Die 1. Panzerdivision (1. PzDiv) ist eine Division des Heeres der Bundeswehr. Die unterstellten Truppenteile sind auf die norddeutschen Länder Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein verteilt. Der Stab hat seit 2016 seinen Sitz in der nach Henning von Tresckow benannten Kaserne in Oldenburg. Ab 1956 war er in Hannover (1956 zunächst in der Nordring-Kaserne, von 1957 bis 1994 in der Prinz-Albrecht-Kaserne und von 1994 bis 2015 in der Kurt-Schumacher-Kaserne).relikte.com Sie ist neben der 10. Panzerdivision eine der zwei mechanisierten Divisionen der Bundeswehr.
Auftrag Die 1. Panzerdivision stellt deutsche Kräfte zur Erfüllung der internationalen Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist regelmäßig als Truppensteller für EU Battlegroups, die NATO Response Force und die „Balkanreserve“ ORF-Bataillon vorgesehen. Neben diesen Interventionseinsätzen hoher Intensität beteiligt sich die Division auch an friedenserhaltenden und friedensstabilisierenden Einsätzen mittlerer und niedriger Intensität über längere Zeiträume. Dazu zählen vor allem EUFOR, KFOR und ISAF. Vor und nach den Einsätzen steuert und überwacht der Divisionsstab die Ausbildung aktiver Soldaten und Reservisten für oben skizzierte Einsätze und weitere Aufgaben des Heeres.
Verbandsabzeichen mini|120px|Verbandsabzeichen der 1. Panzerdivision
Die Blasonierung des am linken Ärmel des Dienstanzuges von allen Angehörigen außer den Angehörigen der unterstellten Brigaden und am rechten Ärmel des Feldanzuges von Angehörigen des Stabes und der Stabskompanie getragene Verbandsabzeichen der 1. Panzerdivision lautet:
Der Herzschild des Verbandsabzeichen entspricht dem Wappen des Landes Niedersachsens, wo der Stab der 1. Panzerdivision beheimatet ist. Das Pferd wird als Sachsenross bezeichnet und ist ein populäres heraldisches Wappentier, das an das Volk der Sachsen erinnern soll. Das Sachsenross ist daher als Wappentier vor allem in den ehemaligen sächsischen Stammesgebieten in Norddeutschland, den Niederlanden, England und Westfalen besonders verbreitet und findet sich auch im Wappen der ehemals unter anderem in Hannover regierenden welfischen Dynastie Haus Hannover, die das Ross im 13. Jahrhundert in ihr Wappen aufnahm. Der von gold und silber gespaltenen Hauptschild knüpft ebenfalls an die Geschichte der Region an. So führten beispielsweise das 1814 bis 1866 bestehende und von den Welfen regierte Königreich Hannover sowie die dem Königreich nachfolgende preußische Provinz Hannover eine Flagge geteilt zu gold und silber (gelb-weiß). Die silberne Kordel mit dem eingeflochtenen schwarzen Faden war für alle Verbandsabzeichen der Divisionen bis 1990 üblich, wohingegen Verbandsabzeichen übergeordneter Großverbände (im Falle der 1. Panzerdivision also das I. Korps) eine goldene Kordel mit schwarzem eingeflochtenem Faden aufwiesen.
Die unterstellten Brigaden (im Falle der 1. Panzerdivision die Brigaden mit den Ordnungsnummern 1, 2, 3) führten ganz ähnliche Verbandsabzeichen, die sich nur aufgrund des Bordes ihrer Verbandsabzeichen unterschieden. Wie für alle 36 Brigaden des Feldheeres üblich wiesen die Brigaden der Division in der Reihenfolge ihrer Ordnungsnummern einen weißen, roten oder gelben Bord – keine Kordel – auf. Die Panzerlehrbrigade 9 führt heute das weiß umrandete Verbandsabzeichen der außer Dienst gestellten Panzergrenadierbrigade 1 fort, so dass eines dieser traditionellen Wappen der Division erhalten blieb. Die unterstellte Panzerbrigade 21 führt das Sachsenross in der Darstellungsform als steigendes Westfalenpferd in seinem gelb umrandeten Verbandsabzeichen, das an ihre ehemalige Unterstellung als dritte Brigade zur 7. „westfälischen“ Panzerdivision erinnert.
Das interne Verbandsabzeichen der Stabskompanie wird als Anhänger an der Brusttasche der Uniform getragen. Die Blasonierung lautet:
Neben dem bereits aus dem Verbandsabzeichen bekannten Sachsenross, zeigt das interne Verbandsabzeichen mit dem Eisernen Kreuz eines der traditionsreichsten Symbole deutscher Armeen. Das Feld rechts entspricht dem Stadtwappen Hannovers in leicht veränderter Tingierung. Der Löwe knüpft an die welfische Geschichte des Stationierungsraumes an, denn der Braunschweiger Löwe war beispielsweise bereits Wappenbild im Wappen des Herzogtums Braunschweig und bis heute in vielen Wappen der Region vertreten.
Wahlspruch 1963 forderte der damalige Divisionskommandeur Generalmajor Anton Detlev von Plato die Soldaten der Division in einem Tagesbefehl auf „Man Drup – Man To“ (hochdeutsch: „man drauf – man zu“). Dieser niederdeutsche Ausspruch steht sinngemäß für „Los, ran und zugepackt!“, was seitdem das Motto der 1. Panzerdivision ist. Das Motto „Man Drup – Man To“ war bereits das Motto und Schlachtruf der königlich hannoverschen Armee.vgl. vgl.
Daneben wählte die 1. Panzerdivision den lateinischen Wahlspruch „Nec aspera terrent“ (freie deutsche Übersetzung: „Wir fürchten nichts“ oder „Sie fürchten keine Unwegsamkeiten“). „Nec aspera terrent“ war bereits einer der Wahlsprüche der Welfen und daher auch Wahlspruch verschiedener welfischer Territorien und ihrer Armeen. „Nec aspera terrent“ war beispielsweise Inschrift auf dem Spruchband des Landeswappens des Herzogtums Braunschweigvgl. auch Abbildung des Großen Staatswappens des Herzogtums Braunschweig und Wahlspruch der chur-braunschweig-lüneburgischenvgl. Wahlspruch auf den Fahnen der chur-braunschweig-lüneburgischen Armee und der ihr nachfolgenden hannoverschen Armee.
Organisation Führung mini|Früherer Stabsitz der 1. Panzerdivision in der Kurt-Schumacher-Kaserne in Hannover, bis 2015
Die Division wird von einem Divisionskommandeur im Dienstgrad Generalmajor geführt. Sein Stellvertreter bekleidet in der Regel den Dienstgrad Brigadegeneral und ist neben seiner Funktion als stellvertretender Divisionskommandeur auch Kommandeur der Divisionstruppen der 1. Panzerdivision. Der Chef des Stabes ist mit einem Stabsoffizier im Dienstgrad Oberst i. G. besetzt. Die unterstellten vier Brigaden werden meist von Offizieren im Dienstgrad Brigadegeneral geführt, so dass insgesamt bis zu sechs Generale Angehörige der Division sind.
Unterstellung Die 1. Panzerdivision untersteht, wie alle Divisionen des Heeres, truppendienstlich dem Kommando Heer. Auf der taktischen Ebene gibt es zumeist noch andere übergeordnete Befehlshaber, da die Bundeswehr meist im multinationalen Rahmen agiert und den Einsatzkontingenten damit entsprechende Einsatzhauptquartiere der NATO, der EU oder den Vereinten Nationen übergeordnet sind. Beispielsweise können die abgestellten Kontingente der Division als Element einer EU Battlegroup durch das Multinationale Kommando Operative Führung geführt werden, aber auch durch andere NATO-Stäbe, beispielsweise durch das 1. Deutsch-Niederländische Korps, mit dem die 1. Panzerdivision regelmäßig übt. Für das Allied Command Europe Rapid Reaction Corps ist die 1. Panzerdivision im Bedarfsfall als deutscher Beitrag vorgesehen.
Gliederung mini|Gliederung der 1. Panzerdivision. Die 1. Panzerdivision gliedert sich wie folgt: Stabs-/ Fernmeldekompanie 1. Panzerdivision, Oldenburg
40px|internes VerbandsabzeichenSicherungsbataillon 1, Oldenburg (Ergänzungstruppenteil, im Aufbau) (Kdr.: Oberstleutnant der Reserve Marco Wolfermann) 40px|Internes VerbandsabzeichenFernmeldebataillon 610, Prenzlau (truppendienstliche Unterstellung, für Ausbildung und Einsatz zu Command Support Brigade des Multinationalen Korps Nordost) (Kdr.: Oberstleutnant Tobias Jahn) 40px|Internes Verbandsabzeichen Artillerielehrbataillon 325, Munster 40px|Internes VerbandsabzeichenAufstellungsstab Heeresflugabwehr, Lüneburg 40px|Internes Verbandsabzeichen schweres Pionierbataillon 901, Havelberg (Couleur: Panzerpionierbataillon 803. Nicht aktiv. Kein eigenes Großgerät vorhanden bzw. langzeitlagernd.) (Kdr.: Oberstleutnant der Reserve Robert Thiele) 40px|Wappen Panzerlehrbrigade 9Panzerlehrbrigade 9, Munster Gliederung 40px|Verbandsabzeichen der Panzerbrigade 21 Panzerbrigade 21 „Lipperland“, Augustdorf Organisation 40px|Verbandsabzeichen Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“, Neubrandenburg Gliederung 40px|internes Verbandsabzeichen 43 Gemechaniseerde Brigade (43. mechanisierte Brigade), Havelte () Gliederung
Quellen: Website der 1. Panzerdivision, Website des Heeres. Anmerkung: kursiv aufgeführte Truppenteile sind Ergänzungstruppenteile.
Zur Übung und Ausbildung ist die polnische 10. Panzerkavalleriebrigade aus Świętoszów (dt: Neuhammer am Queis) der 1. Panzerdivision fest zugeordnet.
Geschichte Heeresstruktur I mini|14 Tonnen schwerer Divisions-Findling mit Niedersachsenross, 1989 bei Erdarbeiten auf dem Truppenübungsplatz Bergen entdeckt, 1994 an der Kurt-Schumacher-Kaserne in Hannover aufgestellt, 2015 nach Oldenburg versetztOliver Gressieker: 14 Tonnen Panzerdivision erreichen Oldenburg bei NDR.de vom 2. Dezember 2015
In der Heeresstruktur I wurde die Aufstellung der Division etwa zeitgleich mit der Gründung der Bundeswehr zum 1. Juli 1956 in Hannover befohlen. Die Bezeichnung lautete zunächst 1. Grenadierdivision. Zur Aufstellung des Kaders wurde Personal des Grenzschutzkommandos Nord mit Standort in Hannover herangezogen. Zum 15. September 1956 wurde sie dem Heeresstab I in Münster unterstellt, der ab 1. Oktober 1956 die Bezeichnung I. Korps erhielt. Bis 1957 war die Division auf fast 10.000 Soldaten aufgewachsen. Am 1. Juli 1957 war die 1. Grenadierdivision soweit aufgewachsen, dass sie in die NATO-Kommandostruktur eingegliedert werden konnte. Als Vorläufer der späteren Brigadestäbe wurden der Division drei Kampfgruppenstäbe unterstellt: Kampfgruppe A1, Hannover-Bothfeld Kampfgruppe B1, Neumünster Kampfgruppe C1, Nienburg-Langendamm
Die drei Kampfgruppenstäbe waren insbesondere zur Führung der Kampftruppen der 1. Grenadierdivision befähigt. Als Kampftruppen wurden sieben Grenadierbataillone, ein Panzerbataillon, ein Panzeraufklärungsbataillon und Panzerjägerbataillon bis 1958 ausgeplant. Darüber hinaus waren der 1. Grenadierdivision weitere Kampf- und Führungsunterstützungstruppen unterstellt.
1958 wurde die Kampfgruppe B1 in Kampfgruppen B6 umbenannt und der neu aufzustellenden 6. Grenadierdivision unterstellt. Im selben Jahr wurde in Hildesheim ein neuer Kampfgruppenstab B1 „als Ersatz“ aufgestellt und der 1. Grenadierdivision unterstellt.
Heeresstruktur II 1959, im Zuge der Einnahme der Heeresstruktur II, wurde die 1. Grenadierdivision zum 1. März 1959 in 1. Panzergrenadierdivision umbenannt. Aus den Kampfgruppenstäben gingen die Brigadestäbe der in der Heeresstruktur II im gesamten Heer nach NATO-Vorbild neu aufzustellenden Brigaden hervor. Aus der Kampfgruppe A1 erwuchs die Panzergrenadierbrigade 2, aus der Kampfgruppe C1 entstand die Panzerbrigade 3 und aus der Kampfgruppenstab B1 wurde der Stab der Panzergrenadierbrigade 1 gebildet. Die Brigade waren begrenzt zur eigenständigen Gefechtsführung befähigt und erhielten dazu Panzergrenadier- und Panzer- und Artilleriebataillone, ab 1966 auch eigene Versorgungsbataillone mit eingegliederten Sanitäts- und Logistikkräften. Neben den drei Brigaden unterstanden der 1. Panzergrenadierdivision Ende 1959 folgende Verbände: Artillerieregiment 1 Divisionstruppen: Fernmeldebataillon 1 Flugabwehr-Artillerie-Bataillon 1 Panzeraufklärungsbataillon 1 Pionierbataillon 1 (Bezeichnung bis 31. März 1960: Pionierbataillon 7) Sanitätsbataillon 1 Nachschubkompanie 1 Instandsetzungsbataillon 410 Heeresmusikkorps 1 (bis März 1959 bezeichnet als „Musikkorps II A“)
Heeresstruktur III Bis auf kleinere Umgliederungen und Veränderung in der Ausrüstung der Division sollte die in der Heeresstruktur II eingenommene Gliederung die Heeresstruktur III überdauern.
Heeresstruktur IV