mini|400px|Lage von Forum Hadriani im heutigen Stadtgebiet, Ortsteils Voorburg mini|400px|Das Forum Hadriani (Municipium Aelium Cananefatium) an der Küste des Mare Frisicum, an der Fossa Corbulonis gelegen Forum Hadriani, auch Municipium Aelium Cananefatium (abgekürzt MAC), ist der Name einer ehemaligen römischen Stadt auf dem Gebiet des Ortsteils Voorburg der heutigen Gemeinde Leidschendam-Voorburg in der niederländischen Provinz Zuid-Holland. In der antiken Zeit gehörte sie zum niedergermanischen Heeresbezirk und später zu der daraus hervorgehenden Provinz Germania inferior und gilt als Bestandteil des Niedergermanischen Limes. Im Laufe ihrer Entwicklung wurde sie zum Municipium erhoben und entwickelte sich zur Hauptstadt einer Civitas. Darüber hinaus war sie nach jüngeren Forschungsergebnissen eine bedeutende Hafenstadt mit möglicherweise militärischer Funktion.

Lage mini|foro adriani auf derTabula Peutingeriana Das heutige Bodendenkmal liegt – nur teilweise überbaut – im Bereich eines städtischen Parks, der dadurch erhalten geblieben ist, dass er bis ins 20. Jahrhundert hinein der weitläufige Landschaftsgarten eines Herrensitzes war. Dabei befindet sich dieses Areal in der Metropolregion Rotterdam Den Haag, einem der dicht besiedeltsten und engmaschig bebautesten Gebiete in ganz Europa überhaupt, so dass die Erhaltung der römischen Relikte durchaus als Glücksfall betrachtet werden muss. Topographisch gesehen liegt der Ort auf dem Rücken eines so genannten Strandwalls (ndl.: strandwal), einer ehemaligen, rund vier Kilometer Luftlinie von der heutigen Nordseeküste entfernten Düne.

In antiker Zeit befand sich die Siedlung zwischen den Deltas des Niederrheins und der Maas an einem natürlichen Flusskanal, der sich vermutlich im Laufe der mittleren Eisenzeit durch die Kraft der Nordseegezeiten gebildet hatte und einen Teil des so genannten Gantelsystems darstellte. Die günstigen topographischen Gegebenheiten dieser Region hatte auch der römische Feldherr Gnaeus Domitius Corbulo genutzt, als er die nach ihm benannte Fossa Corbulonis, einen Kanal, der Rhein (Rhenus) und Maas (Mosa) miteinander verband, nur unweit dieser Stelle vorbeileitete. Eine Vorfeldsicherung gegen zur See vagabundierende Germanenstämme existierte in Form zweier Kastelle mit Küstenschutzfunktion in Ockenburgh und am Scheveningseweg im heutigen Den Haag. auf romeinen.info (niederländisch), abgerufen am 24. März 2021. Die Gleichsetzung des Fundplatzes von Voorburg-Arentsburg mit den antiken Namen Forum Hadriani bzw. Municipium Aelium Cananefatium ist gesichert durch die Tabula Peutingeriana, auf der Foro Adriani zwischen Flenio und Lugdunum Batavorum verzeichnet ist, vor allem aber auch durch die Funde von einigen mit Municipium Aelium Cananefatium bzw. MAC beschrifteten römischen Meilensteinen in passenden Entfernungen. auf denhaag.nl, der offiziellen Webpräsenz der Stadt Den Haag (niederländisch), abgerufen am 23. März 2021., und .

Forschungsgeschichte mini|Caspar Reuvens bei den Ausgrabungen in Voorburg (zeitgenössische Lithographie)

