305px|rechts mini|Münzporträt des Hadrian mini|Befundskizze mini|Detailplan mini|Church Street in Stanwix, im Hintergrund die St. Michaels Kirche mini|Befundskizze NW-Zwischenturm, 1984 mini|Hinweistafel zum Kastell an der St. Michaels Kirche mini|Ziegelstempel der Legio IX Hispania aus Stanwix mini|Stanwix Primary School mini|Antinousmedaillon aus Stanwix mini|Römische Funde aus Stanwix
Uxelodunum (auch bekannt als Petrianis) war ein römisches Hilfstruppenkastell auf dem Stadtgebiet von Carlisle, im Vorort Stanwix, County Cumbria, England.
Es gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen westlichen Sektor. Uxelodunum ersetzte ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. vermutlich einen Wachturm und war das flächenmäßig größte am Wall. Der zweite für das Kastell geläufige Name leitete sich von der dort im vierten Jahrhundert stationierten Einheit ab. Es beherbergte zeitweise eine Reitertruppe in der Stärke von 1000 Mann und dürfte bis zum 4. Jahrhundert Sitz des Oberkommandos für die direkt an der Nordgrenze stationierten Garnisonseinheiten gewesen sein. Laut der Notitia dignitatum war es bis ins frühe 5. Jahrhundert vom römischen Militär besetzt.
Name Es existieren mehrere antike Schriftquellen, die dieses Kastell namentlich nennen: die Notitia dignitatum (Westteil), die Ravenna-Kosmographie und drei römische Trinkgefäße („Rudge-Cup“, Staffordshire Moorlands Pan und ).
Uxelodunum ist mit ziemlicher Sicherheit der ursprüngliche Name des Kastells. Auf der Rudge Cup erscheint es als Uxelodum, auf der Staffordshire Moorlands Pan und der Amiens patern als Uxelodunum. In der Notitia wird das Kastell als Axeloduno bezeichnet, allerdings als Standort einer Hispanischen Kohorte. Sie wird für gewöhnlich mit dem Kastell von Stanwix gleichgesetzt. In diesem Kastell soll in der Spätantike die Cohors I Aelia Hispanorum stationiert gewesen sein, die jedoch auch für Netherby bezeugt ist. Angesichts dessen scheint es möglich, dass der ND-Eintrag für den Vorposten Castra Exploratorum (vielleicht durch einen Abschreibfehler) zu Axelodunum verschliffen wurde. Die Stammtruppe ala Petriana soll sich – laut der ND – hingegen in Petrianis (Castrum Petriana = das Kastell der Petrianer) befunden haben. Im diesbezüglichen Eintrag der im 7. Jahrhundert entstandenen Ravenna-Kosmographie des Geographen von Ravenna ist das Kastell wieder – leicht abgewandelt – als Uxellodamo eingetragen.
Uxelodunum dürfte eine latinisierte Form eines keltischen Toponyms sein und „die große Festung“ oder „erhöhter Ort“ bedeuten. Das Präfix Axe/Uxe steht in der walisisch-gälischen Sprache für Wasser. Davon leiten sich auch noch andere Flussnamen auf der britischen Insel ab (zum Beispiel Exe, Axe, Usk, Esk). Uxelodunum könnte aber auch auf Uxellinus, einen eisenzeitlichen Gott versehen mit Attributen, die denen des obersten römischen Staatsgott Iupiter ähnlich waren, zurückgehen. Der Name könnte daher als „das Kastell am Wasser“ oder „die Festung des Uxellinus“ übersetzt werden. Der heutige Ortsname stammt vom altenglischen stane-wic (= „Steinsiedlung“), deren Kern wahrscheinlich in der Kastellruine lag, ab.Notitia dignitatum Occ. XL, 28, A. L. F. Rivet/Colin Smith 1979, S. 221, 293–294 und 483, Guy de la Bédoyère, 1998, S. 114.
Lage Uxelodunum war das dreizehnte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Das Lager befindet sich etwa 64 km westlich von Castlesteads (Camboglanna) und 8 km östlich von Burgh by Sands (Aballava). Es stand auf einem leicht nach Nordwesten abfallenden Plateau über dem Nordufer des Eden, der dort Stanwix, einen Vorort der Stadt Carlisle, durchströmt. Heute befinden sich dort die St. Michaels Kirche und Stanwix House. Vom Plateau aus hatte man einen guten Blick nach Süden über das heutige Stadtgebiet, in Richtung der nördlichen Pennines und das Tal des Eden bis zum Lake District. Das Gebiet im Norden konnte noch auf eine Distanz von 5 km überwacht werden. Eine Straßenverbindung existierte vermutlich zu den Vorpostenkastellen Castra Exploratorum (Netherby) und Blatobulgium (Birrens) im Nordwesten sowie nach Luguvalium (Carlisle) und Eburacum (York) im Süden. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Wallregion zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.Guy de la Bedoyere 1998, S. 112, J. C. Bruce, 1966, S. 193–196.
