Genf (, , , ) ist eine Stadt und politische Gemeinde sowie der Hauptort des Kantons Genf in der Schweiz.

Die Stadt liegt am südwestlichen Zipfel der Romandie in der Genferseeregion am Ausfluss der Rhone aus dem Genfersee. Mit ihren Einwohnern () ist Genf nach Zürich die zweitgrösste Stadt der Schweiz. Prozent der Einwohner verfügen nicht über das Schweizer Bürgerrecht, womit Genf neben Basel und Lausanne zu den Schweizer Städten mit sehr hohem Ausländeranteil zählt. Mit einer statistischen Bevölkerungsdichte von Einwohnern pro Quadratkilometer, einem extrem hohen Wert für Schweizer Verhältnisse, ist Genf die am dichtesten bevölkerte Gemeinde der Schweiz. Die 1,3 Millionen Einwohner (2020) zählende Metropolregion Genf-Lausanne ist ein erweiterter Ballungsraum und ist der bedeutendste der französischen Schweiz.

Die Stadt Genf beheimatet neben New York City weltweit die meisten internationalen Organisationen, darunter UNO, CERN, IKRK, WHO, IAO, ICN, IOM, ISO, IEC, ITU, WIPO, WMO, WOSM und WTO. Zusammen mit New York City (UNO-Hauptquartier) zählt Genf zu den wenigen Städten der Welt, die als Sitz einer der gemeinhin als wichtigste erachteten internationalen Organisationen fungieren, ohne die Hauptstadt eines Staates zu sein. Zudem sind hier 175 Staaten diplomatisch vertreten; so unterhalten einige die diplomatische Repräsentanz in der Schweiz nicht in der Bundesstadt Bern, sondern in Genf.

Genf ist nach Zürich der zweitgrösste Finanzplatz der Schweiz, danach folgt Lugano. In einer Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegt Genf im Jahr 2018 den 26. Platz.

Seit Jahren wird Genf neben Zürich und Basel als Teil der zehn Städte mit der weltweit besten Lebensqualität und zugleich mit den global höchsten Lebenshaltungskosten gelistet. 2018 waren 18,6 Prozent der Bevölkerung Millionäre (gerechnet in US-Dollar). Genf ist damit, hinter Monaco, die Stadt mit der zweithöchsten Millionärsdichte weltweit.

Geographie

Lage und Besonderheiten Genf liegt zwischen den Voralpen und dem Jura, am südwestliche Ende des Genfersees. Die Gegend befindet sich in einer von Bergen umgebenen Senke, welche unter anderem den Môle und den Vuache umfasst und ist Teil des Sillon alpin. Der Mont Salève im Süden der Stadt gilt als ihr Hausberg, er liegt allerdings bereits auf französischem Staatsgebiet. Die Stadtfläche beträgt 15,89 Quadratkilometer.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet setzt sich seit 2013 aus acht Bezirken () zusammen. Die Bezirke sind weiter in 16 Quartiere () untergliedert und diese wiederum in 128 statistische Quartiere ():

Bezirk Quartier Q-Nr. BFS-Code Anz.stat.Q. FlächeStrategischer Plan für Begrünung - Karteikarten der Genfer Viertel(Hektare) Einw.(2025) Quartierkarte Acacias Bâtie Bâtie - Acacias 1 6621014 8 118 4’889450px Champel Champel - Roseraie 3 6621011 14 162 18’237 Florissant - Malagnou 8 6621022 10 108 14’462 Eaux-Vives Cité Cité-Centre 5 6621001 11 162 7'914 Eaux-Vives - Lac 7 6621021 12 124 20'791 Grottes Saint-Gervais Délices - Grottes 6 6621003 6 83 13’921 St-Gervais - Chantepoulet 14 6621002 6 105 4’550 Pâquis Sécheron ONU - Rigot 12 6621032 5 99 2’237 Pâquis - Navigation 13 6621004 6 34 10’878 Sécheron - Prieuré 16 6621031 4 65 6’907 Plainpalais Jonction Cluse - Philosophes 11 6621012 5 39 16’298 Jonction - Plainpalais 10 6621013 10 92 15’806 Saint-Jean Charmilles Charmilles - Châtelaine 4 6621035 11 101 23’128 St-Jean - Aïre 15 6621036 6 94 9’609 Servette Petit-Saconnex Bouchet - Moillebeau 2 6621034 9 148 15’052 Grand-Pré - Vermont 9 6621033 5 56 10’481

Klima Die Jahresmitteltemperatur für die Normalperiode 1991 bis 2020 beträgt 11,0 Grad Celsius, wobei im Januar mit 2,1 Grad Celsius die kältesten und im Juli mit 20,6 Grad Celsius die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 73 Frosttage und 7 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 64, während normalerweise 17 bis 18 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Wetterstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von am Flughafen Genf, ca. 6 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt (Luftlinie).

Die höchste je in Genf gemessene Temperatur betrug 39,7 Grad Celsius (7. Juli 2015). Dies ist gleichzeitig auch der höchste, je auf der Alpennordseite gemessene Wert. Der Höchstwert bei der durchschnittlichen Sonnenscheindauer des Monats Januar wurde 2020 mit 114,4 Stunden erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord von 2008 (104,3 Stunden) gebrochen.

Geschichte

Ursprung und Erstdokumentation Genf war in der Keltenzeit eine befestigte Grenzstadt der Allobroger gegen die Helvetier. Der erstmals in Caesars De bello Gallico bezeugte Ortsname (58 v. Chr. GenavaJ. Caesar: De Bello Gallico I, 6: Extremum oppidum Allobrogum est proximumque Helvetiorum finibus Genava (‹Die letzte [äusserste] und am nächsten zum Gebiet der Helvetier gelegene Stadt der Allobroger ist Genf›).) wird herkömmlich auf keltisch *genaua ‹Mündung› (vgl. ) zurückgeführt, wie ähnlich Genua und Arguenon.So beispielsweise Xavier Delamarre: Dictionnaire de la langue gauloise. 2. Auflage. Errance, Paris 2003, S. 176. Da Genf nicht an einer Mündung, sondern an einem Abfluss liegt, wurde als Alternative vorgeschlagen, den Namen von indogermanisch *genu-, *gneu- ‹Knie, Ecke, Winkel› herzuleiten.So schon Julius Pokorny und Stefan Sonderegger; siehe Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 381 f., wo beide Etymologien diskutiert werden.

Wechselnde Herrscher bis in das 15. Jahrhundert Genf gelangte um 120 v. Chr. unter die Herrschaft der Römer. Zur Zeit des Römischen Reiches diente es als Brückenkopf, von 400 bis 1536 war es ein Bischofssitz. Im fünften und neunten Jahrhundert fungierte es zudem als Sitz der burgundischen Könige. Im Jahr 563 wurden beim Tauredunum-Ereignis, einem Tsunami im Genfersee, viele Einwohner getötet.

Seit dem 10. Jahrhundert hat der Genfer Bischof eigene Silbermünzen prägen lassen. Ab dem Jahr 1026 gehörte Genf zum burgundischen Reichsteil des Heiligen Römischen Reichs, innerhalb dessen es ein bischöfliches Territorium wurde. Am 1. August 1034 wurde der Erwerb Burgunds durch Konrad II. (HRR) in der Genfer Kathedrale gefeiert. Der Rechtsbezirk des Bischofs wurde gegenüber den Ansprüchen des Grafen von Genf in der Urkunde Placitum de Seyssel von 1124 umschrieben.Andrzei Henrik Kaminski: Der Niedergang der städtischen Hoheitsrechte des Bischofs von Genf. Imprimerie Franco-Suisse, Ambilly 1947, , S. 17 (Zugl.: Zürich, Univ., Diss., 1947). 1162 verlieh Friedrich I. dem Bistum Unabhängigkeit und Reichsunmittelbarkeit. Im 13. Jahrhundert wurde Genf eine bedeutende Messestadt, was dem städtischen Bürgertum mehr Einfluss brachte.Andrzei Henrik Kaminski: Der Niedergang der städtischen Hoheitsrechte des Bischofs von Genf. Imprimerie Franco-Suisse, Ambilly 1947, S. 43 (Zugl.: Zürich, Univ., Diss., 1947). Der Genfer Bischof verlieh der Stadt Genf 1387 verschiedene Freiheitsrechte wie etwa das Bürgerrecht. 1467 gewährten die Savoyer den Genfern Handelsfreiheit auf ihrem Territorium. Bischof Antoine Champion versammelte im Jahr 1493 etwa 500 Priester in der Kirche St. Pierre und prangerte den lasterhaften Lebenswandel der Geistlichen an:

Genf zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert mini|Gebiet des Stadtstaates Genf 1792 mini|Reformationsdenkmal (Genf) 1526 trat Genf einem Städtebund zusammen mit Bern und Freiburg bei. Nach überzeugenden Predigten von Guillaume Farel wurde im Jahr 1536 die Reformation eingeführt und die unabhängige Republik Genf ausgerufen. Freiburg löste daher sein Bündnis mit Genf, worauf die Stadt mehrmals vergeblich versuchte, als Zugewandter Ort in die Schweizerische Eidgenossenschaft aufgenommen zu werden. Nur die evangelischen Städte Bern und Zürich schlossen 1584 ein Burgrecht mit Genf.Norbert Domeisen: Genf und die Eidgenossen. In: Scribd, abgerufen am 28. Juni 2021. Der französische Reformator Johannes Calvin gründete im Jahr 1559 die Genfer Akademie, aus der sich die heutige Universität Genf entwickelte. Nach dem missglückten Versuch, die Stadt in einer Dezembernacht 1602 zu überfallen (Escalade de Genève), erkannte Savoyen die Unabhängigkeit Genfs 1603 im Vertrag von Saint-Julien an.

Genf war von 1540 bis 1700 für französische und italienische evangelische Glaubensflüchtlinge, den Hugenotten und Waldensern, ein wichtiger Zufluchtsort geworden. So kamen am 30. August 1687 an einem einzigen Tag rund 8000 Hugenotten in Genf an, wobei die Stadt nur 16'000 Einwohner hatte. Nur ein kleiner Teil konnte bleiben. Die zugewanderten Familien waren aber nicht nur eine Last für die Stadt, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereicherung durch ihre Bildung und Kenntnisse in Seidenproduktion und -handel und in der Uhrmacherkunst, die sie mitbrachten und in Genf und Umgebung ansiedelten.Thomas Straumann: Genfer Bankiers, hochqualifizierte Glaubensflüchtlinge und Seidenhändler: Wie sich die Reformation auf die Schweizer Wirtschaft auswirkte. Während die Reformation im Gange war, ist der Grundstein für die spätere globalisierte Wirtschaft und eine international vernetzte Schweiz gelegt worden. In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). 27. April 2017.Christophe Büchi: Genf – ein Kanton ohne Konfession. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Februar 2019, abgerufen am 2. Februar 2019.

Im Jahr 1781 errangen Bürgertum und Arbeiterschaft die Vorherrschaft, woraufhin eine repräsentativ-demokratische Verfassung angenommen wurde, bevor im Jahr darauf mit Hilfe bernisch-savoyischer Truppen das Patriziat erneut die Macht ergriff und viele Industrielle als Exponenten des Bürgertums in die Emigration gingen. Die Auseinandersetzung 1781 war die letzte in einer Reihe von sozialen Konflikten im 18. Jahrhundert: die Affäre Fatio 1707, das Tamponnement 1734 bis 1738 und Rousseau 1762 bis 1768,Ausgelöst durch die obrigkeitliche Verurteilung von Jean-Jacques Rousseaus Émile und Contract Social. die als Genfer Revolutionen bezeichnet werden. Es ging stets um wirtschaftliche Gleichstellung und erleichterten Zugang zur Neubürgerschaft. 1776 entstand die erste Société des Arts.

Vom Stadtstaat zum Schweizer Kanton (1798 und 19. Jahrhundert) mini|Karte zur Entstehung des schweizerischen Kantons Genf und der Freizonen 1814 bis 1860 mini|1 Sol von 1825 mini|Frances Elizabeth Wynne: Ansicht von Genf von der Rousseau-Insel, 1858

Am 15. April 1798 wurde Genf von Frankreich annektiert. Der Vereinigungsvertrag vom 26. April 1798 regelte die Überführung der Republik Genf in den französischen Staat. Im August 1798 wurde die Stadt Hauptort des neu geschaffenen Départements Léman. Während der französischen Periode wurde der Code civil eingeführt, und die Stadt wurde zum Mittelpunkt der Verwaltung der ganzen Region, was ihr auch wirtschaftliche Vorteile brachte. Allerdings wurden seit 1802 in Genf auch Truppen für die Napoleonischen Kriege ausgehoben.

Am 31. Dezember 1813 wurde Genf von österreichischen Truppen besetzt. Nachdem zuerst die Unabhängigkeit der Stadtrepublik ausgerufen worden war, bat Genf um Aufnahme in die Eidgenossenschaft. Am 1. Juni 1814 landeten schweizerische Truppen in Übereinstimmung mit den Beschlüssen des Wiener Kongresses in Genf, und am 12. September bestätigte die eidgenössische Tagsatzung offiziell die Aufnahme Genfs als 22. Kanton in die Eidgenossenschaft. Der Vereinigungsvertrag wurde am 19. Mai 1815 unterzeichnet. Die Stadt Genf wurde damit zum Hauptort des neugebildeten gleichnamigen Kantons Genf. Die britische Schriftstellerin Mary Shelley klagte in einem Brief vom 1. Juni 1816 über den Abriss des Genfer Theaters, das streng puritanische Genf war dennoch weltläufig und aufgeschlossen genug, um 1818 das Musée académique zu gründen, das zwei Jahre später in der Grand-Rue 11 eröffnete.