mini|Das Narrenfest (Narrenkonvent um 1550) von Pieter Bruegel dem Älteren ist die Grundlage für das Stück. Das Narrenfest ist eine Stegreifkomödie des Schauspielers, Regisseurs und Dozenten Tom Witkowski aus dem Jahr 1994 nach dem gleichnamigen Bild von Pieter Bruegel dem Älteren und wurde bisher unter folgenden Titeln bearbeitet und aufgeführt: Comedia del Regio sowie Die Zugvögel. Vergänglich, wie alles irdische Glück, das Spiel der Mimen, besteht das Narrenfest aus einer „Seifenblasenkette“ welche die Clowns in schillernden Farben, auf einen „Roten Faden“ fädeln; bis es, genährt von Vanitas Symbolen und Sinnbildern, auch unserer Erinnerung entgleitet … … bis keiner mehr darüber spricht.

Konzeption Das Narrenfest ist gleichermaßen geeignet für: Große Schauspiel- und Opernhäuser Kleine Theater und Studiobühnen Theaterfeste und Freilichtaufführungen Als Clowns-Workshop für 8 bis 20 Teilnehmer mit anschließender Aufführung Sowie ganz einfach als Unterrichtsmaterial für Clowns-Techniken Als Theater-Konvent

Bearbeitungen Es liegen drei Bearbeitungen von Tom Witkowski vor: Das Narrenfest – ein Fest für Clowns und ein Fressen für Schauspieler, mit einem Vorspiel, zwölf Szenen und einem Nachspiel hatte seine Uraufführung 1994 auf der Burg Frankenberg in Aachen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Verleihung des Karlspreises 1996 an Beatrix, Königin der Niederlande, wurde das Narrenfest unter dem Titel Comedia del Regio in Aachen aufgeführt. Die Zugvögel – ein Fest für Europa wurde anlässlich des European Culture Forum 2013 in Brüssel aus dem Narrenfest erarbeitet. Witkowski war in Brüssel Teilnehmer einer dreitägigen Zusammenkunft von über 1000 Kulturschaffenden aus allen Mitgliedsländern der Europäischen Union. Innerhalb dieses Theaterkonvents traten die Theater-Protagonisten mit ihren Eleven auf.

Handlung Aus allen EU-Ländern kommen je zwei Abgesandte; etwa so, wie im Mittelalter die Meister mit ihren Schülern durch die Lande reisten. Jeder spricht in seiner eigenen Sprache. Die Mimen (Clowns) treffen sich zum Theaterkonvent. In ihrer ersten Vorstellungsrunde präsentieren sie quasi ihr Land als einzigartige, unverwechselbare und hervorragende Künstler. Das Babylonische Sprachengewirr wird vom Zeremonienmeister geordnet. Hierfür benutzt er „Das Buch mit den sieben Siegeln“. Zu Beginn eines Spielabschnitts wird zum Szenenverständnis das Schlüsselwort in allen teilnehmenden Sprachen oder Dialekten genannt. Dadurch ergibt sich für jeden Zuschauer, gleich welche Sprache er spricht, ein einzigartiges vergnügliches Erlebnis. Der Meister-Schüler-Konvent entstand im Jahr 1994 und wurde am 3. September 1994 unter der Regie von Tom Witkowski auf der Burg Frankenberg Aachen uraufgeführt.

