mini|hochkant|Mädchen in Hochzeitskleid (pakaian adat) Die Toraja sind ein Volk auf dem Hochland Tana Toraja auf der Insel Sulawesi in Indonesien. Sie sprechen Toraja-Sa’dan (basa Tora’a), eine austronesische Sprache. Ihr Siedlungsgebiet liegt in Südsulawesi in den Regierungsbezirken Tanah Toraja und Toraja Utara sowie im Bezirk Mamasa in der Provinz Westsulawesi.
Geschichte Die Toraja sind möglicherweise in vorchristlicher Zeit aus dem südchinesischen Raum eingewandert. Ihr Name stammt aus der buginesischen Sprache. To Riaja bedeutet „Leute aus dem Bergland“. Ab dem späten 15. Jahrhundert, als die Bugis zum Islam konvertierten, wurde das Zusammenleben zunehmend schwieriger. Die Toraja begannen sich vor ihren muslimischen Nachbarn zu fürchten. Die Bugis verachteten ihre Nachbarn, da diese Schweinefleisch aßen, was bei ihnen nun streng verboten war. Schließlich vertrieben die Bugis die Toraja, als mehrere Bekehrungsversuche zum Islam scheiterten. Das lag vor allem daran, dass Schweinefleisch für die Toraja das Hauptnahrungsmittel war und das Schlachten von Ziegen ihnen als fremd und unheimlich erschien. Wie viele indonesische ethnische Gruppen waren die Toraja Kopfjäger, und es kam häufig zu Überfällen auf benachbarte Dörfer. Dörfer wurden deshalb strategisch auf Hügelkuppen angelegt und wurden stark befestigt. Die niederländischen Kolonialisten befriedeten die Toraja. Die Toraja sahen sich vor dem 20. Jahrhundert selbst nicht als eigenständige ethnische Gruppe. Vor der holländischen Kolonialzeit und der Christianisierung der Toraja identifizierten sich die Toraja in den Hochlandgebieten nur mit ihren Dörfern, ein breites Gefühl der Identität existierte nicht. Obwohl Rituale Verknüpfungen zwischen den Dörfern herstellten, gab es Unterschiede in den Dialekten, in den sozialen Hierarchien und in den rituellen Praktiken in der Hochlandregion. Toraja war auch anfangs mehr eine Außenbezeichnung der Bugis und Makassaren als eine Selbstbezeichnung. Erst die Anwesenheit der niederländischen Missionare im Hochland führte zur Herausbildung eines stärkeren ethnischen Bewusstseins in der Region Sa’dan Toraja, und diese gemeinsame Identität wuchs mit dem Aufkommen des Tourismus in Tana Toraja. Die Toraja unterteilen sich in verschiedene geographische Gruppen. Die beiden wichtigsten sind Mamasa, um das isolierte Tal Kalumpang zentriert, und Sa’dan in Tana Toraja.
Siehe auch Tana Toraja#Geschichte
Kultur mini|hochkant|Tongkonan mini|links|Torajadorf Die Toraja haben sich dabei seit Jahrhunderten nur unwesentlich geändert. Das ganze Leben wird geprägt von ihrem überlieferten Glauben, den Geistern, Dämonen, Mythen und einem einzigartigen Ahnenkult.
Architektur Ein Toraja-Dorf besteht aus zwei parallel verlaufenden Häuserreihen, wobei die Wohnhäuser nach Norden ausgerichtet sind. Ihnen gegenüber stehen die auf Holzpfählen gebauten Reisspeicher. Diese können bis 20.000 kg Reisgarben aufnehmen. Die traditionellen Wohnhäuser, genannt Tongkonan, stehen ebenfalls auf Holzpfählen und haben ein aus mehreren Bambusschichten bestehendes Dach in einer schiffsähnlichen Form. An den vorderen Stützbalken sind Büffelhörner befestigt, die auf den sozialen Stand des Eigentümers hinweisen, je mehr Hörner, desto höher ist der soziale Stand. Die Häuser werden ganz ohne Nägel gebaut. Tongkonan sind die Häuser der Ahnen (rumah adat) der Toraja. Das Wort „Tongkonan“ leitet sich aus dem Toraja-Wort tongkon („sitzen“) ab.
