mini|Vermutete Angriffsachsen des Warschauer Paktes mini|Gliederung eines sowjetischen Mot-Schützenbataillons mini|Gliederung eines sowjetischen Panzerbataillons mini|Gliederung einer sowjetischen Mot-Schützendivision mini|Gliederung einer sowjetischen Panzerdivision mini|Gliederung einer sowjetischen Front mini|Die 7 großen Bedrohungen der NATO durch die Sowjetstreitkräfte (Informationsblatt des US-Verteidigungsministeriums von 1981) mini|BMP-Schützenpanzer mini|T-64 mini|T-72 mini|T-80 mini|Kampfhubschrauber Mil Mi-24 mini|Kampfhubschrauber Mi-24 bekämpfen Erdziele Die sogenannte sowjetische Angriffsdoktrin, bzw. Angriffsdoktrin des Warschauer Paktes, während des Kalten Krieges basierte im Wesentlichen auf tiefen Operationen starker gepanzerter Verbände. Hierbei zielte die Taktik auf tiefe Stöße an geeigneten Frontabschnitten (VRV) ab. Wesentliche Merkmale hierbei waren HauptschlägeSiegfried Lautsch: Kriegsschauplatz Deutschland. Erfahrungen und Erkenntnisse eines NVA-Offiziers. ZMSBw, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam 2013, ISBN 978-3-941571-28-0. mit unterschiedlicher Schwerpunktbildung nach dem „Prinzip der Masse“ (Auswirkung überlegener Kampfkraft am entscheidenden Ort und zum entscheidenden Zeitpunkt). Diese Operationen konnten unter anderem durch Kampfhubschrauber und Luftlandungen im rückwärtigen Gebiet unterstützt werden. Geografisch sollte die Doktrin vor allem in Westeuropa, dem aus Sicht des Warschauer Vertrages westlichen Kriegsschauplatz, angewendet werden, weil dort die große Zahl gegnerischer Truppen eine hohe Wirksamkeit schnell vorgetragener, weitreichender Stöße erwarten ließ.
Ziele Hauptziel der sowjetischen Angriffsdoktrin war, in einer Art „Blitzkrieg“ durch schnelle Panzervorstöße das NATO-Verteidigungssystem in einem frühen Stadium zum Einsturz zu bringen, um innerhalb eines konventionellen Krieges, die Eskalation zu einem nuklearen Krieg nach Möglichkeit zu verhindern. Ausschlaggebend war hierbei das starke Aufrüsten des Warschauer Paktes hinsichtlich seiner Panzer- und Artilleriewaffe. Noch zu Beginn der 1980er Jahre hielten beide Supermächte einen konventionellen Krieg für führbar. Zu den Kernaufgaben gehörten:
Überraschungsangriffe zu unterschiedlichen Schwerpunkten, Angriffsachsen und ZeitpunktenHeinz Magenheimer: Die Verteidigung Westeuropas. Doktrin, Kräftebestand, Einsatzplanung – Eine Bestandsaufnahme aus Sicht der NATO. e) Zum sowjetischen Angriffskonzept in Mitteleuropa. Bernard & Graefe aktuell, Koblenz, 1986, S. 76–91, ISBN 3-7637-5345-1. Angriff auf breiter Front in allen strategischen RichtungenTruppenpraxis. Ausgabe 6/1983. Darmstadt, Wehr und Wissen Verlagsgesellschaft. Überraschendes Zuschlagen mit hohem Tempo bei Tag und Nacht bei hoher Beweglichkeit schnelle und koordinierte Operationen Unterlaufen einer möglichen atomaren Reaktion der NATO
Historie Die sowjetische Militärdoktrin war im Laufe der Zeit mehreren Wandlungen unterzogen. Während in den 1960er-Jahren das Hauptaugenmerk auf den nuklearen Antwortschlag gelegt und eine konventionelle Kriegsführung als Ergänzung betrachtet wurde, wurde in den 1970er-Jahren zu einer verstärkten Planung des konventionellen Krieges übergegangen. Zehn Jahre später war der Einsatz konventioneller Waffen mit der Option, taktische Atomwaffen einzusetzen, ebenfalls wahrscheinlich geworden. Bis 1985 wurden die drei Operationsarten Verteidigung, Gegenoffensive und Angriff