mini|Hundertwasser 1998 in Neuseeland mini|Ernst Fuchs, Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser, 1973 Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt (bürgerlich: Friedrich Stowasser, * 15. Dezember 1928 in Wien; † 19. Februar 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2 bei Brisbane) war ein österreichischer Künstler,Siehe zur Namensgebung Pierre Restany: Die Macht der Kunst, Hundertwasser. Der Maler-König mit den fünf Häuten. Taschen, Köln 2003, ISBN 978-3-8228-6598-9, S. 16. der vorrangig als Maler, aber auch in den Bereichen Architektur und Umweltschutz tätig war. Seinen Künstlernamen Hundertwasser bildete er 1949 aus seinem bürgerlichen Namen durch die Eindeutschung der ersten Silbe – sto ist in slawischen Sprachen das Wort für „hundert“.Erst sehr viel später erfuhr Hundertwasser, dass sich der Name Stowasser etymologisch aus dem Tiroler Dialekt herleitet und eigentlich „Stauwasser“ (Stehwasser) bedeutet. Vgl. Wieland Schmied (Hrsg.): Hundertwasser 1928-2000. Catalogue Raisonné / Werkverzeichnis. Vol. I: Wieland Schmied: Persönlichkeit, Leben, Werk. Taschen, Köln 2000, S. 35. Den künstlerischen Vornamen Friedensreich leitete er aus seinem Taufnamen Friedrich (Fried = Frieden mit dem Fugen-s und von rich = reich) ab.

Künstlerisch trat er zeitlebens als Gegner der „geraden Linie“ und jeglicher Standardisierung auf. Das zeigt sich insbesondere bei seinen Arbeiten im Bereich der Baugestaltung, die sich durch fantasievolle Lebendigkeit und Individualität, vor allem aber durch die Einbeziehung der Natur in die Architektur auszeichnen.

Leben Friedensreich Hundertwasser war das einzige Kind des Ingenieurs Ernst Stowasser (1894–1929)Pfarre St. Josef zu Margareten, Taufbuch 01-072, 1894, S. 3. 3. Eintrag, abgerufen am 21. März 2025. und dessen Ehefrau Elsa (geb. Scheuer) (1894–1972), die jüdischer Herkunft war.Geburtenbuch der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Q 1894 Juli.–Dez., Geburtsbuch 43, Nr. 2616, 5. Eintrag von unten (Faksimile bei FamilySearch, kostenlose Registrierung erforderlich). Die Familien stammen väterlicherseits aus Böhmen und mütterlicherseits aus Mähren. Kurz nach seinem ersten Geburtstag starb sein Vater an einer Blinddarmentzündung, sodass ihn seine Mutter alleine aufzog. Mit sieben Jahren kam er auf die Montessori-Schule in Wien. Die dortigen Kunsterzieher attestierten ihm „außergewöhnlichen Formen- und Farbensinn“. Hundertwasser wurde 1935 katholisch getauft. Nach dem Anschluss Österreichs wurde er mit zehn Jahren in die Hitler-Jugend aufgenommen. Da Privatschüler nach außen hin eher auffielen, ließ Elsa Stowasser ihren Sohn auf eine staatliche Wiener Schule wechseln.

mini|Gedenktafel am Haus Obere Donaustraße 12 Von den Nationalsozialisten wurde er zusammen mit seiner Mutter in das Haus Obere Donaustraße 12 in Wien-Leopoldstadt zwangsumgesiedelt. Im Gegensatz zu seiner Großmutter mütterlicherseits, die Jüdin war, und den rund 70 anderen Verwandten überlebten die beiden den Nationalsozialismus.

Nach seiner Matura am Bundesgymnasium Horn im Jahr 1948 besuchte er im Wintersemester 1948/49 für drei Monate die Wiener Akademie der bildenden Künste. Dort begann er seine Werke mit dem Künstlernamen Hundertwasser zu signieren. Kurz nachdem er sein Studium abgebrochen hatte, reiste Hundertwasser im April 1949 zum ersten Mal nach Italien. Dort lernte er den französischen Künstler René Brô kennen. Gemeinsam reisten sie 1950 bis nach Paris. Weitere Reisen führten Hundertwasser nach Marokko (erste Jahreshälfte 1951), nach Tunesien und nach Sizilien.

Die Eindrücke der Reise nach Nordafrika wurden für seine Malerei in besonderem Maße bestimmend, wie auch die Begegnung mit den Werken von Egon Schiele, Paul Klee und Walter Kampmann. In den 1949 in Italien entstandenen Aquarellen treten die „glasklirrenden, durchsichtigen Seelenbäume“ Kampmanns in Erscheinung, und in ihnen klingt bereits die Bedeutung an, die der Baum, die Vegetation, die „beseelte Natur“ in Hundertwassers Werk und in seinem Denken einnehmen werden.Andrea C. Fürst: Hundertwasser in den Farben seines Malpinsels. Gudrun Publishing, London 2017, S. 8.

