Auf den Spuren von Marco Polo (italienisch: Sulle Tracce di Marco Polo) ist ein Brettspiel der italienischen Spieleautoren Daniele Tascini und Simone Luciani, das 2015 erschien. Das Spiel gewann den Deutschen Spielepreis 2015 und wurde im gleichen Jahr auf die Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres aufgenommen. Zudem gewann es den Mehrspieler-Award beim International Gamers Award 2015 und wurde 2016 mit dem Expertenpreis des Nederlandse Spellenprijs ausgezeichnet.

Hintergrund und Material In dem Spiel Auf den Spuren von Marco Polo wird auf die historische Reise des Marco Polo nach China und seinen Errungenschaften aufgebaut. In der Rolle verschiedener Charaktere mit unterschiedlichen Sondereigenschaften folgen die Spieler den Spuren des Marco Polo auf dessen Reisen von Venedig bis Beijing und nutzen ihre Fähigkeiten für den Handel und zur Vermehrung ihres Vermögens. Das Spiel wird dabei über fünf Runden gespielt, in denen die Spieler die ihnen zur Verfügung stehenden Würfelwerte einsetzen müssen, um bis zum Ende des Spiels die maximale Anzahl von Siegpunkten zu erhalten.

Das Spielmaterial besteht neben der Spieleanleitung mit einem Beiblatt in mehreren Sprachen aus: einem Spielplan zehn Charakterkarten einem Startspielermarker in Form einer Sanduhr vier Spielertableaus 12 Holzfiguren (je 3 in den Spielerfarben Blau, Gelb, Grün und Rot) 26 Würfel (je 5 in den Spielerfarben Blau, Gelb, Grün und Rot, 5 in Schwarz und einer in Weiß) sechs Stadtbonus-Marker zehn Kontorboni 40 Münzen (20×1, 10×5, 10×10) 44 unterschiedliche Aufträge vier 50/100er-Punktekarten 18 Zielkarten 31 Stadtkarten 15 Goldbarren (12 kleine und 3 große) 15 Seidebündel (12 kleine und 3 große) 16 Pfeffersäcke (12 kleine und 4 große) 27 Kamele (20 kleine und 7 große) 38 Handelsposten (je 9 in den Spielerfarben Blau, Gelb, Grün, Rot und 2 in Schwarz) fünf Übersichtskärtchen

Spielweise Spielvorbereitung Zum Beginn des Spiels wird der Spielplan in der Tischmitte platziert und das Spielfeld aufgebaut. Die 50/100er-Punktekarten werden neben die 50 auf der Zählleiste gelegt. Die sechs Stadtbonus-Marker werden entsprechend ihrer Kennzeichnung auf die 6 kleinen Städte verteilt, danach werden die zehn Kontorboni gemischt und auf jede größere Stadt wird eines platziert, überzählige Boni werden aus dem Spiel genommen. Die 31 Stadtkarten werden ebenfalls gemischt, danach wird jeweils eine Karte offen auf die neun Stadtkartenfelder auf dem Spielplan gelegt, überzählige Karten werden ebenfalls aus dem Spiel genommen. Die 18 Zielkarten werden gemischt und als verdeckter Stapel bereitgelegt. Das Geld, die Kamele und die Waren (Seide, Gold, Pfeffer) werden jeweils als Vorrat neben den Spielplan gelegt. Die blau gekennzeichneten Startaufträge werden erstmal beiseite gelegt, die restlichen rot gekennzeichneten Auftragskarten werden gemischt und in fünf Stapeln mit je sechs Karten verdeckt unter dem Spielplan platziert, die übrigen Karten kommen abseits dieser Stapel neben den Spielplan als Sonderstapel. Der erste der fünf Stapel wird mit je einem Auftrag offen auf die sechs Auftragsfelder des Spielplans ausgelegt. Die fünf schwarzen Würfel werden auf das Feld des Spielplans abgelegt, das einen schwarzen Würfel zeigt. Auch die zehn Charakterkarten werden offen neben dem Spielplan bereitgelegt.

Nachdem das Spielfeld vollständig aufgebaut ist, wählt jeder Spieler eine Farbe und bekommt das entsprechende Spielertableau, das er vor sich ablegt. Danach bekommt jeder Spieler fünf Würfel in seiner Farbe und legt diese auf das entsprechende Feld des Tableaus. Jeder Spieler bekommt neun Handelsposten in seiner Farbe und stellt diese auf die eingezeichneten Felder. Zudem bekommt er zwei Kamele, die auf das Lager gelegt werden, sowie Geldmünzen, wobei der Startspieler Münzen im Wert von 7 Geld und danach jeder Spieler im Uhrzeigersinn ein Geld mehr erhält. Jeder Spieler zieht nun einen der blau gekennzeichneten Startaufträge und legt diesen auf sein Auftragsfeld. Zusätzlich bekommt jeder Spieler zwei Zielkarten vom Stapel, die er sich ansieht und verdeckt ablegt. Außerdem nimmt sich jeder Spieler zwei Spielfiguren in seiner Farbe stellt eine auf das Feld 50 der Zählleiste und die andere auf die Stadt Venezia. Zuletzt bekommt jeder Spieler noch eine Charakterkarte, die den Spielern spezielle Sonderfähigkeiten geben. Für das erste Spiel werden dabei vier Charaktere empfohlen, in der Profivariante darf ein Charakter aus den zehn vorhandenen Charakteren ausgewählt werden:

CharakterEigenschaft Raschid ad-Din Sinan Empfohlen für das erste Spiel; Der Spieler mit diesem Charakter würfelt nicht und kann seine Würfelaugenzahl, auch bei schwarzen Würfeln, jeweils selbst bestimmen. Er bekommt keinen Würfelausgleich beim Rundenbeginn, er muss wie alle anderen bezahlen, wenn er ein bereits besetztes Feld nutzen möchte. Matteo Polo Empfohlen für das erste Spiel; Der Spieler mit diesem Charakter bekommt jeweils zum Rundenbeginn einen weißen Würfel und den jeweils obersten Auftrag vom Sonderstapel. Berke Khan Empfohlen für das erste Spiel; Der Spieler mit diesem Charakter muss nicht bezahlen, wenn er ein bereits besetztes Feld nutzen möchte. Besetzte Stadtkarten darf er, wie alle anderen Spieler, auch nicht nutzen. Johannes Caprini Der Spieler mit diesem Charakter darf in seiner Bewegung von einer Oase auf dem Spielplan zu jeder beliebigen anderen Oase springen, der Sprung kostet einen Bewegungspunkt. Er bekommt zudem zu Beginn jeder Runde 3 Geld. Niccolo & Marco Polo Der Spieler mit diesem Charakter bekommt eine zweite Figur, die er auf der Landkarte ziehen kann. Beide Figuren starten in Venezia; die Schrittanzahl kann auf beide Figuren verteilt werden, die Kosten der Reise müssen vor dem Zug für beide Figuren bezahlt werden. Zudem bekommt der Spieler vor Beginn jeder Runde ein Kamel. Kubilai Khan Der Spieler mit diesem Charakter beginnt in Beijing und setzt seine Figur dort ein. Er bekommt zudem bereits seinen ersten Handelsposten und setzt diesen auf das Feld mit der 10 in Beijing. Wilhelm von Rubruk Der Spieler mit diesem Charakter bekommt zusätzlich zu den eigenen zwei schwarze Handelsposten. Wenn er es schafft, bis zum Spielende alle 11 Handelsposten zu verteilen, bekommt er in der Endwertung 10 zusätzliche Punkte. Er setzt in jeder großen und kleinen Stadt einen Handelsposten ab, auch wenn seine Reise dort nicht endet. Erst nach der kompletten Bewegung bekommt er für alle in dieser Bewegung gesetzten Handelsposten die entsprechenden Boni. Er darf zudem hin- und herziehen, darf in jeder Stadt jedoch nur einen Handelsposten besitzen. Mercator ex Tabriz Empfohlen für das erste Spiel; der Mercator ex Tabriz kommt dreimal vor und hat abhängig von der Spieleranzahl unterschiedliche Eigenschaften: Im Spiel mit vier Personen bekommt er jedes Mal, wenn ein anderer Spieler zum Markt geht, eine Ware der Sorte, die der andere Spieler genommen hat. Dies gilt auch für Kamele, die in der Wertung nicht als Ware gelten. Im Spiel mit drei Personen bekommt der Spieler zusätzlich zu den Eigenschaften des Vier-Personen-Spiels jedes Mal, wenn ein Spieler die Gunst des Khans ausführt, ein Kamel. Im Spiel zu zweit bekommt der Spieler zusätzlich zu den Eigenschaften des Drei-Personen-Spiels jedes Mal, wenn ein Spieler 5 Geld nimmt, 2 Geld.

