mini|DJI Mavic-Quadrocopter Pro im Flug. Multicopter-„Drohnen“, gelten gemäß ICAO-Definition nicht als „unbemannte Luftfahrzeuge“, solange sie privaten Freizeit- und/oder Luftsport-Aktivitäten dienen. mini|Northrop Grumman RQ-4B Global Hawk im Flug mini|Unbemannter Hubschrauber Schiebel Camcopter S-100 der spanischen Seenotrettungsorganisation Sociedad de Salvamento y Seguridad Marítima mini|AirRobot AR 100-B im Flug mini|Ziviler Einsatz automatischer Helikopterdrohnen: Sogenannte Spritzdrohne über einem Steillagen­weinberg zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln

Ein unbemanntes Luftfahrzeug oder eine Drohne (, kurz UAV) ist ein Luftfahrzeug ohne eine an Bord befindliche Besatzung. Die Steuerung und Navigation erfolgt entweder ferngesteuert, entlang eines vorprogrammierten Flugwegs oder auch vollständig autonom. Unbemannte Luftfahrzeuge sind oft Teil eines umfassenderen Systems ().

Umgangssprachlich werden mitunter auch ferngesteuerte Flugmodelle und Multicopter als Drohnen bezeichnet. Nach § 1 LuftVG sind Flugmodelle tatsächlich Luftfahrzeuge, werden aber von unbemannten Luftfahrtsystemen (UAS) dadurch abgegrenzt, dass sie zu Zwecken des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden.

Geschichtliche Entwicklung

Der Begriff Drohne leitet sich aus der Bezeichnung für männliche Hautflügler ab und wurde erstmals 1936 im Kontext unbemannter Luftfahrzeuge für Zieldarstellungsdrohnen verwendet. Davon ausgehend verbreitete sich die Bezeichnung weiter. In der militärischen Luftfahrt bezeichnete der Begriff zunächst ein unbemanntes Luftfahrzeug, welches seinen Auftrag automatisch ohne eine Steuerung von außen ausführt.

Der erste Luftangriff auf eine Stadt mit einem unbemannten Luftfahrzeug fand in den Revolutionsjahren 1848 und 1849 statt: Bei der Belagerung von Venedig schlug der österreichische Feldmarschallleutnant, Artillerieexperte, Waffentechniker und Erfinder Franz von Uchatius vor, durch unbemannte Ballons Bomben auf die Stadt werfen zu lassen. Drei Wochen später erfolgte tatsächlich dieser erste Luftangriff der Weltgeschichte mit 110 von Uchatius hergestellten Ballonbomben.Christian Ortner: Die österreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren. Wien 2007, S. 73.

Unbemannte, ferngesteuerte Flugkörper werden für verschiedene Zwecke seit dem frühen 20. Jahrhundert eingesetzt. Während anfänglich experimentelle Ziele verfolgt wurden, kam es mit Beginn des Kalten Krieges bald zur Übernahme militärischer Aufgaben. Anfangs und auch weiterhin dienten die UAVs als „Zieldrohnen“ zur Zielsimulation der Flugabwehr. Dazu kam die militärische Aufklärung: Die Tu-123 flog 1960 Überschall, konnte aber nicht landen. Mit der Lockheed D-21 wurde 1966 ein weiteres überschallschnelles Aufklärungs-UA entwickelt. Mit der Westland Wisp flog andererseits 1976 ein Hubschrauber-System. Seit 1995 standen mit der General Atomics MQ-1 dem Militär mit Luft-Boden-Raketen bewaffnete unbemannte Luftfahrzeuge zur gezielten Bekämpfung von Bodenzielen zur Verfügung. Als bislang größtes Flugzeug wurde im Rahmen der Controlled Impact Demonstration 1984 ein Verkehrsflugzeug ferngesteuert und kontrolliert zum Absturz gebracht.

Wegen ihrer regelmäßigen Verwendung zur umstrittenen „gezielten Tötung“, vor allem bei geheim gehaltenen Einsätzen in Pakistan durch die Vereinigten Staaten in jüngerer Zeit, wurden UAVs zum Gegenstand öffentlicher Debatten.Elsa Rassbach: Wie sich Europäer der Drohnenkriegsführung widersetzen. In: Peter Strutynski (Hrsg.): Töten per Fernbedienung. Kampfdrohnen im weltweiten Schattenkrieg. Promedia, Wien 2013, ISBN 978-3-85371-366-2, S. 199–219. Mit der zunehmenden Verbreitung kleiner, preiswerter UAVs bei gewerblichen und staatlichen Betreibern sowie von aufzeichnungsfähigen Flugmodellen bei Privatpersonen, die zur Überwachung eingesetzt werden können, gewannen die Themen informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz neues Gewicht.

