Philipp Nawrath (* 13. Februar 1993 in Füssen) ist ein deutscher Biathlet. Er debütierte 2017 im Weltcup und feierte dort 2023 seinen ersten Sieg in einem Einzelrennen. 2025 gewann er zwei Staffel-Bronzemedaillen bei den Weltmeisterschaften.

Werdegang Philipp Nawrath wuchs in Nesselwang im Ostallgäu auf. Er begann Mitte der 2000er-Jahre mit dem Biathlon beim örtlichen Skiverein. Als einen Grund für sein Interesse an der Sportart nannte er später die Erfolge des ebenfalls aus Nesselwang stammenden Olympiasiegers von 2006 Michael Greis.

Nach dem Realschulabschluss 2011 trat Nawrath zunächst dem Skizug Mittenwald der Bundeswehr bei. Später wechselte er zur Spitzensportförderung der Polizei Bayern und begann eine Ausbildung, die er 2019 abschloss., merkur.de

Nawrath lebt seit 2013 in Ruhpolding und trainiert dort am Olympiastützpunkt in der Chiemgau-Arena in der Gruppe mit den Weltcupathleten. Aktuell wird diese von Tobias Reiter und Niklas Kellerer betreut.

Anfänge (bis 2016) Philipp Nawrath gehörte zu Beginn seiner Karriere nicht zu den besten Biathleten seines Jahrgangs in Deutschland. Weder im Deutschen Schülercup mit dem Luftgewehr noch ab 2008 im Deutschlandpokal erreichte der die ersten fünf Plätze in der Gesamtwertung seiner Altersklasse. Sein größter Erfolg war die Silbermedaille im Einzel bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 2010 in der Altersklasse 17.

In der Vorbereitung auf seine letzte Saison im Juniorenbereich wechselte Nawrath 2013 den Stützpunkt und zog nach Ruhpolding. Im Winter 2013/14 erreichte er bei den ersten acht Deutschlandpokalrennen zwei dritte Plätze in der Juniorenklasse. Als Fünfter der Gesamtwertung wurde er für seine ersten internationalen Wettkämpfe bei den Juniorenweltmeisterschaften 2014 in Presque Isle nominiert. Dort erreichte er im Sprint und im Einzel jeweils die Top Ten. Als Startläufer der deutschen Staffel an der Seite von Roman Rees, Alexander Ketzer und Matthias Dorfer gewann er die Goldmedaille.

Zur Saison 2014/15 wechselte Philipp Nawrath vom Junioren- in den Erwachsenenbereich. Er wurde vom Deutschen Skiverband (DSV) in die Lehrgangsgruppe 1b, d. h. die B-Mannschaft, aufgenommen. Ende Dezember 2014 gab er in Obertilliach mit den Plätzen 13, 19 und 34 sein Debüt im IBU-Cup. Im Januar 2015 erreichte er in Duszniki-Zdrój als 16. und 30. ähnliche Ergebnisse; in Ridnaun wurde er im Sprint nur 70. Bei den Europameisterschaften in Otepää erhielt er keinen der auf vier reduzierten Startplätze der deutschen Mannschaft. Anfang Februar belegte er die Plätze 14 und 20. Beim IBU-Cup-Finale in Canmore besetzte der DSV nur vier Startplätze, sodass Nawrath seine Saison mit vier Rennen im Deutschlandpokal beendete.

In der Saison 2015/16 war Philipp Nawrath weiterhin Teil der Lehrgangsgruppe 1b des DSV. Vor Beginn des Winters verpasste er die Qualifikation für den IBU-Cup. Er startete seine Wettkampfsaison im Dezember mit zwei Podestplätzen im Deutschlandpokal. Im Januar konnte er an diese Leistung nicht anknüpfen und verpasste zudem die Rennen in Kaltenbrunn. Bei den weiteren Stationen im Februar und März in Ruhpolding, Oberhof und am Notschrei erreichte er zwei weitere Podestplätze. Er beendete die Saison als Dritter der Deutschlandpokalwertung ohne einen internationalen Einsatz.

Erste Weltcupeinsätze (2016 bis 2018) Nach seinen Leistungen aus der Vorsaison verlor Philipp Nawrath zur Saison 2016/17 seinen Platz in der B-Mannschaft und wurde vom DSV dem Förderkader zugeordnet. Ende Dezember 2016 startete er nach über anderthalb Jahren wieder im IBU-Cup und erreichte in Obertilliach im Sprint ohne Schießfehler als Dritter sein erstes Podest. Bei den Rennen im Januar 2017 in Martell und am Arber gehörte Nawrath läuferisch weiterhin zu den besten Athleten, kam aber aufgrund von schwachem Schießen nicht über einen zehnten und elften Platz als beste Ergebnisse hinaus. Ende des Monats nahm er an seinen ersten Europameisterschaften in Duszniki-Zdrój teil, bei denen er im Sprint und in der Verfolgung jeweils die Top Ten erreichte. Beim anschließenden IBU-Cup in Osrblie wurde er 30. und 18. Im März 2017 wurde Nawrath erstmals für den Weltcup nominiert und gab in Kontiolahti mit Platz 34 und 42 in Sprint und Verfolgung sein Debüt. Beim Weltcupfinale in Oslo in der Folgewoche belegte er die Plätze 49 und 55.

