mini|Festplatz mit Springbrunnen und Hauptausstellungshalle Der egapark (ega: Erfurter Gartenbauausstellung) in Erfurt gehört mit einer Fläche von 36 Hektar zu den großen Garten- und Freizeitparks Deutschlands. Das Parkgelände liegt im Südwesten der Stadt auf dem 265 Meter hohen Cyriaksberg. Aus einer ehemaligen Stadtfestungsanlage hervorgegangen, wurde das Gebiet ab 1885 zur öffentlichen Grünanlage umgestaltet und in der Folgezeit weiter ausgebaut. Nach einer ersten Gartenschau im Jahr 1950 fand ab 1961 mit der regelmäßig veranstalteten Internationalen Gartenbauausstellung (iga) die größte und bedeutendste Veranstaltung dieser Art in der DDR und im sozialistischen Lager statt.

Die ganzjährig (montags nur im Juli und August) geöffnete, eintrittspflichtige Anlage vereint verschiedene Ausstellungshallen, Pflanzenschauhäuser, themenbezogene Gärten und Ruhezonen. Zu den Hauptattraktionen im egapark zählen, neben dem mit 6000 Quadratmetern größten zusammenhängenden Blumenbeet Europas, das Danakil Wüsten- und Urwaldhaus, ein Aussichtsturm, eine Sternwarte, der Karl-Foerster-Staudengarten, der Japanische Garten sowie der größte Kinderspielplatz Thüringens und das einzige Gartenbaumuseum des Landes. Im Jahr 2024 kam noch der Denkort Bücherverbrennung 1933 hinzu, zu dem auch Workshops stattfinden.

Der wegen seiner einzigartigen gartenbaulichen Gestaltungskonzeption seit 1992 denkmalgeschützte Park zählt zu den Hauptwerken des Landschaftsarchitekten Reinhold Lingner und gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Gartenarchitektur der 1960er Jahre in Deutschland. Das die lange Gartenbau-Tradition der „Blumenstadt“ Erfurt repräsentierende Gartenschaugelände wurde seit 1961 von über 45 Millionen Gästen besucht. Mit über 500.000 Besuchern pro Jahr ist der egapark – neben der Wartburg mit etwas weniger Besuchern – die meistbesuchte touristische Attraktion in Thüringen.

Ergänzt wird die teils wechselnde Dauerausstellung durch Sonderveranstaltungen wie Verkaufsschauen oder Events wie beispielsweise das Winterleuchten oder das Ostersonntagsfest mit teils Sonderpreisen.

Geschichte Entstehung

Mit Gründung des Deutschen Reichs 1871 und der darauf im Jahr 1873 folgenden Aufhebung der Festungseigenschaft der Stadt verlor auch die Zitadelle Cyriaksburg an Bedeutung. Die militärische Nutzung wurde stark eingeschränkt und Teile der Stadtfestung wurden schrittweise geschleift. Verbliebene Bauten wurde allerdings auch weiterhin als Unterkünfte für Truppen und Material genutzt.

mini|Lageplan der Zitadelle Cyriaksburg um 1870 mini|Zustand 2007 (Luftbild)

Der 1841 gegründete Erfurter Verschönerungsverein erreichte trotzdem die Freigabe von unmittelbar an die Festung grenzenden Bereichen des Geländes. Unter seiner Regie wurden im Sommer 1885 erste Pflanzungen, Wege und Aussichtspunkte angelegt, Bänke aufgestellt und die entstandene Anlage öffentlich zugänglich gemacht. Vorwiegend aus Spendengeldern finanziert, sorgte der Verein auch in den weiteren Jahren für die Erhaltung und Erweiterung.

Mit Beendigung des Ersten Weltkrieges 1918 endete vorerst auch die militärische Nutzung der Festung. Daraufhin erwarb die Stadt Erfurt am 24. April 1924 für 200.000 Goldmark vom preußischen Staat den gesamten Cyriaksberg. Mit dem Kauf ging unter anderem die Verpflichtung einher, die ehemalige Befestigungsanlage denkmalpflegerisch zu erhalten und ausschließlich für öffentliche Zwecke zu verwenden. Mit dem Ziel, eine Erholungsstätte für die wachsende Stadtbevölkerung der Großstadt zu schaffen, begannen 1925 die Arbeiten. Diese gestalteten sich, schon der ungeeigneten Bodenqualität wegen, schwierig, verzögerten und verteuerten sich infolgedessen. Nebenher wurden auch weitere Festungsbauten wie das Turmreduit, beide Eckbatterien sowie die nördliche Seitenkaponniere geschleift. Die Ausführung erfolgte teilweise im Rahmen des Notstandsprogramms 1926/27 durch Arbeitslose.

