Donnerskirchen (; ) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Eisenstadt-Umgebung im Burgenland in Österreich.
Geografie Geografische Lage
Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland rund zehn Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Eisenstadt zwischen dem Leithagebirge und dem Neusiedler See.
Teile des Gemeindegebietes befinden sich im Naturpark Neusiedler See - Leithagebirge.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Donnerskirchen ist Ortschaft und Katastralgemeinde zugleich. Einziger Ortsteil ist die im Südosten von Donnerskirchen gelegene Weiler Seehof.
Geschichte
Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.
Am Fuß des Leithagebirges wurden im Rahmen einer Notgrabung des Landesmuseums Burgenland in der Flur Wolfsbachried zwei Körperbestattungen aus der Latènezeit freigelegt und geborgen. Die beiden rechteckigen Schächte waren in den Kalksandstein gehauen und mit Holzverschalungen versehen worden. Im einen Grab war ein Mann im Alter zwischen 50 und 70 Jahren beigesetzt, im anderen eine Frau von 60 bis 80 Jahren. Die Gräber waren in Süd-Nord-Richtung ausgerichtet und waren bei ihrer Entdeckung bereits beraubt. Im Männergrab waren eine eiserne Lanzenspitze, ein Lanzenschuh, ein Rasiermesser und zwei Wetzsteine, eine unvollständige Eisenfibel, eine Tonschale, eine Tonflasche und einige Fragmente, die zu einer eisernen Schwertscheide gehörten, als Grabbeigaben vorgefunden worden. Im Frauengrab fanden die Ausgräber vier Bronzefibeln, einen Fingerring, eine Schale und zwei Tonflaschen.Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 433.
Später unter den Römern lag das heutige Donnerskirchen dann in der Provinz Pannonia. Im Osten des Gemeindegebiets am Rande des Neusiedlersee-Schilfgürtels verläuft die Bernsteinstraße, eine der wichtigsten Handelsrouten des Römischen Reichs.
mini|links|Donnerskirchen am damals ausgetrockneten Neusiedler See, um 1873 (Ausschnitt aus dem Aufnahmeblatt Landesaufnahme)
1659 wurde Donnerskirchen durch Kaiser Leopold I. das Marktrecht verliehen.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Sopronfehéregyháza verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Donnerskirchen zum Bauabschnitt Mitte (Eisenstadt) des zu errichtenden Südostwalls. Im Lager Donnerskirchen (Sonderlager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter) kam es Ende 1944 zu Akten extremer Grausamkeit, in deren späterer Verfolgung die Verurteilung des Baustreifenleiters Nikolaus Schorn besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr.Das Scheusal von Donnerskirchen. Die Bestialitäten des Massenmörders Schorn. In: Burgenländische Freiheit. XXI. Jahrgang, Nr. 38/1951, , S. 1, unten Mitte. – Volltext online,Lebenslänglich für den Massenmörder von Donnerskirchen. In: Burgenländische Freiheit. XXI. Jahrgang, Nr. 39/1951, S. 2, unten links. – Volltext online sowieWolfgang Neugebauer (Hrsg.), August Ernst (Beiträge): Widerstand und Verfolgung im Burgenland. 1934–1945, Eine Dokumentation. Herausgegeben vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. 2. Auflage. Österreichischer Bundesverlag (u. a.), Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 333 ff. Nach Schätzungen von Ortsbewohnern sollen im Lager Donnerskirchen 300 bis 400 Menschen zu Tode gekommen sein.Eleonore Lappin-Eppel: Sonderlager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 230–233. (Text online).