Der Einzelgänger Hundertwasser reiste während seines Lebens viel und gern und lernte Englisch, Französisch und Italienisch. Außerdem sprach er ein wenig Japanisch, Russisch, Tschechisch und Arabisch. Stets hatte er einen Miniaturmalkasten bei sich, um überall und sofort malen zu können. Seine ersten Ausstellungen hatte Hundertwasser 1952 und 1953 in seiner Heimatstadt Wien, 1955 in Mailand sowie 1954 und 1956 in der Galerie Facchetti in Paris.

In den 1950er-Jahren lebte Hundertwasser in Paris. Er setzte sich mit der herrschenden Avantgarde auseinander, als aktiver Teilnehmer am aktuellen Diskurs zwischen geometrischer und expressiver Abstraktion, Informel und aufkeimendem Nouveau Réalisme. Zu den wichtigsten persönlichen Kontakten zählten unter vielen anderen Michel Tapié und Yves Klein sowie die Kritiker Pierre Restany und Julien Alvard. Als Reaktion auf den Tachismus der École de Paris mit seiner automatistisch-gestischen, zufall-gesteuerten Arbeitsweise formulierte er seine eigene Sicht, den „Transautomatismus“, in dem es nicht nur um ein neues Entstehen von Kunst geht, sondern auch um ein neues Wahrnehmen, das den aktiven, verantwortungsbewussten und gestaltenden Betrachter fordert.Andrea C. Fürst, in: Hundertwasser in den Farben seines Malpinsels. Gudrun Publishing, London 2017, S. 9.

1957 erwarb Hundertwasser einen Bauernhof am Rand der Normandie. 1958 heiratete er in Gibraltar die 16-jährige Herta Leitner. Die Ehe wurde zwei Jahre später geschieden.

1959 wurde er als Gastdozent an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen. Im Dezember des gleichen Jahres zog er mit Bazon Brock und Herbert Schuldt sowie mit Studenten in seinem Klassenraum die Unendliche Linie, ein „beispielhaftes Projekt der aktionistischen Avantgarde“.Bazon Brock: Wellenlinien im gestauten Wasser. In: Hundertwasser, Gegen den Strich. Katalog der Ausstellung, Kunsthalle Bremen. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2012, S. 150. Nach dem vom Direktor der Hochschule erzwungenen Abbruch der Linienziehung legte Hundertwasser seine Dozentur nieder.

1961 reiste Hundertwasser nach Japan, wo er bei der 6. Internationalen Kunstausstellung in Tokio den Mainichi-Preis erhielt.Alexandra Matzner: Hundertwasser, Japan und die Avantgarde. Über die Ausstellung „Hundertwasser, Japan und die Avantgarde“ im Belvedere 6. März–30. Juni 2013. Online, abgerufen am 18. Jänner 2016. 1962 heiratete er ein zweites Mal. Die Ehe mit der Japanerin Yuko Ikewada wurde 1966 geschieden. Während der Zeit in Japan entstand auch der Name Friedensreich. Er übersetzte seinen Vornamen in die japanischen Schriftzeichen für die Begriffe „Friede“ und „reich“ und nannte sich von nun Friedereich, ab 1968 Friedenreich und schließlich in der endgültigen Form Friedensreich.Siehe Wieland Schmied (Hrsg.): Hundertwasser 1928-2000, Catalogue Raisonné / Werkverzeichnis. Vol. I: Schmied, Wieland: Persönlichkeit, Leben, Werk. Taschen, Köln 2000, S. 35.

1962 hatte Hundertwasser großen Erfolg mit einer Retrospektive bei der Biennale Venedig im österreichischen Pavillon, eingerichtet von Vinzenz Oberhammer.Jasper Sharp: Österreich und die Biennale Venedig 1895-2013. Verlag für moderne Kunst Nürnberg, Nürnberg 2013, S. 68, 331–333. Zwei Jahre später zeigte die Kestner-Gesellschaft Hannover eine umfangreiche Retrospektive, organisiert von Wieland Schmied, die als Wanderausstellung auch in Amsterdam, Bern, Hagen, Stockholm und Wien präsentiert wurde. Des Weiteren veröffentlichte die Kestner-Gesellschaft den ersten Œuvre-Katalog des Künstlers, herausgegeben von Wieland Schmied. mini|Hundertwasser (links) 1965 in Hannover

Nach dem Bauernhaus in der Normandie kaufte Hundertwasser 1966 die nicht mehr in Betrieb befindliche „Hahnsäge“ im dünn besiedelten niederösterreichischen Waldviertel. Dort, fernab von Hektik und inmitten der Natur, richtete er sich seine Behausung ein. 1964 wurden Arbeiten von ihm auf der documenta III in Kassel in der Abteilung Malerei gezeigt.

1968 reist Hundertwasser nach Kalifornien, um mit Herschel Chipp an der University of California in Berkeley eine Museumsausstellung mit Katalog vorzubereiten, die dann bis 1969 durch Städte der USA wanderte (Santa Barbara, Houston, Chicago, New York, Washington D.C.)

Von 1970 bis 1972 arbeitete er mit dem Regisseur Peter Schamoni an dem Film Hundertwassers Regentag. Dieser war nach dem Dokumentarfilm Hundertwasser von Ferry Radax (1966) der zweite Film über das Leben des Künstlers. Er handelt von dem alten Salzfrachter, mit dem Hundertwasser 1968 von Sizilien nach Venedig fuhr und der nach vollständigem Umbau zu Hundertwassers Schiff Regentag wurde.

1972 gründete Hundertwasser in der Schweiz die Gruener Janura AG, die 2008 in Namida AG umbenannt wurde. Über diese Aktiengesellschaft verwaltete Hundertwasser seine Urheberrechte.siehe die Impressen diverser Kunstdrucke mit Copyright Gruener Janura AG sowie auch Kataloge wie z. B. Hundertwasser Friedensreich Regentag, Kat. der Ausstellung Museum Ludwig, Köln 1980.Andreas Wetz: Hundertwassers verschollenes Millionenerbe. In: Die Presse.com., 9. Februar 2013.

Im Anschluss an eine Museums-Wanderausstellung in Neuseeland und Australien, anlässlich derer Hundertwasser erstmals 1973 nach Neuseeland reiste, erwarb er in der Bay of Islands in Neuseeland mehrere Grundstücke, die mit einer Fläche von insgesamt rund 372 ha das gesamte Kaurinui-Tal umfassen. Er verwirklichte seinen Traum, sein Land der Natur zurückzugeben und der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen. Er pflanzte mehr als 100.000 einheimische Bäume, baute Kanäle und Teiche und Pflanzenkläranlagen. Er nützte Sonnen- und Wasserenergie mittels Sonnenkollektoren und Wasserrad. Wie an allen seinen Wohnsitzen verwendete er auch dort die Humustoilette. Ein altes Farmhaus, das von ihm gestaltete Bottlehouse sowie Pigsty und Mountain hut dienten ihm als Wohn- und Arbeitsraum.Erika Schmied, W. Schmied: Hundertwassers Paradiese. Das verborgene Leben des Friedrich Stowasser. Knesebeck, München 2003, ISBN 978-3-89660-179-7.

mini|Ein von Hundertwasser angelegter Teich im Kaurinui-Tal in der Bays of Islands in Neuseeland mini|Hundertwassers Atelier Bottlehouse in Kaurinui 1975 nahm Hundertwasser an der Triennale di Milano teil, wo er ca. 15 „Baummieter“ durch Fenster in der Via Manzoni pflanzen ließ und das Manifest „Inquilino Albero“ (Baummieter) veröffentlichte. Mit seinen Baummieter-Aktionen (Wien, 1981, München 1983) wurde Hundertwasser ein Pionier der Fassadenbegrünung (vertical garden).Erich Mursch-Radlgruber: Friedensreich Hundertwasser, ein ökologischer Visionär. In: Kat. der Ausstellung im KunstHausWien: Hundertwasser – Die Kunst des grünen Weges. Prestel Verlag, München 2011, S. 157.

1979 erwarb Hundertwasser über seine Schweizer Firma in Venedig den „Giardino Eden“, einen rund 15.000 Quadratmeter großen Garten mit Palazzo. mini|Vorderer Teil des „Giardino Eden“ in Venedig mini|Palazzo des „Giardino Eden“

Hundertwasser entwarf ein Plakat der Künstlerserie zu den XX. Olympischen Sommerspielen 1972 in München und begann 1975 Postwertzeichen zu entwerfen. 1982 gestaltete er die Fassade der Rosenthal-Fabrik in Selb. Ein Jahr später folgte die Grundsteinlegung des Hundertwasser-Hauses in Wien, das am 17. Februar 1986 an die Mieter übergeben wurde. In den Jahren darauf arbeitete Hundertwasser an zahlreichen Architekturprojekten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Kalifornien, Japan und Neuseeland.

1981 erfolgte die Berufung zum Leiter einer Meisterschule für Malerei an die Akademie der Bildenden Künste Wien.Georg Friedrich Haas geht in seinem Buch "Durch vergiftete Zeiten. Memoiren eines Nazibuben" (Wien 2022) auch auf das Leben seines Bruders Roland, der bei Hundertwasser studierte, ein und zeichnet ein eher negatives Bild von Hundertwasser als Lehrer:

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