mini|alt=Blick in eine belebte Einkaufspassage mit hell beleuchteten Schaufenstern und spiegelnd-glattem, hellem Steinboden. Uns kommt lässig ein schlanker, attraktiver Mann von etwa vierzig Jahren entgegen. Er hat volles, dunkles Haar, trägt eine schwarze Hose, ein modisches, dunkelgrau gestreiftes, langärmeliges Hemd und eine sehr dunkle Sonnenbrille mit seitlich herumgezogenem Blendschutz. Er führt an einem Blindenhundgeschirr einen blonden Labrador Retriever, der ein blaues Halstuch trägt. Zwei junge Frauen schräg links hinter den beiden betrachten das Gespann mit Interesse.|Blinder Mann mit seinem Blindenführhund

Unter Blindheit (von althochdeutsch blint, ‚dunkel, trübe, blind‘ mit der Grundbedeutung ‚gemischt/getrübt‘ oder ‚dunkel‘Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 84 (zu blenden, Blendling und blind).) versteht man die ausgeprägteste Form einer Sehbehinderung mit gänzlich fehlendem oder nur äußerst gering vorhandenem visuellen Wahrnehmungsvermögen eines Auges oder unter rechtlichen Aspekten beider Augen. Sie kann angeboren (Geburtsblindheit) oder erworben sein. Die Aussichten auf eine Verbesserung oder gar Heilung sind, abhängig von Krankheitsbeginn, Ursachen und – insbesondere in Ländern der „Dritten Welt“ – generell dem Zugang zu entsprechenden Behandlungsangeboten, gering. Davon abgesehen gibt es eine Reihe von Erkrankungen, für die es keinen wirksamen therapeutischen Ansatz gibt und die deshalb als unheilbar gelten. Blindheit ist eine schwere Behinderung, bei der nach deutscher Gesetzgebung grundsätzlich ein Anspruch auf Beihilfe in Form von Blindengeld besteht. Er wird im jeweiligen Landesblindengeldgesetz oder als Blindenhilfe im Sozialgesetzbuch (SGB XII ) geregelt.Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch (SGB XII) – Sozialhilfe – § 72 BlindenhilfeBayerisches Blindengeldgesetz. Was ist Blindheit nach dem

Beim gänzlichen Fehlen von Lichtwahrnehmung, also dem Verlust von Hell-/Dunkelwahrnehmung, spricht man von Amaurose (Vollblind). Die Amaurose beider Augen bringt für Betroffene zusätzliche Probleme, wie etwa Schlafstörungen mit sich (siehe Amaurose #Schlafstörungen bei Vollblinden).

Definitionen BehinderungsgradSehrest auf dem jeweils besseren Auge (mit optimaler Korrektur) blindVisus bis höchstens 0,02 oder Röhrengesichtsfeld bis höchstens 5° oder abgestufte Mischformenhochgradig sehbehindertVisus zwischen 0,02 und 0,05sehbehindertVisus zwischen 0,05 und 0,3 In Deutschland gilt nach den gesetzlichen Bestimmungen und Versorgungsrichtlinien eine Person als blind, wenn ihre Sehschärfe auf dem besseren Auge auch mit optimaler Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektur höchstens 1/50 = 0,02 beträgt (etwas irreführend als „2 % oder weniger“ bezeichnet) oder wenn andere dauerhafte Störungen des Sehvermögens vorliegen, die dieser Beeinträchtigung gleichzusetzen sind. Nach Aussage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) gilt dies beispielsweise für die konzentrische Einschränkung der äußeren Gesichtsfeldgrenzen auf höchstens 5 Grad (Röhrengesichtsfeld).Anhaltspunkte für die gutachterliche Tätigkeit Nr. 23 Blindheit und hochgradige Sehbehinderung mit weiteren Beispielsfällen Nicht zur Blindheit in diesem Sinne gehören die Farbenblindheit (Achromatopsie) und die Nachtblindheit (Hemeralopie).

Zur Veranschaulichung: Eine Sehschärfe (Visus) von 1/50 = 0,02, die die Grenze zur Blindheit mit Anspruch auf Blindengeld darstellt, bedeutet, dass die gerade lesbaren Sehzeichen das 50fache der Referenzgröße von 5 Sehwinkelminuten haben. Dies sind 4,17 Sehwinkelgrad, was einer Schriftgröße von 2,2 cm bei 30 cm Leseentfernung entspricht.

Eine Reduktion der Sehschärfe auf weniger als 0,3 auf dem besseren Auge wird als Sehbehinderung bezeichnet. Als hochgradig sehbehindert gilt, wer auf dem besser sehenden Auge mit optimaler Korrektur lediglich eine Sehschärfe von nicht mehr als 1/20 = 0,05 besitzt.

Die Definition von Blindheit oder Sehbehinderung erfolgt im juristischen Sinne immer unter Bezugnahme auf die betroffene „Person“ und nicht auf das Auge als „Organ“. Sehbehinderungen, hochgradige Sehbehinderungen und Blindheit können demgegenüber mit den jeweils genannten Grenzwerten auch einseitig – bei normalem visuellem Leistungsvermögen des gesunden Auges – auftreten. Dies führt zwar unter medizinischen Gesichtspunkten zu einer einäugigen (monokularen) Sehbehinderung oder Blindheit, die betreffende Person gilt im juristischen Sinne jedoch nicht als blind oder sehbehindert, sodass hier in der Annahme eines ausreichenden Orientierungsvermögens trotz praktischer Einäugigkeit auch kein Anspruch auf Versorgungsleistungen besteht. Es kann aber durchaus ein Anrecht auf einen Grad der Behinderung nach der Versorgungsmedizin-Verordnung bestehen.

Amaurose Gegenüber dem Begriff „Blindheit“ bezeichnet der medizinische Fachausdruck Amaurose ausschließlich die vollständig fehlende Lichtscheinwahrnehmung eines oder beider Augen bei Verlust jeglicher optischer Reizverarbeitung (Vollblindheit).Pschyrembel klinisches Wörterbuch. Mit klinischen Syndromen und Nomina Anatomica. = Klinisches Wörterbuch. Bearbeitet von der Wörterbuchredaktion des Verlages unter der Leitung von Christoph Zink. 256., neu bearbeitete Auflage. de Gruyter, Berlin u. a. 1990, ISBN 3-11-010881-X.

Ursachen und Verbreitung mini|400px|alt=Die farbige Grafik zeigt in einem Tortendiagramm die Häufigkeitsverteilung der Ursachen für Erblindung in Deutschland im Jahre 2002. Auf den ersten Blick fallen die häufigsten Ursachen auf: 50 % altersbedingte Makuladegeneration, dann – zusammen etwa ein weiteres Drittel – 18 % Glaukom und 17 % diabetische Retinopathie. Den Rest teilen sich Katarakt (5 %), Hornhauttrübungen (3 %), Erblindungen in der Kindheit (2,4 %) und sonstige Ursachen (4,6 %).|Ursachen für Erblindung in Deutschland Grundsätzlich kann jede Störung einer Struktur des visuellen Systems zu einer Erblindung führen. angeborene Blindheit fehlende Elemente des Sehapparates fehlende Verbindung zwischen Auge und Gehirn frühkindlich entwicklungsbedingte Blindheit ungenügende Ausdifferenzierung der kortikalen Sehstrukturen (Amblyopie), z. B. durch Schielerkrankung (Strabismus) juveniles Glaukom genetische Veranlagungen, die im Laufe des Lebens zur Erblindung führen können (z. B. Retinopathia pigmentosa, juvenile Makuladegeneration, hereditäre Optikusatrophie, Bietti-Kristalldystrophie) erworbene Blindheit altersbedingte Makuladegeneration (AMD) als häufigste Ursache in Industrieländern, in D etwa 50 % Trübung der brechenden Medien (bspw. Grauer Star, Verletzungen oder Degeneration der Hornhaut) Diabetes, in D etwa 17 % akuter oder chronischer grüner Star (Glaukom), in D etwa 20 % Netzhautablösung Folge eines Schlaganfalls Embolien oder Thrombosen der versorgenden Blutgefäße Verletzungen Infektionen (etwa eine bakterielle Entzündung wie z. B. ein Trachom oder auch eine Herpes-Infektion der Netzhaut) Tumoren (wie z. B. Aderhautmelanome oder Retrobulbärtumore) Erkrankungen des Glaskörpers Intoxikationen (bspw. durch die Einnahme von Methanol)

Eine weitere Ursache für Blindheit kann zudem die Mutation des Gens Mark3 darstellen. Eine Veränderung dieses Gens verhindert die vollständige Entwicklung der Augen und sorgt für strukturelle Veränderungen und visuelle Beeinträchtigung bei Menschen.Muhammad Ansar, Hyunglok Chung u. a.: Visual impairment and progressive phthisis bulbi caused by recessive pathogenic variant in MARK3. In: Human Molecular Genetics. 27, 2018, S. 2703, doi:10.1093/hmg/ddy180.