Bevölkerungsentwicklung
2026 gab es 1856 Einwohner. 2025 wurde der Einwohnerhöchststand mit 1881 Menschen erreicht.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Donnerskirchen mini|Grabhügel von Donnerskirchen
Grabhügel von Donnerskirchen Pfarrkirche Donnerskirchen: Der Barockbau wurde 1680 geweiht. Das Wahrzeichen von Donnerskirchen steht erhöht über dem Ort. Die Kirche, auch Bergkirche genannt, war in kriegerischen Zeiten (z. B. während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung) letzter Zufluchtsort der Ortsbevölkerung. Die katholische Filialkirche hl. Johannes Nepomuk in der Ortsmitte von 1783 besitzt einen Hochaltar aus dem Augustinerkloster Bruck an der Leitha. Der historische Leisserhof geht auf Freiherr Christoph Leisser von Idolsberg und Kronseck zurück. 1653 erwarben die Esterházys den Leisserhof und nutzten ihn als ihr zentrales Weinlager. Als ihn 1956 die St.Martinus Winzer-Genossenschaft von der Gemeinde Donnerskirchen erwarb, kam auch der Name Martinsschlössl auf. 2014 wurde der Hof an den Verein Genuss Burgenland verpachtet, der ihn renovierte und nun unter dem Namen Martinsschlössl betreibt.
Das Sonnenwaldbad im Westteil des Orts bietet seit 2002 zwei Niro-Becken. Ein Babybecken und eines mit fünf 25-m-Bahnen und 4 m hoher 38,5 m langer GFK-Rutsche. Camping, Skateboard-Park, Tennisplätze und ein Mobilheimpark grenzen an. Zuvor – ab 1970 – gab es hier 3 Betonbecken, mit Sprungbrett und dort 3,6 m Wassertiefe. Die Bergkirche von Donnerskirchen ist häufiger Veranstaltungsort von Konzerten des Geigers und Komponisten Toni Stricker. Prangersäule mit Richtschwert und Steinkugel an Kette für das Bein des zu Strafenden, aus 1660 an der Hauptstraße.
Musik Musikverein 1. Burgenländische Trachtenkapelle Donnerskirchen, St. Martinus Chor, Gordon Highlanders of Austria, D' Original Sautanz-Musi
Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeinde am Osthang des Leithagebirges ist vor allem auf Grund ihrer international ausgezeichneten Winzer und deren Spitzenweine bekannt. Im Frühjahr beeindruckt die Gegend durch die zahlreichen blühenden Kirschbäume.
Verkehr Donnerskirchen liegt an der Burgenland Straße (B 50) und ist Ausgangspunkt der Mannersdorfer Straße (B 15). Mit der Pannoniabahn verfügt die Gemeinde auch über einen Anschluss zur Ostbahn mit Direktverbindungen nach Wien. mini|hochkant=4.0|links|Panoramabild von Donnerskirchen mit den Keltengrabhügeln im Vordergrund
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 25 Mitglieder.
Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: SPÖ 9, ÖVP 7, FPÖ 3. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: ÖVP 9, SPÖ 9, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: SPÖ 11, ÖVP 10. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: ÖVP 11, SPÖ 10. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 14, SPÖ 7. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: ÖVP 13, SPÖ 8.
