mini|Logo des VDA mit Kornblume

Der Verein für das Deutschtum im Ausland e. V. (VDA) war eine mehrfach umbenannte Kulturorganisation in Deutschland. Der Verein verstand sich, in der Endphase seiner Existenz, als kultureller Mittler und Bindeglied zwischen den in aller Welt lebenden Deutschen, zu denen er vielfältige Kontakte unterhielt, und dem deutschen Mutterland. Der VDA sah es als seine Aufgabe an, die deutsche Sprache und Kultur im Ausland durch die Unterstützung eines intensiven Jugendaustausches, auslandsdeutscher Einrichtungen wie z. B. Schulen und Kindergärten sowie auslandsdeutscher Medien und Publikationen zu fördern. Der Verein hatte eine lange, fast 140-jährige, Geschichte und einige Umbenennungen hinter sich.

1881 als Allgemeiner Deutscher Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande gegründet, wurde er 1908 umbenannt in den Verein für das Deutschtum im Ausland, Schulverein e. V., dann 1933 erneut umbenannt in den Volksbund für das Deutschtum im Ausland. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Organisation ab 1955 unter dem Namen Verein für das Deutschtum im Ausland aktiv, wurde 1970 umbenannt in VDA – Gesellschaft für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland. Im Jahre 1981, aus Anlass des hundertjährigen Bestehens, nahm der Verein wieder den ursprünglichen Namen Verein für das Deutschtum im Ausland an. Seit 1998 und bis zur Einstellung der Geschäftstätigkeit 2019 trat der Verein unter dem Namen Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V. (VDA) auf.

Der Verein hatte zuletzt seine Geschäftsstelle in Sankt Augustin-Hangelar, im Frühjahr 2019 war der Verein zahlungsunfähig und stellte den Betrieb ein, seitdem ist die Geschäftsstelle geschlossen und die Homepage des Vereins nicht mehr erreichbar.Claudia Mahnke, Unrühmliches Ende einer Tradition - 27 Schüleraustasche wegen Insolvenz geplatzt, in General-Anzeiger Bonn vom 19. Oktober 2019.

Geschichte 1881: Allgemeiner Deutscher Schulverein Als Gründungsdatum gilt der 15. August 1881, als die Berliner Ortsgruppe des 1880 in Wien gegründeten Deutschen Schulvereines beschloss, die selbständigen ca. 50 reichsdeutschen Unterstützervereine im „Allgemeinen Deutschen Schulverein“ zu zentralisieren.Gerhard Weidenfeller: VDA, Verein für das Deutschtum im Ausland, Allgemeiner Deutscher Schulverein. (1881–1918). Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Nationalismus und Imperialismus im Kaiserreich (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Bd. 66). Lang, Bern u. a. 1976, ISBN 3-261-01973-5, S. 165, 169 (Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1971). Im Unterschied zum Deutschen Schulverein wollte der „Allgemeine Deutsche Schulverein“ seine Tätigkeit nicht allein auf die Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie beschränken, sondern eine Schutzorganisation für Deutsche auf der ganzen Welt bilden.Karl Bell: Geschichte des Vereins für das Deutschtum im Ausland. In: Erwin Barta, Karl Bell: Geschichte der Schutzarbeit am deutschen Volkstum. Verein für das Deutschtum im Ausland, Dresden 1930, S. 99–348, hier S. 117. Vier Jahre nach der Gründung – am Ende des Jahres 1885 – gab es im Deutschen Reich insgesamt 12.000 Mitglieder des „Allgemeinen Deutschen Schulvereines“, die in 140 Ortsgruppen zusammengeschlossen waren. 1923 waren es 13 Landesverbände und 600 Ortsgruppen mit über 360.000 Mitgliedern, sowie 700 Schulgruppen.Paul Herre (Hrsg.): Politisches Handwörterbuch. Band 2: A – K. Unter redaktioneller Mitwirkung von Kurt Jagow. K. F. Koehler, Leipzig 1923, S. 850 f.

Laut § 1 der Gründungssatzung lag der Vereinszweck darin, die Deutschen außerhalb des Mutterlandes, „… dem Deutschtum zu erhalten und sie nach Kräften in ihren Bestrebungen, Deutsche zu bleiben oder wieder zu werden, zu unterstützen“. Dies geschah durch die Errichtung und Erhaltung deutscher Schulen, Kindergärten und Bibliotheken im Ausland. Für Studenten gab es Stipendien zum Studium in Deutschland. Dafür wurden in Deutschland Lobbyarbeit, Pressearbeit und Öffentlichkeitsarbeit geleistet und Spendensammlungen organisiert. Dem Vereinszweck entsprechend gehörten dem Verein vorwiegend Lehrer und Schüler, aber auch namhafte Persönlichkeiten wie die Historiker Theodor Mommsen und Heinrich von Treitschke, an.

1908: Verein für das Deutschtum im Ausland, Schulverein e. V. mini|Berlin 1932, Fest der deutschen Schule. „Der Verein für das Deutschtum im Ausland veranstaltete ein grosses Fest der deutschen Schule, an welchem über 20.000 Schüler und Schülerinnen teilnahmen“.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und den politischen Gebietsveränderungen und Bevölkerungsverschiebungen in der Folge des Versailler Vertrags und des Vertrags von Saint-Germain setzte sich der konservativ-nationalistische, bereits im Jahre 1908 in „Verein für das Deutschtum im Ausland“ umbenannte VDA im Kreis der reaktionären deutschvölkischen Bewegung mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes für die Revisionsbemühungen der 1920er Jahre und mit allen Mitteln für den Kampf um den Erhalt des „Auslandsdeutschtums“ ein.Norbert Krekeler: Revisionsanspruch und geheime Ostpolitik der Weimarer Republik. Die Subventionierung der deutschen Minderheit in Polen (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Nr. 27). Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1973, ISBN 3-421-01667-4 (Zugleich: Bonn, Universität, Dissertation, 1972: Zur Deutschtumspolitik des Auswärtigen Amtes in den durch den Versailler Vertrag abgetretenen Gebieten.). Noch frei vom „Rasse“-Prinzip nahm sich der zum Teil volksverhetzende VDAOskar Stillich: Fort mit dem VDA aus den Schulen! Vortrag. Mit einem Begleitwort von Paul Oestreich. Verlag fürs deutsche Volk, Breslau 1930. aller außerhalb der Reichsgrenzen lebenden Deutschen und ihrer landsmannschaftlichen Interessen an und gewann in dieser Zeit ca. 2,5 Mio. Mitglieder.

1921 schloss sich der österreichische Deutsche Schulverein Wien dem „Verein für das Deutschtum im Ausland“ als Landesverband Österreich des VDA an.

1933: Volksbund für das Deutschtum im Ausland Die Geschichte des VDA während des Nationalsozialismus ist umstritten. Tammo Luther macht gravierende Unterschiede zwischen der „traditionalistischen“ Volkstumspolitik des VDA und der nationalsozialistischen Volkstumspolitik aus. Zwar sei es dem VDA auch um eine Revision der Grenzen nach dem Versailler Vertrag gegangen, aber nicht um eine Eroberung von Lebensraum im Osten. Der VDA sei auch keiner rassischen Theorie gefolgt und auch nicht bereit gewesen, auslandsdeutsche Interessen machtpolitischen Kalkülen unterzuordnen.

Mitglieder verfügten über jeweils eine Mitglieds- bzw. „Opferkarte“, in der die monatlichen Beiträge dokumentiert wurden und die Leitsätze des Vereins abgedruckt waren:

„Von 100 Millionen Deutschen wohnen 40 Millionen außerhalb der jetzigen Reichsgrenzen. Das Schicksal der deutschen Brüder im Ausland ist auch das Schicksal des ganzen deutschen Volkes. Erhaltung und Pflege des deutschen Volkstums in den verlorenen Grenzmarken und im Ausland ist eine Hauptbedingung für Deutschlands politische u. wirtschaftliche Wiedergeburt. Diese Aufgabe des B.D.A. kennt weder Partei- noch Bekenntnisunterschiede. Lies und verbreite die Jugendzeitschriften: Jung-Roland, Roland-Blätter, Roland-Rätsel und die „Deutsche Welt“. Benutze die Einrichtungen des Wirtschaftsunternehmens des Vereins, kaufe die schönen Künstlerpostkarten, die eigenen Bleistifte, Federn, Federhalter, Füllfederhalter, B.D.A.-Briefpapiere in den einschlägigen Geschäften. Kaufe und benutze den Taschenkalender „Der Merker“. Du nutzt Dir selbst und hilfst dem Verein zu neuen Mitteln. Jedes Mitglied trage das Abzeichen des B.D.A. Bleib dem B.D.A. Dein Leben lang treu! Wirb neue Mitglieder und Spender! Jeder Beitrag und jede Hilfeleistung ist ein Baustein zu unserem Werk: friedliche Kulturhilfe und gegenseit. Förderung d. ganzen Deutschtums.“ (1933)

1934 wurden die Leitsätze 4 bis 6 und 8 in Annäherung an das nationalsozialistische Regime abgeändert:4. „Diese Aufgabe des B.D.A.muss das ganze Volk einmütig und opferwillig unterstützen.