gleichrangig behandelt. Auch wurde der NATO eine Aggressionsabsicht unterstellt, welcher die Warschauer Vertragsorganisation durch einen auf NATO-Territorium vorgetragenen Gegenangriff begegnen wollte, um wieder die Initiative zu übernehmen. Erwartet wurde ein Angriff der Northern Army Group der NATO sowie des nördlich angrenzenden Allied Command Baltic Approaches mit mindestens fünf Korps durch die Norddeutsche Tiefebene und über die Ostsee. Für die im Zuge des Gegenangriffs folgende Einnahme der Bundesrepublik Deutschland wurde eine Zeitspanne von fünf bis sieben TagenSeven Days to the River Rhine veranschlagt. Innerhalb von 15 Tagen sollten die französische Atlantikküste und weitere wichtige Küstenabschnitte erreicht sein, um der Ankunft der US-amerikanischen und britischen Hauptkräfte auf dem Seeweg zuvorzukommen. Ab einem eigenen Geländegewinn von rund 100 km Tiefe wurde der Einsatz von Kernwaffen durch die NATO erwartet. 1987 setzte sich wiederum eine defensive Militärdoktrin durch. Eine Zeitlang wurde in der Planung die Verwendung sogenannter „Durchbruchsbataillone“ mit schweren T-10-Panzern berücksichtigt, eine Entwicklung, die später zugunsten schnellerer und beweglicherer Verbände aufgegeben wurde.
Die Planung der Warschauer Vertragsorganisation sah für den Abwehr des NATO-Angriffs und die Einleitung des Gegenangriffs in der ersten operativen Staffel zunächst die Grenztruppen der DDR (für die eine vollständige Aufreibung erwartet wurde), 36 aktive sowjetische und NVA-Divisionen sowie fünf Mobilmachungsdivisionen vor. Als Hauptrichtung waren das Ruhrgebiet, Lothringen und die Atlantikküste vorgegeben, wobei zwei Achsen in Planung und Übungen vorbereitet wurden: in südlicher Richtung vom Thüringer Balkon (Fulda Gap) aus über das Rhein-Main-Gebiet und nördlich über die Norddeutsche Tiefebene. Auf diesem Angriffskorridor wäre in beiden Fällen in der ersten Staffel in den ersten beiden Operationstagen die sowjetische 1. und 2. Gardepanzerarmee, die 3. Stoßarmee und die 8. Gardearmee zum Einsatz gekommen. Die NVA sollte sich dort mit ihrer 5. Armee beteiligen. In der Abwehr der NATO hätte jede beteiligte Armee einen rund 100 km breiten Streifen zu verteidigen gehabt. Zudem wäre eine nördliche und eine südliche Flankensicherung nötig geworden. Diese sollte im Norden die Küstenfront unter polnischem Oberbefehl aus einem großen Teil der polnischen Armee, der 5. Armee der NVA und der sowjetischen 2. Gardepanzerarmee sicherstellen. Ihr Hauptziel war die deutsch-niederländische Nordseeküste. Ein möglicher Nebenstoß sollte Dänemark ausschalten und damit landseitig den Zugang zum Nordatlantik sicherstellen. Durch die Eroberung der Nordseehäfen sollte auch die Versorgung und Verstärkung der Truppen des Hauptstoßes erleichtert werden. Die Marineverbände der Warschauer Vertragsorganisation hatten den Auftrag, die See- und Lufthoheit in der Ostsee zu erringen, in die Nordsee durchzubrechen, diese von NATO-Verbänden zu säubern und die Nordsee schließlich zum Atlantik abzuriegeln. Die Südflanke sollte durch tschechoslowakische und sowjetische Verbände der Südwestfront gesichert werden, die in Richtung Bayern vorgehen sollten. Weiter südlich schloss sich die Alpenfront an. Vom dritten Operationstag an sollte die zweite Staffel in das Gefecht eingreifen. Für diese waren die und in der zweiten Staffel die sowjetische 20. Gardearmee sowie weitere sowjetische und polnische Armeen vorgesehen.
