Der Landkreis Kitzingen liegt im Südosten des bayerischen Regierungsbezirks Unterfranken. Kreisstadt ist Kitzingen. Der Landkreis ist Mitglied der Metropolregion Nürnberg und der Regiopolregion Mainfranken.
Geographie Lage mini|Der Schwanberg bildet das Zentrum des Landkreises
Der Landkreis Kitzingen liegt im südöstlichen Teil von Unterfranken am Maindreieck. Der östliche Scheitel des Flusses durchfließt von Norden nach Süden das Kreisgebiet. Daneben hat der Landkreis Anteil am Mittelgebirge Steigerwald, mit mehreren Bergen über 450 m. Nächstgelegene, unterfränkische Oberzentren sind Schweinfurt im Norden, mit einer Entfernung zur Stadt Kitzingen von etwa 35 km und Würzburg im Westen, das ungefähr 17 km entfernt ist. Das Oberzentrum Bamberg im Bezirk Oberfranken spielt mit einer Entfernung von 33 km für das östliche Kreisgebiet um Geiselwind eine Rolle.
Der Landkreis hat Anteil an der Region Mainfranken und liegt in der bayerischen Planungsregion Würzburg; zwei Orte im Kreisgebiet (Kitzingen und Volkach) sind als Mittelzentren dem Regionalzentrum Würzburg zugeordnet. Die Planungsregionen Main-Rhön (im Norden), Oberfranken-West (im Nordosten) und Westmittelfranken (im Süden) grenzen direkt an das Gebiet des Landkreises. Daneben ist der Landkreis Teil der Metropolregion Nürnberg und bildet seit dem Austritt der Stadt Würzburg im Jahr 2010 deren nordwestlichen Abschluss mit einer Entfernung über 50 km zum Stadtgebiet von Nürnberg.
Der Weinbau spielt für die Region seit Jahrhunderten eine große Rolle. So hat der Landkreis Kitzingen Anteil am Weinbaugebiet Franken mit seinen Bereichen Maindreieck und Steigerwald. Der „Weinlandkreis“ hat die größte Anbaufläche in der gesamten Weinregion (allein um das Zentrum der Region, der Volkacher Mainschleife, sind über 1100 ha mit Weinreben bestockt).
Das Zentrum des Kreisgebiets bildet der Schwanberg, der zugleich zwischen den Naturräumen Maintal/Steigerwaldvorland und dem eigentlichen Steigerwald vermittelt. Höchstgelegene Orte im Landkreis Kitzingen sind dann auch das Dorf Schwanberg und der Abtswinder Ortsteil Friedrichsberg mit 474 bzw. . Im Maintal ist mit Segnitz auf etwa 183 m ü. NN der niedrigste Ort zu finden. Der nördlichste Punkt des Kreises ist in der Gemarkung von Gaibach zu finden, den östlichsten bildet die Gemarkung von Wasserberndorf. Am südlichsten liegt Unterickelsheim, während das Kreisgebiet im Westen bis Westheim reicht.
Nachbarkreise Der Landkreis Kitzingen bildet den südöstlichen Abschluss des Regierungsbezirks Unterfranken. An ihn grenzen Landkreise aus den beiden anderen fränkischen Bezirken Ober- und Mittelfranken. Der Landkreis Bamberg bildet im Steigerwald den Übergang nach Oberfranken, während im Süden der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim der mittelfränkische Nachbar ist. (→ siehe auch: Dreifrankenstein)
Naturräumliche Gliederung Der Landkreis hat Anteil an der naturräumlichen Großregion Südwestdeutsches Stufenland. Insgesamt ist er durch zwei Haupteinheitengruppen gegliedert. Der Osten ist Teil des Fränkischen Keuper-Lias-Landes (11), der gesamte Westen wird von den Mainfränkischen Platten (13) eingenommen. Fünf Haupteinheiten bilden den Landkreis, wobei diese wiederum in Untereinheiten untergliedert sind:
Steigerwald (115) im Osten Nördlicher Steigerwald (115.0) Schwanberg (115.00) Frankenberg (115.01) Ochsenfurter und Gollachgau (130) im Südwesten um Marktbreit Ifftalbereich (130.01) entlang des gleichnamigen Baches Ochsenfurt-Uffenheimer Gaufläche (130.10) in der Gemeinde Martinsheim Mittleres Maintal (133) im Zentrum entlang des namensgebenden Flusses Würzburg-Ochsenfurter Maintal (133.04) Marktbreit und Segnitz haben Anteil an diesem Abschnitt Kitzinger Maintal (133.05) um die Stadt selbst Schwarzacher Talweitung (133.06) um die Gemeinde Schwarzach am Main Volkacher Mainschleife (133.07) westlich der Stadt Gäuflächen im Maindreieck (134) im Westen um Biebelried und Dettelbach Gäufläche im nördlichen Maindreieck (134.10) mit der Gemeinde Dettelbach Hochflächen im südlichen Maindreieck (134.11) um Biebelried Steigerwaldvorland (137) entlang der Achse Iphofen, Obervolkach Kitzinger Mainebene (137.0) östlich der Stadt Mainbernheimer Ebene (137.00) Albertshofener Flugsandgebiet (137.01) Dimbacher Flugsandgebiet (137.02) Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland (137.1) entlang der Achse Iphofen-Prichsenstadt Hellmitzheimer Bucht (137.10) Schwanbergvorland (137.11) Steigerwaldvorland von Neuses (137.12) Gaibacher Lößhochfläche (137.13)Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 8. Januar 2019.