Nach Abschluss der gärtnerischen Umgestaltung wurde im Mai 1928 die städtische Grünanlage der Öffentlichkeit übergeben. In dem 13,2 Hektar umfassenden Park waren erste Rosen- und Staudengärten zu finden, und zeitweilig wurde in verbliebenen Nebenbauten der Festung eine Jugendherberge betrieben. Den südlichen ehemaligen Geschützturm baute man 1935 zu einem Aussichtsturm für Besucher um, und die – noch heute am Standort erhaltene – Waidmühle wurde rekonstruiert und zu Anschauungszwecken aufgestellt.

Weiterführende Planungen, wie die angedachte Ausrichtung der Reichsgartenschau 1942 zum 1200-jährigen Stadtjubiläum, wurden durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges vereitelt.Kristina Vagt: Zwischen Systemkonkurrenz und Freizeitvergnügen. In: Martin Baumann, Steffen Raßloff (Hrsg.): Blumenstadt Erfurt. Waid – Gartenbau – iga/egapark. Sutton Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-812-6, Seite 342 Das Gelände wurde erneut zu militärischen Zwecken genutzt. Ab 1943 stationierte die Wehrmacht hier Soldaten, stellte auf den Türmen Flugabwehrkanonen auf und öffnete die Gewölbe der Festung als Schutzräume für die Zivilbevölkerung. Der Zustand des Geländes nach Kriegsende war entsprechend desolat, angesichts anderer Kriegszerstörungen aber nachrangig.

Beginn der Gartenschauen in der Thüringenhalle Bereits vier Monate nach Kriegsende fand vom 29. September bis 14. Oktober 1945, vornehmlich in der Thüringenhalle, die erste regionale Gartenschau der Nachkriegszeit in Erfurt statt. Unter der Losung Kampf dem Hunger stehend, war sie Bestandteil der gleichzeitigen Hauptausstellung Erfurt – Wirtschaft im Aufbau. Wie auch in der im Jahr darauf stattgefundenen Veranstaltung Mehr Nahrung schaffen, standen Anbaumethoden zur Selbstversorgung und die Verbesserung der allgemeinen Versorgungslage im Mittelpunkt. Für beide Veranstaltungen wurde die Leitung und Organisation dem Landschaftsarchitekten Gustav Allinger übertragen.Jürgen Zerull: Entwicklung der Erfurter Gartenschauen. In: Martin Baumann, Steffen Raßloff (Hrsg.): Blumenstadt Erfurt. Waid – Gartenbau – iga/egapark. Sutton Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-812-6, Seite 220/221 Allerdings erwies sich die Örtlichkeit nur begrenzt entwicklungsfähig, so dass ein Standortwechsel erwogen wurde.

1950 bis 1960 Kulturpark Cyriaksburg Im Zuge des fortschreitenden Wiederaufbaus beschloss am 29. Januar 1948 die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Georg Boock die Herrichtung des Areals um die Cyriaksburg mit dem Ziel, ein ständiges Ausstellungsgelände zu schaffen.Nicole Richter: Meisterleistung in 30 Monaten. In: Thüringische Landeszeitung. Ausgabe 25. März 2008 Ohne staatliche Anerkennung und Förderung begannen erste Baumaßnahmen im Frühjahr 1949.Susanne Karn: Die Gartenschau in Erfurt – von der harmonischen Kulturlandschaft zur mustergültigen Lehrschau. In: Martin Baumann, Steffen Raßloff (Hrsg.): Blumenstadt Erfurt. Waid – Gartenbau – iga/egapark. Sutton Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-812-6, Seite 294 Für die Konzeption zeichnete der Potsdamer Landschaftsarchitekt Walter Funcke verantwortlich, die sich teils an den Gestaltungsprinzipien der Reichsgartenschau 1939 orientierte.Susanne Karn: Freiflächen- und Landschaftsplanung in der DDR – Am Beispiel von Werken des Landschaftsarchitekten Walter Funcke (1907-87). LIT Verlag, Münster 2004, Seite 120 Hierbei behielt er die Grundstruktur des vor dem Krieg bestehenden Parks bei und ergänzte eine funktionale Wegeführung und teils temporäre Ausstellungsarchitekturen. So entstanden vier Ausstellungshallen, fünf Muster-Kleingärten, diverse Sichtungsgärten und ein Mitschurin-Garten. Neben weiteren Gestaltungselementen wie Pavillons und vier Springbrunnen, der Frühform der heutigen Wasserachse, wurden auch die beiden Festungstürme jeweils als Volkssternwarte und Aussichtspunkt integriert.

