Teamim ( oder kurz , Singular , , im Deutschen auch Trope, von ) sind zugleich Betonungszeichen, Satzzeichen und Zeichen für Melismen, also melodische Motive in der liturgischen Rezitation, die mit ihren jeweils gleichlautenden Artikulationszeichen notiert werden und auch Kantillationen definieren. Die Zeichen kommen im masoretischen Text der Hebräischen Bibel, zusätzlich zu Konsonanten und Vokalzeichen, vor und legen den musikalischen Vortrag im jüdischen Gottesdienst fest. Die Teamim wurden im frühen Mittelalter von den Masoreten entwickelt und festgelegt. Einige dieser Zeichen wurden auch in den mittelalterlichen Handschriften der Mischna benutzt.

Systeme: Die 21 Bücher und die Emet

Es gibt zwei unterschiedliche Systeme für die Teamim. Zunächst ist da das Prosa-System. Es wird auf der Vorderseite der Tabula accentuum beschrieben und findet in fast allen Büchern des Tanach Verwendung.

Im Gegensatz dazu wird das poetische System (Auf der Rückseite der Tabula) allein in den Psalmen, im Buch der Sprichwörter und im Mittelteil (3,1 bis 42,6) des Buches Ijob verwendet. Diese werden als Sifre Emet bezeichnet.

Die wichtigsten Teamim sind beiden Systemen gemeinsam: Sof pasuq, Etnachta und etliche andere. Daneben gibt es aber auch einige Teamim, die nur im Prosa-System, oder nur im poetischen System vorkommen, oder jeweils unterschiedlich gebraucht werden.

Funktion Zunächst sind die Teamim ihrer Funktion nach Zeichen, die das Satzgefüge verdeutlichen sollen. Sie werden zwar auch als Akzente bezeichnet und gebraucht, gehen jedoch in ihrer Funktion der Satzgliederung über die Bedeutung der Akzente in der Linguistik, bzw. jene in der Schrift hinaus. Bei der Funktion der Teamim unterscheiden wir daher zwischen der Bedeutung für den Vortrag in Betonung, oder gar Kantillation und einer syntaktischen Bedeutung.

Zwischen diesen unterschiedlichen Funktionen besteht dabei eine Wechselwirkung – auch mit der Schreibung der Begriffe. So entstehen bei stark trennenden Teamim sog. Pausalformen – Formen mit z. B. gelängten, oder geänderten Vokalen. abweichende Teamim in Pausalformוְכָתַבְתָּ עַל־הָאֲבָנִים...normale AKUnd du sollst schreiben auf die Steine ......אֲשֶׁר כָּתָבְתָּ ׃„in pausa“... das du geschrieben hast. Wegen ihrer Bedeutung für den musikalischen Vortrag werden die Akzente auch als (zu ) bezeichnet.

Betonung Die meisten der Teamim stehen direkt bei der betonten Silbe und zeigen damit als Lesehilfe die Hauptbetonung an. Kurze Worte können mit Maqqef an längere Worte angebunden werden und formen so eine Wortgruppe, die bei der Lesung und bei der Kantillation wie ein einziges langes Wort behandelt wird. Bei vielsilbigen Worten und Wortgruppen erscheint ein zusätzliches Zeichen Meteg für eine Nebenbetonung. In bestimmten Fällen kann vor einem starken Trennzeichen ein Meteg durch ein verbindendes Zeichen ersetzt werden, so dass in diesen seltenen Fällen zwei Betonungszeichen auf einem Wort vorkommen können, die Hauptbetonung liegt dabei auf dem zweiten Zeichen, das immer ein starkes Trennzeichen ist.

Kantillation Die Teamim haben als Tropen: „Cantillation proceeds according to the special graphic signs–tropes or accents–attached to every word in the Bible.“ in Verbindung mit einer Fußnote zu tropes: „In this work we use the term trope (Greek tropos – turn) long accepted in Jewish practice.“ außer der syntaktischen Bedeutung auch eine musikalische Funktion ähnlich wie Neumen. Jedes Ta'am repräsentiert eine bestimmte Tonfolge bei der Kantillation. Die musikalische Ausführung variiert zwischen verschiedenen Gruppen des Judentums, wobei es innerhalb der wichtigsten drei Traditionen, der aschkenasischen, der sephardischen und der orientalischen Tradition noch verschiedene Untergruppen gibt. Innerhalb der verschiedenen Gruppen gibt es noch welche, die verschiedene Kantillationsweisen für einzelne Bücher und für bestimmte Gruppen von Büchern haben. Ester und Klagelieder sind solche Bücher mit eigenen Weisen, eine solche Gruppe ist z. B. Ruth, Prediger und Hoheslied, eine andere Gruppe die Bücher der Tora, und die Prophetenbücher wieder eine andere Gruppe. Weiterhin gibt es jüdische Gruppen, die zwei unterschiedliche Kantillationsweisen für die Tora verwenden. Die eine Weise ist für die gewöhnlichen Sabbatgottesdienste, die andere wird nur für bestimmte Kapitel verwendet an den hohen Feiertagen Rosch ha-Schana und Jom Kippur. Jede der verschiedenen Kantillationsweisen repräsentiert dabei ein unterschiedliches melodisches System, es gibt jedoch bei allen Unterschieden gewisse identische Teile, die auf einen gemeinsamen Ursprung aller dieser Systeme hinweisen.Solomon Rosowsky: The Cantillation of the Bible, the Five Books of Moses. Reconstructionist Press, New York 1957, S. 1–2. Für gewöhnlich sind hebräische Worte auf der letzten oder vorletzten Silbe betont, dasselbe Zeichen kann dann verschieden ausgeführt werden. Die Zahl der Silben in einem Wort variiert, entsprechend der Zahl der Silben können zusätzliche Anfangstöne eingefügt werden. Eine weitere Variationsmöglichkeit der Zeichen ergibt sich durch die Stellung vor oder nach manchen anderen Zeichen, wobei Anfang und Schluss zum besseren Anschluss verändert, oder sogar die gesamte Tonfolge nach oben oder unten versetzt werden kann.

Syntaktische Funktion Teamim dienten ursprünglich als Interpunktionszeichen und sind in dieser Funktion auch eine Verständnishilfe für die grammatische Struktur des Textes. So zeigen sie die logischen (syntaktischen) Verhältnisse im Satz an, ähnlich wie Komma, Semikolon und Punkt. Allgemein werden sie dabei, wie auf der Tabula Accentuum erkennbar in „trennende“, bzw. „beherrschende“ (lat. Distinctivi vel domini) und „verbindende“, bzw. „dienende“ (lat. Conjunctivi vel servi) „Akzente“ unterteilt. Einige Zeichen tauchen jedoch in beiden Gruppen auf. Das kann kontextabhängig sein (Zarqa, bzw. Zinnor als Zinnorit, Tipcha als „Tarcha“), durch eine Kombination mit einem Paseq bedingt sein (Schalschelet), oder beides zugleich. So steht das trennende Paschta stets am Ende eines Wortes, während das zunächst verbindende Qadma (auch „Azla“, sofern nicht von Geresch gefolgt) stets über einer betonten Silbe steht. Wird das Azla jedoch von einem Paseq gefolgt, liegt mit dem „Azlah legarmeh“ wieder ein trennender Akzent vor. Für die Anzahl der Teamim gibt es infolgedessen auch unterschiedliche Zählweisen.

Passend zur Bezeichnung der trennenden Teamim als „herrschend“, werden ihnen dann auch Herrschertitel beigemessen. Die stärksten trennenden Zeichen werden infolgedessen als „Kaiser“ bezeichnet (Sof pasuq mit Silluq am Versende und im Prosa-System auch Atnach in der Versmitte). Sof Pasuq beendet jeden Vers, Atnach teilt den Vers in zwei Halbverse und zugleich in zwei Sinnabschnitte. Sof Pasuq kommt immer nur ein einziges Mal vor. Atnach kommt normalerweise einmal vor, nur sehr selten mehr als einmal. In Kombination mit diesen beiden Teamim liegen Worte häufig in ihren Pausalformen vor. Die beiden Halbverse können unterschiedlich lang sein. Die Mitte der beiden Halbverse, falls sie weiter geteilt werden, wird durch „Könige“ bezeichnet. Die so entstandenen Teile werden durch Trenner auf jeder Ebene weiter aufgeteilt bis hin zu Teilen bestehend aus einem oder zwei Worten. Auf der letzten Ebene können zwei einzelne Worte durch Verbinder kombiniert werden, ein Trenner hat dabei üblicherweise nur ein oder zwei Worte mit einem Verbinder zugeordnet. Je länger der Vers, umso mehr Ebenen können vorkommen. Die trennende Wirkung der Trenner wird mit jeder weiteren Ebene schwächer, während die Bedeutung der stärkeren Trenner mit jeder weiteren Ebene zunimmt. Bei langen Versen kann daher die Bedeutung eines Atnachs oder eines Königs einem Punkt entsprechen.