Chronik der Richter und Bürgermeister + Dorfrichter von Jahr bis Jahr DorfrichterGeschichts- und Kulturverein Donnerskirchen: Verleihung des Marktrechtes (abgerufen am 12. Dezember 2017) 1734 1736 Matthias Frankl 1737 1739 Matthias Hackstock 1740 1744 Georg Wimber 1746 1748 Michael Fux und Georg Wimber 1749 1755 Georg Wimber 1756 1763 Anton Reinprecht 1764 1770 Franz Rohrer 1771 1776 Martin Wimmer 1777 Michael Fux 1778 1786 Josef Palheim 1787 1791 Frantz Payr 1792 1802 Josef Palheim 1803 1816 Franz Kögel 1817 1821 Joseph Eibeck 1822 1829 Joseph Wachter 1830 1840 Johann Schratzenthaler 1841 1855 Joseph Kroyer 1856 1860 Johann Steiner+ Dorfrichter von Jahr bis Jahr Dorfrichter 1861 1862 Michael Ehn 1863 1866 Franz Rohrer 1867 1868 Josef Striok 1869 1871 Josef Hering 1872 1873 Josef Kamper 1874 Michael Büller 1874 1884 Michael Ehn 1885 1887 Andreas Ehn 1888 1890 Paul Ehn 1891 1894 Josef Bayer 1895 1899 Paul Ehn 1900 1902 Michael Reisinger 1903 1908 Nemeth Janos 1912 1920 Stiglitz Ferenz 1920 1921 Bayer Josef 1909 1911 Josef Suchentrunk 1921 1923 Michael Kroyer+ Dorfrichter von Jahr bis Jahr Bürgermeister 1923 1927 Josef Suchentrunk 1927 1931 Franz Schratzenthaler 1931 13.3.1938 Franz Stiglitz 13.3.1938 31.12.1938 Franz Schratzenthaler (Gde-Verw.) 1939 2.4.1945 Franz Schratzenthaler (Bürgerm.) 2.4.1945 1946 Josef Engel 1946 1949 Martin Hauser 1949 1950 Johann Bayer 1951 1958 Michael Weißenbäck 1959 1972 Johann Neumayer 1972 1977 Josef Bayer 1977 1987 Stefan Leeb 1987 1992 Josef Bayer 1992 2012 Josef Frippus seit 2012 Johannes Mezgolits
Wappen In Blau auf Grund eine silber glänzende, rotbedachte Kirche, mit drei geöffneten Rundbogenfenstern und einem großartigen Turm, dessen Dach einmal abgesetzt und mit einem Kreuz besteckt ist.
Gemeindepartnerschaft Seit 1979 pflegt Donnerskirchen eine Partnerschaft mit Klaus in Vorarlberg.
Persönlichkeiten mini|Gemeindeplatz mit Filialkirche hl. Johannes Nepomuk mini|Im Leisserhof (Martinsschlössl) mini|Zentrum von Südosten Johannes Huber (1877–1947), österreichisch-ungarischer Journalist, Politiker und Geistlicher Rudolf Kroboth (1887–1964), Politiker und Landwirt Herbert Janata (* 1940), als Mitglied der Worried Men Skiffle Group Träger des Silbernen Verdienstzeichens des Landes Wien Sebastian Janata (* 1988), Schriftsteller, Musiker, Produzent und Mitglied der Gruppe „Ja, Panik“ Hans Krenn (* 1934), Maler und Schriftsteller Konrad Nikolaus Kleiner (* 1953), Sportwissenschaftler Andreas Liegenfeld (* 1964), Politiker und Weinbauer Isabella Mayer (* 1992), österreichische Weinkönigin Franz Strobl (1897–1980), Politiker und Regierungsforstdirektor
Literatur Stefan Ehrenreiter, Ludwig Fingerhut, Simone Rosenitsch (Red.): Chronik Donnerskirchen 1285–2010. Tourismusverband Donnerskirchen, Donnerskirchen 2010. Michael Achenbach, Dieter Szorger: Der Einsatz ungarischer Juden am Südostwall im Abschnitt Niederdonau 1944/45. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1997, OBV. Gisela Auer (Red.): Heimatbuch der Marktgemeinde Donnerskirchen. Marktgemeinde Donnerskirchen, Donnerskirchen 1985, OBV. Gisela Auer: Die Freischärler in Donnerskirchen im Herbst 1921. In: Burgenländische Heimatblätter. Band 41. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 1979, , S. 25–30, OBV (). Rudolf Kleiner: Chronik der Gemeinde Donnerskirchen. Selbstverlag, Donnerskirchen 1973, OBV.
Weblinks
donnerskirchen.at chronik-donnerskirchen.at
Einzelnachweise
Kategorie:Weinbaugemeinde im Burgenland Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Eisenstadt-Umgebung Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Burgenland Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa