Wolf Hamm (* 1974 in Delmenhorst) ist ein zeitgenössischer deutscher Maler und Zeichner.
Werdegang In den Jahren 1996/97 arbeitete Wolf Hamm als Assistent bei der finnischen Künstlerin Marjatta Tapiola in Symä, Finnland. Er studierte von 1998 bis 2001 Malerei und Grafik an der Hochschule für Künste Bremen bei Wolfgang Schmitz und Paco Knöller. 1999 bekam er das Stipendium der Städtischen Galerie Bremen mit Residenz in Vallauris, Frankreich. 2001 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf in die Klasse von Siegfried Anzinger, bei dem er 2004 als Meisterschüler graduierte. Hamm lebte 2004–2006 in Bilbao, Spanien, wo er das Stipendium der Stiftung Bilbao Arte antrat, die seine Arbeit 2005 mit einer Einzelausstellung ehrte. In Deutschland zurück, erhielt Hamm 2007 die Projektförderung des Senators für Kultur in Bremen. 2012 bekam er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und 2013 an der Hochschule für Künste in Bremen. Seine Arbeiten wurden zuletzt u. a. im Kunstmuseum Ahlen, im Nelimakka Museo in Alajärvi, Finnland sowie in der Kunsthalle Recklinghausen, im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr und im Max Ernst Museum in Brühl gezeigt.
Seit 2010 lebt und arbeitet Wolf Hamm in Berlin.
Werk In seiner kraftvollen und großformatigen Hinter-Glas-Malerei vergegenwärtigt Hamm ein bildnerisches Universum, das die privaten Beziehungen der Menschen, die mythischen Erzählungen und die Vorgänge in Gesellschaft und Geschichte umfasst. Hamm nimmt dabei eine Revision der bildnerischen Moderne vor: Kitsch, Parodie und Pathos sind miteinander verflochten. Komplexe Bildstrukturen im Grenzbereich zwischen Abstraktion und erzählerischer Gegenständlichkeit, Überschneidungen und Überlagerungen von bildlichen Szenen prägen sein Werk. Insofern ist seine Arbeit immer auch als Auseinandersetzung mit der Tradition zu verstehen: Er knüpft mit seinen Themen, Motiven und künstlerischen Verfahren an den klassischen Kanon an, verwendet allerdings Materialien seiner Zeit und formuliert seine Fragen aus einem zeitgenössischen Kontext heraus.
Konzeptuell steht Hamms Werk zunächst dem Surrealismus nahe, doch geht es dem Künstler weniger um das Ausloten von Traumwelten und des Unbewussten. Vielmehr benutzt Hamm die surreale Verfremdung als Chiffre, um komplexe Zusammenhänge der realen Welt bildlich begreiflich zu machen. Die teils phantastischen, narrativen Tableaus werden somit Projektionsflächen, auf denen Hamm das Zeitgeschehen, den Zustand der Welt und der conditio humana im Allgemeinen kommentiert.
Ausstellungen (Auswahl) 2021: Wolf Hamm – Große Prozesse, Max Ernst Museum Brühl des LVR, Brühl 2017/18: Schlaf – eine produktive Zeitverschwendung, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen 2017: Das Herz aus Gold, Galerie Kunstkabinett Corona Unger, Bremen 2016: Zeitzeichen, Beck & Eggeling, Düsseldorf 2014: Zwischen den Phänomenen / Die Eukatastrophe – Die plötzliche Wendung zum Guten, Kunstmuseum Ahlen 2014: 25 Jahre Kunstverein Recklinghausen, Kunsthalle Recklinghausen 2013: Maahinen North of 66°33′44″, Nelimarkka Museo, Alajärvi, Finnland 2012: Sozial Utopia, Donopoulos International Fine Arts, Thessaloniki, Griechenland 2011: Die Welt ist keine Scheibe, Kunstverein Recklinghausen 2010: Liebhaberstücke, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, Mülheim an der Ruhr 2010: Dass sich ein Jeder traut ein Bürger zu sein, Donopoulos International Fine Arts, Thessaloniki, Griechenland 2009: Die unsichtbare Hand, Städtische Galerie Delmenhorst 2007: Die uns bekannte Welt mit Regeln, Städtische Galerie Delmenhorst, Haus Coburg 2007: Stabat Mater, Philharmonie im Gasteig München, Berliner Philharmonie, Bremische Bürgerschaft 2008: Hamairu, im Mercado Municipal Bilbao, arte galeria epelde & mardaras, Bilbao, Spanien 2006: A vida o muerto, adn galeria, Barcelona, Spanien 2005: Fressen und gefressen werden, Fundación Bilbao Arte, Bilbao, Spanien 2004: IV Certamen National de Pintura Parlamento de La Rioja, Logroño, Spanien 2004: XIV Certamen de Dibujo Museo Gregorio Prieto, Valdepeñas und im Museo de la Ciudad, Madrid, Spanien
Öffentliche Sammlungen Kunstmuseum Ahlen Kunsthalle Recklinghausen Nelimarkka Museo, Alajärvi, Finnland Sammlung Stuckenberg, Städtische Galerie Delmenhorst – Haus Coburg, Delmenhorst Fundación Bilbao Arte, Bilbao, Spanien
Literatur (Auswahl) Wolf Hamm – Zwischen den Phänomenen, Hg. Burkhard Leismann, Beck & Eggeling Kunstverlag 2014, ISBN 3-930919-92-3 Wolf Hamm – In der Kürze der Zeit, Hg. Dr. Ute Eggeling und Michael Beck, Beck & Eggeling Kunstverlag 2012, ISBN 3-930919-78-8 Wolf Hamm – Die Welt ist keine Scheibe, Hg. Kunstverein Recklinghausen, Verlag Kettler 2012, ISBN 978-3-86206-157-0 Wolf Hamm – Die uns bekannte Welt mit Regeln, Hg. Städtische Galerie Delmenhorst, Hachmannedition 2007, ISBN 978-3-939429-25-8
Einzelnachweise
Weblinks Literatur von Wolf Hamm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Offizielle Website Wolf Hamm bei Beck & Eggeling, Düsseldorf Video über Wolf Hamm „Die Grossen Prozesse“ von Iris Jungels https://www.welt.de/welt_print/article2288444/Vom-Andachtsbild-zum-Kunstwerk.html
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