Spielablauf Ein Spiel läuft über insgesamt fünf Runden mit jeweils mehreren Zügen, in denen die Spieler jeweils alle ihre Würfel einsetzen. Die Spieler können sich im Rahmen des Spiels dabei in jeder Runde für verschiedene Aktionen entscheiden, bei denen sie ihre Würfel auf den verschiedenen Aktionsfeldern platzieren. Sie versuchen, durch das Ausführen von Aufträgen möglichst viele Punkte für die Schlusswertung zu bekommen. Dabei müssen sie Handel treiben, Geld erwirtschaften und durch den Besuch der Städte und Kontore auf dem Spielplan ihre Ziele erreuchen und sich weitere Vorteile zu verschaffen.

Zu Beginn jeder Runde wird ein Startspieler bestimmt, der die Sanduhr als Startspielermarkierung erhält. Ab der zweiten Runde wird immer der Spieler Startspieler, der als letzter die Aktion „Reisen“ durchgeführt hat. Hat in der vergangenen Runde niemand eine Reise unternommen, bleibt derjenige Startspieler, der es bereits in der Vorrunde war. Danach würfeln alle Spieler ihre Würfel und platzieren sie mit den geworfenen Werten auf dem Spielertableau. Hat ein Spieler weniger als 15 Würfelaugen, so bekommt er für jedes Auge unter der 15 ein Kamel oder ein Geld als Ausgleich. Ab der zweiten Runde werden zu Beginn zudem die Stadt- und Charakterboni ausgeschüttet, falls vorhanden. In der Runde würfeln alle Spieler reihum, bis kein Spieler mehr Würfel einsetzen kann.

In den einzelnen Zügen der Runde führt der Spieler eine von sechs möglichen Aktionen sowie zusätzlich beliebig viele Nebenaktionen durch. Dabei muss er pro Aktion immer so viele Würfel auf ein Aktionsfeld setzen, wie auf diesem abgebildet sind. Er setzt die Würfel auf ein freies braunes oder blaues oder auf ein schon besetztes blaues Aktionsfeld und führt die zugehörige Aktion aus. Ist ein blaues Aktionsfeld bereits besetzt, so setzt er seine Würfel auf die bereits vorhandenen und muss Geld bezahlen, um das Aktionsfeld dennoch nutzen zu können. Er bezahlt in diesem Fall so viel Geld, wie sein niedrigster Würfel Augen zeigt. Jedes Aktionsfeld darf nur einmal von der gleichen Spielerfarbe genutzt werden, ein Spieler kann jedoch zusätzlich schwarze und weiße Würfel einsetzen. Nach dem Platzieren der Würfel wird die Aktion sofort ausgeführt, dabei geben die eingesetzten Würfel mit der niedrigsten Augenzahl an, wie oft eine Aktion maximal ausgeführt werden darf oder wie viel die Aktion dem Spieler maximal einbringt. Er darf sich allerdings auch dazu entscheiden, die Aktion weniger oft ausführen oder weniger für eine Aktion nehmen, muss sie jedoch mindestens einmal ausführen.

Die möglichen Aktionen sind durch die Felder auf dem Spielplan gekennzeichnet: