Heiligenbrunn (, ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Güssing im Burgenland in Österreich. Bekannt ist sie vor allem als eines der Zentren des Uhudler-Weinbaus und für ihr historisches Kellerviertel.Uhudler. In: bml.gv.at. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft, abgerufen am 2. Juni 2023. Mehrere Jahrhunderte lang war Heiligenbrunn aufgrund seiner Ulrichsquelle auch religiöses Zentrum für die Umgebung und ein wichtiger Pilgerort der Region. Die Gemeinde ist Teil des Naturparks in der Weinidylle.

Etymologie Der Name Heiligenbrunn leitet sich von der Ulrichsquelle im Ortsteil Heiligenbrunn ab, einem 1198 erstmals urkundlich genannten Quellheiligtum mit Kapelle, das im Mittelalter als Heiliger Brunnen (Erwähnung ) bekannt war. Der ungarische Name Szentkút stellt, wie im Deutschen, eine wortwörtliche Übersetzung dieser lateinischen Bezeichnung dar. Bei der kroatischen Ortsbezeichnung Šenkut hingegen handelt es sich lediglich um eine phonetische Abwandlung des ungarischen Szentkút, die im Burgenlandkroatischen keine eigene Bedeutung hat.

Für die späteren urkundlichen Nennungen zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert wurden meist Variationen der deutschen und ungarischen Bezeichnungen verwendet: Szent Kut (1339), Scenthkut (1342), Zenthkwth (1482, 1494, 1496), Sacra Fons (1618), Sz. Kut seu Heiligiprun (1698), Heylebrunn (1744), Szent Kutta und Heilig Brunn (1733).

Geografie

Geografische Lage Die Gemeinde liegt im südöstlichsten Winkel Österreichs im Südburgenländischen Hügel- und Terrassenland. Sie grenzt im Osten und Süden direkt an Ungarn, mit dem sich die Gemeinde auch etwa 25 km Grenzverlauf teilt. Ungefähr 10 km nordwestlich liegt der Bezirksvorort Güssing, ca. 15 km östlich die ungarische Kreisstadt Körmend (). Die nächste größere Stadt ist die etwa 34 km nordöstlich gelegene Komitatsstadt Szombathely () mit knapp 80.000 Einwohnern.

Landschaft Mit den steil abfallenden Hängen des Güssinger Hügellandes am Westrand der Orte Heiligenbrunn und Deutsch Bieling endet das Oststeirische Hügelland und geht in die Kleine ungarische Tiefebene über. Die weiter östlich gelegenen Orte Hagensdorf und Luising liegen bereits in den Talsohlen der beiden ineinander fließenden Flüsse Pinka und Strem. In deren teilweise noch erhaltenen Feuchtwiesen und Auen liegen die Schachblumenwiesen Hagensdorf-Luising. Reinersdorf im Westen der Gemeinde ist bereits hügelig geprägt und ist auf drei versprengt gelegene Siedlungsgebiete verteilt. mini|Topografische Karte des Ortsteils Heiligenbrunn Die höchsten Erhebungen der Gemeinde sind der Hochberg (306 m) und der Zeinerberg (291 m) in Heiligenbrunn, sowie der Jakab hegy () mit 295 m an der Grenze zwischen Reinersdorf und der ungarischen Gemeinde Nemesmedves (). Pinka und Strem sind die größten Fließgewässer der Gemeinde, das ca. 1 ha große Feuchtbiotop Heiligenbrunn das größte stehende Gewässer.

Flächennutzung Die Gemeinde verfügt über eine Fläche von 3.351,33 ha, wovon 1.976 ha oder 59 % als Dauersiedlungsraum genutzt werden.

Gesamtflächenverteilung nach Nutzungsart (Stand 1. Jän. 2020):

Gemeindegliederung Orte (und Katastralgemeinden) der Gemeinde Heiligenbrunn sind (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Deutsch Bieling () (, Fläche 546 ha), Hagensdorf im Burgenland () (, Fläche 987 ha), Heiligenbrunn (, ) (, Fläche 804 ha), Luising () (, Fläche 270 ha) und Reinersdorf (, ) (, Fläche 741 ha). Der Ort zählt zum Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten

Nachbargemeinden Heiligenbrunn grenzt insgesamt an zehn Nachbargemeinden, von denen vier in Österreich und sechs in Ungarn liegen. Die österreichischen Gemeinden befinden sich alle im Bezirk Güssing, von den ungarischen liegen zwei im Kreis Szentgotthárd und vier im Kreis Körmend (beide Komitat Vas).

