mini|Zentrale in Bad Wimpfen
Unter der Bezeichnung Lidl werden insgesamt über 12.500 Lebensmitteleinzelhandelsfilialen in Europa und den USA betrieben. Nach Anzahl der Filialen ist Lidl damit hinter Aldi der zweitgrößte Discounter-Konzern der Welt.
Die Filialen in Deutschland werden von der LD-Stiftung mit Sitz in Bad Wimpfen betrieben. Die anderen Filialen in Europa und den USA betreibt die Lidl Stiftung & Co. KG mit Sitz in Neckarsulm. Beide Schwesterunternehmen sind Teil der Schwarz-Gruppe, zu der auch Kaufland als Lebensmittelvollsortimenter gehört.
Geschichte mini|Lidl und Co. Südfrüchtenhandlung in der Sülmerstraße 54 in Heilbronn (um 1905)
Zwischen 1855 und 1857 wurde in Heilbronn in der Sülmerstraße 31vgl. Eintrag im Heilbronner Adressbuch von 1862, dort als "Lidl & Cie. Südfrüchtenhandlung" eine Specerei- und Südfrüchte-Handlung unter dem Namen A. Lidl & Cie. gegründet. Namensgeber war der Kaufmann Anton Lidl (geboren am 22. Februar 1810 in Partenkirchen), der in Stuttgart einen Zitronenhandel betrieb.https://www.wikitree.com/wiki/Lidl-5, abgerufen am 11. April 2026 Im März 1866 übernahm der Kaufmann Aloys Paulweber das Unternehmen von Anton Lidl.https://www.wikitree.com/wiki/Lidl-5, abgerufen am 11. April 2026 Von der Sülmerstraße 31 wurde das Geschäft vor 1879 in die Deutschordensstraße 11 verlegt, bevor es zehn Jahre später in der Sülmerstraße 54 zu finden war.Heilbronner Adressbücher, einsehbar unter https://wiki.genealogy.net/Kategorie:Adressbuch_f%C3%BCr_Heilbronn
1930 trat der Heilbronner Kaufmann Josef Schwarz (1903–1977) als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die damalige Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung ein. Das Unternehmen wurde in Lidl & Schwarz KG umbenannt und zu einer Lebensmittelgroßhandlung für die Region Heilbronn ausgebaut.
Lidl & Schwarz wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört und innerhalb von zehn Jahren wiederaufgebaut. 1954 wurde in Heilbronn eine neue Hauptverwaltung eingerichtet. 1968 eröffnete Lidl & Schwarz den ersten Supermarkt unter dem Namen „Handelshof“ in Backnang, die Handelshof-Märkte wurden ab 1984 in Kaufland-Supermärkte umbenannt.
Josefs einziger Sohn Dieter Schwarz absolvierte nach seinem Abitur von 1958 bis 1960 eine kaufmännische Ausbildung in der Lebensmittelgroßhandlung Lidl & Schwarz KG in Heilbronn und wurde 1962 Prokurist sowie 1963 persönlich haftender Gesellschafter. 1972 wurde in Neckarsulm eine neue Unternehmenszentrale eröffnet.
Gründung des Discounterkonzerns Lidl 1968 eröffnete Dieter Schwarz seinen ersten Einzelhandelsladen.Die Lidl-Story, eine Dokumentation des ZDF vom 20. Juni 2019, abgerufen am 23. Juni 2019 Im Jahr 1973 wurde der erste Discountermarkt als neuer Geschäftstyp in Ludwigshafen am Rhein eröffnet. Weil er den Namen Lidl aus rechtlichen Gründen nicht übernehmen konnte und um das Wortspiel „Schwarzmarkt“ zu vermeiden, erwarb Dieter Schwarz von dem pensionierten Berufsschullehrer und Kunstmaler Ludwig Lidl für 1000 DM die Namensrechte.Karsten Kilian: Markenprodukte. Markenlexikon.de, abgerufen am 22. November 2022
Als Josef Schwarz 1977 starb, übernahm Dieter Schwarz die Lebensmittelgroßhandlung Lidl & Schwarz KG. Zu diesem Zeitpunkt existierten über 30 Filialen. Bis 1978 testete Schwarz verschiedene Discounttypen, bevor die endgültige Konzeption in Serie ging: Die Unternehmens-Aktivitäten wurden in den Bereich der Discountmärkte (Kleinflächen) unter dem Namen Lidl sowie in den Bereich der Vollsortimenter (Großflächen) Kaufland aufgeteilt.
Mit dem Rückzug aus der Unternehmensleitung 1999 übertrug Dieter Schwarz seinen Anteil steuersparend auf die Dieter-Schwarz-Stiftung gGmbH.
mini|Beteiligungen mini|Außenansicht einer Lidl-Filiale Nach Wilfried Oskierski folgte im September 2008 Karl-Heinz Holland als Vorstandsvorsitzender. Die Entlassung Hollands am 21. März 2014 wurde mit „unterschiedlicher, nicht überbrückbarer Auffassungen betreffend der künftigen strategischen Geschäftsausrichtung“ begründet. Holland bekam nach Informationen des Manager Magazins bis zum Ende seiner Kündigungsfrist zum 31. März 2017 sein Jahresgehalt von 3 Millionen Euro. Sein Nachfolger, Sven Seidel, blieb bis Februar 2017 auf seiner Position. Seidels Nachfolger Jesper Højer wurde Mitte 2019 durch Ignazio Paternò abgelöst. Ab August 2020 war Gerd Chrzanowski kommissarischer Vorstandsvorsitzender. Er wurde am 1. Dezember 2021 von Kenneth McGrath abgelöst. Chrzanowski übernahm dann den Vorsitz der Schwarz-Gruppe.
Am 5. Mai 2017 fand in Bad Wimpfen der erste Spatenstich für die neue Lidl-Deutschland-Zentrale statt. Unweit des bisherigen Unternehmenssitzes in Neckarsulm ist für die rund 1500 Beschäftigten der LD-Stiftung ein eigenes Gewerbegebiet erschlossen worden. Der Umzug des Unternehmens erfolgte im April 2021.
Expansion mini| Lidl-Aktivitäten
Nach der Expansion Lidls innerhalb Westdeutschlands wurde 1990 das erste Geschäft in den ostdeutschen Bundesländern in Chemnitz eröffnet. Schon ein Jahr zuvor hatte 1989 die internationale Expansion mit dem Markteintritt in Frankreich begonnen. In Frankreich ist Lidl mit 1600 Filialen Marktführer im Discount-Segment.
2014 war Lidl mit 9.875 Filialen in 26 Ländern vertreten, 2021 mit 11.550 Filialen in 30 Ländern.
Norwegen ist das einzige Land, aus dem sich Lidl wieder zurückzog, da seit dem Markteintritt 2004 nach vier Jahren lediglich ein Marktanteil von 1,5 % erreicht wurde.RadiOs.no: Im März 2008 wurde bekannt, dass sich der Discounter von seinen 50 Märkten in Norwegen trennen und sie an die Reitan-Gruppe mit dem Discounter Rema 1000 abgeben werde. Neben den Filialen wurden auch Verwaltung und Distribution abgegeben.
Die Expansion in die baltischen Staaten wurde 2006 wegen des mangelnden Erfolges gestoppt und 2014 wieder aufgenommen.
Litauen mini|Lidl-Eröffnung im Juni 2016 in der litauischen Hauptstadt Vilnius Die UnternehmenszentraleRegisterdaten von UAB Lidl LietuvaMitarbeiterzahl befindet sich im Stadtteil Viršuliškės der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die Fläche des von „Lidl Lietuva“ im Jahr 2013 gekauften Grundstücks bei Kaunas beträgt 143.000 m², auf dem seit dem 14. April 2016 das Zentrallager mit einer Fläche von 42.800 m² (davon 13.000 m² für Kühlraum) unterhalten wird.Atidarytas „Lidl“ logistikos centras Kauno rajone Das Logistikzentrum wurde beim Dorf Ramučiai in der Rajongemeinde Kaunas gebaut.Zentrallager in Litauen (Litauische Tageszeitung Lietuvos rytas) Die Investitionen betrugen 40 Mio. Euro.
Die ersten 15 Läden wurden am 2. Juni 2016 geöffnet. Die Reihen der KäuferEilėje į „Lidl“ stovėjusi pirkėja atkirto tiems, kas juokėsi entstanden schon ab 6:30 Uhr, obwohl die Geschäfte erst um 8 Uhr geöffnet wurden.„Lidl“ atidarymo nuotaikos: džiaugsmas pigiomis prekėmis, pykčio žaibai valdžiai ir būtinybė įsigyti bananų Den Lidl-Markt in Fabijoniškės besuchten als erste Käufer Ehrengäste ab 7:30 Uhr. Dazu zählten das „Lidl“-Werbegesicht Basketballspieler Arvydas Sabonis, der Vilniuser Bürgermeister Remigijus Šimašius, der litauische Wirtschaftsminister Evaldas Gustas sowie Diplomaten aus der deutschen Botschaft in Vilnius.Pirmieji „Lidl“ pirkėjai: ką pirko meras Šimašius ir Sabonis?
Österreich
Seit 1998 ist Lidl in Österreich durch die Lidl Österreich GmbH mit Sitz in Salzburg vertreten. Lidl Österreich betreibt rund 230 Filialen und drei Logistikzentren (Laakirchen, Wundschuh und Müllendorf). 2018 begann die Errichtung eines 6 ha großen Logistikzentrums bei Großebersdorf, das ab 2021 das Zentrum im burgenländischen MüllendorfLidl übersiedelt Logistikzentrum von Müllendorf nach NÖ. Die Presse, 19. Januar 2018. Abgerufen am 14. Dezember 2018. ersetzen soll.
Rumänien 2011 kaufte Lidl die 107 von Plus in Rumänien betriebenen Filialen und flaggte diese bis Oktober auf das Lidl-Konzept um.
Schweiz
Der Sitz der Lidl Schweiz AG ist in Weinfelden.Eintrag im Zefix, abgerufen am 12. März 2020. Im März 2009 wurde die erste Filiale in der Schweiz eröffnet.Handelsblatt: , vom 18. März 2009. Die Verteilzentren sind in Weinfelden und Sévaz. Anfang 2025 gibt es 187 Filialen mit 4.500 Mitarbeitern.Über Lidl, lidl.ch, abgerufen am 30. Januar 2024
Vereinigtes Königreich Nach dem Markteintritt im Jahr 1994 wurde die Expansion stark vorangetrieben. Heute ist das Unternehmen in England, Schottland, Wales und Nordirland mit etwa 760 Läden vertreten. Das Unternehmen profitierte wie der Konkurrent Aldi Süd stark von der in dem Land stark spürbaren Finanzkrise 2008 und baute den Marktanteil seitdem von 2 Prozent auf knapp (2019) 6 Prozent aus. Auch vor dem Hintergrund des Brexits wurde der Anteil der lokal produzierten Produkte stetig erhöht, was zum Erfolg beitrug. Außerdem sind die Preise teilweise wesentlich niedriger als in den etablierteren, britischen Supermarktketten. In den kommenden Jahren nach 2019 möchte das Unternehmen seine Filialanzahl daher weiter erhöhen (bspw. in London um 40 Läden).
Spanien In den beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla betreibt Lidl jeweils eine Filiale und ist damit auch direkt auf dem afrikanischen Kontinent vertreten.
USA Im Juni 2017 eröffnete Lidl USA vom Unternehmenssitz in Arlington, Virginia, die ersten zehn US-Filialen in den Bundesstaaten Virginia, North Carolina und South Carolina. Innerhalb eines Jahres sollten anfangs bereits über 100 weitere Lidl-Märkte an der Ostküste der USA folgen, womit Lidl an die Expansionspläne des Konkurrenten Aldi Süd für die USA anschließen will. Aufgrund der für Verbraucher nicht attraktiven Lage und die zu großzügige Gestaltung der Märkte sowie zu lange Logistikwege explodierten für das Unternehmen die Kosten des Markteintritts (geschätzt: Über 1 Mrd. Euro). Die Expansion wurde daher gestoppt und die Pläne für neue Märkte überarbeitet. Daher sind bis 2019 erst rund 71 Märkte eröffnet worden. Eine Expansion in weitere Bundesstaaten ist jedoch fest geplant. Dazu gehörte die zwischenzeitliche Akquisition von 27 Supermärkten der Marke Best Market in den Bundesstaaten New York und New Jersey.
Seit 2019 verantwortet Roman Heini die Landesgesellschaft, er war vorher Deutschland-Manager von Aldi Süd. Heini verordnete dem US-Sortiment eine stärkere Ausrichtung auf typisch amerikanische Produkte und auf ein amerikanischeres Filialkonzept als zuvor.
Laut Klaus Gehrig rechnet das Unternehmen mit einem Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren, bis sich das Unternehmen wie in Europa bei den Verbrauchern als ernstzunehmende Alternative etabliert hat.
Der Slogan von Lidl in den USA lautete zuerst Rethink Grocery (etwa: Lebensmittel neu erfinden), inzwischen jedoch Think Grocery (etwa: Denke Lebensmittel).
Zukünftige Expansionen Bei zukünftigen Expansionen steht besonders der südosteuropäische Bereich im Vordergrund. Eine Expansion in die Ukraine musste auf Grund des russischen Überfalls auf die Ukraine verschoben werden.
Unternehmen In Deutschland betreibt Lidl 39 Regionalgesellschaften, die wiederum über 3250 Filialen betreuen.
+Regionalgesellschaften von Lidl in DeutschlandNorddeutschlandWestdeutschlandOstdeutschlandSüddeutschlandWasbekPaderbornKremmenEggolsheimRostockBönenFreienbrinkSankt IngbertSiekHerneGroßbeerenWöllsteinHamburgKamp-LintfortBernburgSpeyerBremenKasselRadeburgWaldenburgCloppenburgLeverkusenGeraBietigheimWesterkappelnGrevenbroichStuttgartHildesheimKerpenStraubingSiegenButzbachKoblenzDettingenErlenseeMünchenAugsburgHüfingenFreiburg
Produktionsbetriebe
Lidl selbst produziert keine Eigenmarken und besitzt auch keine Produktionsstätten. Das Schwesterunternehmen Schwarz Produktion Stiftung & Co. KG stellt Marken exklusiv für Lidl her. Dieses sind insbesondere Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Tafelschokolade, Nüsse, Trockenfrüchte, Brot und Brötchen (als tiefgefrorene Teiglinge), Speiseeis und Kaffee.
Tailwind Shipping Lines und Tailwind Intermodal