Zur Saison 2017/18 kehrte Philipp Nawrath in die Lehrgangsgruppe 1b des DSV zurück. Beim ersten IBU-Cup Ende November in Sjusjøen wurde er in zwei Sprints 34. und 25. Als zweitbester Deutscher der Gesamtwertung durfte er in der Folgewoche beim Auftakt der Weltcupsaison in Östersund starten, wo er die Plätze 41, 47 und 52 belegte. Beim zweiten Weltcup in Hochfilzen erreichte er im Sprint mit fehlerfreiem Schießen als Neunter seine erste Top-Ten-Platzierung. In der letzten Woche vor Weihnachten wurde er in Le Grand-Bornand in Sprint und Verfolgung 59. und 44. Im Januar 2018 verlor Nawrath seinen Platz in der Weltcupmannschaft. Er startete beim IBU-Cup in Osrblie, wo er mit guten Laufzeiten einen 21. und einen neunten Platz erreichte. Ende des Monats nahm er an den Europameisterschaften in Ridnaun teil, bei denen sein bestes Ergebnis ein 17. Platz im Sprint war. In Martell wurde er mit weiterhin schwachen Schießleistungen 22. und 42. Beim nächsten IBU-Cup nach einer fünfwöchigen Pause im März in Uwat schoss Nawrath im Sprint fehlerfrei und erreichte damit seinen zweiten Podestplatz in der Rennserie. In Chanty-Mansijsk belegte er die Plätze elf, acht und 16. Die Gesamtwertung des IBU-Cups beendete er auf Platz 18.

Erste WM-Teilnahmen (2018 bis 2020) In der Vorbereitung auf die Saison 2018/19 war Philipp Nawrath weiterhin Teil der Lehrgangsgruppe 1b. Bei den Deutschen Meisterschaften im September verpasste er die Qualifikation für den Weltcup. Er begann den Winter beim ersten IBU-Cup in Idre, wo er nach Platz elf im zweiten Sprint in der Verfolgung mit nur einem Schießfehler auf Platz eins vorlief und seinen ersten Sieg erreichte. Zwei Wochen später in Ridnaun belegte er nur die Plätze 52 und 29. In Obertilliach startete er nach Platz 24 im Einzel zu den weiteren Rennen nicht mehr. Im Januar 2019 durfte Nawrath nach einem 19. und einem 14. Platz beim IBU-Cup in Duszniki-Zdrój zu den Rennen in Ruhpolding nach einem Jahr wieder im Weltcup starten. Er erreichte dort einen 30. und in Antholz einen 29. und einen 41. Platz. Im Februar war er in Canmore erstmals Teil der deutschen Staffel, die Platz vier belegte. In Soldier Hollow erreichte er im Sprint als Zwölfter sein bis dahin bestes Saisonergebnis. Obwohl er nur die halbe Norm des DSV erreicht hatte, wurde Nawrath im März 2019 für seine ersten Weltmeisterschaften in Östersund nominiert. Er erhielt dort einen Einsatz im Sprint, wo er Platz zwölf erreichte. In der anschließenden Verfolgung fiel er auf Platz 21 zurück. Danach startete er nur noch beim abschließenden Massenstart, in dem er 15. wurde. Beim direkt anschließenden Weltcupfinale in Oslo stellte er im Massenstart als Neunter seine Karrierebestleistung ein. In der Gesamtwertung belegte er mit zwölf von 25 gelaufenen Rennen Platz 33.

Zur Saison 2019/20 wurde Philipp Nawrath vom DSV erstmals in die Lehrgangsgruppe 1a, d. h. die A-Nationalmannschaft, aufgenommen. Bei den Deutschen Meisterschaften im September gewann er Silber mit der bayerischen Staffel. Aufgrund schwächerer Leistungen in den Einzelrennen verpasste er allerdings die Qualifikation für den Weltcup. Er startete stattdessen beim IBU-Cup-Auftakt in Sjusjøen, wo er in der Verfolgung von Platz vier auf Platz eins vorlief und den zweiten Sieg seiner Karriere feierte. Im weiteren Verlauf des Dezembers erreichte er noch einen dritten und einen vierten Platz im IBU-Cup. Anfang Januar 2020 gewann Nawrath beim IBU-Cup in Osrblie mit Laufbestzeit den Sprint. Er erhielt daraufhin einen Startplatz für den Weltcup in der Folgewoche in Ruhpolding, wo er im Sprint als Siebter eine neue Bestleistung aufstellte. Beim Einzel auf der Pokljuka übertraf er dieses Ergebnis als Vierter noch einmal. Im Februar 2020 nahm Nawrath an seinen zweiten Weltmeisterschaften in Antholz teil. Er erhielt nur im Einzel einen Einsatz und belegte dort mit fünf Schießfehlern Platz 45. Im März konnte er krankheitsbedingt keine Rennen mehr bestreiten; zudem wurde die Saison aufgrund der beginnenden COVID-19-Pandemie vorzeitig abgebrochen.

Erfolg im IBU-Cup und Staffelsieg im Weltcup (2020/21) Zu Beginn der Vorbereitung im Mai 2020 wurde bei Philipp Nawrath ein Leistenbruch diagnostiziert. Infolge der Operation konnte er mehrere Wochen nur eingeschränkt trainieren. Nach dem Wiedereinstieg wurde im August ein weiterer Leistenbruch auf der anderen Seite diagnostiziert, der eine zweite Operation erforderte. In der Folge verpasste Nawrath die Deutschen Meisterschaften, wodurch er vom DSV in B-Mannschaft zurückgestuft wurde. Er verpasste somit auch die Möglichkeit, sich für den Auftakt der Weltcupsaison zu qualifizieren.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie begann die IBU-Cup-Saison 2020/21 erst im Januar mit einer Doppelveranstaltung am Arber. In der ersten Woche erreichte Nawrath im Sprint Platz zwei und führte zudem die deutsche Staffel als Schlussläufer zum Sieg. In der zweiten Woche gelangen ihm zwei weitere Podestplätze. Bei den Europameisterschaften in Duszniki-Zdrój konnte er aufgrund schwächerer Laufleistungen in den Einzelrennen an diese Ergebnisse nicht anknüpfen; mit der Mixed-Staffel gewann er als Schlussläufer Silber. Bei einer weiteren Doppelveranstaltung des IBU-Cups im Februar 2021 in Osrblie gewann Nawrath in der ersten Woche in der Verfolgung sein erstes Saisonrennen. In der zweiten Woche erzielte er in allen drei Rennen die Laufbestzeit und gewann den Sprint; zudem siegte er erneut als Schlussläufer der deutschen Staffel.

Anfang März erhielt Nawrath in Nové Město seinen ersten Weltcupeinsatz der Saison. Aufgrund seiner Leistungen in den IBU-Cup-Staffeln lief er dort auch als Schlussläufer der Staffel. Er übernahm von Erik Lesser, Benedikt Doll und Arnd Peiffer mit fast zwei Minuten Vorsprung, konnte diese halten und erreichte seinen ersten Weltcupsieg. In den Einzelrennen wurde er 52. und 28. In der Folgewoche startete er beim IBU-Cup-Finale in Obertilliach, da er in der Gesamtwertung aussichtsreich platziert war. Nach einem achten Platz im Einzel und einem Sieg im ersten Sprint übernahm er auch die Führung, verlor aber nach einem 17. Platz mit drei Schießfehlern im zweiten Sprint mit sechs Punkten Rückstand gegen Filip Fjeld Andersen. Beim Weltcupfinale in Östersund wurde er 42. und 26.

Erste Olympiateilnahme (2021/22) Vor Beginn des Winters 2021/22 war Philipp Nawrath aufgrund eines Entscheids der Trainer für den Auftakt der Weltcupsaison in Östersund vorqualifiziert. Er erreichte dort im zweiten Rennen als Sechster im Sprint die Olympia-Norm des DOSB; sein zweitbestes Ergebnis war ein 24. Platz. Beim Weltcup in Hochfilzen erreichte er im Sprint als Achter eine weiter Top-Ten-Platzierung, fiel in der Verfolgung aber mit sieben Schießfehlern auf Platz 47 zurück. Als Schlussläufer der deutschen Staffel verpasste er an beiden Orten als Vierter jeweils das Podest. In Le Grand-Bornand belegte er in allen drei Rennen Plätze zwischen zehn und 20.

Beim ersten Weltcup im Januar 2022 in Oberhof lief Nawrath nach Platz 51 mit fünf Schießfehlern in der Verfolgung auf Platz 25 vor. Auch in Ruhpolding gelang ihm von Platz 41 auf Platz 15 eine ähnliche Steigerung; zudem erreichte er mit der Staffel als Zweiter erstmals in der Saison das Podest. Den Weltcup in Antholz ließ er aus, um sich auf die Olympiavorbereitung zu konzentrieren.