Der Afrikafeldzug, in der englischen und italienischen Sprache (zur Unterscheidung vom Ostafrikafeldzug) als Nordafrikafeldzug (, ) bezeichnet, fand zwischen September 1940 und Mai 1943 im Rahmen des Zweiten Weltkriegs in Nordafrika statt.

Der Krieg begann im Königreich Ägypten mit der italienischen Invasion Ägyptens im September 1940, wurde aber durch den britischen Gegenangriff, Operation Compass, bis Januar 1941 tief nach Italienisch-Libyen verschoben. Nachdem im Februar 1941 im Rahmen des Unternehmens Sonnenblume die Expeditionstruppen der deutschen Wehrmacht, das Deutsche Afrikakorps, nach Libyen verlegt worden war, wurden die Alliierten wieder bis an den Westrand Ägyptens zurückgedrängt. Nachdem eingekesselte alliierte Truppen mehrere Monate lang der Belagerung von Tobruk standgehalten hatten und die Alliierten im Rahmen der Operation Battleaxe im Juni 1941 an einem Entsatzangriff gescheitert waren, gelang es den britischen Truppen mit der Operation Crusader zum Jahreswechsel 1941/42 erneut, in Nordafrika die Initiative zu übernehmen, Tobruk zu entsetzen und die Achsenmächte wiederum nach Westlibyen zurückzudrängen.

Die Achsenmächte gingen im Januar 1942 im Rahmen des Unternehmens Theseus jedoch ein weiteres Mal zu einer Großoffensive über, drängten die Alliierten durch Libyen nach Ägypten zurück und konnten Tobruk diesmal im Handstreich erobern. In Nordwestägypten brachten die britischen Truppen die Achsenmächte in der Ersten Schlacht von El Alamein und der Schlacht von Alam Halfa zwischen Juli und September 1942 zunächst zum Stehen und errangen dann im Rahmen der Zweiten Schlacht von El Alamein Ende Oktober 1942 einen großen Sieg, welcher wiederum einen Initiativwechsel in Nordafrika einleitete.

Während sich die Achsenmächte nach der Niederlage bei El Alamein westwärts aus Ägypten zurückzogen, landeten westalliierte Truppen Anfang November 1942 im Rahmen der Operation Torch in Französisch-Nordafrika und weiteten damit den Kriegsschauplatz zunächst auf Marokko und Algerien und später auf Tunesien aus. Als Teil der Operation Torch landeten auch erstmals Großverbände der US-amerikanischen Streitkräfte, die sich seit Dezember 1941 mit Deutschland und Italien im Krieg befanden, auf dem europäisch-nordafrikanischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs.

Die jetzt aus zwei Richtungen bedrängten Streitkräfte der Achsenmächte zogen sich nach Französisch-Tunesien zurück und versuchten bis ins Frühjahr 1943, die Stadt Tunis als Brückenkopf zu halten. Der Tunesienfeldzug stellt die letzte Phase des Kriegs in Nordafrika dar; am 13. Mai 1943 ergaben sich die letzten Truppen der Achsenmächte in Nordafrika. Nach der Eroberung der afrikanischen Nordküste konnten die Westalliierten in den nächsten Schritten zur Landung auf Sizilien sowie später zur Invasion Italiens übergehen.

Ausgangslage Italien war nach Kriegsbeginn 1939 zunächst „nichtkriegführendes“ Land geblieben. Angesichts des sich rasch abzeichnenden deutschen Sieges im Westfeldzug wollte sich Benito Mussolini seinen Anteil an der zu erwartenden Beute sichern. Am 10. Juni 1940 erklärte er dem nahezu besiegten Frankreich den Krieg. Die italienischen Truppen griffen am 20. Juni an der Alpengrenze an, wurden aber von den erbitterten Franzosen trotz unterlegener Kräfte zurückgeschlagen. Hitler zwang Frankreich jedoch, auch Italien in den Waffenstillstand mit einzubeziehen. Italien befand sich fortan an der Seite Deutschlands im Krieg mit Großbritannien, was sich bald auch auf die italienischen Kolonien in Libyen und Ostafrika auswirkte.

Nach dem Fall Frankreichs waren nahezu ganz West- und Mitteleuropa von der Achse besetzt, mit dieser verbündet oder zumindest neutral. Französisch-Nordafrika stand wie die französische Flotte unter der Kontrolle der Vichy-Regierung, die von guten Beziehungen zu Deutschland abhängig war. Zwar hatte General Charles de Gaulle angekündigt, im Namen des „Freien Frankreich“ den Kampf gegen die Achsenmächte fortzusetzen, doch blieben die meisten französischen Kolonien loyal zu Vichy.

Afrika, das Mittelmeer und der Nahe Osten waren für die Briten von fundamentaler Wichtigkeit. Der Suezkanal und die Straße von Gibraltar waren wichtige Lebensadern des Empire. Da nach dem Fall Frankreichs und dem Beginn der Luftschlacht um England jederzeit mit einer deutschen Invasion der britischen Inseln (die deutscherseits unter dem Namen Unternehmen Seelöwe vorbereitet wurde) gerechnet werden musste und die Hauptkräfte der britischen Armee somit im Mutterland gebunden waren, waren die Briten zur Verteidigung ihrer Nahost-Position auf Unterstützung durch die Staaten des Commonwealth angewiesen. In erster Linie waren dies die Truppen Australiens, Neuseelands, Südafrikas und Britisch-Indiens, die sich nach und nach im Nahen Osten sammelten und dort auf ihren Einsatz vorbereitet wurden. Über den See- und Landweg – von Nigeria quer durch die Sahara – gelangten später auch belgisch-kongolesische Truppen nach Ägypten.David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Taschenbuchausgabe, Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-46445-8, S. 225.

Geographische Lage Das Schlachtfeld war ein ungefähr tausend Kilometer langer Streifen am Mittelmeer. Die Kämpfe fanden vor allem in der Kyrenaika statt, im Westen begrenzt in Libyen durch die Befestigung El Agheila am Südufer der Großen Syrte, im Osten durch die Grenz- und Hafenstadt Sallum in Ägypten. Die Breite des Streifens betrug lediglich hundert Kilometer; im Norden war das Mittelmeer und im Süden lagen die Weiten der Wüste. Viele Besonderheiten des Wüstenkrieges erklären sich durch diese geographische Lage im Allgemeinen und durch topografische Gegebenheiten im Speziellen. Das Gelände war zumeist dürr und geröllhaltig. Dörfer und Städte gab es nur wenige, weswegen die traditionelle Kriegsführung hier keine Gültigkeit besaß: Geländegewinne waren deutlich weniger wichtig, zum Teil sogar durch Überdehnung der Versorgungswege immens gefährlich. Von Bedeutung war vielmehr die Entfernung zum Aufmarschgebiet. Das Klima forderte seinen Tribut und Auffrischungen von Material und Personal waren ständig nötig, während die wenigen parallel zur Küste führenden Nachschubwege sehr beschwerlich waren, weswegen das Operieren in Entfernung zur Basis noch schwieriger war als z. B. in Russland.

Verlauf Italienische Invasion Ägyptens

mini|Italienische Invasion Ägyptens 1940 Der Nordafrikafeldzug begann nach kleineren Gefechten an der libysch-ägyptischen Grenze am 9. September 1940 mit einer Serie von Luftangriffen auf britische Grenzposten, gefolgt am 13. September von der Invasion der zahlenmäßig weit überlegenen italienischen 10. Armee unter Führung von General Mario Berti von Libyen aus nach Ägypten. Benito Mussolini hatte vom italienischen Oberbefehlshaber in Libyen, Rodolfo Graziani, diesen Vorstoß gefordert, um den Briten den Sueskanal zu entreißen und die italienischen Besitzungen in Nord- und Ostafrika zu verbinden. Die vorsichtig ostwärts über die Grenze vorrückenden Italiener drangen binnen weniger Tage etwa 100 Kilometer bis nach Sidi Barrani vor, wo sie aufgrund der Zerstörung ihrer Nachschubwege durch britische Flugzeuge und Kriegsschiffe haltmachten und befestigte Lager errichteten. Da diese zu weit voneinander entfernt waren, als dass sie sich gegenseitig hätten unterstützen können, konnten sie mehrmals erfolgreich von mobilen Einheiten der britischen Western Desert Force unter General Richard O’Connor angegriffen werden. Die Hauptkräfte der Western Desert Force blieben unterdessen in ihren Stellungen bei Marsa Matruh. In der Folgezeit widmeten sich die Italiener dem Ausbau der Via Balbia nach Ägypten und der Anlage von Nachschubdepots.