Tongkonan sind das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der Toraja. Die mit dem Tongkonan verbundenen Rituale sind wichtiger Ausdruck des spirituellen Lebens der Toraja, da der Tongkonan eine Verbindung zu ihren Vorfahren und zu lebenden und zukünftigen Familienangehörigen darstellt.Kathleen M. Adams: Art as Politics: Re-crafting Identities, Tourism and Power in Tana Toraja, Indonesia. University of Hawaii Press, Honolulu 2006. (online) Einem Toraja-Mythos zufolge wurde der erste Tongkonan im Himmel auf vier Pfählen gebaut, mit einem Dach aus indischem Stoff. Als der erste Vorfahre der Toraja auf die Erde hinabstieg, imitierte er dieses erste Haus und hielt eine große Zeremonie ab.
Der Bau eines Tongkonan ist eine aufwendige Arbeit und wird in der Regel mit Hilfe der gesamten Großfamilie unternommen. Es gibt drei Arten von Tongkonan. Der Tongkonan Layuk ist das Haus der höchsten Autorität, das als „Zentrum der Regierung“ verwendet wird. Der Tongkonan Pekamberan gehört den Familienmitgliedern, die eine gewisse Autorität bei lokalen Traditionen und Sitten (Adat) haben. Gewöhnliche Familienmitglieder wohnen im Tongkonan Batu. Die Exklusivität des Adelsstandes bezüglich des Tongkonan schwindet, da viele Toraja heute lukrative Beschäftigung in anderen Teilen Indonesiens finden. Mit dem zurückgeschickten Geld ermöglichen sie es ihren Familien, größere Tongkonan zu bauen.
Holzschnitzereien An den Wänden der Häuser sind geschnitzte Ornamente in den Farben Rot, Schwarz, Weiß und Gelb angebracht. Um soziale und religiöse Vorstellungen auszudrücken, fertigen Torajas Holzschnitzereien an, die sie Pa’ssura (oder „das Schreiben“) nennen. Holzschnitzereien sind daher kulturelle Manifestationen der Toraja.
Jedes Schnitzereimotiv hat einen besonderen Namen, gebräuchliche Motive sind Tiere und Pflanzen, die eine gewisse Tugend symbolisieren. Zum Beispiel Wasserpflanzen und Tiere wie z. B. Krabben, Kaulquappen und Wasserpest sind häufig zu finden und symbolisieren die Fruchtbarkeit. In einigen Gebieten behaupten die Ältesten des Adelsstandes, dass diese Symbole sich auf Stärke der Adelsfamilie beziehen. Die Bedeutung mancher geschnitzter Motive an Häusern bleibt jedoch umstritten und der Tourismus hat diese Debatten noch komplizierter gemacht, da einige Torajas meinen, eine einheitliche Erklärung für die Touristen präsentieren zu müssen. Das Bild links zeigt einen Wasserbüffel und steht für Reichtum und den Wunsch viele Büffel für die Familie zu haben.
Regelmäßigkeit und Ordnung sind Merkmale in Toraja-Holzschnitzereien, ebenso wie Abstraktion und geometrische Muster. Die Natur wird häufig als Basis der Verzierungen verwendet, denn die Natur ist voll von Abstraktionen und Geometrien mit Regelmäßigkeiten und Ordnung. Die Muster der Toraja-Holzschnitzereien wurden in der Ethnomathematik untersucht, um ihre mathematische Struktur zu offenbaren, jedoch basiert die Kunst der Torajas nur auf Näherungen. Um ein Ornament zu erstellen, werden Bambus-Stöcke als geometrisches Werkzeug benutzt.
Gesellschaft Es gibt drei Arten von Zugehörigkeit in der Toraja-Gesellschaft: Familie, Klasse und Religion.
Familienzugehörigkeit Die Familie ist die primäre soziale und politische Gruppe in der Gesellschaft der Toraja. Jedes Dorf ist eine Großfamilie, deren Sitz der Tongkonan ist. Jeder Tongkonan hat einen Namen, welcher der Name des Dorfes wird.
Die Ehe zwischen entfernten Verwandten (Cousins vierten Grades und darüber hinaus) ist eine gängige Praxis, um die Verwandtschaftbande zu stärken. Die Toraja-Gesellschaft verbietet die Ehe zwischen nahen Cousins und Cousinen (bis einschließlich Cousins dritten Grades) – außer für Adlige, die dadurch die Zerstreuung ihres Eigentums verhindern. Die Verwandtschaftsbeziehungen sind reziprok, was bedeutet, dass man sich in der Großfamilie gegenseitig hilft bei der landwirtschaftlichen Arbeit, den Aufwand für Büffel-Rituale teilt und sich beim Abbezahlen von Schulden unterstützt.