Klassifizierung und Terminologie Abgrenzung zu Flugmodellen

Die für die Organisation der weltweiten Luftfahrt zuständige ICAO rechnet bei ihrer Tätigkeit Flugmodelle nicht als UAVs,International Civil Aviation Organization: Cir 328 AN/190 „Unmanned Aircraft Systems (UAS)“, S. 3, Absatz 2.4 „MODEL AIRCRAFT“. die Deutsche Flugsicherung unterscheidet nach dem Einsatzzweck:, Deutsche Flugsicherung (22. April 2015). Flugmodelle zur Freizeitgestaltung oder für Luftsportaktivitäten sind keine „unbemannten Luftfahrzeuge“.Abgrenzung „unbemanntes Luftfahrtsystem“ vs. Flugmodell: Gemeinsame Grundsätze des Bundes und der Länder für die Erteilung der Erlaubnis zum Aufstieg von unbemannten Luftfahrtsystemen gemäß § 16 Absatz 1 Nummer 7 Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO).

UAV/UA und Drohne

Mit den Begriffen Unmanned Aerial Vehicle (UAV) oder neuer Unmanned Aircraft (UA) und Drohne wird ausschließlich auf das Flugobjekt Bezug genommen. Dabei kann es sich um Luftfahrzeuge unterschiedlicher Art handeln. Neben unbemannten Flugzeugen sind beispielsweise auch viele Multicopter, einige Hubschrauber und auch Leichter-als-Luft-Fahrzeuge wie Forschungs- und Wetterballons unbemannte Luftfahrzeuge.

UAS

Unbemannte Luftfahrzeuge sind oft Teil eines umfassenderen Systems ().International Civil Aviation Organization: Cir 328 AN/190 Unmanned Aircraft Systems (UAS), S. 1, Absatz 1.4: , Seite (vii): Mit dieser Bezeichnung, die über den Begriff des Luftfahrzeugs hinausgeht, erfolgte gemäß ICAO eine neuere allgemeine Bezeichnung und löste die Bezeichnung UAV ab. Weithin verbreitet ist auch noch die Bedeutung Unmanned Aerial System.Unmanned Aerial System in Konferenzankündigung für Dezember 2014 (englisch). Der Begriff bezieht neben dem Fluggerät (UAV/UA) aber alle Teile des Gesamt-Systems (z. B. Steuerelemente, Bodenstationen etc.) mit ein. Bis 2010 konnte eine weltweite UAS-Klassifikation noch nicht abschließend entwickelt werden. Innerhalb Europas hat die European Organization for Civil Aviation Equipment (EUROCAE-Arbeitsgruppe 73) und die in den Vereinigten Staaten zuständige Radio Technical Commission for Aeronautics (RTCA) den gemeinsamen Prozess noch nicht abgeschlossen und nur ein vorläufiges Gruppensystem präsentiert. Die britische Civil Aviation Authority übernahm das in der Arbeitsgruppe erarbeitete Klassifizierungssystem. In Deutschland lag eine Klassifizierung und Kennzeichnung von unbemannten Luftfahrtsystemen noch nicht vor. Das Deutsche Institut für Normung e. V. plante hierzu ein Projekt zur Neuentwicklung einer Taxonomie für Unmanned Aerial Systems (UAS).

Das US-Verteidigungsministerium hat 2011 die UAV nach dem Joint Concept of Operations for Unmanned Aircraft Systems u. a. nach dem Gewicht in fünf Gruppen eingeteilt.

Gewichts-klasse Gewicht Zivile Kategorie Militärisches Äquivalent Beispiele 1 bis 20 kg Small Unmanned Aircraft (SUA) oder Micro Air Vehicle (MAV) Nano-UAS, Micro-UAS (bis 5 kg), Mini-UAS oder Miniature-UAS (bis 30 kg) und Close UAS (Nahbereich) (bis zu 1500 m Flughöhe und einer Reichweite von 10 km) RQ-11 Raven, RQ-14 Dragon Eye, RQ-16 T-Hawk, Switchblade, Aladin, AR 100-B Mikado, Fancopter 2 20 bis 150 kg Light UAV einige NATO-UAS (bis zu 1100 m Flughöhe) ScanEagle, Harop 3 über 150 kg bis 600 kg UAV einige NATO-UAS (bis zu 5000 m Flughöhe und einer Reichweite von über 50 km) RQ-7 Shadow, Luna, KZO, Camcopter S-100, CL-289 4 über 600 kg und Flughöhe unter 5500 m UAV Tactical UAS (Reichweite von 160 km) MQ-1 Predator, MQ-8 Fire Scout 5 über 600 kg und Flughöhe über 5500 m UAV Medium Altitude Long Endurance (MALE) (bis zu 9000 m Flughöhe und einer Reichweite von 200 km), High Altitude Long Endurance (HALE) (über 9000 m Flughöhe),sowie UAS mit Hyperschallgeschwindigkeit (bis zu 15.000 m Flughöhe und einer Reichweite von über 200 km) MQ-9 Reaper, RQ-4 Global Hawk, MQ-20 Avenger (Predator C), Heron, Taranis, MQ-5B Hunter

URAV

Als Unmanned Reconnaissance Aerial Vehicle (URAV) werden Aufklärungsdrohnen bzw. aufklärende UAV bezeichnet. Die Reichweite großer Drohnen ist vergleichbar mit der von Verkehrsflugzeugen. Je nach Konzeption entsprechen die Flugeigenschaften denen von Aufklärungsflugzeugen oder Luftschiffen. Sie können ein bis zwei Tage in der Luft bleiben.

Besonders bei den Aufklärungsdrohnen erfolgt zudem noch eine gesonderte Einteilung nach der Einsatzhöhe über 10.000 m:

MALE

Medium altitude long endurance (MALE) fliegen in einer Höhe von 5–15 km.Sascha Lange:„Flugroboter statt bemannter Militärflugzeuge?“; SWP-Studie vom Juli 2003 (PDF, 272 kB).

HALE

High altitude long endurance (HALE) fliegen in einer Höhe von mehr als 15 km.

UCAV

Unmanned Combat Aerial Vehicle (UCAV) oder Unmanned Combat Aerial System (UCAS) sind Bezeichnungen für unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge. Umgangssprachlich werden diese Fluggeräte auch als Kampfdrohnen bezeichnet. Diese Waffensysteme werden zunehmend in militärischen Konflikten eingesetzt.Norman Friedman: Unmanned combat air systems – a new kind of carrier aviation. Naval Institute Press, Annapolis 2010, ISBN 978-1-59114-285-0. 2012 hat die US-amerikanische Luftwaffe erstmals mehr Piloten für Drohnen als für Kampfflugzeuge und Bomber ausgebildet.

UCAV wurden in verschiedenen Konflikten, z. B. in Afghanistan und Irak, mit Erfolg angewandt, allerdings gegen technisch unterlegene Gegner. Die großen Kampfdrohnen können von moderner konventioneller Luftabwehr bekämpft werden.Analysis: Russian army to get Orlan-30 drones – take 2, auf: „airrecognition.com“ 23. Juli 2020. So konnte die Ukraine in der Anfangszeit des russischen Überfalls große Erfolge mit der Bayraktar TB2 erzielen, doch nur solange, bis Russland die Luftabwehr neu organisiert hatte.Brent M. Eastwood: Has Russia Found A Way to Kill Ukraine’s Bayraktar TB2 Drone?, auf: „19fortyfive.com“, 27. Juni 2022.

Drone Anti-Submarine Helicopter (DASH): eine Helikopterdrohne (Gyrodyne QH-50) zur U-Jagd, die von 1958 bis 1969 von der United States Navy getestet und eingesetzt wurde. Unmanned Combat Aerial Vehicle (UCAV): Luftangriffsfähiges UAV (unbemanntes Kampfflugzeug), zum Beispiel Predator, RQ-170 Sentinel, BAE Taranis, Boeing X-45, Northrop Grumman X-47

Loitering Munitions

Eine eigene Klasse sind Loitering Munition bzw. Kamikaze-Drohnen oder Suizid-Drohnen. Es handelt sich bei dieser Art von Drohne um einen Marschflugkörper bzw. präzisionsgelenkte Munition, welche die Möglichkeiten einer Aufklärungsdrohne nutzt und durch menschliche oder automatische Kontrolle in ein erst im Flug genauer definiertes Ziel geflogen wird und dann explodiert.Olaf Seiring: „Der Einsatz unbemannter Flugsysteme in nicht internationalen bewaffneten Konflikten“, BWV Verlag, 2016, ISBN 978-3-8305-3702-1, S. 31 (books.google.de).

Sonstige Bezeichnungen

mini|Zieldarstellungsdrohne QF-16 mini|Russische Frachtdrohne VRT-300

FPV-Drohnen Zieldarstellungsdrohne: militärisches Übungsobjekt. Signalverstärkerdrohnen Transportdrohne/Frachtdrohne: Drohne für Transport/Fracht Vermessungsdrohne (bspw. mittels Lidar oder Photogrammetrie) Skidy-Drohnen (die Sprengsätze transportieren und abwerfen) Anti-Drohnen-Drohnen bzw. Abfangdrohnen Micro Air Vehicle (MAV) sind Kleindrohnen, die über genügend Tragkraft verfügen, um Bildaufzeichnungsgeräte oder andere Sensoren zu transportieren. Sie haben einen Aktionsradius von einigen Kilometern und können eine Flughöhe von mehreren hundert Metern erreichen. Organic Aerial Vehicle (OAV): Organisches Fluggerät (im Sinne von die Sinne des Menschen erweiternd), zum Beispiel das Class I UAV. Remotely Piloted Vehicle (RPV): Ferngesteuertes Fluggerät. Tactical Unmanned Aerial Vehicle (TUAV) sind mittelgroße Drohnen mit einem Gewicht von bis zu 300 kg und einer Reichweite von 200–300 km. Meist starten sie nicht autark, sondern mit Hilfe von Katapulten oder Booster-Raketen. Ein Beispiel ist die deutsche Drohne LUNA.