180px|rechts|Logo der Rock Island Die Chicago, Rock Island and Pacific Railroad (RI) war eine US-amerikanische Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Chicago. Sie war auch unter den Namen Rock Island Line oder schlicht Rock Island sowie in ihren letzten Jahren außerdem als THE ROCK bekannt. Als Bahngesellschaft war sie von 1852 bis 1980 auf einem im 20. Jahrhundert über 12.000km langen Streckennetz im Mittleren Westen und den westlichen Südstaaten tätig.

Streckennetz mini|Streckennetz

Das Netz der Rock Island erstreckte sich hauptsächlich über die Bundesstaaten Colorado, Illinois, Iowa, Kansas, Missouri, Nebraska, New Mexico, Oklahoma und Texas. Die beiden östlichsten Punkte des Streckennetzes waren Chicago und Memphis (Tennessee). Im Westen reichte das Streckennetz bis nach Denver und Santa Rosa (New Mexico), im Süden bis nach Galveston in Texas und Eunice in Louisiana und im Norden bis nach Minneapolis.

Die wichtigsten Strecken führten von Chicago über Des Moines und Omaha nach Denver, von Minneapolis über Des Moines nach Kansas City (Missouri), von St. Louis über Kansas City, Herington und Tucumcari nach Santa Rosa, von Herington über Dallas-Fort Worth nach Galveston sowie von Tucumcari nach Memphis (Tennessee). Das Streckennetz war in Iowa am dichtesten und erreichte dort auch die meisten Städte eines Staates.

1914 hatte das Netz eine Streckenlänge von 13406km (8328 Meilen), 1955 von 12748km (7921 Meilen) und 1978 von 11305km (7025 Meilen). Die weitaus meisten Streckenabschnitte waren eingleisig; zweigleisig waren die Verbindung von Chicago quer durch Illinois über Rock Island und Davenport bis West Liberty, ein Teilstück in Des Moines und der Streckenabschnitt Topeka–Herington.

Geschichte Gründung, Ausdehnung über Iowa links|mini|Bond der Chicago, Rock Island and Pacific Rail Road Company vom 15. August 1881 mini|Spätere Variante des Logos der Rock Island mini|EMD E6 #630 der ehemaligen Rock Island in Baldwin City (Kansas), 28. November 2004. 1845 formierte sich in Rock Island am Mississippi River eine von James Grant geführte Gruppe, die für die Errichtung einer Bahnstrecke zwischen Rock Island und LaSalle am westlichen Ende des Illinois-and-Michigan-Kanals eintrat. Bahnstrecke und Kanal sollten gemeinsam eine Verbindung zwischen Rock Island und Chicago herstellen. Am 27. Februar 1847 gründeten Mitglieder dieser Gruppe die Rock Island & La Salle Rail Road, die jedoch Schwierigkeiten hatte, Investoren für ihr Vorhaben zu finden. Auf Bestreben des Bauingenieurs und späteren Rock-Island-Präsidenten Henry Farnam wurden die Pläne zugunsten einer durchgehenden Bahnverbindung adaptiert und die Gesellschaft im April 1851 in Chicago & Rock Island Railroad umbenannt. Baubeginn war am 1. Oktober 1851. Der erste Zug fuhr am 10. Oktober 1852 von Chicago bis Joliet. Seine Dampflokomotive der American-Bauart trug den Namen Rocket, der später Inspiration für die Benennung von Fernzügen war. Der reguläre Betrieb wurde am 18. Oktober 1852 aufgenommen und der Bau Richtung Westen fortgesetzt. Rock Island wurde am 22. Februar 1854 erreicht und eine Zweigstrecke von Bureau nach Peoria wurde im November 1854 fertiggestellt.

Westlich des Mississippis hatte die Mississippi and Missouri Railroad bald nach ihrer Gründung im Jahr 1853 mit dem Bau einer Bahnstrecke von Davenport nach Council Bluffs begonnen. 1855 reichte sie bis Iowa City. Die Government Bridge zwischen Davenport und dem direkt auf anderen Flussseite gelegenen Rock Island wurde 1856 als erste Eisenbahnbrücke über den Mississippi eröffnet. Die chronisch unterfinanzierte Mississippi and Missouri Railroad wurde am 9. Juli 1866 an die neu gegründete Chicago, Rock Island and Pacific Railroad verkauft, die am 20. August mit der Chicago & Rock Island Railroad zusammengeschlossen wurde. 1866 erreichte der Streckenbau Des Moines und am 11. Mai 1869 schließlich Council Bluffs und Omaha, den Ausgangspunkt der am Vortag fertiggestellten First Transcontinental Railroad. Die Rock Island war allerdings nicht die erste Bahnverbindung, die Council Bluffs von Osten erschloss. Die Cedar Rapids and Missouri River Railroad, ein Tochterunternehmen der Chicago and North Western Railway, hatte ihre Strecke bereits 1867 fertiggestellt.

In den 1870er- und 1880er-Jahren erweiterte die Rock Island ihr Streckennetz in Iowa und nach Missouri. So errichtete das Unternehmen eigene Strecken nach Leavenworth und Cameron, Ausgangspunkt einer Strecke nach Kansas City. Mit dem Erwerb der Burlington, Cedar Rapids and Northern Railway (BCR&N), die allerdings bis 1903 als eigene Gesellschaft weitergeführt wurde, wuchs das Streckennetz um mehrere Verbindungen in Iowa sowie Routen nach Minneapolis und Watertown. Im Rahmen von Umstrukturierungen wurde der Firmenname am 3. Juni 1880 in Chicago, Rock Island and Pacific Railway geändert.

Erweiterung nach Westen Die in Omaha beginnende Hauptstrecke der Union Pacific Railroad (UP) war eine der wichtigsten Anschlussverbindungen der Rock Island. Nachdem die Rock Island um diese Transporte zwischen Chicago und Omaha jedoch mit anderen Gesellschaften konkurriert hatte und die UP in den frühen 1880er-Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, entschied sie sich zur Erweiterung ihres eigenen Netzes Richtung Westen. Über Tochterfirmen unter dem Dach der Rock-Island-Gesellschaft St. Joseph & Iowa Railroad wurden zwei Strecken durch Kansas projektiert. Die nach Südwesten führende Route erreichte 1888 Liberal, die entlang der Nordgrenze des Bundesstaats nach Westen getriebene Verbindung reichte 1889 bis Colorado Springs und Limon (und weiter nach Denver mittels Nutzungsrechten auf einer Strecke der UP). Von der Strecke nach Liberal wurde in Herington ein Abzweig nach Fort Worth gebaut, der 1893 eröffnet wurde.

1901 erlangte das so genannte Reid-Moore-Syndikat durch den Erwerb der Aktienmehrheit die Kontrolle über die Rock Island. Dieser Firmenverbund der Unternehmer Daniel G. Reid, William Henry Moore und William B. Leeds hatte eine marktbeherrschende Stellung in verschiedenen Bereichen, etwa der Weißblech-Produktion, und besaß landesweit tätige Unternehmen wie Nabisco. Die Rock Island übernahm unter der Regie der Reid-Moore-Gruppe andere Bahngesellschaften. So wurden 1902 die Choctaw, Oklahoma and Gulf Railroad mit einer Hauptstrecke von Memphis westwärts durch Arkansas und Oklahoma gekauft und 1903 die BCR&N vollständig in die Rock Island integriert. Neue Strecken wurden von Liberal über Tucumcari nach Santa Rosa (1902), Forth Worth nach Dallas (1903 durch die Tochtergesellschaft Chicago, Rock Island and Gulf Railway), Kansas City nach St. Louis (1904) sowie Little Rock südwärts bis Eunice (1905–1908) errichtet.

1906 erwarb die Rock Island die Hälfte der Anteile an der Trinity and Brazos Valley Railway (T&BV), die von 1903 bis 1907 schrittweise eine Bahnstrecke von Cleburne südlich von Forth Worth nach Houston errichtete. Von Forth Worth bis Cleburne sowie Houston nach Galveston erhielt die T&BV Nutzungsrechte auf Strecken der Gulf, Colorado and Santa Fe Railway. Die übrigen Anteile an der T&BV hielt die Colorado and Southern Railway, die ihrerseits durch die Chicago, Burlington and Quincy Railroad kontrolliert wurde. Im Jahr 1930 wurde die T&BV in die neue Gesellschaft Burlington-Rock Island Railroad überführt, aus deren Bezeichnung die Eigentumsverhältnisse direkt ersichtlich waren.

1911 gründete die Rock Island die Tochtergesellschaft St. Paul and Kansas City Short Line Railroad, die im August desselben Jahres die Bahnstrecke der St. Paul and Des Moines Railroad zwischen Des Moines und Clear Lake erwarb. Sie errichtete anschließend bis 1913 eine neue Strecke von Carlisle nach Allerton. Zusammen mit bestehenden Rock-Island-Strecken bildeten diesen neuen Abschnitte eine direkte Route zwischen Minneapolis und Kansas City. Das Streckennetz der Rock Island und ihrer Tochterfirmen hatte damit eine Länge von rund 12.000 km erreicht.

Zugleich erwarb die Rock Island auf Initiative des zum Reid-Moore-Syndikat beigetretenen Benjamin F. Yoakum Anteile an Betreibern benachbarter Strecken, unter anderem der St. Louis–San Francisco Railway (Frisco). Dazu ging die Rock Island allerdings hohe finanzielle Verpflichtungen ein. Das Geschäftsjahr 1914 schloss das Unternehmen aufgrund der hohen Zinsbelastung mit Verlusten ab. Am 20. April 1915 musste Insolvenz angemeldet werden, woraufhin der Betrieb bis 21. Juni 1917 unter Insolvenzverwaltung fortgeführt wurde. Anschließend stand der Bahnbetrieb kriegsbedingt bis 1920 unter der Direktion der United States Railroad Administration.

Große Depression, Reorganisation In den 1920er-Jahren war die Rock Island wieder selbständig tätig. Anstelle des Reid-Moore-Syndikats gewann die Frisco unter ihrem Vorsitzenden Edward N. Brown durch Aktienkäufe Einfluss. Brown wurde Aufsichtsratsvorsitzender der Rock Island und erwirkte hohe Dividenden, die 1927 5 % und 1929 7 % erreichten. Zugleich lag die Zinsbelastung der Rock Island 1929 aber bei nahezu 14 Millionen Dollar (: Millionen Dollar). Die im selben Jahr beginnende Große Depression traf die Rock Island daher hart und zwang die Gesellschaft, am 7. Juni 1933 erneut Insolvenz anzumelden. Die Missernten der Dust Bowl infolge von Dürren und massiver, durch die zu Beginn des 20. Jahrhunderts regionsübliche landwirtschaftliche Praxis verursachter Erosion verschlimmerten die wirtschaftliche Lage der Rock Island in den 1930er-Jahren noch weiter.

Unter Führung von Edward M. Durham und John D. Farrington begann 1936 eine Neuorganisation der Rock Island. Dabei wurden unter anderem zahlreiche alte Fahrzeuge und Anlagen als Schrott verkauft, um die Erneuerung von Gleisen zu finanzieren, sowie erste Diesellokomotiven beschafft. Als Rockets bezeichnete Dieseltriebzüge wurden auf schnellen Fernverbindungen eingesetzt. Neben der grundlegenden Instandsetzung der Infrastruktur wurde vor allem auf der Route zwischen Chicago und New Mexico auch die Streckenführung optimiert, um Steigungen abzuflachen oder Kurven zu erweitern. Aufwendige Reparaturen, Umbauten und Modernisierungen an Fahrzeugen wurden in einem neuen Ausbesserungswerk in Silvis konzentriert. Silvis war auch Standort eines großen Rangierbahnhofs und zentrale Sammelstelle für ausgemusterte Fahrzeuge; Mitte der 1930er-Jahre monatlich etwa 200 Güterwagen und 15 Lokomotiven.

1941 verbuchte die Rock Island wieder Gewinne, doch wurde das Insolvenzverfahren erst zum 15. Dezember 1947 abgeschlossen. Ab dem folgenden Tag (nach anderen Quellen: Ab 1. Januar 1948) firmierte die Gesellschaft wieder als Chicago, Rock Island and Pacific Railroad. Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg war das Verkehrsaufkommen auf den Rock-Island-Strecken ab Mitte Dezember 1941 deutlich angestiegen. Im Güterverkehr war 1944 etwa das 1,5-fache des Vorkriegsvolumens zu befördern; im Personenverkehr gar um 530% mehr als 1939.

Von den späten 1940er- bis Mitte der 1960er-Jahre erwirtschaftete die Rock Island durchwegs Gewinne. 1952 wurde mit 214 Millionen US-Dollar (: Millionen US-Dollar) die höchste Umsatzmarke und im folgenden Jahr mit 25,9 Millionen US-Dollar (: Millionen US-Dollar) der höchste Gewinn erreicht. Die Gesellschaft war allerdings sowohl der Konkurrenz anderer Verkehrsträger als auch anderer, wirtschaftlich stärkerer Bahngesellschaften ausgesetzt. Rückläufige Einnahmen wurden ab Ende der 1950er-Jahre durch den Aufschub von Investitionen kompensiert. 1964 wurden bei einem Umsatz von 204,6 Millionen US-Dollar (: Millionen US-Dollar) nur noch 3,8 Millionen US-Dollar (: Millionen US-Dollar) Gewinn erzielt. Ab 1965 mussten Verluste verbucht werden.

Seit Ende der 1940er-Jahre hatte der Unternehmer Henry Crown schrittweise Aktien der Rock Island erworben und war in den 1950er-Jahren zum größten Anteilseigner geworden.

Fusionsversuch mit der Union Pacific Railroad mini|Rock-Island-Piggyback-Güterzug im Jahr 1967