Geologie Die Gemeinde liegt am Ostrand der Südburgenländischen Schwelle, einem Teilbereich des Steirischen Beckens, mit dem dieses in das Pannonische Becken übergeht. Im Süden schließt der Raabgraben an, im Norden die Ehrensdorfer Platte. Das Becken ist mit Schwemmmaterial und mit pannonen und marinen Sedimenten des Tertiär und Quartär gefüllt und wurde landschaftlich am stärksten während des Quartär geformt. Durch Erosion und Tieferlegung der Flüsse Pinka und Strem entstanden breite Sohletäler, die teils in Terrassen abgestuft sind.

Der Großteil der Gemeinde ist, wie der Rest der Güssinger Landschaft, hauptsächlich von podsoliger Bleicherde bedeckt. In den Flusstälern von Pinka und Strem finden sich stark saure Schwemmböden, entlang des Reinersdorfer Baches und zwischen Hagensdorf und Luising auch lehmiger Quarzschotter.

Klima Klimatisch stellt das Gebiet eine Übergangszone vom alpinen Klima im Westen zum pannonisch-kontinentalen Klimabereich im Osten dar. Der Klimazonenwechsel ist sowohl im jährlichen Klimaverlauf als auch im Kleinklima der Monate und Tage spürbar.Dr. Ludwig Graupner: Die Güssinger Landschaft. Ein übervölkertes österreichisches Grenzland. In: opac.geologie.ac.at. Geologische Bundesanstalt, 1949, abgerufen am 20. Februar 2023.

Die Gemeinde wird durch die in die Raab fließenden Flüsse Strem und Pinka entwässert und gehört somit zum Flussgebiet der Raab.

Die nächste Wetterstation der Zentralanstalt für Meteorologie befindet sich im ca. 20 km weiter nördlich gelegenen Kleinzicken. Das nachstehende Klimadiagramm weist daher die Daten dieser Station aus.

Geschichte

Frühgeschichte bis Frühmittelalter Ungefähr 5500 v. Chr. erfolgte die erste durch archäologische Funde belegte menschliche Bau- und Siedlungstätigkeit im unteren Pinkatal.Sonja Radakovits-Gruber: Pinkaboden-Dörfer feiern heuer 800-Jahre-Jubiläum. In: meinbezirk.at. Bezirksblätter Burgenland, 13. September 2021, abgerufen am 13. September 2022. Später kam die Gegend als Teil der Provinz Pannonia superior unter römische Herrschaft. Aus einer dieser beiden Epochen stammt vermutlich der Friedhofshügel Hagensdorf-Luising, ein künstlich aufgeschütteter Grabhügel aus römischer oder vorrömischer Zeit, der heute den Friedhof der beiden Orte beherbergt.Martin Wurglits: Neuer Glockenturm für Friedhof Hagensdorf-Luising. In: meinbezirk.at. Bezirksblätter Hagensdorf, 2. September 2021, abgerufen am 6. September 2022. mini|Der Friedhofshügel Hagensdorf-Luising ist ein künstlich aufgeschütteter Grabhügel aus römischer oder vorrömischer Zeit

Nach dem Fall des Römischen Reiches kam es durch Völkerwanderung und Kriegswirren zu einem regelmäßigen Herrschaftswechsel in der Region (siehe Geschichte des Burgenlandes), der bis heute durch Orts- und Flurnamen mit baierischem oder awarisch-slawischem Ursprung erkennbar ist. Um 900 wurde das Gebiet schließlich Teil des Großfürstentums und späteren Königreichs Ungarn.Sonja Radakovits-Gruber: Pinkaboden-Dörfer feiern heuer 800-Jahre-Jubiläum. In: meinbezirk.at. Bezirksblätter Burgenland, 13. September 2021, abgerufen am 13. September 2022. Hoch- und Spätmittelalter Die erste urkundliche Erwähnung einer Ortschaft am Heiligen Brunnen erfolgte 1198. In dieser Urkunde bestätigte König Emmerich mehrere Schenkungen, die während der Regentschaft seines Vaters und Vorgängers Bela III. an das von ihm gegründete Zisterzienserkloster Szentgotthárd getätigt wurden. Teil dieser Schenkungen waren eine Heilige Quelle () mit dazugehöriger Kapelle und ein Weingarten, die der damalige Bischof von Raab, Ugrinus, dem ca. 13 km südwestlich von Heiligenbrunn gelegenen Kloster überließ. Ebenfalls bestätigt wurde die Schenkung von Weingärten durch Bela III. selbst, getätigt vermutlich kurz nach der Gründung des Klosters im Jahr 1185. mini|Die 1198 erstmals urkundlich genannte Ulrichsquelle heute.Im Jahr 1255 vergab König Béla IV. den zuvor vom Raaber Domherren Werenhart erhaltenen Besitz (lateinisch Possessio) Heiligenbrunn mit den Orten Heiligenbrunn, Sumetendorf, Merhart, Ujfalu und Pinka an Herrand aus dem Geschlecht der Héderváry. Die letzten drei Ortschaften sind heute nicht mehr zuordenbar, werden aber mit den späteren Filialgemeinden der Pfarre Heiligenbrunn in Verbindung gebracht: Strem, Reinersdorf und (Deutsch) Bieling. Die beiden kirchlichen Schenkungen durch den Bischof und den Domherren von Raab, und die explizite Bezeichnung der Orte als Possessio deuten darauf hin, dass Heiligenbrunn zu dieser Zeit das Zentrum einer geistlichen Kleinherrschaft gewesen sein dürfte.