Am 6. Juli 1950 wurde schließlich die erste Gartenschau unter Beteiligung von über hundert Ausstellern auf dem 35 Hektar großen Gelände der Cyriaksburg unter dem Motto Erfurt blüht eröffnet.Heinz Glade: Blumen für die Welt. Buchverlag Der Morgen, 1. Auflage, Berlin 1967, Seite 116 Für die Dauer der Schau verkehrte auf einem 1600 Meter langen Rundkurs der Erfurter Blumenexpreß, eine Besuchereisenbahn, als Leihgabe der Dresdner Parkeisenbahn. Parallel dazu fand vom 13. bis 24. September 1950 in Markkleeberg die 1. Gartenbauausstellung der DDR statt. Dennoch wurde die regionale Erfurter Veranstaltung ein Erfolg, 551.000 Besucher konnte sie innerhalb von zehn Wochen bis zum 17. September 1950 verzeichnen.

mini|Eingang zum Kulturpark Cyriaksburg 1953 mini|Blick vom Aussichtsturm 1953

So blieben die Anlagen erhalten und wurden mit wechselnder Gestaltung in der Folgezeit als Dauer-, Lehr- und Blumenschau geführt. Wiederum einem Beschluss der Stadtverwaltung folgend, begannen im Jahr darauf die Arbeiten zur Schaffung eines Kulturparks. In teilweise freiwilliger und unentgeltlicher Arbeit im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes entstand ein nunmehr 40 Hektar großes Erholungszentrum mit Gaststätten, Tiergehegen, Kinderspielplatz und einer Freilichtbühne, welches am 1. Mai 1953 als Kulturpark Cyriaksburg eröffnet wurde. Die daraufhin vom 15. Juli bis zum 21. September des Jahres ausgerichteten Erfurter Blumentage wurden von 455.000 Menschen besucht.

Mit der ersten Samenexportschau und Gartenbauausstellung der DDR fand vom 20. August bis 18. September 1955 eine – erstmals staatlich unterstützte – Präsentation statt, welche die auf Christian Reichart zurückgehende Samenbau- und Samenexport-Tradition der Stadt in den Blickpunkt rückte. Nach zwei Weltkriegen galt es neue internationale Handelsbeziehungen zu knüpfen. Hierzu wurde unter anderem ein fünfsprachiger Exportkatalog aufgelegt, welcher rund 1900 Sorten an Saatgut offerierte. Auf dem mittlerweile 45 Hektar messenden Ausstellungsgelände wurden in nur einem Monat wiederum 510.000 teils internationale Gäste empfangen.

Das für die Veranstaltungsleitung verantwortliche Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der DDR entschied daraufhin, die Messe im zweijährlichen Turnus in Erfurt durchzuführen. Mit dem Ziel, ein sozialistisches Gegenstück zum bisherigen IGA-Austragungsort Planten un Blomen in Hamburg und der Bundesgartenschau zu schaffen, tagte am 30. Juli 1957 die Arbeitsgruppe für Landwirtschaftsausstellungen des RGW. Im Anschluss übertrug die Staatengemeinschaft der DDR die Aufgabe, eine Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder auszurichten.

Aufgrund der langen Gartenbautradition der Stadt und der bisherigen Aktivitäten beschloss das Zentralkomitee der SED am 26. August 1958 die Gründung der Internationalen Gartenbauausstellung der DDR in Erfurt, rückwirkend zum 1. Juni 1958. Nicht zuletzt dürften auch die verkehrsgeographisch günstige Lage, die bereits vorhandene Infrastruktur und die besonderen topografischen Geländeeigenschaften den Ausschlag gegeben haben. Somit wurde die Gartenbauausstellung endgültig nach Erfurt verlegt. Der bisherige Veranstaltungsort Markkleeberg weitete fortan seine Landwirtschaftsausstellung aus und führte sie 1958 erstmals mit internationaler Beteiligung – später als agra-Markkleeberg – durch.

1961 bis 1990 iga Aus der primären Aufgabenstellung, die Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder 1961 vorzubereiten und durchzuführen, ergaben sich hohe Anforderungen an die Stadt und den Veranstaltungsort. Mit der Gesamtplanung und Ausführungsleitung wurde Reinhold Lingner, einer der führenden Garten- und Landschaftsarchitekten des Landes, beauftragt. Bisher leitend an der Bauakademie der DDR in Berlin tätig, verlegte Lingner seinen Wohnort und war ab 1958 in Erfurt tätig. Auch Landschaftsgestalter Walter Funcke, dessen Planungen von 1950 überarbeitet mit einbezogen wurden, war wieder mit einigen Entwürfen zugegen.Susanne Karn: Freiflächen- und Landschaftsplanung in der DDR – Am Beispiel von Werken des Landschaftsarchitekten Walter Funcke (1907-87). LIT Verlag, Münster 2004, Seite 43