mini|hochkant=1.2|Das Pantheon an der Piazza della Rotonda (2016) mini|hochkant=1.2|Das Pantheon bei Nacht (2019) mini|hochkant=1.2|Kuppel des Pantheons von Nordwesten aus gesehen (2019) Das Pantheon ( oder auch , von „all“, „gesamt“, und „Gott“) ist ein zur Kirche umgeweihtes antikes Bauwerk in Rom. Als römisch-katholische Kirche lautet der offizielle italienische Name ().
Nach einer seit dem Mittelalter gebräuchlichen Namensform Sancta Maria Rotunda wird das Bauwerk in Rom umgangssprachlich auch als La Rotonda bezeichnet.
Das möglicherweise bereits unter Kaiser Trajan um 114 n. Chr. begonnene und unter Kaiser Hadrian zwischen 125 n. Chr. und 128 n. Chr. fertiggestellte Pantheon hatte mehr als 1700 Jahre lang, bezogen auf den Innendurchmesser, die größte Kuppel der Welt. Es gilt als eines der am besten erhaltenen Bauwerke der römischen Antike. Das Pantheon besteht aus zwei Hauptelementen: einem Pronaos mit rechteckigem Grundriss und Tempelfassade im Norden sowie einem kreisrunden, überkuppelten Zentralbau im Süden. Ein Übergangsbereich vermittelt zwischen beiden Gebäudeteilen, die sich ergebenden Zwickel der Schnittstellen werden für Treppenhäuser genutzt.
Erbaut auf dem Marsfeld, war das Pantheon vermutlich ein allen Göttern Roms geweihtes Heiligtum. Der Historiker Cassius Dio berichtet, dass dort Statuen des Mars und der Venus sowie weiterer Götter und eine Statue des als Divus Iulius unter die Götter aufgenommenen Gaius Iulius Caesar aufgestellt waren. Welche Götter insgesamt hier verehrt werden sollten, ist jedoch umstritten, zumal nicht restlos geklärt ist, ob das Pantheon seiner Urbestimmung nach ein Tempel oder ein imperialer Repräsentationsbau war, der trotz seiner der Sakralarchitektur entlehnten Elemente säkularen Zwecken diente.Gert Sperling: Das Pantheon in Rom, Abbild und Maß des Kosmos. Vorwort VII-XVI und Einleitung S. 1–12.
Am 13. Mai vermutlich des Jahres 609 wurde das Pantheon in eine christliche Kirche umgewandelt, nachdem es Kaiser Phokas dem Papst Bonifatius IV. geschenkt hatte, und der heiligen Maria sowie allen christlichen Märtyrern geweiht. In ihr werden vor allem an hohen Feiertagen Messen gefeiert. Die Kirche wurde am 23. Juli 1725 von Papst Benedikt XIII. zur Titeldiakonie erhoben. Papst Pius XI. übertrug diese am 26. Mai 1929 an die 400 Meter entfernte Kirche Sant’Apollinare. Santa Maria ad Martyres trägt den Titel einer Basilica minor und ist der Pfarrgemeinde Santa Maria in Aquiro angeschlossen. Das Gebäude gehört dem italienischen Staat und wird vom Kulturministerium unterhalten.
Der Einfluss des Pantheon auf die Architekturgeschichte vor allem der Neuzeit ist enorm. Der Begriff Pantheon wird heute auch allgemein auf ein Gebäude angewendet, in dem bedeutende Persönlichkeiten bestattet sind, was von der späteren Nutzung des römischen Pantheon herrührt.
Baugeschichte mini|hochkant|Grundriss des unter Hadrian fertiggestellten Pantheon Das Pantheon ist der Nachfolger eines Tempels, den der Konsul Agrippa nach seinem Sieg bei Actium von 27 bis 25 v. Chr. zu Ehren seines Freundes und Förderers Augustus am selben Ort hatte errichten lassen. Dieser Vorgängerbau war bereits als Rundbau angelegt und hatte etwa die gleichen Ausmaße und dieselbe Ausrichtung wie das heute zu sehende Gebäude. Er wurde während eines Feuers im Jahr 80 n. Chr. beschädigt und unter Kaiser Domitian restauriert. Eindeutige Spuren dieser Maßnahme konnten nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise sind Spuren des zugehörigen Fußbodenniveaus zwischen dem des ersten und dem des heutigen Gebäudes erhalten.Doris und Gottfried Gruben: Die Türe des Pantheon. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts. Römische Abteilung. Band 104, 1997, S. 3–74, hier: S. 59; das „domitianische“ (?) Niveau abgebildet bei Luca Beltrami: Il Pantheon: La struttura organica della cupola e del sottostante tamburo, le fondazioni della rotonda, dell’ avancorpo, e del portico, avanzi degli edifici anteriori alle costruzioni adrianee. Relazione delle indagini eseguite dal R. Ministero della Pubblica Istruzione negli anni 1892–93, coi rilievi e disegni dell’ architetto Pier Olinto Armanini. Mailand 1898, S. 48, Abb. 15 (PDF).
Im Jahr 110 brannte das Pantheon infolge eines Blitzschlages erneut ab. Die Forschung schreibt den Wiederaufbau traditionell Kaiser Hadrian zu und datiert dessen Errichtung auf die Jahre zwischen 118 und 125. Jüngste, noch nicht eingehend diskutierte Forschungsergebnisse lassen aufgrund von Ziegelstempeln eine Bauzeit bereits von 114 bis 119 n. Chr. möglich erscheinen, also einen Baubeginn noch unter Hadrians Vorgänger Trajan.Lise M. Hetland: Dating the Pantheon. In: Journal of Roman Archaeology. 20, 2007, S. 95–112; vgl. Geneviève Lüscher: Des Kaisers neue Ziegel. In: Die Zeit. Nummer 52/2006; ablehnend Mary T. Boatwright: Hadrian and the Agrippa Inscription of the Pantheon. In: Thorsten Opper (Hrsg.): Hadrian. Art, Politics and Economy. British Museum, London 2013, S. 19–30. Lothar Haselberger und Doris Gruben beispielsweise errechnen einen Baubeginn 114/115; Lothar Haselberger: Entzifferung eines antiken Werkplanes. In: Spektrum der Wissenschaft. August 1995, S. 296 f.; Doris Gruben, Gottfried Gruben: Die Türe des Pantheon. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung. Band 104, 1997, S. 3–74. Wer als Architekt dieses größten und vollkommensten Rundbaus des Altertums in Frage kommt, steht nicht fest. Die Zuweisung der Bauplanung an den Architekten Apollodor von Damaskus, den leitenden Architekten Trajans, der für zahlreiche Großbauten dieses Kaisers verantwortlich zeichnete, ist umstritten.Wolf-Dieter Heilmeyer: Apollodorus von Damaskus, der Architekt des Pantheon. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 90, 1975, S. 316–347; unterstützend Lothar Haselberger: Ein Giebelriss der Vorhalle des Pantheon. Die Werkrisse vor dem Augustusmausoleum. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung, Band 101, 1994, S. 279–309, hier S. 296–298; dagegen skeptisch etwa . Einhellig wird davon ausgegangen, dass Hadrian den Tempel eingeweiht hat.
Ob und wie lange man das Pantheon danach kultisch genutzt hat, lässt sich aufgrund der mangelhaften literarischen Quellenlage nicht genau bestimmen. Der Geschichtsschreiber Cassius Dio erwähnt, dass Hadrian dort Gericht abgehalten habe.Cassius Dio 69 (68),7,1. Um das Jahr 230 berichtet Iulius Africanus von „der schönen Bibliothek des Pantheon, die ich selbst dem Kaiser eingerichtet habe“.Papyrus Oxyrhynchus III 412: „in Rom bei den Thermen des Alexander in der schönen Bibliothek des Pantheon, die ich selbst dem Kaiser er-/eingerichtet habe“ (). Wie die Stelle aufzufassen ist, ist unklar. Befunde, die mit einer Bibliothek zu verbinden sind, liegen im Pantheon selbst nicht vor.Möglicherweise schrieb Iulius Africanus nur allgemeiner von dem durch Severus Alexander erneuerten „Pantheonkomplex“, zu dem neben den inschriftlich gesicherten Arbeiten am Pantheon selbst auch Umbauten der Thermen des Nero, die danach den Namen Alexanders trugen, zählten; zur Problematik mit älterer Literatur siehe Jürgen Hammerstaedt: Julius Africanus und seine Tätigkeit im 18. Kestos (P.Oxy. 412 col. II). In: Martin Wallraff, Laura Mecella (Hrsg.): Die Kestoi des Julius Africanus und ihre Überlieferung (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Band 165). De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021958-6, S. 53–70, hier: S. 66–68. Spätestens Anfang des 5. Jahrhunderts, unter Kaiser Honorius, muss der Tempelbetrieb endgültig eingestellt worden sein. Der oströmische Kaiser Phokas schenkte „den Tempel, der Pantheon genannt wird“ (templum qui (sic!) appellatur Pantheum), im Jahre 608 Papst Bonifatius IV.Liber pontificalis 69,2 (I 317,2/4 Duchesne) (). Dieser weihte am 13. Mai vermutlich des Jahres 609Zur Weihung am 13. Mai siehe Theodor Klauser: Das römische Capitulare Evangeliorum. Texte und Untersuchungen zu seiner ältesten Geschichte (= Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen. Band 28). 