Inhalt Aus allen Teilen Europas strömen sie zusammen, die Menschen mit ihren Träumen, mit ihren Wünschen oder auch nur ihren ganz alltäglichen Bedürfnissen: Ganz einfache Menschen, Liebende, Randfiguren des Lebens, Visionäre, Künstler, Wissenschaftler – Narren allesamt. Sie kommen zum Fest der Begegnung, einmalig oder vergänglich, heiter oder schmerzlich, jedenfalls ein Beisammensein, in dem das Leben sich spiegelt. Sie kommen auch, den Euro zu feiern, Sinnbild der Gemeinsamkeit in einem babylonischen Sprachengewirr. Babylon braucht seine Symbole, um Vielfalt und Ordnung miteinander zu versöhnen. Das Fest des Euro wird zum Fest der Einheit in der Vielfalt, wird zur symbolischen Feier des Lebens. Hier sind sie nun, die Narren dieser Welt, zugleich die Weisen, die sich nicht scheuen, den Finger in die Wunden des Lebens zu legen. Sie sind unterwegs, Erfahrungen zu suchen und an ihre mitfahrenden Schüler weiterzugeben. Sie tragen die Narrenkugeln bei sich, in denen die Erfahrungen und Erinnerungen in kleinen Stücken symbolisch aufbewahrt sind. Das Narrenfest für den Euro wird zum Sinnspiel des Lebens. Kreisförmig läuft das Leben im Zeitraffer vor uns ab. Die Clowns präsentieren in einer ersten Vorstellungsrunde quasi ihr Land: Die Zuschauer erleben Slapsticks, Akrobatik, Songs und alles, was die Phantasie erschaffen kann. Es prallen Welten unterschiedlichster Anschauungen aufeinander. Phantasie regiert das Geschehen und wird konfrontiert mit der Realität, der Ordnung. Ein Pennerpaar, Außenseiter der Gesellschaft, die sich auf Kosten der Anderen ein schönes Leben machen, taucht auf und breitet den Warenkorb vor uns aus, sie prahlen mit ihrem zusammengeschnorrten und ergaunerten Luxus. Michel und Minna, selbsternannte Ordnungshüter, setzen dem Treiben ein Ende. Ein Galan entdeckt im Warenkorb eine langstielige rote Rose, die seine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit erweckt. Sie entlockt ihm gar schauerliche Gesänge, so dass man ihn knebelt und verschnürt am Bühnenrand ablegt. Die Clowns des Narrenkonvents bereiten ein großes Festmahl vor, Höhepunkt jeder gemeinsamen Feier. Sie versuchen, aus dem Publikum die attraktivste, schönste Frau an ihre Tafel zu laden. Sie weigert sich beharrlich. In einem Clowns-Defilee versuchen die inzwischen liebestollen Narren ihre schönsten Liebesanträge in Lieder, Gedichte oder kleine Kunststücke zu formen. Ohne Erfolg. Deswegen wird der Galan aus seiner Zwangsjacke befreit. Ihm gelingt es, mit seinem Werben die Widerspenstige auf die Bühne zu holen. Ein altes Clownspaar erkennt in ihr die eigene Tochter und versucht eine Beziehung mit dem Galan, diesem hergelaufenen Gaukler, zu verhindern. Doch die Liebe ist stärker. Die Angebetete, ein „Heißer Feger“, und der Galan turteln und haben nur noch Augen für einander. Der Galan verschluckt sich und „legt“ unter größten Anstrengungen ein Ei. Sie fängt es mit den Händen auf und baut sofort ein Nest. Der Heiße Feger beginnt zu brüten. Darüber versinkt sie in völliger Apathie, was die Clowns für eine schwere Erkrankung halten. Der Arzt kommt, fordert aber zunächst einmal eine Bezahlung – natürlich in Euro. Clowns, die nur aus ihrer Phantasie leben, müssen erfinderisch werden: Sie bitten das Publikum um die Begleichung der Rechnung. Sie wenden alle Tricks an ziehen ihnen buchstäblich das Geld aus der Tasche. Das Pausenfinale gipfelt im Lied vom Euro! Der Arzt, bezaubert vom närrischen Treiben, hängt seinen Beruf an den Nagel und verwandelt sich selbst in einen Clown. Nach der Pause sind die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange. Der Galan nimmt mit allen männlichen Clowns Abschied vom Junggesellenleben. Die weiblichen Clowns umringen als Brautjungfern den Heißen Feger. Aus dem gewachsenen Ei sind erste Stimmen zu hören. Die Zeit drängt, die Trauung muss schnellstens vollzogen werden. In einem furiosen Clowns-Defilee bringen alle dem Brautpaar als Geschenke ihre schönsten Slapsticks dar. Jähe Ernüchterung. Der Freudentaumel schlägt um, die beiden Alten fehlen im Defilee der Gratulanten. Die zurückgelassene Narrenkugel bringt Gewissheit über ihren Tod. Das Beerdigungs-Defilee der trauernden Clowns wird durch die Geburt von Zwillingen unterbrochen. Tod und Geburt in einer wechselnden Folge. Schmerz und Trauer schlagen um in einen rasenden Freudentaumel. Als Erbe der Toten erhalten die Zwillinge zur Taufe die Vanitas-Kugeln. Filius und Filia wachsen und lernen schnell: Im Eilzugtempo durch die Kinderstube zu erwachsenen Menschen. Die Clowns sind hervorragende Lehrmeister in Theorie und Praxis. In einem vergnüglichen Intermezzo von Lehre und Forschung bringen sie den „Kleinen“ ihre besten und geheimsten Tricks bei. Die Pubertät quält die Alten mehr als die Jungen, die eher ihre Eltern aufklären als umgekehrt. Aus den Kindern werden die geschicktesten Clowns. Sie erhalten im Vanitas-Defilee aller ihre „Meisterbriefe“. Aus Altem wird Neues, wie aus den alten Währungen der Euro wurde. Das Narrenfest geht in die Geschichte ein. Bei jedem weiteren Treffen zu Ehren neuer Mitglieder werden alle wieder da sein.

Personen (Rollencharaktere) Zeremonienmeister Leitet organisiert, und kommentiert die Vorstellung. Dazu benutzt er „Das Buch mit den sieben Siegeln“. Mit seinem Stab ruft er die Clowns zusammen jeweils zu Beginn, nach der Pause, oder wenn sie im Zuschauerraum dem Publikum das Geld aus der Nase ziehen. Dabei klopft er mit seinem Stock. Oder, wenn er eine neue Szene ansagt. Dabei kann er ohne weiteres auch eine laufende Szene abbrechen, wenn sie zu lang gerät, oder sich verzettelt, oder in eine nicht gewünschte Richtung läuft. Hänger können so auf konziliante Weise aufgefangen werden. Hofnarr Die Hofnarren (Es darf durchaus mehrere Hofnarren geben, hierzu gehören auch Pope und Adlatus.) haben absolute Narrenfreiheit. Sie sind innerhalb des Stückes die freien Personen. Hofnarren können sich alles erlauben. Im Narrenfest haben sie die Aufgabe, das ganze Stück im praktischen Ablauf zu leiten und zu organisieren, zu vermitteln und zu soufflieren. Dazu können sie zu den betreffenden Clowns hingehen, es ihnen direkt sagen. Sie können sie auch an die richtige Stelle schieben oder ziehen. Minna Die Minna (mit Schrubber) sorgt für Ordnung. Sie wischt ständig Staub, besonders dort, wo nichts mehr zu sein scheint, findet sie noch etwas. Ihre Kommunikation mit anderen läuft nur darüber ab. Sie sucht Kleidungsstücke nach Staubfusseln ab und wischt und bürstet. Mit ihrem Staubwedel kann sie auch mal über die Schuhe wedeln. Im Vorspiel wird sie den Theatereingang und alles, was dazu gehört mit großem Eifer säubern. Die Besucher werden gelegentlich abgebürstet und die Krawatte gerade gerückt, oder am Ärmel gezupft. Michel Michel ist für Ruhe zuständig. Obendrein hat er einen Hund! Ein sehr gefährliches Tier, welches er kaum bändigen kann. Wenn ihm etwas nicht passt, schickt er den Hund vor, der dann ganz böse knurren und bellen kann! In solchen kritischen Situationen kommt ihm Minna mit den Worten: „Michel halt den Hund fest!“ zu Hilfe. Dass der Hund nur ein Stofftier oder Holzdackel ist, stört dabei wenig. Im Vorspiel wird er sich wie Graf Koks von der Quarkmühle fühlen. Natürlich hilft er Minna, auch wenn ihm dabei mal ein Zacken aus der Krone fällt. Michel und Minna: , sie repräsentieren eben eine ganz andere Welt als die der Clowns. Freaks und Hippies sind ihnen ein Dorn im Auge. Freak oder Penner Könnte genauso gut von irgendeiner Straßenecke aufgelesen worden sein. Nun ja, was gibt es da zu sagen, solche Leute gibt es eben. Sie können sich nicht ins bürgerliche Leben einordnen, oder begeistern sich übertrieben für etwas, eine Sache, oder Idee. Im Vorspiel ist eine gute Gelegenheit zu schlauchen. Gutgelaunte Besucher des Narrenfestes lassen sicherlich mal was springen. Er geht auf die Besucher mit den Worten zu. „Ich hätt da mal 'ne Frage? Ham' se' nich’ was übrig, ich würd auch gern in die Vorstellung gehn“, oder „Haste de' mal ’n Euro?“. Äußerst unangenehm ist nur, dass da Minna und Michel mit Hund für Ruhe und Ordnung sorgen, und auch noch den Hund auf ihn hetzen. Hippie oder Pennerin Der Hippie oder die Pennerin (Ist ein echtes Blumenkind. Die Welt ist schön und am liebsten würde es alle Menschen umarmen.) würde natürlich auch gern in die Vorstellung, hat aber kein Geld. Ihr bleibt gar nichts anderes übrig als mit viel Charme die Besucher zu überreden, ihr ein bisschen Geld zu geben. „Ich würde halt so unheimlich gern Das Narrenfest besuchen. Aber mir fehlt noch was. Können Sie mir nicht aushelfen?“. Wenn bloß Michel und Minna nicht wären. Diese beiden Rollen können variabel aufgefasst werden. Es hängt vom Umfeld und der Zeit ab, in der gespielt wird. Auch sollten die Darsteller ein Mitspracherecht haben. Galan Der Galan ist in der Blüte seines Lebens. Er ist der klassische Liebhaber. Ein leidenschaftlicher Sänger, der allerdings nur schauerliche Liebeslieder von sich gibt. Alle wollen nur flüchten, oder er wird geknebelt und gefesselt um ihn am Singen zu hindern. Aber wenn er seine Angebetete im Publikum sieht, wird er zum Stier (Zeus) wenn er seine Geliebte (Europa) aus dem Publikum entführt. Heißer Feger