mini|190px|Oscar Pettiford, Auftritt im New Yorker Jazzclub Aquarium, Fotografie von William P. Gottlieb, ca. November 1946 Oscar Collins Pettiford (* 30. September 1922 in Okmulgee, Oklahoma; † 8. September 1960 in Kopenhagen) war ein Jazz-Musiker, Arrangeur und Komponist, der Kontrabass und Cello spielte und als einer der bedeutenden Musiker des Modern Jazz gilt. Oscar Pettiford, von seinen Kollegen O.P. genannt, war mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie ein Wegbereiter des Bebop. Ebenso wie Jimmy Blanton (als dessen legitimer Nachfolger er in den 1950er Jahren in New York betrachtet wurde) und wie Charles Mingus trug er dazu bei, dass der Kontrabass im Jazz zum Soloinstrument wurde. Außerdem führte er 1950 das Cello, auf das er das Pizzicatospiel des Basses übertrug, als Soloinstrument in den Jazz ein.Vgl. Berendt, 1978, S. 135 ff.

Leben Frühe Jahre Oscar Pettiford, dessen Familie sowohl afroamerikanische als auch indianische Wurzeln hatOscar Pettiford fühlte sich zeitlebens mehr als Indianer denn als Neger, Berendt, Fenster aus Jazz, S. 136 wurde als Sohn des Tierarztes Harry „Doc“ Pettiford und einer Musiklehrerin in einem Indianerreservat geboren. Seine Mutter war eine Choctaw, sein Vater halb Cherokee und halb Afroamerikaner. mini|Der stillgelegte Bahnhof von Minneapolis

Die Familie zog jedoch nach Minneapolis, als Pettiford drei Jahre alt war. Sein Vater gab damals seine Tätigkeit als Tierarzt auf und gründete ein Orchester, zu dem im Lauf der Zeit seine Frau und alle seine elf Kinder gehörten. Pettiford sang in dieser Band, spielte ab 1933 Klavier, ab 1936 BassDer Spiegel erwähnte in seiner Ausgabe von 1951 die Episode, wie der junge Oscar zu Bass kam: „Eines Tages bekam Vater Pettiford Schwierigkeiten mit seinem Baßspieler, dem einzigen Musiker, der nicht zur Familie gehörte. Weil gerade niemand anderes zu finden war, sollte es der kleine Oscar einmal mit dem großen Kontrabass versuchen. Er konnte bisher schon das Klavier traktieren und ein bisschen das Schlagzeug bearbeiten. Also würde es schon gehen. Ein alter Bass fand sich zufällig in einer Ecke des Lokals, in dem man gerade spielte. Oscars Vater brauchte nur 25 Dollar dafür zu zahlen, der Bass hatte eben einen Autounfall mitgemacht. Heute, wo Oscar ein berühmter Mann ist, sagt er, daß er niemals in seinem Leben so virtuos spielen mußte wie damals auf dem zusammengefahrenen Bass. Er nahm straff gespannte Schnüre an Stelle von Saiten. Saiten waren damals schwer zu bekommen. Sie kosteten mehr, als sich Pettifords Familien-Band leisten konnte.“ und war mit diesem Familienorchester bis 1941 auf Tourneen in den US-Staaten des Mittleren Westens unterwegs, bis sich das Ensemble durch Heirat der Töchter auflöste. Das Magazin Down Beat erwähnte 1938 die Swing City und Pettiford-Familienband, welche eine Attraktion des Highschool-Schüler war.Angaben in der Biographie und Sessionographie Seine Brüder Ira und Alonzo spielten später bei Jay McShann;Hinweis bei Brian Priestley, Jazz Rough Guide, S. 506. seine Schwester Marjorie (1916–1986) Altsaxophon bei den International Sweethearts of Rhythm.Marian McPartland: Marian McPartland’s Jazz World: All in Good Time. 2003, S. 143 Eine wichtige Rolle nahm in dieser Gruppe Oscars ältere Schwester Leontine ein, die Piano und Holzblasinstrumente spielte und die meisten Arrangements schrieb.Um 1940/41 hatte Ray Brown in Pittsburgh bei ihr Unterricht. An eine frühe Begegnung mit Duke Ellington erinnerte sich der Bassist später:

Im März 1937 wurden zwei Musiker des Cab-Calloway-Orchesters, Milt Hinton und Ben Webster, auf den jungen Pettiford aufmerksam, als sie nach ihrer Show bei einer Session den vierzehnjährigen Bassisten hörten. Sie luden Pettiford sogleich ein, mit ins Theater zu kommen, damit die anderen Musiker ihn hören könnten.Nach F. Büchmann-Möller: Someone to Watch Over Me. The Life and Music of Ben Webster. Quelle im Original: „On March 18, 1937, … Calloway’s orchestra began a four-month tour… One evening after the show, during their stay in Minneapolis, Hinton and Ben went to a nightclub in St. Paul where they heard a fourteen-year-old bassist named Oscar Pettiford. They were so impressed that they invited him to the theater the next day to let the other musicians from Calloway’s band hear his gifted playing.“ Abgerufen am 6. April 2010.

Oscar spielte in seiner Freizeit im Boogie-Woogie-Club der Minnesota-University. Im September 1939 wirkte er bei einer Jam-Session im Harlem Breakfast Club in Minneapolis mit und spielte mit Jerry Jerome, Charlie Christian und dem Pianisten Frankie Hines („I Got Rhythm“). 1942 trat er in einem Triomit dem Schlagzeuger Sidney Smith und dem Pianisten Kenny Green. Quelle: Chuck Haga: Leigh Kamman: Polishing the image of jazz. Star Tribune Sep 2, 2002. bei einem Konzert auf, das Dimitri Mitropoulos, Dirigent des Minneapolis Symphony Orchestra organisiert hatte. Die drei Musiker schrieben dafür ein Stück namens „Beat Me, Dimitri“. In diesem Jahr lernte er auch Coleman Hawkins kennen, zu dessen Gastspiel in Duluth er mit seinem Bass gereist war. Während des Soundchecks traf er den Saxophonisten, der ihn aufforderte ihm vorzuspielen. Beeindruckt lud Hawkins den jungen Bassisten ein, an dem Abend mitzuspielen. Seitdem waren Pettiford und er befreundet.Quelle: Chuck Haga: Leigh Kamman: Polishing the image of jazz. Star Tribune, 2. September, 2002. Abgerufen am 6. April 2010.

Nach einiger Zeit der Arbeit in lokalen Orchestern in Minneapolis – wie dem Quartett von Bob Benham und der Band seines Bruders Ira – wurde er Anfang 1943 von Charlie Barnet bei einem Besuch in Minnesota entdeckt und hatte sein erstes professionelles Engagement in dessen Orchester als zweiter Bassist neben Chubby Jackson. Mit ihm komponierte er das „Concerto for Two Basses“.

Bebop-Jahre Im Februar 1943 hatte er im Chicagoer Savoy Hotel Gelegenheit zu einer Jam-Session mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie („Sweet Georgia Brown“). Noch im selben Jahr ging Pettiford mit dem Barnet-Orchester nach New York, wo er im Mai die Band verließ und Nick Fenton als Hausbassisten im Minton’s Playhouse ersetzte, dem Jazzlokal, das in der Entstehungszeit des Bebop der Kristallisationspunkt der neuen, damals als revolutionär empfundenen Musik war.Vgl. Berendt, 1978, S. 137. Danach spielte er im Quintett von Roy Eldridge im Onyx Club.

Im Dezember wirkte er dann bei drei Aufnahmesitzungen von Coleman Hawkins für das Label Signature mit; er spielte in einer Rhythmusgruppe mit Eddie Heywood bzw. Ellis Larkins am Piano und Shelly Manne am Schlagzeug. Solistisch tat sich Pettiford vor allem bei der Sitzung am 23. Dezember in „Crazy Rhythm“ und der Gershwin Ballade „The Man I Love“ hervor.Vgl. Doering, S. 145 ff. mini|78er von Oscar Pettiford & His 18 All Stars. „Worried Life Blues“ 1945, mit Dizzy Gillespie, Don Byas, Trummy Young, Benny Morton, Johnny Bothwell, Serge Chaloff, Clyde Hart, Al Casey, Shelly Manne, Rubberlegs Williams

Nach den ersten Sessions in Minton’s Playhouse leitete Pettiford zusammen mit Dizzy Gillespie 1944 das erste Bebop-Quintett der Jazzclubs der 52. Straße – mit Gillespie, Don Byas bzw. Budd Johnson, George Wallington und Max Roach und er war auch an Coleman Hawkins’ Aufnahmen mit den jungen Bebop-Musikern zugegen („Rainbow Mist“).Coleman Hawkins & His Orchestra, mit Dizzy Gillespie, Vic Coulson, Ed Vandever tp, Leo Parker, Leonard Lowry as, Coleman Hawkins, Don Byas, Ray Abrams ts, Budd Johnson ts, bs, Clyde Hart p, Oscar Pettiford b, Max Roach dr. Sie spielten die Titel Bu-Dee-Daht, Yesterdays, Woody 'n You, Bu-Dee-Daht ein.

Im Jahr 1944 war der Bassist bereits ein gefragter Sessionmusiker; er wirkte in diesem Jahr bei Aufnahmen von Earl Hines, Sonny Greer, Tiny Grimes, Billie Holiday, Helen Humes, Louis Armstrong, Clyde Hart, Ike Quebec, dem Art Tatum Trio, Sammy Price sowie bei einer Jam-Session der Esquire All Stars in der Metropolitan Opera mit, bei der auch eine Komposition von ihm gespielt wurde, „For Bass Faces Only“, die später von Ray Brown, Dizzy Gillespie und Gil Fuller übernommen und als „One Bass Hit“ berühmt wurde.Vgl. Budd Johnson nach Gitler Swing to bop: an oral history of the transition in jazz in the 1940s, S. 119.

Im Titel „Blue Skies“, den er mit Ben Webster im April ’44 einspielte, schuf der Bassist ein kurzes Statement, das „perfekt ausbalanciert war“.Cook, Morton, 6. Auflage, S. 1194. Im Juli entstanden zwei Titel im Duo mit Clyde Hart, „Don’t Blame Me“ und „Dedicated to J.B.“, auf denen der Bassist mit längeren Soli zu hören sei – bis heute gelten diese beiden Aufnahmen leider als verschollen. Im Frühjahr und Sommer 1944 kam es zur Zusammenarbeit mit Billy Eckstine, bei dessen Aufnahmen mit dem Vorläufer der Eckstine-Bigband er Gelegenheit für ein „sensationelles Solo“Cook, Morton, 6. Auflage, S. 1194. im Stück „I Got a Date with Rhythm“ hat.

Im Januar 1945 begleitete er mit einem Orchester unter seiner Leitung den Bluessänger und Tänzer Rubberlegs Williams auf dessen „Empty Bed Blues“;U.a. mit Gillespie, Bill Coleman, Benny Harris, Trummy Young, Vic Dickenson, Benny Morton, Johnny Bothwell, Don Byas, Serge Chaloff, Clyde Hart, Al Casey und Shelly Manne. Danach spielte er bis Frühjahr 1945 bei Boyd Raeburn.

In Kalifornien, nach Filmaufnahmen mit Coleman Hawkins und Howard McGhee (The Crimson Canary), Aufnahmen mit dem Orchester von Johnny Bothwell und Auftritten mit einer All-Star-Formation um Vic Dickenson, Les Paul und Willie Smith, gründete Pettiford Ende 1945 mit dem Pianisten Spaulding Givens und dem Gitarristen Chuck Norris ein eigenes Trio, das in Kalifornien und Nevada auftrat.Angaben in der Biographie und Sessionographie

Nach Aufnahmen mit Wynonie Harris („Everybody’s Boogie“) und Johnny Otis & The Jubilee All-Stars spielte er ab November 1945 im Duke Ellington Orchestra, in dem er bis März 1948 blieb. So hatte er in den 1940er Jahren die zwei Schlüsselpositionen inne, die ein Bassist damals erreichen konnte: die Gründung der ersten Bebop-Gruppe auf der 52nd Street New Yorks und die Nachfolge des verstorbenen Jimmy Blanton bei Ellington. Außerdem gehörte Pettiford 1943, 1944 und 1945 zu den All Stars der Zeitschriften Esquire und MetronomeMit den Esquire All Stars machte er im Dezember 1943 eine seiner ersten Plattenaufnahmen (LP: Esquire Swing Sessions, Decca PD 12005)Vgl. Berendt, 1978, S. 139 f. mini|Oscar Pettiford und Junior Raglin, Auftritt im New Yorker Jazzclub Aquarium, Fotografie von William P. Gottlieb, ca. November 1946

Die Nachkriegszeit „Mit Oscar Pettiford machte Ellington eine seiner berühmtesten Bass-Schallplatten“, schrieb Der Spiegel damals. „Es war eine Art Doppelkonzert: für Klarinette und Baß. Das Stück hieß ‚Air conditioned jungle‘, […] also ein ‚Urwald mit automatischer Kühlluftzufuhr‘“.Oscar zupft besser, Ausgabe vom 13. Juni 1951 Der Spiegel, Nr. 24/1951.

Während seiner Mitgliedschaft im Ellington Orchester wirkte Oscar Pettiford auch bei Aufnahmen von Johnny Hodges, Earl Hines und der Rhythm and Bluesband von Ivory Joe Hunter mit. 1948 gehörte er erst Erroll Garners und dann George Shearings Trios an, das im Three Deuces auftrat. Zur Jahreswende 1948/49 spielte er im Club The Clique (der bald Birdland hieß) mit einer kurzlebigen All-Stars-Formation unter seiner Leitung, in der Fats Navarro, Kai Winding, Lucky Thompson, Milt Jackson, Bud Powell und Kenny Clarke spielten. Der Down Beat schrieb zu ihrem Auftritt Ende Januar 1949: „Die Menge feierte den extremen Bop von Pettiford’s All-Stars enthusiastisch.“Zitiert nach Down Beat, January 28, 1949: „Crowd Gives Enthusiastic Welcome To Extreme Bop By Pettiford All-Stars.“ mini|hochkant|links|Ellington 1965