Edmund Wilhelm Hermann König, auch Wilhelm Hermann Eduard König bzw. Wilhelm Hermann Edmund König (* 14. März 1858 in Westgreußen; † 15. Januar 1939 in Sondershausen)Nachruf und Todesanzeige in Der Deutsche. Thüringer Tageblatt 1939 Nr. 13. war ein deutscher Gymnasiallehrer. Daneben publizierte er über philosophische Themen.

Leben Herkunft, Ausbildung und Privatleben Von Ostern 1869 bis Ende September 1876 besuchte König das Gymnasium Sondershausen. Anschließend studierte er bis zum Frühjahr 1878 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena MathematikVgl. Verzeichnis der Studierenden in Jena Winter 1877/78 (No. 103). und wechselte dann zur Universität LeipzigAm 2. Mai 1878 eingeschrieben für Mathematik (Die Matrikel der Universität Leipzig. Teilband IV. Weimar 2009. ISBN 9783897396678, S. 98).. Dort bestand er 1880 die Prüfung für das höhere Lehramt und wurde 1881 an der philosophischen Fakultät bei Wilhelm Wundt mit der Dissertation Ueber den Substanzbegriff bei Locke und Hume promoviert.Chronologische Übersicht aller Dissertationen bei Wilhelm Wundt an der Universität Leipzig. Digitalisat. Sein Probejahr absolvierte König in der Folge am städtischen Gymnasium zum heiligen Kreuz in Dresden.

König war von Januar 1912 bis September 1922 Mitglied des Sondershäuser Gemeinderats,Der Deutsche 1912 Nr. 4. Zur Wahl 1922 hat er sich nicht mehr beworben (Der Deutsche 1922 Nr. 205). von Oktober 1912 bis Mai 1919 als Vorsitzender.Der Deutsche 1912 Nr. 244 und 1919 Nr. 125. Er gehörte im November 1918 zu den Gründungsmitgliedern der Sondershäuser Ortsgruppe der Deutschen demokratischen Partei und war dann ihr 1. Vorsitzender.Der Deutsche 1918 Nr. 279 und 301. Bei der Gemeinderatswahl 1919 kandidierte er auf der Liste dieser Partei.Der Deutsche 1919 Nr. 108.

König erhielt die goldene Medaille für Verdienst um Kunst und Wissenschaft am Bande und das Schwarzburgische Ehrenkreuz III. Klasse.Der Deutsche 1902 Nr. 183 bzw. 1908 Nr. 184. In Sondershausen trägt die frühere Hindenburgstraße seit dem 12. Januar 1946 seinen Namen. Darüber hinaus wurde lange davon ausgegangen, dass er Ehrenbürger der Stadt sei. Entsprechende Unterlagen konnten allerdings nie gefunden werden.Gedenkstein enthüllt, in: kyffhaeuser-nachrichten.de vom 6. November 2013. Auf dem städtischen Hauptfriedhof ist König in einem Familiengrab bestattet. Am 6. November 2013 wurde auf dem Grab ein Gedenkstein enthüllt, um die Verdienste seines Sohnes Friedrich (Fritz) König (1899–1975) und dessen Ehefrau Margaretha, geb. Möller, (1896–1973) zu würdigen.Susanne Schedwill: Gedenkort für einen besonderen Sondershäuser. In: Thüringer Allgemeine vom 6. November 2013.Dazu und zu den Kindern Ludwig (Lutz) König (1891–1974), Hermann König (1893–1917) und Minna König verehel. Wolfram (1895–1977) ausführlich in:Helmut Köhler, Hans-Jürgen Nickel: Edmund König (1858–1939). (Reihe Persönlichkeiten in Sondershausen.) Hrsg. Stadtverwaltung Sondershausen. 2016.

Berufliche Laufbahn Ab Ostern 1882 arbeitete König als ordentlicher Lehrer am Dresdner Gymnasium zum heiligen Kreuz. Diese Stelle gab er im Sommer 1887 auf, um sich in Wien ausschließlich philosophischen Studien und literarischen Arbeiten zu widmen.So schloss er seine Entwickelung des Causalproblems von 1888 in Wien ab. Ab Ende 1888 war er Lehrer und Mitdirektor an der Real- und Handelsschule in Bad Dürkheim, bis er im August 1894 als Lehrer an das Gymnasium Sondershausen berufen wurde.Der Deutsche 1894 Nr. 179. Dort wurde er 1899 zum Professor ernannt, 1917 zum Studienrat; zu Ostern 1923 trat er in den Ruhestand.Der Deutsche 1899 Nr. 183 und 1917 Nr. 195 sowie 1923 Nr. 84.

Neben seinem Lehramt und einem Vortragszyklus über naturwissenschaftliche und philosophische Fragen, den er über viele Jahre in Sondershausen hielt,mit finanzieller Förderung durch die Stadt, vgl. Der Deutsche 1913 Nr. 257 und 1928 Nr. 62 (Zum 70. Geburtstage des Professors Dr. König.). erlangte König vor allem aufgrund seiner philosophischen Schriften nachhaltige Bekanntheit.Goldenes Doktorjubiläum, in Der Deutsche 1931 Nr. 296. Er war der Bewegung des Neukantianismus zuzurechnen und stand dem Kritizismus nahe.Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie. Zweiter Band. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1921, S. 445. Ausgelöst durch beidseitige Aufsatzveröffentlichungen führte er ab 1889 mit Eduard von Hartmann eine Debatte um die Frage des transzendentalen Idealismus.Friedrich Wilhelm Graf (Hrsg.): Ernst Troeltsch. Rezensionen und Kritiken (1894–1900). Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019304-6, S. 217. Innerhalb der Naturphilosophie gehörte er zu den Gegnern der Nietzsche’schen „Temperamentsphilosophie“ und beurteilte auch die beispielsweise von Karl Ernst von Baer, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Gottfried Wilhelm Leibniz vertretene Zweckbetrachtung negativ. Gleichwohl erkannte er 1902 in einem Aufsatz: „[D]ie vor etwa zehn Jahren zuerst schüchtern hervorgetretene Opposition der Neovitalisten und Antidarwinisten ist bereits heute zu einer mächtigen Bewegung angewachsen, die sehr wahrscheinlich mit dem Siege der Teleologie enden wird.“Ueber Naturzwecke S. 418.

Publikationen (Auswahl) Monographien Die Entwickelung des Causalproblems von Cartesius bis Kant. Studien zur Orientirung über die Aufgaben der Metaphysik und Erkenntnisslehre. Otto Wigand, Leipzig 1888. Die Entwickelung des Causalproblems in der Philosophie seit Kant. Studien zur Orientirung über die Aufgaben der Metaphysik und Erkenntnisslehre. (Zweiter Theil.) Otto Wigand, Leipzig 1890. Die französische Philosophie im 19. Jahrhundert. Verlag von J. Bacmeister, Eisenach 1889.(Autorisierte deutsche Ausgabe von: Félix Ravaisson: La philosophie française au XIX siècle. Imprimerie imperiale, Paris 1868.) Das Problem des Zusammenhangs von Leib und Seele und seine Bearbeitung in der kartesianischen Schule. In: Programm des Gymnasium Sondershausen. Teil 1: 1895; Teil 2: 1897. W. Wundt. Seine Philosophie und Psychologie. (= Frommanns Klassiker der Philosophie. 13. Band) F. Frommann, Stuttgart 1901. W. Wundt als Psycholog und als Philosoph. Frommann, Stuttgart 1902. (3. Aufl. 1909.) Kant und die Naturwissenschaft. (= Die Wissenschaft – Sammlung naturwissenschaftlicher und mathematischer Monographien. 22. Band). Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1907. Die Materie. (= Wege zur Philosophie, Nr. 2.) Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1911. Ist Kant durch Einstein widerlegt? Ein Beitrag zur Prinzipienlehre der Naturwissenschaft. Eupel, Sondershausen 1929.

Aufsätze Ueber den Substanzbegriff bei Locke und Hume. Dissertation. In: Philosophische Studien. Leipzig. Jahrgang 1, № 2, 1881, S. 261–335. Über den Begriff der Objektivität bei Wolff und Lambert mit Beziehung auf Kant. In: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. Halle (Saale), Neue Folge. Band 85, 1884, S. 292–313. Der Kausalbegriff des Maine de Biran. Maine de Biran – der französische Kant. In: Philosophische Monatshefte. Band 25, Hefte 3–4, Heidelberg 1889. Über die letzten Fragen der Erkenntnistheorie und den Gegensatz des transcendentalen Idealismus und Realismus. 1894. Die Unterscheidung von reiner und angewandter Mathematik bei Kant. In: Kant-Studien. Jahrgang 3, № 1–3, Januar 1899, S. 373–402. Die Lehre vom psychophysischen Parallelismus und ihre Gegner. In: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. Vol. 115, № 2, 1900, S. 161–192. Ueber Naturzwecke. In: Philosophische Studien. Leipzig, Band 19, 1902, S. 418–458.

Rezensionen Besprechung zu: Paul Nikolaus Cossmann, Elemente der empirischen Teleologie. 1899. In: Kant-Studien. Jahrgang 4, 1899, S. 92–95. Besprechung zu: Immanuel Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft. Neu herausgegeben von Alois Höfler, mit einem Nachwort: Studien zur gegenwärtigen Philosophie der Mechanik. 1900. In: Kant-Studien. Jahrgang 7, № 4, September 1902, S. 454–460.

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