Zentralörtliches Gefüge Auf die historische territoriale Zersplitterung ist es zurückzuführen, dass der Landkreis Kitzingen die höchste Anzahl an Städten und Märkten der Kreise Unterfrankens hat. Es gibt acht Städte, elf Märkte und zwölf Dorfgemeinden. Mit der Gemeindegebietsreform in Bayern in den 1970er Jahren wurde der Markt Herrnsheim in den Markt Willanzheim eingemeindet.
Der Landkreis wird von der Großen Kreisstadt Kitzingen mit 21.346 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017) dominiert. Die Stadt ist im aktuellen bayerischen Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum geführt. Neben dem Landratsamt gibt es ein Krankenhaus, Notare, Schwimmbäder und vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Das zweite Mittelzentrum Volkach mit 8.811 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017) mit einer wesentlich niedrigeren Zentralitätskennziffer ist das Zentrum des nördlichen Landkreises.Landesentwicklung-Bayern: , abgerufen am 9. Dezember 2018.
Wegen der Vielzahl ehemals zentraler Orte konnten nur wenige Städte eine Zentralfunktion behalten. Im Landkreis zeugen viele Stadtbilder von einer vorindustriellen Ackerbürgerstadt. Lokale Zentren sind Dettelbach mit 7.260 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017), Wiesentheid mit 4.840 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017), Iphofen mit 4.587 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017) und Marktbreit mit 3.861 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017). Alle vier Orte wurden in früheren Landesentwicklungsplänen als Kleinzentren geführt.Vgl.: Böhm, Dieter: Das zentralörtliche Gefüge im Landkreis Kitzingen. S. 426–429.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Kreisgebiet ist seit der Altsteinzeit durchgehend besiedelt. Für die frühen Epochen, von denen noch keine schriftlichen Aufzeichnungen der Bewohner vorliegen, ist man auf archäologische Ausgrabungen bzw. zufällige Lesefunde angewiesen. Erst aus der Frühgeschichte liegen Werke auswärtiger Autoren (zumeist Römern) vor, die über die Völkerschaften in diesem Raum berichten. Die Gäuflächen, das Maintal und das Steigerwaldvorland waren wesentlich früher erschlossen als die Gebiete im klimatisch benachteiligten Steigerwald. Sie hatten auch eine höhere Siedlungsdichte.
Steinzeit (um 150.000 bis 1.800 v. Chr.) Der erste Nachweis einer menschlichen Existenz im Kitzinger Land ist ein über 150.000 Jahre alter Quarzit-Faustkeil aus der Gemarkung von Dornheim. Damals war das Gebiet zwischen Main und Steigerwald wohl ein bevorzugtes Jagdgebiet umherziehender Gruppen. Dies unterstreichen die Funde von Schabern und Klingen aus dem Gebiet zwischen Kitzingen und dem Schwanberg. Eine Blattspitze aus Neusetz könnte als Geschosskopf einer Jagdwaffe der steinzeitlichen Menschen gedient haben.
mini|Steinzeitliches Flachbeil aus Astheim, 4.900–2.300 v. Chr.
In der Mittelsteinzeit erwärmte sich das Klima in Mitteleuropa. Aus dieser Zeit stammen viele Funde im nordwestlichen Landkreis, weil die Bodenbeschaffenheit mit hohem Sandanteil die Objekte besser konservierte. Die Geräte weisen eine große Ähnlichkeit mit denen der Altsteinzeit auf. Mikrolithen dienten als Harpunen für den Fischfang im Main und in seinen Zuflüssen. Eine große Menge dieser Objekte wurde bei Großlangheim entdeckt.
Funde der Jungsteinzeit unterscheiden sich erheblich von den Hinterlassenschaften der Vorgängerepochen. Erstmals waren die Menschen nicht nur Nomaden, sondern lebten als Ackerbauern in einer Dorfgemeinschaft. Typische Relikte aus dieser Zeit sind die sogenannten Wohnspeicherbauten der bandkeramischen Kultur. Außerdem hielt kultisches Brauchtum Einzug. In Repperndorf wurden figürliche Darstellungen von Menschen ausgegraben, in Mainstockheim und Schernau entdeckte man steinerne Fruchtbarkeitsidole.
Später löste die Rössener Kultur die Bandkeramik ab. Sie errichteten auch Wehrbauten wie das Wall-Graben-Werk nordöstlich von Enheim. Das Ende der Jungsteinzeit wurde mit der schnurkeramischen Kultur eingeleitet. Die Menschen praktizierten einen strengen Totenbrauch mit den sogenannten Doppelhockerbestattungen. Zugleich muss es sich um eine kriegerische Gesellschaft gehandelt haben, dies belegt die Ausgrabung einer Streitaxt in der Nähe von Dimbach. Kriegerisch waren auch die Menschen der Glockenbecherkultur, von denen im Landkreis allerdings nur wenige Überreste identifiziert werden konnten. Daumenschutzplatten aus Stein, die auf der Vogelsburg und dem Schwanberg gefunden wurden, sind die einzigen Zeugnisse ihrer Existenz.Wamser, Ludwig: Zur Vor- und Frühgeschichte. S. 76–86.
Bronzezeit (um 1.800 bis 750 v. Chr.) Ab etwa 1800 vor Christus setzte sich die Bronzeverarbeitung durch und revolutionierte die Lebensweise der Menschen. Das erste Objekt dieser neuen Kultur war eine Gussform für Bronzebeile, die bei Hüttenheim entdeckt wurde. Zugleich nahmen die Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Menschengruppen zu. So konnte ein Randleistenbeil aus Norddeutschland aus dem Main bei Fahr geborgen werden.
Die Menschen der Bronzezeit begannen neben den bereits bekannten Körpergräbern auch sogenannte Brandschüttungsgräber zu errichten. Diese Neuerungen in der Totenbestattung werden als Zeichen für den Übergang in die Urnenfelderzeit gewertet, die ab etwa 1200 vor Christus im Kitzinger Land begann und durch das besonders prachtvolle Frauenschmuck-Ensemble aus der Umgebung des Schwanbergs vertreten wird. Urnenfelder konnten auch in Düllstadt, Groß- und Kleinlangheim und Marktbreit identifiziert werden.
Die verbesserte Waffentechnik und der Bevölkerungsanstieg führten in der Bronzezeit zu häufigen Kriegszügen. In dieser Zeit wurden viele Siedlungen aufgegeben. Die Menschen verließen Ansiedlungen bei Bibergau, Michelfeld und Obervolkach. Ein Hortfund bei Reupelsdorf deutet auf fluchtartiges Verlassen der Bewohner hin. In diesen unruhigen Zeiten begann man, die Berge der Umgebung zu befestigen. Mittelpunkte der militärischen Verteidigung waren die Vogelsburg, der Schwanberg und der Bullenheimer Berg am äußersten Rand des heutigen Kreisgebiets.Wamser, Ludwig: Zur Vor- und Frühgeschichte. S. 88–95.
Eisenzeit (um 750 bis 50 v. Chr.) mini|Der Bullenheimer Berg gilt als einer der wichtigsten Fundstellen um Kitzingen
Die Kunst der Eisenverarbeitung erreichte um die Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts das Gebiet des heutigen Landkreises. Zunächst lebten hier die Menschen der Hallstattzeit, deren Auftauchen von Objekten geprägt wird, die von weiträumigem Handel zeugen. Vielleicht sind die Menschen dieser Zeit bereits als Kelten anzusprechen, weil sie ganz ähnliche Brandgräber wie diese anlegten. Insbesondere entlang des Mains entstanden diese Begräbnisstätten. Ein besonders bemerkenswertes Relikt dieser Zeit ist der Laushügel bei Buchbrunn.
Existieren für die frühe Eisenzeit noch keine genauen Kenntnisse über die Zusammensetzung der Bevölkerung, können die Menschen der Latènezeit ab 450 vor Christus eindeutig als Kelten identifiziert werden. Weiterhin siedelten sich die Menschen bevorzugt am Fluss an, besonders viele Siedlungen der Kelten sind entlang der Mainschleife auszumachen. Hier entstand ein Großgrabhügel im Osten Volkachs, der mit der Vogelsburg als keltische Befestigung in Zusammenhang zu bringen ist.