Frühe Neuzeit Die Héderváry blieben bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts im Besitz der genannten Orte, die im Distrikt Strem (siehe Schlossriegel Strem) zusammengefasst waren. Wegen finanzieller Notlagen verpfändete der Grundherr Franz Héderváry Heiligenbrunn und andere Güter 1496 und 1500 aber vorübergehend an Verwandte. 1521 wurde der Distrikt zusammen mit anderen Besitztümern den Héderváry auf Anordnung König Ludwigs II. entzogen und als Teil der Herrschaft Güssing der Familie Batthyány unterstellt. Als 1569 deren Grundherr Graf Christoph Batthyány zum Protestantismus konvertierte wurde auch Heiligenbrunn protestantisch. Die Pfarre wurde vermutlich ab 1610 von evangelischen Predigern betreut, wurde 1630 durch den Übertritt von Christophs Nachfolger Adam I. Batthyány zum römisch-katholischen Glauben aber wieder katholisch. mini|Grundherr Graf Adam I. Batthyány Während dieser Zeit wurde aufgrund der Unruhen durch die Bocskai-Aufstände auch ein Großteil der Höfe in Heiligenbrunn verwüstet. Bis ins 18. Jahrhundert war die Region immer wieder von kriegerischen Handlungen und Aufständen betroffen. Bereits 1532 zog Sultan Suleimann von Köszeg () mit seinem Heer über die Oststeiermark nach Süden ab, und am 1. August 1664 kam es ca. 15 km südwestlich von Heiligenbrunn zur Schlacht bei Mogersdorf. Die dabei siegreiche kaiserlich Armee unter Graf Montecuccoli hatte zwei Tage zuvor vorübergehend ihr Lager bei Hagensdorf aufgeschlagen. Später, um 1700 herum, war der Herrschaftsbereich der Familie Batthyány in Westungarn aufgrund deren Kaisertreue auch ein Ziel der Kuruzzenstürme.

1757 wurden in einem kirchlichen Visitationsbericht die Wallfahrten zur Ulrichsquelle das erste Mal näher beschrieben. Dort hieß es die Quelle sei von vielen Menschen in der Hoffnung auf Heilung ihrer Krankheiten aufgesucht worden. Hierzu hätten sich die Gläubigen mit dem Wasser der Quelle benetzt.

Aufklärung und Revolution Der Westteil der Gemeinde mit den Orten Heiligenbrunn, Deutsch Bieling und dem damals noch auf zwei Dörfer aufgeteilten Deutsch und Kroatisch Reinersdorf war im 18. Jahrhundert Teil der fürstlichen Linie der Herrschaft Batthyány. Die östlich gelegenen Dörfer Hagensdorf und Luising gehörten zur Herrschaft Eberau bzw. zu den Herrschaften Ják und Zarka.

Die Zeit war geprägt vom Aufstand der großteils bäuerlichen Bevölkerung gegen die Willkür der Grundherrschaft und die Belastungen durch regelmäßige kriegerische Auseinanderzeitungen, bei denen das in den Dörfern einquartierte Militär von den Bewohnern versorgt werden musste. In Hagensdorf war etwa noch im 19. Jahrhundert Militär im Ort untergebracht. Die jungen Männer versuchten auch sich der Rekrutierung zu entziehen, indem sie sich versteckten, wie eine Gemeinderechnung von 1793 über die Auszahlung von 12 Florin und 4 Kreuzer für Rekrutenfangen belegt. Bereits im Jahr 1766 wurde die Stimmung in allen Dörfern der heutigen Gemeinde, mit Ausnahme des Ortes Luising, vom Oberstuhlrichteramt als höchst revolutionär beschrieben. Im selben Jahr wurden in der Urbarialreform Maria Theresias die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Verhältnis zwischen Grundherrn und Untertanen festgelegt, um so die Willkürherrschaft der Grundherren einzuschränken. Im Revolutionsjahr 1848 kam es schlussendlich zur Bauernbefreiung, die es den Bauern unter anderem erlaubte Liegenschaften zu erwerben und über diesen Grundbesitz frei zu verfügen.

Armut und Massenemigration