Jeder Toraja gehört sowohl zur Familie der Mutter als auch zu der des Vaters, das stellt die einzige bilaterale Familienlinie in Indonesien dar. Kinder erben daher von der Mutter- und Vaterseite, einschließlich Land und Familienschulden. Kindernamen werden auf der Grundlage der Verwandtschaft vergeben und werden in der Regel nach verstorbenen Verwandten gewählt.
Vor dem Beginn der formalen Verwaltung der Toraja-Dörfer durch den Regierungsbezirk Tana Toraja war jedes Toraja-Dorf autonom. In einer komplexeren Situation, in der eine Toraja-Familie ihre Probleme nicht mehr alleine bewältigen konnte, bildeten mehrere Dörfer eine Gruppe. Manchmal verbündeten sich Dörfer gegen andere Dörfer. Beziehungen zwischen den Familien wurden durch Blutsverwandtschaft, Heirat, gemeinsame Ahnenhäuser (Tongkonan) und durch den Austausch von Büffeln und Schweinen bei rituellen Anlässen ausgedrückt. Ein solcher Austausch stärkte nicht nur politische und kulturelle Bindungen zwischen den Familien, sondern legte den Platz jeder Person in einer sozialen Hierarchie fest: Wer goss Palmwein ein, wer wickelte einen Leichnam ein, wer bereitete Opfer vor, wo durfte ein Mensch sitzen, welche Speisen durften verwendet werden oder mussten vermieden werden, und welches Stück Fleisch war jemandes Anteil.
Klassenzugehörigkeit mini|Drei Toraja-Älteste in traditioneller Kriegerkleidung posieren mit einem niederländischen Offizier der Heilsarmee 1930 mini|Drei Toraja-Älteste in traditioneller Kleidung nehmen an einer Totenwache teil, März 2014 In der frühen Toraja-Gesellschaft waren Familienbeziehungen eng mit der sozialen Klasse verknüpft. Es gab drei Schichten: Adel, Mittelklasse und Sklaven. Die Sklaverei wurde offiziell im Jahre 1909 durch die niederländische Kolonialregierung abgeschafft. Die Klasse wird durch die Mutter vererbt. Es ist tabu, mit einer Frau der unteren Klasse, also „nach unten“ zu heiraten. Auf der anderen Seite kann die Heirat einer Frau von einer höheren Klasse den Status der nächsten Generation verbessern. Adelige, von denen angenommen wurde, dass sie direkte Nachkommen der vom Himmel herabgestiegenen Person seien, wohnten im Tongkonan, während Bürgerliche in weniger verschwenderischen Häuser (Banua genannten Bambus-Hütten) lebten. Sklaven lebten in kleinen Hütten, die um die Tongkonan ihrer Besitzer herum gebaut werden mussten. Bürgerliche konnten auch außerhalb ihres Standes heiraten, aber der Adel bevorzugte seinesgleichen, um seinen Status aufrechtzuerhalten. Manchmal heirateten Adlige mit Adligen der Nachbarvölker, wie den Bugis oder Makassaren. Trotz enger Verwandtschaftsbindung und Statusvererbung gab es eine gewisse soziale Mobilität, da Heirat oder Änderung des Reichtums den individuellen Status ändern konnte. Reichtum zeigte sich im Besitz von Büffeln.
Sklaven waren in der Toraja-Gesellschaft Familienbesitz. Manchmal entschieden sich Torajaner, Sklaven zu werden, wenn sie Schulden hatten, um als Bezahlung zu arbeiten. Sklaven konnten während der Kriege genommen werden und Sklavenhandel war üblich. Sklaven konnten ihre Freiheit erkaufen, aber ihre Kinder hatten immer noch den vererbten Sklavenstatus. Sklaven war das Tragen von Bronze oder Gold verboten, sie durften ihre Häuser nicht mit Schnitzereien verzieren, von den gleichen Gerichten wie ihre Besitzer essen oder Sex mit freien Frauen haben, was mit dem Tode bestraft wurde.
Religionszugehörigkeit Das traditionelle Glaubenssystem der Toraja ist polytheistisch und animistisch und wird Aluk genannt, was mit „der Weg“ (manchmal auch als „Gesetz“) übersetzt werden kann. Der Kosmos, nach Aluk ist in die Oberwelt (Himmel), die Welt der Menschen (Erde) und der Unterwelt unterteilt.cf. Kis-Jovak et al. (1988), Ch. 2, Hetty Nooy-Palm, The World of Toraja. S. 12–18.