Am 28. Oktober 1940 eröffneten die Italiener einen schlecht vorbereiteten neuen Kriegsschauplatz durch ihren Angriff auf Griechenland. Von da an wurden dringend für die Großoffensive gegen Ägypten benötigte Truppen und Ausrüstungen nach Griechenland geschickt und die italienischen Kräfte zersplittert.Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. DVA, 2008, ISBN 978-3-421-05806-5, S. 228. Zudem wurden ihre reduzierten Nachschubkonvois nach Afrika immer erfolgreicher von britischen Schiffen und Flugzeugen angegriffen. Der geplante Weitermarsch Grazianis nach Marsa Matruh wurde daher bis auf weiteres abgesagt. In der Nacht zum 12. November erlitt zudem die italienische Flotte durch den britischen Angriff auf Tarent schwere Verluste und war in ihrer Einsatzfähigkeit bis auf weiteres stark eingeschränkt. Die Briten übernahmen die Verteidigung Kretas und unterstützten die Griechen zudem durch die Entsendung von Lufteinheiten aus Ägypten.

Die deutsche Führung reagierte auf diese italienischen Rückschläge und auf das britische Vordringen auf die griechischen Inseln mit dem Angebot der Unterstützung, die zunächst aus Einheiten der Luftwaffe bestehen sollte. Erst im Frühjahr 1941 wollte man mit Bodentruppen in den Krieg in Griechenland eingreifen. Zudem übte man Druck auf die spanische Regierung unter Francisco Franco aus, an der Seite der Achse in den Krieg einzutreten, um im Unternehmen Felix gemeinsam den britischen Stützpunkt Gibraltar einnehmen und so die westliche Einfahrt ins Mittelmeer kontrollieren zu können. Diese Bemühungen, die in der „Weisung Nr. 18“ des OKW vom 12. November 1940 niedergelegt waren, blieben jedoch erfolglos.

Britischer Gegenangriff

mini|Italienischer Vorstoß nach Ägypten und die britische Operation Compass

Die Inaktivität der Italiener bei Sidi Barrani bestärkte das britische Nahostkommando unter Archibald Wavell in ihren Plänen zu einem Gegenschlag. Unter größtmöglicher Geheimhaltung wurde die Western Desert Force, bestehend aus der 4. indischen Infanteriedivision und der britischen 7. Panzerdivision, Anfang Dezember in ihre Angriffspositionen vorgeschoben. Teile der italienischen Armee wurden geschickt umgangen, vom Nachschub abgeschnitten und somit zur Aufgabe gezwungen. Die restlichen italienischen Verbände flüchteten daraufhin nach Libyen. Sollum und das Fort Capuzzo fielen unverteidigt in britische Hände und Anfang Januar 1941 konnte der Hafen Bardia jenseits der libyschen Grenze eingenommen werden, wobei knapp 40.000 Italiener in Gefangenschaft gerieten. In rascher Folge fielen danach Tobruk und Derna. Am 7. Februar gelang es den Alliierten den Großteil der sich zurückziehenden italienischen Truppen abzuschneiden und in der Schlacht bei Beda Fomm südlich von Bengasi zu schlagen. Die italienischen Truppen in der Kyrenaika waren damit überwiegend zerschlagen, nur etwa 30.000 Mann gelang der weitere Rückzug nach Westen. Insgesamt gingen etwa 130.000 italienische Soldaten in alliierte Kriegsgefangenschaft. Nach der Einnahme von El Agheila wurde der britische Vormarsch eingestellt, da Churchill nunmehr den Schwerpunkt auf Ostafrikafeldzug (Abessinien) und den Balkanfeldzug (Griechenland) legte.Peter Lieb: Krieg in Nordafrika 1940–1943. S. 80.

Entschluss zum deutschen Eingreifen Das deutsche Oberkommando des Heeres hatte schon früh auf die Notwendigkeit einer Unterstützung der Italiener auch in Nordafrika hingewiesen und den General Wilhelm von Thoma in die Kyrenaika entsandt, um die Möglichkeit eines Einsatzes gepanzerter Truppen zu untersuchen. In seinem Bericht hatte Thoma der Überzeugung Ausdruck gegeben, dass man aufgrund der schlechten Nachschubmöglichkeiten über Land erst die Eroberung des Hafens Marsa Matruh (Ägypten) durch die Italiener abwarten sollte. Durch den Erfolg der Operation Compass wurden diese Überlegungen schon bald hinfällig.