Die Feilitzschstraße ist eine rund 450 m lange Straße im Münchner Stadtteil Schwabing. Sie wurde nach der Eingemeindung Schwabings nach München 1891 noch zu dessen Lebzeiten nach dem bayerischen Staatsminister des Inneren Maximilian von Feilitzsch (1834–1913) umbenannt, um Verwechslungen mit der Maffeistraße in der Altstadt zu vermeiden.
Verlauf Die Feilitzschstraße führt von der Münchner Freiheit und der Leopoldstraße mit teilweise bis in das 18. Jahrhundert zurückreichender Bebauung vorbei am Altschwabinger Dorfplatz, dem heutigen Wedekindplatz, in Richtung Osten zum Englischen Garten und ist von Kinos, Cocktailbars, Kneipen, Restaurants, Boutiquen u. ä. geprägt.
In der Feilitzschstraße 6 befindet sich das Filmunternehmen Constantin Film. In einem Hinterhofsbehelfsbau der Feilitzschstraße 7 befand sich von der Nachkriegszeit der 1950er Jahre bis 2012 die Schwabinger 7. Seit dem von überregionalen Protesten begleiteten Abbruch des Gebäudes befindet sich die Kultkneipe in der Feilitzschstraße 15.Christopher Haarhaus: Servus, ranziges München In: Der Spiegel 29. Juni 2011
Als am 3. Juni 1967 von einem Straßenfest begleitet aus der Eckwirtschaft Hacklwirt in der Feilitzschstraße 12 das Drugstore wurde, wurde dies retrospektiv als Beginn der Wandlung eines Bohème-Viertels zum Pop- und Hippie-Treffpunkt gesehen.Die Könige der Flower-Power-Ära in Schwabing In: Bayerischer Rundfunk 22. März 2014Gerhard Fischer: Erinnerungen an das wilde Schwabing In: Süddeutsche Zeitung 7. Januar 2016 Der „Riesensalon mit vielen Spiegeln, Pop-Arabesken und Protest-Postern“ und z. B. Mick Jagger und Romy Schneider unter den täglich 2.000 Gästen war überregional bekannt.Einmal frei zechen In: Der Spiegel 18. November 1968Schwabings Goldfinger graben weiter In: Die Zeit 20. März 1970 Während das Bistro im Erdgeschoss unverändert in der Presse mit „Kult“ attributiert nach wie vor besteht,Karl Stankiewitz: Kultkneipe in Schwabing: "Drugstore" darf weiterleben In: Abendzeitung 19. Dezember 2015 wurde 1987 aus der Disco im ersten Stock eine Theaterkneipe. Zunächst spielte dort für zwanzig Jahre das Revue-Theater Bel Etage, von 2007 bis November 2009 war es Standort des Kammertheaters Schwabing. Seither findet dort der Spielbetrieb von Heppel & Ettlich statt. Zu einer „Institution“ in der Feilitzschstraße wurde die vom Fotografen Wolfgang Roucka in der Nummer 14 gegründete Galerie Roucka, In: München TV 18. November 2015 die 2014 fünfzigjähriges Jubiläum feierteBeate Wild: Er hatte sie alle In: Süddeutsche Zeitung 22. November 2010Philipp Daum: Ein Leben wie ein poppiges Poster In: Abendzeitung 4. April 2008 und vom Vermieter zum 31. März 2020 gekündigt wurde.
An der Ecke Feilitzschstraße / Werneckstraße befindet sich das 1715 bis 1718 durch Johann Baptist Gunetzrhainer errichtete Schloss Suresnes, auch Werneckschlößl genannt, das seit 1967 Tagungshaus der Katholischen Akademie in Bayern ist. Daneben im Viereckhof, einem Bauernanwesen in der Feilitzschstraße 26 vom Ende des 13. Jahrhunderts, das 1787 barock überarbeitet wurde, befinden sich deren Seminarräume. Gegenüber dem Viereckhof bestand bis 1892 der wegen seiner großen Schweinezucht so genannte Saubauernhof als zweiter großer Schwabinger Bauernhof. An dem dann dort von Anton Mack erbautem Neorenaissance-Eckbau in der Feilitzschstraße 25 befanden sich ursprünglich über den Fenstern im 2. Stock vom Bildhauer Wilhelm Kielhorn gestaltete Büsten von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Heinrich Heine. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ließ ein im vierten Stock des Hauses wohnender SA-Mann Heine entfernen. Die zwei ihn flankierenden Putten mit Schreibheft und Buch blieben vorhanden. Der freie Platz wurde durch „1892“ ersetzt, wobei die „2“ eine auf den Kopf gestellte „5“ ist.
An der Ecke Feilitzschstraße zur Leopoldstraße erwarb Johann Theodor von Waldkirch im 18. Jahrhundert ein Lusthaus mit Garten, das am 22. Januar 1774 durch Kurfürst Max III. Joseph zum gefreiten Edelsitz Mitter-Schwäbing erhoben wurde. Später ging es an den Philosophen Franz von Baader, nach dem es Baaderschlösschen genannt wurde. 1874 kaufte Ludwig Petuel das Herrenhaus und richtete es als Gastwirtschaft für die daneben von ihm erbaute Schwabinger Brauerei ein. 1889 wurde das Schloss abgerissen und durch einen Neubau mit großem Saal ersetzt. Dort fanden legendäre Künstlerfeste der Bohème wie z. B. die von der Akademie der Bildenden Künste veranstaltete „Schwabinger Bauernkirta“, das berühmteste Künstler- und Studentenfest des Münchner Faschings, statt.Gunna Wendt: Schwabinger Brauerei In: Literaturportal Bayern Nach dem Ersten Weltkrieg wurde mit den „Schwabylon-Festen“ daran angeknüpft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das teilweise zerstörte Gebäude zunächst renoviert.Bayerische Geschichte(n), 25/2015: Schwabing leuchtet In: Volk Verlag 10. November 2015 1964 wurde an seinem Platz ein schwarzes, rund 50 m hohes elfstöckiges Warenhaus von Hertie erbaut, das 1992 um einige Stockwerke reduziert wurdeGeliebt und umstritten: Geschichten vom Hertie-Hochhaus In: Münchner Wochenanzeiger 16. September 2014
2014/2015 wurden die Feilitzschstraße und der Wedekindplatz für 1,8 Millionen Euro neu gestaltet,Aufgeblüht In: Süddeutsche Zeitung 5. November 2015 im Rahmen dessen wurde an der Feilitzschstraße auch die Schwabinger Laterne in Erinnerung an die Schwabinger Gisela wieder aufgestellt.„Schwabinger Laterne“: Bald leuchtet sie wieder In: Abendzeitung 21. Juli 2015
Baudenkmäler Die Feilitzschstraße gehört zum geschützten Bauensemble Altschwabing (E-1-62-000-4).Ausgebremst In: Süddeutsche Zeitung 11. Dezember 2015 Insgesamt verfügt die Feilitzschstraße über 18 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege geschützte Baudenkmäler.Liste der Baudenkmäler für München des BLfD, Stand 8. April 2017
Prominente Anwohner Thomas Mann wohnte 1899 bis 1902 im dritten Stock der Feilitzschstraße 32 (damals Nr. 5, seit 1909 Gaststätte Seerose)Anja Behringer: In: Literaturportal Bayern 8. August 2016 und schrieb dort seinen Roman Buddenbrooks, für den er 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Im gleichen Gebäude befand sich auch die Redaktion der satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus. In der Seerose wurde 1948 der Seerosenkreis als Stammtisch von Künstlern aller Sparten gegründet. „Gründungsväter“ waren u. a. der Schauspieler Gustl Weigert (der seit 1944 im Nachbarhaus Nr. 34 wohnte), der Dichter Peter Paul Althaus und der Maler Hermann Geiseler. Bis 2004 war Ernst Günther Bleisch „Oberseerosianer“. Seither führt die Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Malerin Brigitta Rambeck den literarischen Seerosenkreis, sekundiert von Barbara Bronnen, Gert Heidenreich, Dagmar Nick, Maria Peschek, Anatol Regnier, Asta Scheib, Albert von Schirnding, Michael Skasa und Winfried Zehetmeier. Den Vorsitz des Seerosenkreises Bildende Kunst übergab 2008 nach 25 Jahren Baldur Geipel an den Maler und Grafiker Konrad Hetz.https://www.seerosenkreis.de/
Eine vom Münchner Bildhauer Eugen Weiß geschaffene Gedenktafel in der Feilitzschstraße 3 erinnert an Paul Klee, der dort von 1908 bis 1919 sein Atelier hatte.An Haus Nummer 3 hängt eine Gedenktafel In: Süddeutsche Zeitung 11. März 2011 Die Zeit von Juli bis Oktober 1904 verbrachte Oskar Panizza im 2. Stock der Feilitzschstraße 19. Ab Januar 1936 lebte Stefan Andres mit seiner Familie in der Feilitzschstraße 34. Im gleichen Haus lebte auch Peter Pasetti. Auch Nastassja Kinski wohnte zeitweise in der Feilitzschstraße.Michael Graeter: Die „Hasen“ Uschi, Nastassja & Iris In: Abendzeitung 10. September 2009
Fliegerbombe Am 28. August 2012 musste eine bis dahin unentdeckt gebliebene US-amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Fundort in der Feilitzschstraße gesprengt werden.Experte schließt weitere Bomben am Fundort nicht aus In: Süddeutsche Zeitung 29. August 2012 Gegen Mittag waren Bauarbeiter auf einer Baustelle auf die 250 Kilogramm schwere Bombe gestoßen, genau dort, wo früher die Kneipe Schwabinger 7 gewesen war.Anne Lena Mösken: Am Rand des Kraters In: Frankfurter Rundschau 14. September 2012Das sieht dann spektakulär aus In: Der Spiegel 29. August 2012 Die überregional mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Sprengung führte zu erheblichen Sachschäden: 17 Häuser wurden so stark beschädigt, dass deren Bewohner eine neue Unterkunft benötigten.Münchens Bürgermeister Ude sagt Geschädigten Schadenersatz zu In: Tagesspiegel 29. August 2012Fliegerbombe gesprengt In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 29. August 2012
Weblinks
Feilitzschstraße – Harmonisches Durcheinander In: Süddeutsche Zeitung 11. März 2011 Meine Straße: Feilitzschstraße In: Süddeutsche Zeitung 16. Dezember 2015
Einzelnachweise
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