Twin Peaks (Alternativtitel: Das Geheimnis von Twin Peaks) ist eine US-amerikanische Fernsehserie aus den Jahren 1990, 1991 und 2017, entwickelt von David Lynch und Mark Frost. Sie lässt sich den Genres Kriminalfilm, Mystery- und Horrorfilm zuordnen, enthält aber auch Elemente einer klassischen Seifenoper. Während der Ermittlungen an einem Mordfall wird ein Labyrinth aus Lügen, Gewalt, Sex und Drogen aufgedeckt, das sich hinter der idyllischen Fassade der Kleinstadt Twin Peaks im äußersten Nordwesten der USA verbirgt. Ab der zweiten Staffel treten dabei auch übernatürlich-phantastische Elemente immer stärker in den Vordergrund.

Der Pilotfilm Das Geheimnis von Twin Peaks wurde von dem US-amerikanischen Fernsehsender ABC am 8. April 1990 ausgestrahlt, die erste deutsche Synchronfassung am 10. September 1991 auf RTL plus. Es folgten 29 Folgen der ersten und zweiten Staffel. Ein Kinofilm Twin Peaks – Der Film als Prequel der Serie wurde 1992 veröffentlicht.

Twin Peaks wurde unter anderem mit drei Golden Globes und zwei Emmys ausgezeichnet. Die Kritiker lobten vor allem die erste Staffel, die das US-Fernsehen prägend verändert und mit Witz und Humor gepunktet habe. Auf der Website Metacritic, welche Kritiken verschiedener Redaktionen zusammenfasst, liegt der Metascore der ersten Reihe bei 96 Prozent.Twin Peaks: Metascore von Metacritic, 11. April 2017.

Im Oktober 2014 wurde bekannt, dass Showtime eine Wiederbelebung der Serie in Form einer dritten Staffel plante. Die 18 Teile wurden vom 21. Mai bis 3. September 2017 gesendet. In Deutschland sicherte sich Sky Deutschland die Rechte und zeigte die Folgen ab dem 22. Mai 2017 im Originalton parallel zur US-Ausstrahlung bzw. in der deutschen Synchronfassung vier Tage später auf Sky Atlantic.

Im Jahr 2026 sind alle drei Staffeln in der Arte-Mediathek abrufbar.

Erste und zweite Staffel Handlung alternativtext=|mini|hochkant|Halsbanddrossel Einen bleibenden Eindruck, besonders durch die Musik, hinterlässt die Eröffnungssequenz der Folgen der ersten und zweiten Staffel. Eine Halsbanddrossel hebt den Kopf, Rauch steigt aus Schornsteinen in den Winterhimmel. Funkensprühende Schleifscheiben schärfen Kreissägeblätter. Dann an der Landstraße ein Ortsschild Welcome; Twin Peaks mit der Einwohnerzahl 51201, dahinter die namensgebende doppelte Bergspitze.

Leitthema der ersten Staffel und ersten Hälfte der zweiten Staffel ist die Aufklärung des Mordes an Laura Palmer, geführt durch den FBI-Agenten Dale Cooper sowie durch die Angestellten des örtlichen Polizeireviers. Im Zuge der Ermittlungen kommen die Abgründe des idyllisch scheinenden Kleinstadtlebens zum Vorschein. Dabei verstanden es die Macher, Plotelemente US-amerikanischer Kriminalserien mit ironisch-überhöhten Stilmitteln der Seifenoper zu mischen und außerdem zahlreiche surreale Elemente einzuweben. Die Serie verwebt verschiedene Handlungsstränge an markanten Orten in der Stadt und zeigt die überraschenden, leidenschaftlichen, manchmal intriganten Verbindungen ihrer Bewohner. Mysteriöse und übernatürliche Ereignisse halten Einzug. Die Untersuchung findet in Folge 9 der zweiten Staffel mit der Überführung und dem Tod des Mörders von Laura Palmer, ihrem Vater Leland, ihren Abschluss. Der wahre Täter, ein dämonischer Geist namens BOB, der in der Lage ist, von Menschen Besitz zu ergreifen, kann jedoch nicht vernichtet werden.

Die restliche zweite Staffel dreht sich um die Suche nach Coopers ehemaligem FBI-Kollegen und Mentor Windom Earle. Cooper hatte einst eine Affäre mit Earles Ehefrau. Earle ermordete seine Frau im Wahn und wurde dafür in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Earle gelingt die Flucht nach Twin Peaks, wo er Cooper ein aus der Ferne geführtes Schachspiel aufzwingt, bei dem für jede geschlagene Figur ein Mensch sein Leben verliert. Während Cooper und seine Helfer des Sheriffbüros fieberhaft nach einer Spur des flüchtigen Ex-Polizisten suchen, finden sie heraus, dass Windom Earles eigentliches Ziel die Suche nach der sogenannten Schwarzen Hütte ist. Dieser mystische Ort in den Wäldern von Twin Peaks gilt als Sammelpunkt des Bösen, von dem aus auch der böse Geist BOB die Stadt bedroht. Earle hofft, mit Hilfe der Schwarzen Hütte große Macht zu erlangen.

Als Earle Coopers neue Liebe Annie Blackburn entführt, folgt Cooper ihm in die Schwarze Hütte. Dort wird Earle nach einem missglückten Mordversuch an Cooper von BOB getötet und Cooper erhält Einblick in die Natur des Ortes. Er trifft dort auch auf seinen bösartigen Doppelgänger, sein Schattenselbst. Cooper kann die Schwarze Hütte zusammen mit Annie wieder verlassen, jedoch muss der Zuschauer im finalen Cliffhanger erleben, dass der echte Cooper in der schwarzen Hütte verblieb, wohingegen sein Schattenselbst mit BOB verschmolzen in Twin Peaks angekommen ist. Die Serie endete mit einem lange Zeit als solchem angenommenen offenen Schluss.

Entstehung und Produktion David Lynch und Mark Frost erarbeiteten auf Initiative ihres gemeinsamen Agenten Tony Krantz ab 1986 zunächst ohne positive Resonanz Drehbücher wie Goddess oder One Saliva Bubble (1987). Krantz schlug daraufhin vor, sich an einer Fernsehserie zu versuchen. Er sah die Chance, Frosts Erfahrung von Polizeirevier Hill Street mit Lynchs visionärem Denken zu verbinden.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 152. Nach einem ersten Misserfolg verfassten beide im August 1988 ein neues Drehbuch. Diesem lag die Idee zugrunde, in einer Seifenoper einen Mord geschehen zu lassen, auf dem anschließend der gesamte Inhalt aufbaut. Handlungsort sollte eine Kleinstadt im Norden der USA sein, zwischen zwei Bergen gelegen; die Autoren benannten ihr Projekt Twin Peaks (Zwillingsgipfel).Twin Peaks – Definitive Gold Box Edition (DVD): Die Entstehung von Twin Peaks.

Nach drei Monaten fruchtbarer Diskussion schrieben Lynch und Frost in zehn Tagen das Drehbuch für den Pilotfilm Das Geheimnis von Twin Peaks.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 154. Der Fernsehsender ABC zeigte sich bereit, diesen zu finanzieren und ließ dabei relativ viel Freiraum. Den passenden Drehort fand man 50 Kilometer östlich von Seattle in Snoqualmie und North Bend. Hier fanden die Autoren den vorgesehenen See mit einem Wasserfall und zwei schneebedeckte Berge am Horizont, Mount Si und den Little Si.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 157. Unter der Regie von Lynch wurden dort im März 1989 die Außenaufnahmen gedreht, die Innenszenen entstanden in den City-Studios im San Fernando Valley. „In 21 Drehtagen war die Sache im Kasten […] Den Verantwortlichen bei ABC gefiel meine Arbeit, aber gleichzeitig hatten sie Angst“, erinnerte sich Lynch. Eine Vorführung für internationale Programmeinkäufer im Mai 1989 wurde zu einem großen Erfolg. ABC gab eine provisorische Reihe von sieben Folgen in Auftrag, die erste Staffel. Twin Peaks wurde später in 55 Länder verkauft.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 158.

