. Die Tore dienten allein der Abwehr der Pestgefahr, um hier Fremde in Augenschein zu nehmen.

Im Jahr 1487 wurde ein St.-Hedwig-Hospital am heutigen Hospitalplatz gebaut. Im Jahr 1609 wurde auch erstmals ein Schulbau erwähnt, sowie die Errichtung des Rathauses, des Staßfurter Tores oder des Hospitals. 1611 brach die Pest in der Stadt aus. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Güsten neun Mal geplündert, bis nur noch drei Familien übrig blieben. Im Jahr 1691 wütete ein verheerender Stadtbrand. Die danach auf den Ruinen errichtete Siedlung heißt heute noch Neustadt. 1692 wurde zum ersten Mal der Ausspannhof Großer Gasthof vor dem Tore, der heutige Schwarze Bär erwähnt, der auch einen Halt der Postkutsche Dessau/Quedlinburg vorsah. 1750 folgte die Postlinie Aschersleben/Halle und 1782 Magdeburg/Mansfeld. Damit wurde Güsten erstmals Verkehrsknotenpunkt. Die Zeit der französischen Besatzung durch Napoleon ging für Güsten glimpflich aus. Bis auf ein Gefecht 1813 mit den Truppen Schills wurde diese Region aus dem Geschehen herausgehalten. Die Stadt wuchs ständig, auch außerhalb der Tore im Sichstal, den Ratswiesen und am Ratsteich. Die Landwirtschaft wurde von drei Rittergütern und zwei fürstlichen Domänen bestimmt.

Bedeutend wurde Güsten mit der Industrialisierung. Am 10. Oktober 1865 fuhr der erste Zug von Bernburg nach Aschersleben auf der neuen Eisenbahnstrecke und hielt dabei in Güsten. Ein halbes Jahr später fuhr der erste Zug ins benachbarte preußische Staßfurt, wo der Salz- und Kalibergbau florierte. 1878 wurde die Strecke Berlin-Wetzlar als militärisch-strategische Kanonenbahn fertig. Zwischen Güsten und Amesdorf entstanden ein Güterbahnhof, Güterschuppen und Rangiereinrichtungen. Diese prägen die Stadt bis ins 20. Jahrhundert. Im Konkurrenzkampf Preußens und Anhalts um das Salz wurden nicht nur in Leopoldshall, sondern auch in Güsten Schächte gebaut. Diese bewirkten ein weiteres Wachsen der Stadt. 1914 wohnten 5300 Einwohner in der Stadt. In dieser Zeit entstanden 1883 die heutige Schule am Markt, 1892 die Post und 1903 die katholische Kirche im typischen Backsteinbau der damaligen Zeit. Auch das Rathaus erhielt 1905/1906 seinen Turm. Es entstanden Vereine für Sport und Kultur, von denen viele noch immer existieren. Aber auch antisemitische Vereine entstanden. Die Synagoge stand in der damaligen Tempelgasse, der heutigen Schmalen Gasse und wurde unter den Nazis geschändet und schließlich zerstört. 1919 wurde der Sportplatz Am Stadion errichtet, die Badeanstalt 1927. Das Herzogtum Anhalt wurde 1918 zum Freistaat.

Im Zweiten Weltkrieg entging Güsten durch Glück einem Inferno. Weil Piloten der Royal Air Force die überschwemmte Liethe und Wipper für einen See hielten, wurde 1940 die geplante Bombardierung des Bahnhofs abgebrochen. Am 17. April 1945 erreichten US-Soldaten Güsten. Bis zum 30. Juni 1945 blieb die Stadt unter amerikanischer Besatzung, bis die sowjetischen Truppen die Verwaltung übernahmen. Mit der Enteignung der drei Güter in Güsten im Zuge der Bodenreform wurden Neubauern angesiedelt und für diese typische Häuser errichtet, so in der Siedlung oder im Warmsdorfer Weg. 1952 erfolgte die Gründung der LPG.

Seit 1952 gehörte Güsten zum Kreis Staßfurt im DDR-Bezirk Magdeburg (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Aschersleben-Staßfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Salzlandkreises.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Osmarsleben eingegliedert. Seit 2010 sind die ehemaligen Gemeinden Amesdorf und Warmsdorf Ortsteile von Güsten.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 4.806 2005 4.124 2010 4.518 2015 4.298 2020 4.074 Jahr Einwohner 2021 4.023 2022 3.937 2023 3.891 2024 3.843 2025 3.744

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Güsten besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 57,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Bürger Güsten – – 43,3 % 7 CDU 31,3 % 5 37,6 % 6 Die Linke 24,6 % 4 15,7 % 3 SPD 15,7 % 3 2,6 % – FDP 2,0 % – 0,8 % – Wählergemeinschaft Bürger für Bürger 12,1 % 2 – – AfD 11,4 % 1 – – Bündnis 90/Die Grünen 2,9 % – – – Insgesamt 100 % 15 100 % 16

Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD zwei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 2001–2022: Helmut Zander (SPD) seit 2022: Michael Kruse (CDU)

Zander wurde bei der Bürgermeisterwahl am 15. März 2015 ohne Gegenkandidat mit 90,7 % der gültigen Stimmen erneut in seinem Amt bestätigt.

Kruse wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 8. Mai 2022 mit 61,0 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 8. Mai 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen

Flagge Die Flagge ist schwarz - rot (1:1) gestreift. Das Stadtwappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.

Städtepartnerschaft Eine Städtepartnerschaft besteht mit Kreiensen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Kirchen mini|Kirche St. Vitus mini|Kirche St. Marien Vituskirche

In der Nähe des Hospitalplatzes steht die St.-Vitus-Kirche, deren Gründung zwar unbekannt ist, deren Namensgeber, der Veit auf sächsische Wurzeln hindeutet. Der jetzige gotisch empfundene Bau ist ein Neubau, einer der wenigen nach der Reformation aus dem Jahr 1591 auf einer früheren Kapelle.

Die Orgel ist von Fa. Fleischer & Kindermann. Von ursprünglich drei Glocken ging eine im Ersten Weltkrieg verloren, eine weitere im Zweiten Weltkrieg.

Marienkirche

Die katholische St.-Marien-Kirche entstand von 1901 bis 1903 nach Plänen von Arnold Güldenpfennig im Baustil der Neugotik. Ihr Flügelaltar ist ein Werk des Kunstmalers Walter Möbius, ihre Orgel wurde von der Eggert Orgelbau-Anstalt unter Anton Feith jr. erbaut.

Gedenksteine Gedenkstein auf dem Ortsfriedhof für den kommunistischen Spanienkämpfer Walter Munke, der 1942 im KZ Mauthausen ermordet wurde Gedenktafel von 1970 am Schulhort Stadtgraben 13 zur Erinnerung an die dort gequälten sowjetischen Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkrieges Gedenkstein und zwei Informationstafeln am Eingang zum jüdischen Friedhof Rathmannsdorfer Straße zur Erinnerung an die Opfer der Shoa Gedenktafel an der ehemaligen POS Karl-Marx zur Erinnerung an den kommunistischen Widerstandskämpfer Werner von Trittenbein, ermordet 1944 Menhir von Güsten

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Güsten besitzt eine Anschlussstelle an der Bundesautobahn 36 (Nordharzautobahn).

Der Bahnhof Güsten ist ein Bahnknoten an den Bahnstrecken (Magdeburg–)Schönebeck–Güsten, Köthen–Aschersleben und in Richtung Sandersleben (weiter nach Halle oder Erfurt). Die Kanonenbahn über Calbe nach Berlin ist stillgelegt. Als Eisenbahnstützpunkt hatte Güsten Bedeutung durch seine Lage nördlich der Harzausläufer. Als Gegenpart zu Sangerhausen, das an den südlichen Ausläufern liegt, waren in beiden Orten die Lokomotiven für die Harzquerung der Kanonenbahn stationiert. Das Bahnbetriebswerk Güsten wurde 1995 geschlossen, auf dem Gelände wurde 2013 auf einer Fläche von ca. 10 Hektar ein Solarkraftwerk in Betrieb genommen.

Öffentliche Einrichtungen Güsten hat sechs Friedhöfe, darunter einen jüdischen Friedhof, sowie einen Friedhof in Osmarsleben, Amesdorf und Warmsdorf. Der jüdische Friedhof liegt am Bahnübergang nach Rathmannsdorf und ist der älteste Friedhof des Ortes.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Güsten, mit angeschlossener Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Samuel Mosbach der Ältere (1556–1603), Kanzler des Kurfürstentums Sachsen Johann Georg von Lehmann (1688–1750), preußischer Generalmajor, Regimentschef und Festungskommandant Johann Georg Heinrich Salmuth (1752–1825), Arzt und Stadtphysikus in Güsten, Physikus der Grafschaft Warmsdorf Arno Philippsthal (1887–1933), Arzt, eines der ersten jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft in Berlin Ehrhardt Hamann (1900–unbekannt), nationalsozialistischer Ärztefunktionär Walter Munke (1906–1942), Interbrigadist Waldemar Beyer (1909–1952), Bibliothekar, SS-Obersturmführer Ernst-Otto Reher (1936–2016), Verfahrenstechniker, Hochschullehrer Bernd Janowski (1957–2023), Fotograf

Personen mit Bezug zu Güsten August Carl Alexander von Zanthier (1734–1815), hessischer und anhaltischer Hofbeamter und Schriftsteller, Gutsbesitzer in Güsten Carl August von Madai (1739–1816), Mediziner, Unternehmer und Numismatiker, Erbherr von Güsten Julius Kraaz (1822–1889), Jurist, Landwirt und Zuckerfabrikant in Güsten

Weblinks

Stadt Güsten bei der Verbandsgemeinde Saale-Wipper

Literatur Hans Joachim Kessler: Güsten-Anhalt: Eine Reise durch das Güstener Becken und die Wipperaue. Verlag Kirchschlager, Güsten 2001, ISBN 3-934277-03-9.

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 970 Kategorie:Stadt in Sachsen-Anhalt Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1373