Operative Planungen für den Thüringer Balkon (Fulda Gap) Für das sogenannte „Fulda Gap“, den hessischen Korridor mit der geographisch kürzesten Entfernung zwischen der DDR und der Metropole Frankfurt am Main und der kritischsten „Nahtstelle“ des Kalten Krieges in Mitteleuropa, plante die 8. Gardearmee Weimar-Nohra der GSSD folgendes Einsatzszenario: Durchstoß des Fulda Gap im Verantwortungsbereich des V. US-Korps, Überqueren des Mains und Erreichen des RheinsDieter Krüger (Hrsg.): Schlachtfeld Fulda Gap. Strategien und Operationspläne der Bündnisse im Kalten Krieg. (= Schriftenreihe Point Alpha, Bd. 2). Parzeller, Fulda 2014, ISBN 978-3-7900-0486-1. innerhalb kürzester Zeit. In den 1980er Jahren hatte die 8. Gardearmee ihre maximale Kampfstärke erreicht und verfügte über vier bis zu 12.000 Mann starke Elite-Divisionen (20. Garde-Panzerdivision, 20., 39. und 57. Garde-Mot-Schützendivision) plus zahlreicher Unterstützungseinheiten wie der 43. Garde-Artilleriebrigade, weiteren Raketenbrigaden, Truppenfliegereinheiten, der 6. Jagdbomberdivision Merseburg, dem Nacht-Aufklärungsbataillon, u. a. Dazu gehörten auch Armeefliegerstreitkräfte, die nach Hochrechnungen innerhalb eines Gefechtstages, in der Lage gewesen wären zwischen 40 und 60 Feindpanzer, bzw. ein komplettes Panzergrenadierbataillon (mot. InfBtl) zu vernichten. Die 8. Gardearmee war ein hochbeweglicher Verband, der über mehr Kampf- und Schützenpanzer (zeitweise 1.200 bis 1.500 Panzer, ca. 225 Panzer pro MSD) als jede andere sowjetische Panzereinheit des Zweiten Weltkriegs verfügte. Ihre Aufgabe bei einem bewaffneten Konflikt wäre das Durchbrechen der taktischen Verteidigungszone der NATO (Angriffsstreifen pro Division hier etwa 15 – 20 km) innerhalb eines einzigen Gefechtstages und die Fortsetzung des Angriffs mit hohem Tempo in die Tiefe. Dabei sollte die 1. Staffel die Deckungskräfte der NATO (11. ACR – 11th Armored Cavalry Regiment) durchbrechen und der 2. Staffel die Voraussetzung schaffen, das V. US-Korps zu vernichten, Frankfurt, den Frankfurter Flughafen und die Flussübergänge über den Rhein zu besetzen. Letztendlich kam der 3. Staffel dann die Aufgabe zu, den Rhein zu überqueren und bis zur deutsch-französischen Grenze vorzustoßen. Die Stärke der 8. Gardepanzerarmee lag in der unterschiedlichen Verwendung ihrer Panzer- und der drei mechanisierten Divisionen (BMP und BTR). Um eine GefechtsfeldabriegelungBAI: battlefield air interdiction des Gegners zu unterbinden, wurden die Truppenluftabwehrverbände der 8. Gardearmee innerhalb der 1970er Jahre stark aufgerüstet. Die Operationspläne des Gegners (Heeresgruppe CENTAG) waren zeitweise durch Enttarnung bekannt geworden und so konnte sich die Offensivplanung systematisch darauf vorbereiten. So auch 1982, als das Ministerium für Staatssicherheit in den Besitz des hochgeheimen GDPGeneral Defense Plan-Plans OP 3301 gelangen konnte.
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