5. Lies und verbreite die Jugendzeitschriften: „Rolandblätter“, „Jung-Roland“, „Jungroland-Rätsel“ und wirb für die Erwachsenen-Blätter: „Der Volksdeutsche“ und „Deutsche Arbeit“. Der B.D.A.-Abreißkalender „Deutsche in aller Welt“ gehört in jedes Klassenzimmer, in jedes deutsche Heim und in jede deutsche Familie: der Schülerkalender ‚Der Merker“ in die Hände jedes Schülers.

6. Bediene Dich des B.D.A.-Wirtschaftsunternehmens, Berlin W 30, Postfach 25. Bestelle sein Preisvergleichnis. Erwirb und verbreite seine B.D.A.-Vertriebs- und Werbeartikel.

8. Bleib dem B.D.A. Dein Leben lang treu! Wirb neue Mitglieder und Spender! Jeder Beirag und jede Hilfeleistung ist ein Baustein zu unserem Werk.“ (1934)Der Verein hatte im April 1933 Hans Steinacher an die Spitze gewählt. Steinacher, so Luther, sei von den Mitgliedern des VDA als der richtige Mann angesehen worden, „um den Verein vor übermäßigen Eingriffen seitens der NSDAP zu bewahren und die […] Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten.“ Der im Kärntner Abwehrkampf bewährte Steinacher wurde „Reichsführer“ des nun in Volksbund der Deutschen im Ausland umbenannten VDA, den er nach dem Führerprinzip organisierte. Durch das Erstarken der Auslandsabteilung der NSDAP unter Ernst Wilhelm Bohle geriet der VDA in ein Konkurrenzverhältnis um die Vertretung der Interessen der Auslandsdeutschen. Rudolf Heß regelte im Juli 1935, dass der VDA neben dem 1933 gegründeten Volksdeutschen Rat unter Karl Haushofer die „Volksdeutschen“ in Europa und den USA, die NSDAP/AO die „Reichsdeutschen“ im Ausland und die „Volksdeutschen“ in Übersee betreuen sollte. Mitte Oktober 1935 richtete Heß eine Zentralstelle zur Koordinierung der Volkstumspolitik unter Otto von Kursell ein, der am 1. Februar 1937 nach einer Intervention Heinrich Himmlers durch Werner Lorenz ersetzt wurde. Dies gilt als der Zeitpunkt, an dem die SS die Kontrolle über die nationalsozialistische Volkstumspolitik übernahm.Tammo Luther. Volkstumspolitik des Deutschen Reiches 1933–1938. 2004, zit. S. 69.

Andere Historiker haben demgegenüber die gemeinsamen Ziele und Wurzeln besagter „Traditionalisten“ und der Nationalsozialisten im völkischen Nationalismus herausgearbeitet.Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der „Volkstumskampf“ im Osten (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 143). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35942-X (Zugleich: Halle, Universität, Dissertation, 1998). „Wenn eine Organisation wie der VDA als Gegenspieler der Nationalsozialisten dargestellt und damit der Eindruck erzeugt wird, der VDA hätte eine Art ‚Opposition‘ zum NS dargestellt“, so Alexa Stille in einer Rezension von Luthers Studie, „dann ist dies nur wenig geeignet, die Strukturen der Volkstumspolitik in den Anfangsjahren des Nationalsozialismus offenzulegen und zudem schlichtweg falsch.“Alexa Stiller: Review of Luther, Tammo, Volkstumspolitik des Deutschen Reiches 1933–1938: Die Auslanddeutschen im Spannungsfeld zwischen Traditionalisten und Nationalsozialisten. H-German, H-Net Reviews. September 2005. online Der VDA hatte sich vielmehr früh der NS-Ideologie angenähert,Kurt Bauer: Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall (= UTB 3076). Böhlau, Wien u. a. 2008, ISBN 978-3-205-77713-7, S. 231. was so auch bereits von zeitgenössischen Beobachtern konstatiert worden ist.Vgl. etwa Der Wiener Tag. Jg. 13. Nr. 3936 vom 12. Mai 1934, S. 3 unter Randbemerkungen (online bei ANNO): „Der ‚Volksbund für das Deutschtum im Ausland‘ ist längst zu einer gewöhnlichen Propagandaorganisation des Nationalsozialismus herabgesunken.“