Attila Sekerlioglu (* 27. Jänner 1965 in Wien) ist ein ehemaliger österreichischer Fußballspieler und aktueller Fußballtrainer. Als Sohn eines Türken und einer Österreicherin war er einer der ersten türkisch-österreichischen Profifußballspieler.Ivo, jetzt bist Du ein richtiger Österreicher wienerzeitung.at, abgerufen am 8. April 2017.
Als Spieler von Austria Wien gewann er je dreimal den Österreichischen Meistertitel und ÖFB-Cup und wurde viermal Supercupsieger. fk-austria.at, abgerufen am 8. April 2017.
Spielerkarriere Sekerlioglu begann seine Karriere in der Jugend von FS Elektra Wien, ehe er 1985 vom damaligen amtierenden österreichischen Meister Austria Wien entdeckt wurde. Von 1985 bis 1987 kam er lediglich in Testspielen für die Profimannschaft zum Einsatz, bis er während der Meisterschaft 1987/88 an den damaligen österreichischen Zweitligisten VSE St. Pölten verliehen wurde.
St. Pölten hatte zuvor mit Thomas Parits einen ehemaligen Meistertrainer der Austria verpflichtet, der seinen mit dem argentinischen Altstar Mario Kempes bereits prominent besetzten Kader nun mit mehreren Talenten des FAK komplettierte. Sekerlioglu erwies sich als Stütze in der Innenverteidigung und qualifizierte sich mit dem Verein als Vierter des Grunddurchgangs für das mittlere Play-off, wo man mit Platz drei den Aufstieg in Erstklassigkeit feiern durfte.Als VSE gegangen, um als SKN St. Pölten zurückzukehren oepb.at, abgerufen am 8. April 2017.
Zur Meisterschaft 1988/89 wurde er daraufhin von Trainer August Starek nach Favoriten zurückgeholt, wo er auf Anhieb zum Stammspieler avancierte. Nach der Entlassung von Starek im November 1988, verlor er diesen unter Trainer Erich Hof, aufgrund einer offensiveren Grundaufstellung wieder, hatte sich aber bereits im Profikader etabliert und kam bis zum Saisonende regelmäßig als Wechselspieler zu Einsatzzeiten. Nach dem Karriereende von Vereinsidol Erich Obermayer zur Folgesaison bildete er gemeinsam mit Josef Degeorgi, Anton Pfeffer und Ernst Aigner, vor Tormann Franz Wohlfahrt die Abwehrreihe der Austria, die über den Saisonverlauf hinter Meister FC Swarovski Tirol die zweitwenigsten Gegentore zuließ.
Unter Trainer Herbert Prohaska, der im März 1990 die Austria übernahm, begann seine erfolgreichste Phase im Verein. Durch einen 3:1-Sieg in der Verlängerung im Finale des ÖFB-Cup 1990 gegen den SK Rapid Wien nach einem 1:1-Unentschieden in der regulären Spielzeit konnte er seinen ersten Titel als Profifußballer feiern. Serkerlioglu spielte im Finale auf der ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld durch.
In der Saison 1990/91 folgte der erstmalige Gewinn des ÖFB-Supercup und sein erster österreichische Meistertitel. Abwehr-Routinier Degeorgi war zuvor zum FC Admira Wacker gewechselt und Prohaska versuchte sich mit verschiedenen Abwehrformationen. Einzig Toni Pfeffer war dabei seine durchgehende Konstante, die er mit Aigner, Sekerlioglu, Robert Frind und Harald Schneider ergänzte. Sekerlioglu war nicht unumstritten, lief aber auch dank seiner universellen Einsetzbarkeit in der Defensive in 19 von 36 möglichen Spielen in die Anfangsformation auf. Ein durch die Verpflichtung von Manfred Kern bedingter weiterer Systemwechsel zur Spielzeit 1991/92 bedeutete für Sekerlioglu den endgültigen Durchbruch unter Prohaska. Gemeinsam mit Pfeffer bildete er über die gesamte Saison das Manndeckerduo der Austria und war ein wichtiger Bestandteil der starken Defensive der Austria, die mit 36 Treffern die beste Abwehr der Liga stellte. Die Mannschaft konnte zudem ihre Erfolgsserie prolongieren und gewann abermals den Supercup und das österreichische Double.
Meistertrainer Prohaska übernahm daraufhin die Österreichische Fußballnationalmannschaft, als Nachfolger wurde Hermann Stessl verpflichtet. Unter Stessl verlor Sekerlioglu seinen Stammplatz an den neuverpflichteten Walter Kogler, den er erst nach einer Verletzung von Pfeffer in der Rückrunde wiedererlangen konnte. Die Austria hatte ohne Sekerlioglu einen veritablen Fehlstart in die Saison hingelegt, feierte jedoch in der Rückrunde eine der berühmtesten Aufholjagden der Vereinshistorie. Mit der Ausgangslage alle sechs letzten Saisonspiele gewinnen zu müssen, um Meister zu werden, gelang dies der Austria, wodurch man die dritte Meisterschaft in Folge feiern durfte. Sekerlioglu kam in elf von dreizehn Rückrundenspielen von Beginn an zum Einsatz.
Zur Spielzeit 1993/94 übernahm Josef Hickersberger als Trainer die Austria, der bis auf den Abgang von Stürmer Valdas Ivanauskas eine unveränderte Mannschaft übernehmen konnte. Serkerlioglu verlor nach einer Verletzung und schlechteren Leistungen wieder seinen Stammplatz, den er sich nicht wieder zurückerkämpfen konnte. Über die Saison kam er in lediglich sieben Ligaspielen über die volle Spielzeit zum Einsatz. Die Austria spielte zudem ihre letzte erfolgreiche Saison in den 90er Jahren, wurde hinter Casino Salzburg Vizemeister, Supercup- und Cupsieger. Trotzdem entließ der Verein Hickersberger daraufhin und installierte den deutschen Egon Coordes als neuen Cheftrainer.
In der Sommerpause versuchte der damals von Christoph Daum trainierte türkische Traditionsverein Beşiktaş Istanbul Sekerlioglu zu verpflichten und bot dafür 2,1 Millionen Schilling. Die Summe war der Austria jedoch zu wenig, woraufhin der Transfer nach mehrfachen Verhandlungen schlussendlich scheiterte.Der Daum-Klub Besiktas Istanbul bietet für Attila Sekerlioglu 2,1 Mio Schilling, Kronen Zeitung vom 18. Juni 1994, S. 50. Unter Coordes war Sekerlioglu fortan wieder Stammspieler und sorgte mit drei gelb/roten Karten in drei aufeinanderfolgenden Pflichtspielen im Herbst 1994 für zweifelhaftes Aufsehen.Attila im Guinness-Buch, Kronen Zeitung vom 17. September 1994, S. 58. Einen Großteil der Rückrunde verpasste er verletzungsbedingt und wurde durch die kroatische Neuverpflichtung Stojan Belajić ersetzt, der jedoch in seinen Leistungen großteils enttäuschte. Die Spielzeit gilt allgemein als der Anfang des sportlichen Niedergangs des Vereins. Über die Saison kam es zu diversen Quärelen zwischen den Spielern und Trainer Coordes, die ihren Höhepunkt in der Absetzung des langjährigen Leistungsträgers Franz Wohlfahrt als Stammtorwart fanden. Die Mannschaft blieb Titellos und belegte lediglich den enttäuschenden vierten Tabellenendrang. Coordes wurde daraufhin entlassen und durch dessen Landsmann Horst Hrubesch ersetzt.
Zum Trainingsbeginn der neuen Spielzeit wurde Sekerlioglu daraufhin überraschend mitgeteilt, dass der neue Trainer nicht mehr mit ihm planen würde.Attila Sekerlioglu erhielt den Laufpass, Salzburger Nachrichten vom 4. Juli 1995, S. 23. In Folge scheiterte ein Wechsel nach Belgien zum ehemaligen Europacup-Finalisten Royal Antwerpen.Attila bei Antwerpen ante portas, Die Presse vom 3. Juli 1995, S. 19. Um einem Dasein als Tribünengast zu entgehen, folgten Verhandlungen um eine weitere Leihe zum damaligen Zweitdivisionär VSE St. Pölten, ehe er ligaintern zum FC Tirol Innsbruck wechselte.Jetzt greift St. Pölten nach Attila Sekerlioglu, Kronen Zeitung vom 29. Juli 1995, S. 52.Sekerlioglu Tiroler, Kronen Zeitung vom 20. Juli 1995, S. 50.
Die von Trainer Dietmar Constantini trainierten finanziell angeschlagenen Innsbrucker, standen nach überraschenden Siegen gegen den 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen im Finale des UEFA Intertoto Cup 1995 und hatten aufgrund der Ausfälle der beiden etatmäßigen Innenverteidiger Michael Streiter und Robert Wazinger dringenden Handlungsbedarf in der Defensive. Aufgrund der durch den UI-Cup überraschenden Einnahmen in Höhe von ca. fünf Millionen Schilling hatte man wieder finanziellen Spielraum gewonnen, wodurch man Sekerlioglu für ca. 800.000 Schilling verpflichten konnte.FC Tirol kaufte für den UEFA-Cup Sekerlioglu, Kurier vom 4. August 1995, S. 21, Ressort: Sport Man verlor zwar die Finalspiele im UI-Cup nach einem 1:1 im Heimspiel mit 6:1 auswärts gegen Racing Straßburg, Sekerlioglu etablierte sich aber als souveräner Ersatz für den langzeitverletzten Michael Streiter. Nach einem enttäuschenden siebenten Zwischenrang zur Winterpause, gab der Verein einen Großteil seiner Spieler die Erlaubnis für Transferverhandlungen, um dringend benötigtes Geld zu lukrieren. Neben Harald Cerny, der nach Deutschland zum TSV 1860 München wechselte, nutzte auch Sekerlioglu diesen Umstand und wechselte für ca. 850.000 Schilling überraschend nach Schottland zum damaligen Zweitligisten FC St. Johnstone.Schotte Sekerlioglu, Kronen Zeitung vom 3. Dezember 1995, S. 58.Bringt Cerny zehn Mille? Kronen Zeitung vom 13. Dezember 1995, S. 45. In Österreich eher als Mann fürs Grobe eingesetzt, bekam er in Schottland eine weitaus offensivere Rolle im defensiven Mittelfeld mit Spielmacheraufgaben zugedacht. Sekerlioglu avancierte auf Anhieb zu einer fixen Mannschaftsstütze und hatte einen großen Anteil am mit 20 Punkten Vorsprung überlegenen Titelgewinn und den damit verbundenen Aufstieg in die Erstklassigkeit des Vereins.Sekerlioglu ist Meister, Kleine Zeitung vom 27. April 1994.Glück & Elend der österreichischen Highlander, Kurier vom 13. Juni 1998, S. 27, Ressort: SportUnaussprechlich, aber respektiert: McAttila aus Wien, Die Presse vom 3. April 1994, S. 24. Als einziger Wermutstropfen der Saison galt das verlorene Finale im Scottish League Challenge Cup 1996/97, wo man gegen den krassen Außenseiter FC Stranraer unterlag.Stranraer break duck independent.co.uk, abgerufen am 8. April 2017.Stranraer grab some final glory heraldscotland.com, abgerufen am 8. April 2017. In der Folgespielzeit konnte sich der Verein in der Scottish Premier Division etablieren und belegte den guten fünften Tabellenendrang. Sekerlioglu, im Vorjahr noch Schlüsselspieler, hatte im Verlauf der Saison aufgrund einer hartnäckigen Rückenverletzung eine längere Ausfallzeit und konnte sich am Ende mit dem Verein nicht über einen neuen Vertrag einigen.Sekerlioglus Zwangspause bis Februar verlängert, Kurier vom 5. Jänner 1998, S. 23, Ressort: SportSekerlioglu verließ St. Johnstone, APA vom 17. Mai 1998. Trotz anderer schottischer Interessenten wie den FC Aberdeen,Dons blow as Evans Kops Gillies Scottish Daily Record via. thefreelibrary.com, abgerufen am 8. April 2017. entschied sich Sekerlioglu abermals für einen überraschenden Schritt und wechselte zurück in die Heimat zum damaligen Drittligisten SC Untersiebenbrunn.Highlander Sekerlioglu bei Untersiebenbrunn! Kronen Zeitung vom 3. Juli 1998, S. 48.
Bei den Marchfeldern hatte er als Routinier unter Trainer Norbert Barisits die Rolle des Abwehrchefs inne, die er mit starken Leistungen untermauerte. Bereits in seiner Debütsaison konnte er mit der Mannschaft den Meistertitel in der Regionalliga-Ost feiern. Dabei hatte er, trotz einer wieder defensiveren Rolle, seine aus der Schottland-Zeit neuentdeckte Torgefährlichkeit konserviert und steuerte sieben Treffer zum Titel bei.Sekerlioglus Empfehlung: Der Highlander Nummer zwei, Kronen Zeitung vom 12. August 1999, S. 49. In den folgenden Aufstiegsrelegationsspielen gegen den SV Spittal, welche der Verein knapp mit 1:1 und 0:0 für sich entscheiden konnte, war er 180 Minuten im Einsatz und feierte schließlich den Aufstieg. In der Spielzeit 1999/00 spielte er erstmals mit seinem jüngeren Bruder, Cem Sekerlioglu, den der Verein gemeinsam mit Manfred Rosenegger von Austria Wien verpflichtet hatte in einer Mannschaft. Der Verein etablierte sich auf Anhieb im oberen Drittel der Liga, die von Sekerlioglu organisierte Abwehr war mit 32 Gegentoren die zweitstärkste nach der von Meister VfB Admira Wacker Mödling. Mit der Spielzeit 2000/01 absolvierte er seine letzte Profisaison, in der er noch 25 Ligaspiele absolvierte und mit Tabellenendrang drei die beste Platzierung in der Geschichte des Vereins erreichen konnte.Attila Sekerlioglu beendet am Samstag hochoffiziell seine Bundesliga-Karriere, NÖN vom 27. Juni 2001.Sekerlioglu verabschiedet derstandard.at, abgerufen am 8. April 2017.