mini|Wappen der Herzöge von Longueville Ludwig I. von Orléans-Longueville – in Frankreich Louis I. d’Orléans-Longueville – (* 1480; † 1. August 1516 in Beaugency) war Herr von Montgommery, Tancarville, Châtelaillon, Abbeville und durch seine Heirat Graf von Neuenburg am See. Er bekleidete das Amt eines Großkammerherrn von Frankreich und des Großseneschall der Provence.
Familie Ludwig stammte aus dem Haus Orléans-Longueville und war ein jüngerer Sohn des François I. d’Orléans-Longueville (Sohn des Johann der Bastard von Orléans) und der Agnes von Savoyen, einer Tochter des Ludwig von Savoyen und Schwägerin des französischen Königs, Ludwig XI.
Ludwig heiratete 1504 Johanna von Hachberg-Sausenberg († 1543), die Tochter des Markgrafen Philipp von Hachberg-Sausenberg und der Maria von Savoyen. Mit ihr hatte er vier Kinder: Claude (* 1508; † 1524) Louis II. (* 1510; † 1536) ⚭ Marie de Guise, Tochter von Claude de Lorraine, duc de Guise François III. (* 1535; † 1551), Graf von Neuchâtel als Nachfolger von Jeanne Charlotte (* 1512; † 1549); ⚭ Philipp von Savoyen-Nemours François (* 1513; † 1548), genannt Marquis de Rothelinaus der unehelichen Verbindung mit Françoise Blosset, dame de Colombières et du Plessis Paté stammt François († 1600), „le Bâtard de Rothelin“ (der Bastard von Rötteln), der die Nebenlinie Orléans-Rothelin begründete. ⚭ Jacqueline de Rohan, Tochter von Charles de Rohan, Seigneur de Gié (Haus Rohan) Léonor (* 1540; † 1573), Graf von Neuchâtel als Nachfolger von François III.
Leben Nach seiner Heirat mit Johanna von Hachberg-Sausenberg erhob er auch Anspruch auf die badischen Herrschaften seines verstorbenen Schwiegervaters, die Herrschaft Rötteln und die Landgrafschaft Sausenberg, sowie die Herrschaft Badenweiler. Er konnte diesen Anspruch jedoch nicht durchsetzen und bewirkte durch sein Verhalten sogar noch den Verlust der Grafschaft Neuenburg.
Im November 1511 zogen die Eidgenossen über den Gotthard bis vor Mailand. Bereits während dieses Winterfeldzugs besetzten Truppen von Bern und Solothurn die Grafschaft NeuenburgAmtliche Sammlung der ältern Eidgenössischen Abschiede. Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1500 bis 1520. Band 3, Abtheilung 2., Abschiede. (1500–1520.), Abschied vom 17. Dezember 1511, S. 590 online bei der UB Düsseldorf, um ihre Grenze im Nordwesten gegen Frankreich zu sichern. Da Ludwig I. von Orléans-Longueville, bei der französischen Armee diente und Neuenburger Söldner dem französischen Heer zuführte, wurde die von ihm mitregierte Grafschaft zum Sicherheitsrisiko erklärt. Aufgrund des Protestes der anderen Kantone verständigten sich Bern und Solothurn zunächst mit Luzern und Fribourg im Juli 1512 auf eine gemeinsame Besetzung, da diese vier Kantone durch Burgrecht mit Neuenburg verbunden waren.Robert Glutz von Blotzheim: Geschichte der Eidgenossen vom Tode des Bürgermeisters Waldmann bis zum ewigen Frieden mit Frankreich.’ Zürich 1816, S. 288–290 online in der Google Buchsuche; nach Johann Jakob Hottinger: Neuenburg in seinen geschichtlichen und Rechtsverhältnissen zur Schweiz und zu Preussen. In: Archiv für schweizerische Geschichte, Band 9 (1853), S. 13–14 e-periodica hatte Ludwig I. von Orléans-Longueville auf der Tagsatzung in Zürich im April 1512 die eidgenössischen Stände durch sein Verhalten brüskiert.
1512 wurde Ludwig als Nachfolger seines Bruders, François II., Großkammerherr von Frankreich, was er bis zu seinem Tode blieb. 1515 folgte er seinem Bruder auch als 2. Herzog von Longueville. Er wurde 1513 von den Engländern in der Schlacht bei Guinegate gefangen genommen und nutzte seine Gefangenschaft in London um die Heirat des französischen Königs, Ludwig XII., mit Mary Tudor auszuhandeln. Während der Gefangenschaft hatte er eine Affäre mit der aus Frankreich stammenden Hofdame, Jane Popincourt.Kate Emerson: Secrets of the Tudor Court. The Pleasure Palace. S. 368–369; s. hierzu auch den Artikel in der englischen Wikipedia „Jane Popincourt“
1515 kämpfte Louis in der Schlacht bei Marignano. Im Mai 1516 kehrte Jane Popincourt nach Frankreich zurück, und im August verstarb Louis aus unbekannter Ursache.
Literatur Père Anselme, Histoire généalogique et chronologique, Band 1, 1726, S. 217f Johann Christian von Stramberg: Orleans. In: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Section 3, 5. Theil, Brockhaus, Leipzig 1834, hierzu s. S. 393 online in der Google-Buchsuche Johann Christian von Stramberg: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius. Der Rheingau, II. Abtheilung 10. Band, Coblenz 1861, S. 24–26 Google Digitalisat Ch. Chatelain: Une lettre de Louis d'Orléans-Longueville. 1509. In: Musée neuchâtelois, Band 35 (1898), S. 162–164 Digitalisat auf doc.rero.ch
Weblinks Eintrag auf www.histoireeurope.fr (französisch) Eintrag auf gw.geneanet.org
Einzelnachweise
Kategorie:Herzog (Longueville) Kategorie:Graf (Neuenburg) Kategorie:Großkammerherr von Frankreich Kategorie:Familienmitglied des Hauses Orléans-Longueville Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1480 Kategorie:Gestorben 1516 Kategorie:Mann