Johann Barthold Jobstharde (* 17. Juli 1797 in UnterwüstenHof Jobstharde (heute Niederlag) – Unterwüsten Nr. 13 bei www.woiste.de; abgerufen am 6. April 2021.; † 5. Juni 1858 ebenda) war ein Bauer und eine der bedeutenden und führenden PersönlichkeitenWilhelm Neuser: Aus der Geschichte der Erweckungsbewegung in Lippe, S. 31. der ravensberg-lippischen Erweckungsbewegung.

Er hatte sich als theologischer Laie ein umfangreiches Bibelwissen angeeignet.Wilhelm Neuser: Aus der Geschichte der Erweckungsbewegung in Lippe, S. 14. Über Jahrzehnte hielt er in seinem Haus sonntags ErbauungsstundenHeinrich Budde, Jobstharde, S. 292 und stellte seinen Hof für Missions-, Jünglings- und Erntedankfeste zur Verfügung.Heinrich Budde: Jobstharde, S. 296 Die Erbauungsstunden hatten eine große Auswirkung auf die Gestaltung des christlichen Lebens in seinem Dorf Wüsten und der weiteren Umgebung.Jürgen Scheffler, Erweckungsbewegung und Revolution, S. 345 Als treuer, gottesfürchtiger, bäuerlicher Hausvater wurde er vielen zum VorbildErwin Schubert: Kirchen- und Schulchronik der Gemeinde Wüsten, hrsg. von Evgl. Kirchengemeinde Wüsten, 2. Ausgabe 1994, S. 38. Sein seelsorgerlicher und geistlicher Rat war von vielen seiner Besucher gefragt.Horst Naber, Zeugen und Zeugnisse aus Lippe, S. 66

Leben Kindheit und Jugend Jobstharde war das sechste von elf Kindern seiner Eltern Johann Dietrich SchemmelWüsten, Menschen und Geschichte (* 29. Januar 1758, † 11. Juni 1842) und Anna Sophie Elisabeth Jobst Harde (* 17. August 1765; † 6. Dezember 1842). Sein Vater hatte auf den Hof Harde, Unterwüsten Nr. 13, in Pehlen eingeheiratet und den Namen Jobstharde angenommen.

Johann Barthold Jobstharde bekam eine gute Schulausbildung bei dem Küster Friedrich Adolph Knöner und Konfirmandenunterricht bei Pastor Friedrich Konrad Krüger, der die Erweckungsbewegung in Wüsten vorbereitete.Gustav Meyer, Erinnerungen, S. 35. Mit etwa 20 Jahren erfuhr Jobstharde eine Buße und Bekehrung, die durch das Buch „Wahres Christentum“ von Johann Arndt angestoßen wurde.Gustav Meyer, Erinnerungen, S. 37 Er suchte nun den Kontakt zu einigen älteren entschiedenen Christen und pilgerte mit ihnen sonntags im Sommer weite Wege zu den Predigern der Erweckungsbewegung.Gustav Meyer, Erinnerungen, S. 38

Erwachsenenalter Am 25. November 1827 heiratete Jobstharde Luise Wilhelmine Bonnemeier (* 11. Juli 1799; † 7. September 1872) von einem Hof in der Nähe Vlothos. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor: Johann Dietrich August (* 1828), Anna Marie Wilhelmine (* 1829), Caroline Louise (* 1831), Louise Wilhelmine (* 1833), Simon Carl (* 1835), Johann Christoph Simon (* 1836), Florentine Wilhelmine Henriette (* 1839) sowie Louise Wilhelmine Charlotte (* 1841).Genealogie der Familie Jobstharde bei www.woiste.de

Die ersten 15 Jahre seiner Ehe verwaltete noch sein Vater das Colonat, so dass Jobstharde mehr Zeit für die geistige Arbeit hatte. Im Winter versammelten sich viele bei Jobstharde, wo man Erbauungsschriften las und aus älteren Gesangbüchern sang. Er ließ ein neues Meierhaus erbauen, das heute noch mit seinen Inschriften erhalten ist. Er legte in seiner Arbeit und auf seinem Hof großen Wert auf präzise Ordnung und große PünktlichkeitGustav Meyer, Erinnerungen, S. 41 und lebte in bäuerlicher Einfachheit mit seinen Hausgenossen einen von Gebetszeiten geprägten Tagesablauf.Heinrich Budde, Jobstharde, S. 297

Bekannt war Jobstharde für seine Hilfsbereitschaft gegenüber Armen und Witwen.Gustav Meyer, Erinnerungen, S. 44 Durch die Ravensberger Missionsfeste bekam er Kontakt zu vielen geistlich begabten Laien, Predigern und MissionarenGustav Meyer, Erinnerungen, S. 49, die ihn auch besuchten und deren Arbeit er unterstützte. Durch alljährliche Kuraufenthalte in Bad Pyrmont bekam er Kontakt zu hochgestellten Persönlichkeiten, die ihn zu sich einluden.Werner Lohmeyer, Die Erweckungsbewegung, S. 52 Theologiestudenten, zum Beispiel aus Berlin suchten den Kontakt zu Jobstharde.Werner Lohmeyer, Die Erweckungsbewegung, S. 53

Er gehörte zu den Gründern des Kinderheims GrünauGustav Meyer, Erinnerungen, S. 49 bei Schötmar und auch der Kirchengemeinde BergkirchenErwin Schubert: Kirchen- und Schulchronik der Gemeinde Wüsten, hrsg. von Evgl. Kirchengemeinde Wüsten, 2. Ausgabe 1994, S. 39. bei Salzuflen. Manchmal vertrat er den Pfarrer Gustav Meyer der Wüstener Kirchengemeinde bei Beerdigungen.Gustav Meyer, Erinnerungen, S. 50 Konfessionellen Streitfragen ging er aus dem Weg.Heinrich Budde, Jobstharde, S. 297

Jobstharde starb am 5. Juni 1858 und wurde auf dem Friedhof bei der Wüstener Kirche bestattet. Die Inschriften auf seinem Grabstein lauten: {| width="64%" | width="25%" valign="top" | Hier ruhet in Gott Johann Barthold Jobstharde geb. am 17. Juli 1797 gest. am 5. Juni 1858 Leichentext Ps. 92, 13.16 | width="25%" valign="top" | Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Joh. 13,25. | width="25%" valign="top" | Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufzuhören. Gal 6,9. | width="25%" valign="top" | Wer überwindet der soll mit weißen Kleidern angelegt werden, und Ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens. Offenb. 3,5.

Sonstiges rechts In Wüsten ist Jobstharde zu Ehren die Verbindungsstraße zwischen der Kirchheider- und der Vlothoer Straße nach ihm benannt.

Literatur

Weblinks

Hof Jobstharde Torbogen- und Grabinschriften „Ein Besuch auf Jobsthardes Hof in Wüsten“ auf www.woiste.de

Einzelnachweise

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