Hierarchie der trennenden Akzente Die trennenden Akzente werden auch als „Herren“ und die Verbinder als „Diener“ bezeichnet. Es gibt vier Ränge, die solche „Herren“ haben können: Ein Kaiser (hebr. ) schließt den Vers ab oder teilt ihn. Das Gebiet eines Kaisers beginnt nach dem vorangehenden Kaiser oder am Versanfang und endet mit dem Wort, das den Kaiser als Akzent trägt. Ein König (hebr. ) teilt den letzten Teil des Gebiets eines Kaisers, nämlich den, der nicht bereits zum Gebiet eines anderen Königs gehört. Die vordere Hälfte bis zu dem Wort, das den neuen König als Akzent trägt, bildet das Gebiet des neuen Königs; es kann durch einen Herzog geteilt werden. Die hintere Hälfte bleibt direkt dem nachfolgenden Kaiser unterstellt und kann durch einen weiteren König geteilt werden. Ein Herzog () teilt in genau gleicher Weise den letzten Teil des Gebiets eines Königs. Die vordere Hälfte kann dann durch einen Grafen, die hintere durch einen weiteren Herzog geteilt werden. Ein Graf () teilt in genau gleicher Weise den letzten Teil des Gebiets eines Herzogs. Die vordere Hälfte kann dann nicht mehr durch einen trennenden Akzent, jedoch die hintere durch einen weiteren Grafen geteilt werden.

Es ist also immer so, dass das Gebiet eines dieser Herren hinter dem Gebiet des letzten vorangegangenen Herren gleichen oder höheren Ranges beginnt und mit dem Wort endet, das den Herrn als Akzent trägt. Der nächstfolgende trennende Akzent kann um höchstens einen Rang höher sein. Von mehreren aufeinanderfolgenden Akzenten gleichen Ranges (außer den Kaisern) sind die jeweils vorderen die mit der stärker trennenden Funktion.

Die fortlaufende Teilung könnte so weit gehen, dass zwischen je zwei Wörtern geteilt wird; dann würden alle Wörter trennende Akzente tragen. Meist aber endet sie, wenn kurze Phrasen von meist ein bis drei zusammengehörenden Wörtern erreicht sind; dann tragen die Wörter einer solchen Phrase bis auf das letzte verbindende Akzente.

Als Beispiel die beiden ersten Verse der Bibel: Jeweils in einer Zeile die Wörter einer Phrase, die Akzente darin und der Rang des letzten, also des trennenden Akzents, wobei ein nachgestelltes „(f)“ einen finalen Akzent bezeichnet, also einen, dem bis zum nächsthöheren keiner des gleichen Ranges folgt. Die Einrückung stellt die Teilung durch fortgesetzte Bisektion dar.

Text wortweise Akzente darin Rang Im-Anfang Tipcha König (f) schuf Gott Munnach Atnach Kaiser den Himmel Mercha Tipcha König (f) und-die Erde. Mercha Sof-Pasuq Kaiser (f) Und-die-Erde Revia Herzog war Chaos Mercha Paschta Herzog (f) und-Wirrnis Saqef-Qaton König und-Finsternis Tipcha König (f) über der-Urflut Munnach Atnach Kaiser und-der-Geist Gottes Munnach Saqef-Qaton König schwebend Tipcha König (f) über dem-Wasser. Mercha Sof-Pasuq Kaiser (f)

Hier ist jeder Akzent eindeutig: der nicht-finale König Saqef-Qaton, der finale König Tipcha, der nicht-finale Herzog Revia und der finale Herzog Paschta, sowie Munnach als Diener nicht-finaler und Mercha als Diener finaler Herren. Das sind die einfachsten und häufigsten Fälle, aber die tatsächlichen Regeln sind komplexer.

Teilung in Halbverse Für die erste Aufteilung des gesamten Verses gibt es mehrere feste Muster, die sich zwischen den beiden Systemen unterscheiden: Im Prosa-System ist die Regel, dass Verse ab einer Länge von etwa vier Wörtern genau einmal durch Atnach unterteilt werden. Im poetischen System ist Sof Pasuq, also das Versende, der einzige Kaiser. Die ersten und damit stärksten Könige sind entweder Atnach allein oder Ole we-Jored als erster und Atnach als zweiter König; weitere Könige kommen erst nach Atnach. Ole we-Jored trennt öfters eine Psalmüberschrift wie „Ein Wallfahrtslied“ vom Rest des ersten Verses ab, der weiter hinten noch durch Atnach unterteilt ist. Es gibt auch weitere Varianten im poetischen System, bei denen andere Teamim diese Rollen spielen.

Segol im Prosa-System und Ole we-Jored im poetischen System können jeweils nur die ersten Könige des gesamten Verses sein; bis auf die erwähnten Psalmüberschriften ist das die deutlich seltenere Variante. Man kann solche Verse auch durch diesen König und den nachfolgenden Atnach als dreigeteilt betrachten.