2. Auflage. Aschendorff, Münster 1972, S. 73; zu einer Datierung in das Jahr 613 siehe Sible De Blaauw: Das Pantheon als christlicher Tempel. In: Ulrich Real, Martina Jordan-Ruwe (Hrsg.): Bild und Formensprache der spätantiken Kunst. Hugo Brandenburg zum 65 Geburtstag (= Boreas. Münstersche Beiträge zur Archäologie. Band 17). Münster 1994, S. 13–26 (Online); zu einer Datierung in das Jahr 609 mit Diskussion älterer Ansätze siehe Martin Wallraff: Pantheon und Allerheiligen. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Band 47, 2004, S. 128–143; hier: S. 139 mit Anmerkung 55 (PDF). das Pantheon dem Patrozinium Sancta Maria ad Martyres, dem Gedächtnis Mariens und aller Märtyrer. Dies ist der Ursprung des in der Westkirche seit dem Jahre 835 am 1. November begangenen Festes Allerheiligen.Martin Wallraff: Pantheon und Allerheiligen. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Band 47, 2004, S. 128–143. Einer mittelalterlichen Legende nach, die in gedruckter Form wohl erstmals bei Pompeo Ugonio (um 1550–1614) vorliegt,Pompeo Ugonio: Historia delle stationi di Roma che si celebrano la Quadragesima. Rom 1588, fol. 313 (Google Books). hatte Bonifatius IV. 28 Wagenladungen mit Gebeinen von Märtyrern aus den Katakomben in die Kirche bringen lassen.Vgl. Martin Wallraff: Pantheon und Allerheiligen. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Band 47, 2004, S. 128–143; hier: S. 141 mit Anmerkung 63.
Als der oströmische Kaiser Konstans II. im Jahr 663 Rom besuchte, ließ er die vergoldeten Bronzeplatten der Kuppelverkleidung abnehmen und nach Konstantinopel schaffen.Liber Pontificalis 78,3 (I 343,14/15 Duchesne) (); Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 5,11. Papst Gregor III. sorgte 735 für eine neue Bleiverdachung.Liber Pontificalis 92,12 (I 419,17/18 Duchesne) (). Zu einem unbekannten Zeitpunkt in nachantiker Zeit wurden zwei Säulen auf der Ostseite des Pronaos entfernt, die Papst Alexander VII. im 17. Jahrhundert durch Säulen aus den Nerothermen ersetzen ließ. mini|Das Pantheon um 1836 mit den von Bernini entworfenen Glockentürmen über dem Pronaos Im Jahr 1270 wurde ein romanischer Glockenturm über dem Pronaos errichtet.Zur diesbezüglichen Inschrift, die heute im Pronaos des Pantheon angebracht ist, siehe Fine Licht: The Rotunda in Rome. S. 240. 312 Anm. 10. Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wurde der Platz vor dem Pantheon im Auftrag mehrerer Päpste freigeräumt und eingeebnet, so dass die heutige Piazza della Rotonda entstand. Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Pantheon zur Grabeskirche bedeutender Persönlichkeiten, später auch des italienischen Königshauses. Im 17. Jahrhundert veranlasste Papst Urban VIII. aus der Familie der Barberini die Entfernung der bronzenen Platten, mit denen der Dachstuhl des Pronaos verkleidet war, und ließ sie größtenteils zu 80 Kanonen für die Engelsburg verarbeiten, zum Teil aber auch für das Ziborium des Petersdoms verwenden. Die Bevölkerung Roms prägte daraufhin das Sprichwort („Was die Barbaren nicht schafften, das schafften die Barberini“). Anstelle des Glockenturms aus dem 13. Jahrhundert ließ Urban zwei von Bernini entworfene Türme im Osten und Westen des Pronaos errichten. An die beiden Baumaßnahmen – die Einschmelzung der bronzenen Deckenplatten und die Errichtung der beiden Türme – erinnern zwei Inschriften in der Vorhalle des Pantheon.Klaus Bartels: Roms sprechende Steine. Inschriften aus zwei Jahrtausenden gesammelt, übersetzt und erläutert. 4. Auflage, Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4478-4, S. 85–86. 1883 wurden die Türme – mittlerweile als orecchie d’asino (Eselsohren)turismoroma.it Abgerufen am 10. November 2023 verspottet – wieder abgerissen.
Insgesamt gehört das Pantheon zu den am besten erhaltenen Bauten der römischen Antike, was vor allem seiner recht frühen Umwandlung in eine Kirche zu verdanken ist.
Baubeschreibung mini|Rückseite des Pantheon
Das Pantheon Agrippas