Im September 1989 wurde der Pilotfilm auf dem Telluride Film Festival offiziell uraufgeführt. Die Kritiken fielen positiv bis lobend aus, trotzdem befürchtete der Sender, eine Serie für bloße Filmliebhaber produziert zu haben.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 160. Als der Film schließlich am 8. April 1990 im US-amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, wurde klar, dass man einen Hit gelandet hatte: 35 Millionen Zuschauer verfolgten den Pilot, was einem Anteil von 33 Prozent entsprach. Aufgrund der überraschend guten Resonanz wurden Mark Frost und David Lynch von ABC im Mai 1990 beauftragt, für die zweite Staffel einen weiteren Pilotfilm und weitere zwölf Folgen zu produzieren.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 162. Dabei drängte der Sender Lynch und Frost, den Mörder von Laura Palmer zu enthüllen, was sie zu dem Zeitpunkt nicht beabsichtigt hatten. Nach der Enthüllung gegen Mitte der zweiten Staffel verlor die Serie mehr und mehr Zuschauer. Der Eingriff des Senders änderte das Skript und den geplanten Serienverlauf. Auch der interessierte Publikumskern wurde durch die Anhäufung von Mystery-Aspekten und einen dem bisherigen Serienverlauf nicht entsprechenden Tiefegrad wie auch Verästelung des Stoffes überfordert. Der teils für die dritte Staffel vorgesehene Stoff musste – soweit vorhanden – von Mark Frost in das Skript der zweiten Staffel eingearbeitet werden, da die Produktion am Ende der zweiten Staffel eingestellt wurde. Mark Frost arbeitete seine jahrelange, aber zuletzt durch die Einstellung der Serie gehemmte Beschäftigung mit dem Twin-Peaks-Stoff in seinem Buch Sieben auf.

Ausstrahlung mini|Die Southeast Reinig Road nähe Snoqualmie (Washington) diente als Kulisse für das Poster.

Bei der US-Ausstrahlung wurden die einzelnen Folgen von der „Log Lady“ eingeführt – weil es bei der deutschen Erstausstrahlung noch unüblich war mit der Handlung noch vor den Titelsequenzen zu beginnen, erfuhren diese Passagen ihre Premiere erst mit der DVD-Veröffentlichung. Im US-amerikanischen Original hatten die einzelnen Folgen der ersten Staffel keine Titel. Für die deutsche Fernsehausstrahlung entwarf RTL plus Titel, die wiederum bei der Wiederholung der Serie im US-Kabelfernsehen ins Englische übersetzt und später weltweit übernommen wurden. Für die zweite Staffel legte David Lynch eigene Titel fest.

Der große Erfolg in Deutschland blieb vielleicht nicht zuletzt deshalb aus, weil RTL plus die Serie freitags um 21:10 Uhr ausstrahlte,Twin Peaks im Fernsehen. In: fernsehserien.de. Abgerufen am 29. September 2023. eine Zeit mit traditionell geringen Quoten bei der Hauptzielgruppe der Serie. Zusätzlich verriet der Konkurrenzsender Sat.1 den Namen von Laura Palmers Mörder auf der Startseite (100) seines Videotext-Angebots. RTL plus sicherte sich nur die Rechte für den Pilotfilm und die ersten zwanzig Folgen der Serie. Nach der Aufklärung des Mordes in der Serie versendete RTL plus seine letzten vier Folgen am Vorabend um 17:55 Uhr, so dass aufgrund der zeitgleich ausgestrahlten Regionalprogramme in Deutschland auch empfangstechnisch nur eine geringere Reichweite erzielt werden konnte. Die letzten Folgen wurden schließlich in Deutschland von Tele 5 unter dem Titel Twin Peaks – Das Geheimnis geht weiter nachgereicht.Michael Reufsteck, Stefan Niggemeier: Das Fernsehlexikon, S. 446, Wilhelm Goldmann Verlag, München 2005, ISBN 3-442-30124-6.

Auszeichnungen (Auswahl) mini|hochkant|Kyle MacLachlan (Special Agent Dale Cooper) bei der Primetime-Emmy-Verleihung 1991 Twin Peaks wurde mit dreizehn Filmpreisen ausgezeichnet und für 39 weitere nominiert. 1990 bekam die Serie 14-Emmy-Nominierungen, konnte aber nur 2 davon gewinnen. Mark Frost dazu: „Die Emmy-Academy, die Television Academy of Arts and Sciences oder wie sie sich nennen, ist eine sehr konservative, unflexible Organisation. Und sie sind nicht offen für Innovation bei den Auszeichnungen. Für mich war das eine Bestätigung unseres Außenseiterstatus. Wir haben nicht versucht, konventionell zu sein. Warum sollten wir konventionelle Auszeichnungen erwarten?“

Darüber hinaus wurden Kyle MacLachlan, Piper Laurie sowie das Schöpferteam Lynch/Frost 1991 mit jeweils einem Golden Globe ausgezeichnet. Johanna Ray bekam einen Artios-Award der Casting Society of America für das beste Casting in einer Fernsehserie verliehen und die Serie wurde mit dem britischen Broadcasting Press Guild Award für die beste ausländische Fernsehserie geehrt.

Bezüge