mini|Der 1944 von Zwangsarbeitern errichtete Eingang zum Tunnel d'Urbès

Das KZ-Außenlager Urbès – nach der Nachbargemeinde Wesserling häufig auch als Außenkommando Wesserling-Urbès (oder Urbis) bezeichnetWarum Wesserling häufig als Name dieses Außenlagers benutzt wird, lässt sich abschließend nicht klären. Wesserling verfügte über die Bahnstation, über die die Häftlinge an- und abtransportiert wurden, und im dortigen Schloss hatte ein SS-Genesenden-Bataillon seinen Sitz. Beim Näherrücken der Alliierten diente das Schloss auch als Unterkunft für einen Stab des Frontabschnitts. In Zeitzeugenberichten ist immer wieder davon die Rede, dass Wesserling ihr Ankunftsort war, von dem aus sie dann zu Fuß in das Lager in der Nähe des Tunnels marschieren mussten. (Commune d'Urbès: Das Außenlager von Urbis: Flucht von 2 russischen Häftlingen) Zu einem Lager in Wesserling selbst liegen keine Informationen vor. – war ein im März 1944 eröffnetes Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Es bestand aus einem Lager für die zur Zwangsarbeit gezwungenen KZ-Häftlinge und einer unterirdischen Produktionsstätte (Deckname Kranich) für Flugzeugmotoren im unvollendet gebliebenen Eisenbahntunnel von Urbès. Lager und Produktionsstätte wurden im Oktober/November 1944 wegen des alliierten Vormarsches aufgegeben.

Das Außenlager Urbès im Kontext der Rüstungsindustrie Nach Robert Steegmann wies das KZ Natzweiler im August 1944 den höchsten Häftlingsbestand im Laufe seiner Geschichte auf, „was mit der neuen Rolle der Konzentrationslager bei der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft im Rahmen des totalen Krieges zusammenhing“. Die damals gegründeten Außenlager unterstanden zwar dem Stammlager Natzweiler-Struthof, doch ab 1944 wurden die meisten Häftlinge direkt in die Außenkommandos verbracht. In Kontakt zum Stammlager kamen sie nur, falls sie in das dortige Krankenrevier überstellt wurden. In den Außenlagern mussten sie vorrangig für die Rüstungsindustrie arbeiten.Robert Steegmann: Das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof und seine Aussenkommandos

Das Außenlager Urbès entstand Mitte März 1944 in dem zuvor skizzierten Kontext. Seine Notwendigkeit aus der Sicht des NS-Regimes und der Rüstungsindustrie ergab sich aus den Folgen der Big Week, in der die Alliierten Luftstreitkräfte zwischen dem 20. und dem 25. Februar 1944 verheerende Angriffe auf die deutsche Rüstungsindustrie geflogen hatten. Um diese Schäden zu kompensieren, gründeten Albert Speer, Erhard Milch und Hermann Göring einen neuen Führungsstab, der insbesondere die Produktion von Jagdflugzeugen wieder in Gang bringen sollte.Arno Huth: Das doppelte Ende des „K.L. Natzweiler“ auf beiden Seiten des Rheins

Der „Jägerstab“ sollte für die Rüstungsproduktion vorhandene Untertageanlagen (Bergwerke, Tunnel, Steinbrüche) ausfindig machen, in die gefährdete Produktionsstätten im Rahmen der U-Verlagerung verlegt werden konnten. Zum Ausbau dieser Produktionsstätten und deren anschließenden Betrieb sollten KZ-Häftlinge herangezogen werden. Unter der Leitung des hochrangigen SS-Offiziers Hans Kammler wurden ab Mitte März 1944 20 Projekte in Angriff genommen, davon 10 mit höchster Priorität. Eines dieser 10 A-Projekte, das Projekt A 10 (codename Kranich), war der Tunnel bei Urbès.

Im nie fertiggestellten Eisenbahntunnel von Urbès sollten unterirdische Flugmotoren für den Motorentyp Daimler-Benz DB 605 produziert werden, vor allem für Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109. Urbès sollte „als Standort der Daimler-Benz-Niederlassungen in Colmar, Reichshof (Flugmotoren-Werke)1. November 1941: Daimler-Benz übernimmt das Flugmotorenwerk Reichshof (Rzeszów). Siehe auch: Auf den Spuren der jüdischen Häftlinge - auch „Daimler-Benz Juden“ oder „Produktionshäftlinge“ genannt. auf der Webseite der Commune d'Urbès. und Sindelfingen dienen […]. Ziel war es, die über ganz Deutschland verstreuten Produktionsstätten von Daimler-Benz in Urbis zu konzentrieren.“

Die kurze Existenz des Außenlagers Urbès Wie oben schon erwähnt, umfasste der Komplex des Außenlagers Urbès das Lager für die Häftlinge und den Stollen des Eisenbahntunnels als geplantem Produktionsstandort. Ernest Gillen, ein ehemaliger Deportierter aus Luxemburg, hat das in einer Lagerskizze noch etwas differenzierter dargestellt. Nach ihm befand sich das Hauptlager einschließlich der vorgelagerten Unterkünfte für die SS dort, wo sich heute der Campingplatz befindet. Dieses Gelände war auch der Standort der Arbeiterunterkünfte während der Tunnelbauarbeiten in der ersten Hälfte der 1930er Jahre. () Innerhalb dieses Lagerkomplexes enthält Gillens Skizze noch einen separaten Bereich, den er als „Camp des Italiens“ bezeichnete, und darüber hinaus zeichnete er einen weiteren Lagerbereich direkt neben dem Tunneleingang ein, etwa 700 Meter bergauf. Nach ihm war dies das „Camp des ‚Ostarbeiter‘“.Ernest Gillen: Plan de Situation des Camps d'Urbès (Pres de Wesserling), in: Commune d'Urbès: Der Tunnel von Urbis: Ort des kollektiven Gedenkens… () Huth bestätigt dies, indem er darauf hinweist, dass die „Daimler-Benz Juden“ „nach ihrem Eintreffen vom übrigen Lager abgesondert worden [seien], damit sie nicht mit den anderen Gefangenen in Kontakt kämen“.

Ab dem 25. März 1944 trafen die zur Zwangsarbeit verpflichteten Menschen in Urbès ein – durchweg aus anderen Konzentrationslagern. 300 Häftlinge aus dem KZ Dachau waren die ersten, die eintrafen.Diese und die nachfolgenden Angaben über die Zugänge: Arno Huth: Das doppelte Ende des „K.L. Natzweiler“. S. 33. Am 29. März wurden weitere etwa 200 Häftlinge aus Dachau ins Elsass verlegt, die aber zwischen den Lagern Urbès und dem Außenlager Markirch (Lager A 9 in der Jägerstab-Klassifikation) aufgeteilt wurden.Näheres zum Außenlager Markirch: Arno Huth: Das doppelte Ende des „K.L. Natzweiler“. S. 34 f. Am 6. April 1944 folgten 502 Häftlinge aus dem Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek. Am 6. Mai folgten 550 Häftlinge aus Auschwitz. Zwischen dem 22. Mai und Mitte August 1944 kamen in fünf Transporten 36 aus dem Stammlager Natzweiler. Zu den Häftlingen aus Lublin-Majdanek gehörte Zacheusz Pawlak, von dem es eine Erinnerung an die Ankunft in Wesserling und dann in Urbès gibt.

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Pawlaks letzter Satz verweist auf die unterschiedlichen Kategorien von Menschen, die sich in diesem Außenlager aufhielten. Es gab die sogenannten „Bauhäftlinge“, die außerhalb des Tunnels beim Bau der Baracken eingesetzt waren und beim Umbau des Tunnels in eine unterirdische Fabrik.Commune d'Urbès: Das Lager von Urbis. Überlebensverhältnisse, Zwangsarbeiten und Zwischenfälle Zu ihnen zählten auch die Männer des „Bahnhofskommandos“, die am Bahnhof Wesserling zum Be- und Entladen gebraucht wurden, und im eingangs schon erwähnten Château de Wesserling, das von der SS in Beschlag genommen worden war, war ein Häftlingskommando in der SS-Küche beschäftigt, während andere Häftlinge sich um die Sauberkeit des Parks kümmern mussten.AFMD 68: LE TUNNEL D'URBÈS – 1944 camp annexe du KL Natzweiler-Struthof Die „Produktionshäftlinge“ waren jene, die innerhalb des Tunnels für die Motorenproduktion eingesetzt wurden. Zu ihnen zählten vor allem die „Daimler-Benz-Juden“ aus dem Ghetto von Reichshof, die dort bereits für diese Arbeiten ausgebildet worden waren. Darüber hinaus gab es die Kategorie der am Bau beteiligten „Zivilarbeiter“, die im Dienst der am Bau beteiligten Firmen standen, so zum Beispiel der Firma Degler aus Rastatt, die in Straßburg eine Niederlassung unterhielt. Es handelte sich hauptsächlich um ein Dutzend elsässische Zivilarbeiter, die in für sie requirierten Zimmern bei Einheimischen wohnten und täglich mit einem Fahrzeug zum und vom Lager weg transportiert wurden. Eine weitere Kategorie bildeten nach Huth „polnische, sowjetische und italienische ‚zivile‘ Zwangsarbeiter und jüdische KZ-Häftlinge in der Produktion“. Sie alle unterstanden einem Führungsstab des Außenlagers, der aus einem Leiter und seinem für die Bauplanung verantwortlichen Stellvertreter bestand, sowie einem Kommandoführer für den Einsatz der KZ-Häftlinge und einem Wachkommandoführer und weiteren Personen für spezielle Aufgaben. Die Bauleitung wurde zusammen mit den Beauftragten der zu verlagernden Rüstungsfirma ausgeübt, in dem Fall den Vertretern von Mercedes-Benz. In Urbès war der SS-Hauptsturmführer Josef Janisch der Projektleiter, während das Häftlingslager unter Leitung von SS-Hauptsturmführer Arnold Brendler stand.In dem Wikipedia-Artikel über Josef Janisch wird unter Berufung auf Wolfgang Benz und Barbara Distel ein Arno Bendler als Janischs Stellvertreter erwähnt. Das stimmt aber weder mit Robert Steegmann, S. 296 & S. 552, überein, noch mit den vielen Internetquellen über Brendlers Tätigkeit in Leonberg. Für eine ausführlichere Biografie Brendlers siehe: Arno Huth: Das doppelte Ende des „K.L. Natzweiler“. S. 33, Anmerkung 35.

Das Lager- und Wachpersonal, das in Privatunterkünften und in einem Hotel untergebracht war, bestand anfangs aus etwa 30 Personen und wuchs schließlich auf 120 Personen an. Es bestand aus SS-Leuten sowie Offizieren und Soldaten der Luftwaffe.

Die Lebensverhältnisse waren für die Häftlinge sowohl im Lager als auch an den Arbeitsstätten katastrophal. In den Baracken schliefen 120 bis 150 Menschen in einem engen Raum auf dem Boden und hatten nur etwas Stroh als Unterlage. Die Nahrung war sehr schlecht und ungenügend.Commune d'Urbès: Der Tunnel von Urbis: Ort des kollektiven Gedenkens… Und über die Arbeitsbedingungen berichtete ein Häftling: