Logokratie (von altgriechisch λόγος lógos „Wort“, aber auch „Vernunft“ (siehe Logos) und κρατεῖν kratein „herrschen“, also etwa „Herrschaft des Wortes“, „Herrschaft durch das Wort“ oder auch „Herrschaft der Vernunft“) ist ein Begriff, der staatstheoretisch oder diskurstheoretisch verstanden werden kann und dabei häufig eine negative Konnotation erfährt. Besondere Bedeutung im Sinne einer positiv besetzten „Vernunftherrschaft“ hat er im Werk des Philosophen Kurt Hiller.
Begriffsgeschichte In der Zeitschrift The Port Folio ließ Joseph Dennie unter seinem Pseudonym „Oliver Oldschool“ 1807 die Figur des Ausländers Mustapha Rub-a-dub Keli Khan die Vereinigten Staaten von Amerika als „Logocracy“ bezeichnen und meint damit, dass der gezielte Einsatz von Worten Macht über andere ausüben kann. Diejenigen, die die Kunst der Logokratie am besten beherrschen, werden als "slang-whangers" bezeichnet, während der Kongress eine "blustering, windy assembly" ist (Hervorhebung im Original):
Der Philosoph Fritz Mauthner verwendete den Begriff in der 1923 erschienenen zweiten Auflage seines Wörterbuch der Philosophie ebenso. Er wies darauf hin, dass Worte Macht über andere Menschen ausüben können:
Im 20. Jahrhundert finden sich Verwendungen des Begriffs ansonsten unter anderem bei Hannah Arendt, die den Totalitarismus als Logokratie beschrieb, und bei Czesław Miłosz, der die Sowjetunion als Logokratie bezeichnete, welche in Form einer ideologischen Tyrannei versucht, die Gedanken ihrer Untertanen zu kontrollieren.
Logokratie bei Kurt Hiller Der Publizist Kurt Hiller verwendete den Begriff in seinem 1920 erschienenen Werk Logokratie oder Ein Weltbund des Geistes im Sinne einer wünschenswerten „Herrschaft der Vernunft“. Während der Novemberrevolution versuchte Hiller als Vorsitzender des von ihm mitgegründetem Politischen Rates geistiger Arbeiter, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Diesem Engagement lag sein als Korrekturmodell zur Demokratie konzipiertes Ideal einer „Logokratie“ zu Grunde, das – anknüpfend an Platons Idee der „Philosophenkönige“ – die politische Herrschaft in Form eines Zweikammersystems zwischen dem gewählten Parlament und einem als Korrektiv wirkenden Ausschuss der geistigen Elite und damit den Intellektuellen teilen sollte. Diese „elliptische Verfassung“ sollte durch die zwei Mittelpunkte der beiden Kammern besonders ausgewogen sein.
Hiller verwendete den Begriff der Logokratie dabei unter anderem folgendermaßen (Hervorhebungen hinzugefügt):
Literatur Kurt Hiller: Logokratie oder Ein Weltbund des Geistes. In: Das Ziel. Viertes der Ziel-Jahrbücher. Kurt Wolff, München 1920. Eigenständig veröffentlicht im Der Neue Geist Verlag, Leipzig 1921. Fritz Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. 2. Auflage. Leipzig 1923 (Nachdruck im Verlag Böhlau 1997, ISBN 3-205-98644-X).
Weblinks Kurt-Hiller-Gesellschaft: Logokratie – Herrschaft der Vernunft
Einzelnachweise
Kategorie:Herrschaftsform