Nach dem WHO-Report von 2004 leben in Deutschland 164.000 (0,2 %) blinde und 1.066.000 (1,3 %) sehbehinderte Menschen. In Deutschland erblinden jährlich ca. 10.000 Menschen neu (Inzidenz 12,3/100.000) und ca. 160 Kinder werden blind geboren (2 von 10.000). Während es zwischen 1990 und 2002 nur zu einem moderaten Anstieg der Blindheit um 9 % gekommen ist, konnte ein Anstieg von Sehbehinderungen um 80 % registriert werden. Dies ist vor allem auf die erhöhte Lebenserwartung zurückzuführen. Während bei Menschen bis zum 39. Lebensjahr die Optikusatrophie als häufigste Erblindungsursache gilt, ist dies in der Altersgruppe vom 40. bis 79. Lebensjahr die Diabetische Retinopathie und ab dem 80. Lebensjahr die altersbedingte Makuladegeneration, gefolgt vom Glaukom. Da 48 % aller Erblindungen ab dem 80. Lebensjahr auftreten, ist die altersbedingte Makuladegeneration insgesamt die häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland. 68 % aller Neuerblindungen betreffen Frauen. Hauptgrund dafür dürfte sein, dass Frauen aufgrund ihrer wesentlich höheren Lebenserwartung in dieser Altersgruppe überproportional vertreten sind.

Weitere Erschwernisse und Beeinträchtigungen Blindheit geht immer mit einer Einschränkung des räumlichen Orientierungsvermögens einher. Dieses kann aber auf akustische und taktile Weise erweitert werden. Eine Reihe blindenspezifischer Hilfsmittel erleichtert das tägliche Leben, jedoch können diese in mehrerlei Hinsicht zu gewisser Abhängigkeit führen. Eine unabhängige, selbständige Lebensführung ist Ziel der meisten Betroffenen; häufig bleibt jedoch eine relative Hilfsbedürftigkeit bestehen. Oft führen mangelnde Bildungsmittel,Chancengleichheit erreichen BerufschancenBehindert im Beruf: Blind, nicht blöd, FAZ vom 23. Oktober 2008 reduzierte autonome MobilitätAkustische Orientierung und Mobilität und Sozialkontakte zu Problemen, die sich in sozialem Rückzug ausdrücken können. Verstärkt werden diese Umstände oft durch ein Bild in der Öffentlichkeit, das häufig von Vorurteilen und Unkenntnis geprägt erscheint.

Eine infrastrukturelle, gesellschaftliche und kulturelle Öffnung gegenüber den Bedürfnissen von Menschen, die visuell beeinträchtigt sind, ist für alle Menschen von Bedeutung. Ein Vorbild dafür ist die Stadt Marburg mit der dort ansässigen Blindenstudienanstalt, die seit Jahrzehnten bei der Förderung und Ausbildung von Menschen, die blind oder sehbehindert sind, beispielhaftes leistet.Horst Köhler für gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern Wesentlich dabei sind nicht nur das Vorhandensein entsprechender Hilfsmittel wie Ampelanlagen mit akustischer Signalgebung oder Speisekarten in Brailleschrift, sondern auch die Umsetzung einer konsequenten Inklusion aller Menschen von Anfang an und die Einbeziehung unterschiedlicher Bedürfnisse in das gesamte infrastrukturelle, gesellschaftliche, kulturelle und städtebauliche Gefüge einer Stadt.Internationaler Audiodienst (iad) Blindenstadt Marburg

Schulung, Medien und Hilfsmittel Förderung Da therapeutische Optionen in Fällen von Blindheit häufig nicht bestehen, kommt spezifischen Schulungsmaßnahmen (Rehabilitation) eine große Bedeutung zu. Ziel ist hierbei vor allem, blinden Menschen eine selbständige und eigenverantwortliche Lebensführung zu ermöglichen, die allgemein als höhere Lebensqualität empfunden wird.

Insbesondere bei blinden und sehbehinderten Kindern ist eine Frühförderung, die gleich nach der Geburt einsetzt, von entscheidender Bedeutung. Später sollte diese entweder im Rahmen von spezialisierten Kindergärten und Förderschulen oder integriert in Regelkindergärten und Regelschulen weitergeführt werden. Frühförderung ist eine sichere Voraussetzung, um die intellektuelle Entwicklung, Eigenständigkeit und die beruflichen Chancen eines Menschen, der blind geboren oder früh erblindet ist, erfolgreich gestalten zu können.

Siehe auch: Deutsche Blindenstudienanstalt, Blindenanstalt Nürnberg, Nikolauspflege, Berufsförderungswerk Würzburg, Blindeninstitutsstiftung, Anderes Sehen

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