Forum Hadriani war weltweit einer der ersten Orte, an denen archäologische Ausgrabungen methodologisch deutlich über das bloße Sammeln von Schätzen hinausgingen und begannen, modernen wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Insofern stellen sie auch ein exemplarisches Stück Archäologiegeschichte dar. Die ersten Untersuchungen an diesem Fundplatz wurden bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in den Jahren 1827 bis 1834 von Caspar Reuvens durchgeführt,Caspar Reuvens: Korte beschrijving en plan der Romeinsche bouwvallen, gevonden ter waarschijnlijke plaatse van het Forum Hadriani, op de hofstede Arentsburg, bij 's Gravenhage. Luchtmans, Leiden 1829. der mit seinen grabungstechnischen Methoden der Zeit weit voraus war. Reuvens hatte den Fundort richtigerweise als das aus den antiken Quellen bekannte Forum Hadriani interpretiert. Dabei war er noch von einer rein zivilen Nutzung des Ortes ausgegangen. Bedingt durch seinen frühen Tod (er starb im Alter von nur 42 Jahren) gelang es Reuvens leider nicht mehr, die Ergebnisse seiner Forschungen umfassend zu publizieren. Dies blieb – fast ein Jahrhundert später – Jan Hendrik Holwerda vorbehalten, einem weiteren großen Pionier der niederländischen Archäologie. Seine Ausgrabungen dauerten von 1907 bis 1915 und führten 1923 zu einer ersten großen Monographie über Forum Hadriani.Jan Hendrik Holwerda: Arentsburg. Een Romeinsch militair vlootstation bij Voorburg. Brill, Leiden 1923. Im Gegensatz zu Reuvens ging Holwerda darin jedoch nicht nur von einer rein zivilen Siedlung aus, sondern postulierte aufgrund der Fülle eindeutigen Fundmaterials in Form von Ziegelstempeln nicht nur eine zusätzlich militärische Nutzung, sondern einen bedeutenden Stützpunkt der Classis Germanica, der römischen Flotte in diesem Teil der Welt.

Beobachtungen in den 1950er Jahren wurden in erster Linie von Amateuren getätigt, es dauerte bis zur Mitte der 1960er Jahre, bevor es bedingt durch anstehende Baumaßnahmen zu weiteren wissenschaftlichen Ausgrabungstätigkeiten kam, die von Jules Bogaers publiziert wurden.Julianus Egidius Bogaers: Forum Hadriani. In: Bonner Jahrbücher 164, 1964, S. 43–52, (Digitalisat).Julianus Egidius Bogaers: Voorburg-Arentsburg: Forum Hadriani. In: Oudheidkundige Mededeelingen van het Rijksmuseum van Oudheden Te Leiden. Band 52, 1971, , S. 128–138, (Digitalisat). Bogaers setzte dabei den Fokus wieder auf die Bedeutung der Stadt als einem zivilen und ökonomischen Mittelpunkt der Civitas der Cananefaten ohne militärstrategische Funktion. Dadurch entwickelte sich in der Folgezeit in der niederländischen Archäologie die Konvention, dass Forum Hadriani eine ausschließlich zivile Siedlung gewesen sei. Die nächsten Beobachtungen erfolgten erst wieder in den 1980er und 1990er Jahren, insbesondere unter der Leitung von Thomas Martien BuijtendorpThomas Martien Buijtendorp: Romeinse landmeters in Forum Hadriani bij Voorburg. In: Westerheem 36 (1987), S. 74–96.Thomas Martien Buijtendorp: Forum Hadriani. De vergeten stad van Hadrianus. Ontwikkeling, uiterlijk en betekenis van het “Nederlands Pompeji”. Vrije Universiteit Amsterdam, 2010, (Digitalisat). sowie durch den Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek (ROB), dem Vorläufer des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (RCE).

Im Laufe des Jahres 2005 erfolgten Ausgrabungen durch ein privatwirtschaftliches Unternehmen, bei denen unter anderem in einem der insgesamt 15 freigelegten Brunnen zwei vollständig erhaltene Wagenräder geborgen werden konnten. 2007/2008 setzten dann Wissenschaftler der Vrije Universiteit Amsterdam zu Untersuchungen an und warfen mit der Entdeckung eines für die kleine Siedlung schier überdimensionierten Hafens neuerliche Schlaglichter auf die alte Fragestellung, ob es sich bei Forum Hadriani um eine zivile oder um eine militärische Siedlung handele oder um beides.Siehe die Publikationen von Thomas Martien Buijtendorp (2010) und Mark Driessen (2014) in der Literaturliste.

Geschichte und Archäologie Vorrömische Zeit bis Ende des Prinzipats von Augustus und Tiberius mini|Ausgrabung der weitläufigen Hafenanlagen in den Jahren 2007/2008 mini|Ziegelstempel der CGPF,Classis Germanica Pia Fidelis,der „Germanischen Flotte“ mini|Ziegelstempel des EXGERINF,Exercitus Germaniae Inferioris,des „Niedergermanischen Heeres“ Der Ursprung von Forum Hadriani war eine Siedlung des germanischen Stammes der Cananefaten, die sich schon früh mit den Römern verbündet hatten. Ob die Siedlung bereits beim Bau der Fossa Corbulonis bestand, oder durch deren Errichtung begünstigt und veranlasst wurde, ist noch nicht gänzlich geklärt. Die jüngere Forschung tendiert zu der ersten Variante und hat als früheste Besiedlungsphase eine so genannte „Periode 0a“ (circa 15 – 50 n. Chr.) vorgeschlagen. Unter dem keramischen Fundmaterial dieser Phase dominieren einheimische Produkte, das Fundspektrum ist jedoch jünger als das des vorausgehenden Spät-La-Tène.Thomas Martien Buijtendorp: Forum Hadriani. De vergeten stad van Hadrianus. Ontwikkeling, uiterlijk en betekenis van het “Nederlands Pompeji”. Vrije Universiteit Amsterdam, 2010, S. 160–163, (Digitalisat). Bau der Fossa Corbulonis und Herrschaft des Claudius und Neros Mit dem Bau des Corbulokanals wuchsen der römische Einfluss auf die kleine Siedlung im Zentrum der cananefatischen Civitas so wie deren wirtschaftliche Möglichkeiten („Periode 0b“, circa 50 – 69 n. Chr.). In dieser Zeit entstanden vermutlich auch die ersten Hafenanlagen, ausgelöst wohl durch den Kanalbau. Im Fundspektrum dieser Periode fand sich unter anderem Terra Nigra des ersten Jahrhunderts sowie Terra Sigillata vom Typ Drag. 18.Thomas Martien Buijtendorp: Forum Hadriani. De vergeten stad van Hadrianus. Ontwikkeling, uiterlijk en betekenis van het “Nederlands Pompeji”. Vrije Universiteit Amsterdam, 2010, S. 163–165, (Digitalisat).

Bataveraufstand und Herrschaft des Vespasian und Domitian Ein Zerstörungshorizontsiehe hierzu Begehungshorizont aus der Zeit des Bataveraufstands liegt nicht vor. Für die Zeit zwischen diesem und der Provinzgründung unter Domitian, in der so genannten „Periode 0c“ (70–85), sind die Befunde noch sehr unsicher. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Voorburg bereits in dieser Phase begonnen hat, eine zentrale Rolle zu spielen, wobei der günstige Standort ein wichtiger Faktor gewesen sein dürfte. Möglicherweise erlangte der Ort trotz seiner geringen Größe und Einwohnerzahl bereits damals den Status einer Civitashauptstadt. Im Fundmaterial aus dieser Zeit spiegelt sich verstärkt eine militärische Präsenz wider, insbesondere durch eine Häufung von Ziegelstempeln der Legio X Gemina. In der jüngeren Forschung wird nicht mehr ausgeschlossen, dass sich zu dieser Zeit eine Militäreinheit in der Nähe der späteren Thermen, an einer zum Hafen führenden Straße ihr Quartier gehabt haben könnte. Die römische Armee war in der Zeit nach dem Bataveraufstand im Nordwesten des Reiches sehr aktiv, wobei auch die britannischen Feldzüge des Gnaeus Iulius Agricola in den Jahren 77 bis 83 eine Rolle gespielt haben könnten.Thomas Martien Buijtendorp: Forum Hadriani. De vergeten stad van Hadrianus. Ontwikkeling, uiterlijk en betekenis van het “Nederlands Pompeji”. Vrije Universiteit Amsterdam, 2010, S. 165–169, (Digitalisat).

Provinz Germania und die Zeit des Nervas und Hadrians In der folgenden Phase („Periode I“, circa 85 bis 120) wurde das Städtchen zur Hauptstadt der Civitas in der neu gegründeten Provinz Germania inferior und erfuhr einen kräftigen Wachstumsschub, den so genannten „domitianischen Impuls“, der sich auch in anderen Städten Niedergermaniens bemerkbar machte. Der historische Hintergrund bestand in der Zunahme der Probleme des Reiches an der Donaugrenze. Infolgedessen verlagerte der Kaiser Domitian den Schwerpunkt seiner militärischen Aktivitäten in den Donauraum, während er an der Rheingrenze eine Konsolidierungsphase einleitete, die von seinen Nachfolgern Trajan und Hadrian fortgesetzt und abgeschlossen werden sollte. Münzumlauf, Keramikproduktion und bauliche Aktivitäten nahmen in dieser Zeit deutlich zu. Die geometrische Ausrichtung der Bebauung scheint geändert und die Infrastrukturen verbessert worden zu sein, so dass der Ort immer mehr einer römischen und immer weniger einer indigenen Siedlung ähnelte. Auch die Hafenanlagen wurden in dieser Zeit verbessert und weiter ausgebaut.Thomas Martien Buijtendorp: Forum Hadriani. De vergeten stad van Hadrianus. Ontwikkeling, uiterlijk en betekenis van het “Nederlands Pompeji”. Vrije Universiteit Amsterdam, 2010, S. 169–181, (Digitalisat).