Forschungsgeschichte und Fundspektrum Im Jahre 1790 entdeckte man in der Mauer der alten Gemeindekirche den Grabstein eines römischen Kavalleristen und ein Relief der Siegesgöttin Victoria. Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen auf dem Kastellareal wurden zwischen 1932 und 1934 von Frank Gerald Simpson und Ian Alexander Richmond durchgeführt. Dabei konnten die Ausmaße des Steinkastells und die Positionen eines Eck- und eines Zwischenturms ermittelt werden. Im Jahre 1934 barg man aus dem Flussbett des Eden (am Rickerby Park) einige römerzeitliche Fundgegenstände. Dazu zählten Schmuck, Bestandteile von Kavallerieausrüstung und Kochgeschirr. Sie stammten aus der Werkstatt eines Bronzeschmieds im Vicus und waren wohl im Laufe der Zeit durch Erosion vom Kastell in den Fluss gelangt. Der Verlauf des Südgrabens (vallum) konnte bis zur Südostecke des Lagers verfolgt werden. Dabei wurden auch Spuren der Kastellgräben an der Südmauer und vom Hadrianswall in diesem Abschnitt beobachtet. Spuren von langgestreckten, kasernenähnlichen Gebäuden konnten ebenfalls beobachtet werden (Hof der Stanwix Primary School). Im Jahre 1939 wurden die Reste eines von Ost nach West ausgerichteten Kornspeichers bei Bauarbeiten zur Erweiterung des Schulhofes ausgegraben. Im Jahre 1940 wurden der südwestliche Eckturm sowie einzelne Abschnitte der Süd- und Ostmauer lokalisiert. Im Jahre 1976 führte G. H. Smith Ausgrabungen an der Brampton Road, auf dem Areal der Zivilsiedlung, durch. In den 1980er Jahren wurden einzelne Abschnitte der nördlichen und südlichen Umwehrung ausgegraben und teilweise konserviert. Eine zwischen 1991 und 1992 mit einer 0,6 Meter breiten Lehmschicht bedeckte Fläche auf dem Gelände des Cumbria College of Art, etwas östlich der Festung, wurde von den Archäologen der Carlisle Archaeological Unit (CAU) als Paradeplatz des Kastells interpretiert. Die Ausgrabung der CAU von 1997 bestätigte die von F. G. Simpson gemachten Entdeckungen und stellte in weiterer Folge fest, dass die römischen Gebäudereste in bis zu 1,5 m Tiefe zwischen 0,2 m und 0,4 m unterhalb des Spielplatzes lagen. Im Jahre 2017 wurde das Kastellbad nördlich des Eden (Eden Bridge) auf einem Cricketplatz entdeckt. Im gleichen Jahr wurde ein 3D-Laserscan (LIDAR) des Standorts durchgeführt, mit dem die noch vorhandenen Strukturen genauer bestimmt werden konnten.
Die Funde aus den diversen Ausgrabungen wurden auf das Tullie House Museum/Carlisle und das Museum von Newcastle verteilt. An Inschriften, die in Stanwix gefunden wurden, sind ein Altar für die Muttergöttinnen, gestiftet von Asinius Senilis, und ein Altar, gestiftet für den Konsul des Jahres 167 n. Chr., Ummidius Quadratus und den Kaiser Lucius Verus, bekannt geworden. Entdeckt wurden 2017 beim Kastellbad auch zwei römische Inschriften. Eine war der römischen Kaiserin Julia Domna gewidmet, eingemeißelt drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Septimius Severus, als ihr Sohn Caracalla Kaiser war. Die andere, eine Grabinschrift, stand einst an der Begräbnisstätte eines im 60. Lebensjahr verstorbenen Veteranen, der in der Ala Petriana gedient hatte. Im Bad selbst wurde eine große Anzahl an Artefakten aufgefunden. Dazu gehören eine eiserne Pfeilspitze, Haarnadeln aus Knochen (was darauf hindeutet, dass auch Frauen das Bad benutzten), mehr als 100 hervorragend erhaltene Münzen aus dem zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. und Töpferwaren.Eric Birley 1961, S. 205–208, J. C. Bruce, 1957, S. 206–209, RIB 2025,RIB 2026, John Collingwood-Bruce 1966, S. 194, RIB 2030, Archaeology news network: https://archaeologynewsnetwork.blogspot.co.uk/2017/05/roman-bath-house-found-in-carlisle.html#EFfHscTBkCSis8Ra.97.
Entwicklung Im Jahre 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und Mannschaften der Classis Britannica errichtet.
Über die Geschichte des Kastells ist nur wenig bekannt. Zuerst wurde von den Römern um 122 n. Chr. in Stanwix eine kleine Holz-Erde-Befestigung errichtet. Wahrscheinlich war zu dieser Zeit dort Hilfstruppeninfanterie stationiert. Sie wurde um 160 in Stein umgebaut, gleichzeitig mit dem Wiederaufbau des westlichen Abschnitts des Hadrianswalls bzw. nach der Aufgabe des Antoninuswalls. Neben der Bewachung des Walls sicherte seine Besatzung vermutlich auch eine Furt oder Brücke über den Eden und den Caldew sowie die hier vorbeiführende Straße nach Schottland. Für den zivilen Grenzverkehr existierten am Hadrianswall nur drei Übergänge, der in Uxelodunum, die anderen in Banna (Birdoswald) und Onnum (Halton-Chesters) – das sogenannte Portgate. Nach Fertigstellung des Steinkastells wurde dort die ala Petriana, die größte Hilfstruppenkavallerie-Einheit der Britannia, stationiert. Der westliche Sektor des Walls war der gefährlichste Abschnitt der Nordgrenze, sowohl wegen der Topographie des Landes, die Invasoren begünstigte, als auch wegen der feindlich gesinnten Barbarenstämme. Dazu gehörten insbesondere die Novantae und Selgovae, die auf dem Gebiet des heutigen Verwaltungsbezirkes Dumfries and Galloway siedelten. Die Römer hatten also gute Gründe, dort ihre einzige 1000 Mann starke ala zu stationieren. In Uxelodunum lag vermutlich das Hauptquartier bzw. das Oberkommando für die Wallgarnisonen. Weiters standen an der Straße von Luguvalium (Carlisle) nach Eburacum (York), dem Stammlager der Legio VI Victrix, eine Kette von Signalstationen. Sie ermöglichten es dem Präfekten von Stanwix, im Alarmfall mit dem Legionslegaten in York innerhalb kurzer Zeit Kontakt aufzunehmen, um bei Bedarf Verstärkung anzufordern. Bei den Ausgrabungen an der Rückseite des Cumbria Park Hotel (Nordwall des Kastells) fiel eine deutliche Abwesenheit von Keramik aus dem 3. und 4. Jahrhundert auf. Vielleicht war es in dieser Zeit vorübergehend von der Armee aufgegeben worden. Da das Kastell aber noch in der Notitia dignitatum erwähnt wird, scheint es danach zumindest noch bis ins frühe 5. Jahrhundert von regulären Soldaten besetzt gewesen zu sein.Sheppard Frere, 1967, S. 137, J. A. Dacre, 1985, S. 53–69, Wolfgang Moschek, 2011, S. 213.
Kastell Der größte Teil des Areals der römischen Festung liegt nordöstlich der St. Michaels Kirche. Bei Notgrabungen im Zuge von Bauarbeiten hinter den beiden Pubs Crown und Thistle Inn im Bereich des ehemaligen Lagers zeigte sich, dass die römischen Schichten größtenteils bei einer späteren Bodennivellierung zerstört worden waren. Am Castle Park Hotel (Parkplatz) und der St. Michael-Kirche stehen Informationstafeln über das Kastell. Es durchlief im 2. Jahrhundert offensichtlich mehrere Bauphasen: Errichtung eines Holz-Erde-Lagers Abriss des Holz-Erde-Lagers und Errichtung des Steinkastells spätere Erweiterung des Steinkastells nach Norden und Westen
Holz-Erde-Kastell Zur Zeit des Hadrian errichtete man ein kleines Holz-Erde-Lager, das den provisorischen Holz-Erde-Wall sichern sollte. Seine nördliche Längsachse war parallel zur Mauer ausgerichtet. Die Lagerwälle waren nicht mit der Hadriansmauer verbunden. Der Südgraben (vallum) im Bereich des Kastells war vom Wehrgraben der Holz-Erde-Festung durchschnitten. Mitte des 2. Jahrhunderts wurde es durch das Steinkastell ersetzt, wohl zur selben Zeit, als auch dieser Abschnitt der Hadriansmauer in Stein neu aufgebaut wurde.
Steinkastell